Black and White 2 – Retro-Review zur Göttersimulation

Die Geburt eines Gottes. Herbeigerufen von einem einzelnen Gebet. Geboren aus der Verzweiflung. Ein Gott zu sein, die Mächte des Guten und Bösen zu kontrollieren. Das ist dein Schicksal. Im kleinen Intro-Video fliegt ein Feuerball durch das Universum und es ertönt eine Frauenstimme. Sie fleht um Hilfe und schreit, dass Sie einen Gott braucht. Jedoch erfährt man nicht gleich zu Anfang, wo diese Frau ist, wozu sie einen Gott braucht und wie wir ihr helfen sollen. Dies bleibt uns im jetzigen Moment erstmal verborgen. Ankunft auf der Insel…

Wähle weise... die ausgewählte Kreatur begleitet dich das ganze Spiel über! Wir entscheiden uns für die Kuh.

Wähle weise… die ausgewählte Kreatur begleitet dich das ganze Spiel über! Wir entscheiden uns für die Kuh.

 

Oh mein Gott, sind die süß!

Die hysterisch, dramatische Musik wandelt sich in ein gemütliches, beruhigendes Glockenspiel und wir kommen auf einer Insel, mit einem riesigen Berg, an. Zugleich erscheinen unsere zwei Gewissen, welche uns das ganze Spiel über begleiten, uns mit zahlreichen Informationen und lustigem Gerede zur Seite stehen. Sie wollen uns helfen, zu dem Gott zu werden, welcher wir sein wollen. Sie erzählen uns, dass wir erstmal die Grundlagen lernen müssen. Wir müssen verstehen, wie ein echter Gott mit dieser Welt verfährt, aber wichtiger ist: Wir brauchen erstmal eine Kreatur. Nach einer kleinen Kamerafahrt in ein kleines Tal sieht man auch die kleinen Biester. Süße kleine Fellknäuel, die nur darauf warten, ihrem neuen Gebieter treu zu dienen. Es macht keinen Unterschied, für welche Kreatur man sich entscheidet. Für jede muss man sich Zeit nehmen, sie füttern aber nicht überfüttern, mit ihr Spielen und sich um sie kümmern, als wäre sie das eigene Kind. Nach der Auswahl der Kreatur beginnt auch schon die Tutorial-Runde. Man lernt in kleinen und verständlichen Abschnitten, wie man sich zu bewegen hat und wie man sich umsehen kann. Dabei hilft die ausgewählte Kreatur und läuft jedes mal von der Kamera weg. Nach diesem Tutorial zieht uns die Kamera ans andere Ende der Insel, wo wir aus einem, mit einem roten Kreis gekennzeichneten Gebiet, Steine entfernen sollen. Auch hierbei wird uns erklärt wie man die Steine am besten weg befördert. Nachdem der Platz von uns freigeräumt wurde, geht es noch an ein weiteres – zugleich letztes – Tutorial. Hier müssen wir Jüngern eine Arbeit zuweisen. Dies können wir tun, indem wir einen Jünger in die Hand nehmen und neben dem Objekt absetzen – setzt man jetzt z. B. den Jünger neben einem Baum ab, nimmt er das als göttliches Zeichen und wird ab da nur noch Bäume fällen – sein Traumjob.

Hier bekommen wir nach erledigen der Aufgabe satte 5.000 Tribut! Jedoch ist das gerade nicht viel wie man später merken kann.

Hier bekommen wir nach erledigen der Aufgabe satte 5.000 Tribut! Jedoch ist das gerade nicht viel wie man später merken kann.

 

Was sind das für Goldene Zahlen neben meiner Hand?

Schon bei den Tutorials wundern wir uns über die Goldenen Zahlen, die neben unserer Hand aufsteigen. Unser Gewissen spricht jedes Mal von “Tribut”, erklärt dies aber nicht weiter. Im Grunde genommen ist dieser Tribut nichts anderes als ein Geldmittel. Sei es neue Häuser, Bauten, Wunder oder die Weiterbildung der Kreatur in bestimmten Aspekten: Alles braucht Tribut! Dabei merkt man schon recht früh im Spiel, dass es nie genug von diesem Tribut geben kann, also investieren wir noch ein wenig mehr Zeit in die erste Insel und absolvieren die “Silbernen Schriftrollen”. Diese geben uns meist eine Aufgabe vor, welche wir mit unserer göttlichen Macht erledigen sollen. Bei Vollendung der Aufgabe bekommen wir meist zwischen 1.000 und 15.000 Tribut. Die Höhe hängt meistens von der Schwierigkeit oder dem Aufwand der Aufgabe ab.

Tutorial - Steine aus dem Kreis werfen. Spaß wie beim Kricketspielen.

Tutorial – Steine aus dem Kreis werfen. Spaß wie beim Kricketspielen.

 

Das Karma schlägt zurück

Wir erledigen also die letzten paar Aufgaben im ersten Gebiet und merken schon sehr früh, dass wir vor einer Entscheidung stehen: Bin ich ein netter, helfender Gott oder bin ich ein Tyrann? Bei mehreren Aufgaben wird also verlangt, dass wir uns entscheiden, wie wir sie absolvieren. Zu Anfang ist da dieser kleine Einsiedler, dem ein riesengroßer Stein auf dem schönen Garten die Sicht versaut. Er bittet uns diesen Stein zu beseitigen. Wir haben natürlich die Möglichkeit, ihm für seine Ketzerei und seine egoistische Art um Hilfe zu bitten, den besagten Stein auf sein Haus zu schmettern. Wir können den Einsiedler auch einfach packen und seinen Körper durch die Insel schmeißen oder aber wir nehmen den Stein und schleudern ihn aufs Meer hinaus. Es macht keinen Unterschied, wie wir uns entscheiden, wir bekommen trotz allem den Tribut. Jedoch hat man dann gutes oder böses Karma verdient. Dieses ist sehr entscheidend für die Gestaltung des eigenen Reiches und den Ruf im späteren Spielverlauf. Die letzten silbernen Schriftrollen sind auch im Handumdrehen erledigt. Mit dem Klick auf die “Goldene Schriftrolle”, auf dem Berg, endet das Tutorial-Level und wir begeben uns in das nächste Land. Wir hören die Frauenstimme wieder. Es ist eine griechische Frau, welche uns anfleht, den Griechen zu helfen, weil die Azteken das Volk überrennen. Wir sammeln ein paar Jünger ein und schmeißen diese durch ein Portal auf dem Boden, doch letztendlich wird die Stadt von zwei Vulkanen verwüstet und uns bleibt nichts anderes übrig, als das Ende einer Zivilisation anzusehen und wie sie in den Flammen untergeht.

Das eigene Volk vor der kompletten Zerstörung retten.

Tutorial – Schnell noch das eigene Volk vor der kompletten Auslöschung retten. Diese Menschen begleiten uns in der nächsten Mission.

 

Aller Anfang ist schwer

Wir kommen auf einer ruhigen Insel an. Es sind schon einige Gebäude vorhanden – wir müssen also weniger bauen und planen. Im Grunde genommen ist diese zweite Insel ein weiteres Tutorial, welches tiefer in die Spielmechanik eingeht. Hier lernt man, was es heißt eine große Stadt aufzubauen, für Essen zu sorgen, sich um die eigenen Jünger zu kümmern und umliegende Dörfer einzunehmen. Des Weiteren wird hier beschrieben, wie man mit der Kreatur umgeht, wie man ihr etwas beibringt, sie dressiert und ihr Befehle gibt. Nach der kleinen Erklärung des Einflussbereiches – also dem Bereich, in dem wir mit unserer Götterhand etwas aufheben können – lernen wir, wie wir unser Volk ernähren können. Dank den schon vorhandenen Feldern können wir einfach das vorhandene Getreide einsammeln und ins Lagerhaus legen. Das selbe müssen wir dann auch noch beim Holz erledigen. Also pflücken wir ein paar Bäume und werfen sie aufs Lagerhaus, wo sie dann wie von Geisterhand in kleine Holzplatten umgewandelt werden. Wie, das war’s schon? Oh… zu früh gefreut. Da glitzert doch eine goldene Schriftrolle über unserem Stadtzentrum. Nach einem Klick auf die Rolle erscheinen unsere Gewissen und erklären uns, was es mit den Statuen und den anderen Symbolen auf dem Stadtzentrum auf sich hat. Dies ist ein äußerst wichtiger Teil der Stadt. Mit Hilfe von Säulen und einer Schriftrolle wird uns angezeigt, was unser Volk gerade am Meisten braucht. Zugleich verrät sie uns auch unser derzeitiges Karma und welche Gebäude unsere Jünger sich im Moment wünschen. An sich sehr überschaubar und wenn man etwas über die Stadt erfahren will, reicht ein kurzer Blick – TOP!

Tutorial - Hier fängt es an mit der Göttlichen Fürsorge - man muss lernen das eigene Volk zu ernähren.

Tutorial – Hier fängt es an mit der Göttlichen Fürsorge – man muss lernen das eigene Volk zu ernähren.

 

Sollen sie doch Häuser bauen und Straßen pflastern!

Nachdem wir ein wenig schlauer geworden sind, meint unser Gewissen, dass unsere Jünger einen Schlafplatz brauchen – besser gesagt ein Dach über dem Kopf. Langsam, aber sicher tun sie uns auch Leid, die kleinen Männchen und Frauchen die durch die Straßen irren, mit Abdrücken der Kieselsteine und Grashalme auf den Gesichtern vom ewigen Schlafen auf dem Feld. Also tun wir unser Möglichstes und platzieren das erste Fundament, für das kleine Dorfhaus. Zugleich kommt unser Gewissen und meint, wir sollen einen Baum auf dem Fundament ablegen – welcher dann auch zu Kleinholz verarbeitet wird – um den Bau des Gebäudes zu beschleunigen. An sich logisch, dann brauchen unsere Jünger nur bauen und müssen die Materialien nicht ewig vom Lagerhaus zum Bauplatz schleppen. Nach ein paar platzieren Fundamenten wird uns mitgeteilt, dass wir den Bau der Gebäude sogar noch viel mehr beschleunigen können. Die Zauberformel heißt “Gottes Werk”. Diese ermöglicht uns die Häuser selber fertig zu stellen – auch ohne Jünger. Wäre da nur nicht der kleine Haken, dass wir jedes mal Rohstoffe verlieren, wenn wir das machen.

Mit "Gottes Werk" können wir sehr schnell Häuser selbst errichten

Mit “Gottes Werk” können wir sehr schnell Häuser selbst errichten

 

Dornröschen erwacht

Die Vögel zwitschern und die Sonne geht auf – unsere Kreatur erwacht endlich aus ihrem Winterschlaf. Alles scheint neu für sie zu sein, und sie traut sich nicht aus ihrem Gehege heraus. Also müssen wir sie an die Leine nehmen und ihr befehlen, hinaus zu gehen. Nach dem kleinen Erfolg will sie auch schon etwas essen – kein Wunder nach so einem Schlaf. Also schicken wir sie ins nahe gelegene Feld und lassen sie erstmal Getreide verspeisen. Dafür reicht in diesem Teil nur ein Klick auf die Kreatur, wenn sie etwas was sie essen kann, in der Hand hält. War es noch im ersten Teil ein Dauerstreicheln und Hoffen dass die Kreatur die Nahrung in der Hand isst, wird es hier extrem vereinfacht. Genau dasselbe funktioniert mit dem Training. Wir legen also unserer Kreatur einen Stein oder einen gepflückten Baumstamm in die Hand und klicken einmal auf sie mit der Aktionstaste und schon macht sie Concentration Curls bis zum umfallen. Alles in allem ist die Kreatur extrem einfach zu befehligen, sich um sie zu Sorgen und sie vielleicht auch als Kampfmaschine zu gebrauchen.

 

Gut oder Böse?

Je nachdem wie man gesinnt ist, kann man das Spiel entweder als guter oder böser Gott spielen. So entscheidet ihr über eure Spieltaktik. Kurzerhand werden wir von unserem bösen Gewissen dazu aufgefordert eine Waffenkammer zu bauen. In dieser können wir Fußsoldaten erstellen mit welchen wir die anderen Dörfer oder auch Städte unterwerfen. Nach dem Erstellen einer kleinen Einheit – Maximalgröße bezieht sich hierbei immer auf unsere Einwohnerzahl der Stadt – wird uns auch gleich erklärt, was das für Flaggen sind, wie wir die Einheit befehligen und was dafür alles nötig ist. Gleich danach müssen wir mit dieser Einheit das kleine Dorf neben unserer Stadt einnehmen. Also schicken wir sie dahin und klicken auf das Zentrum des Dorfes, woraufhin sich unsere Einheit mit schnellem Marsch dorthin begibt und das Dorf für uns einnimmt. Erst jetzt erfahren wir, dass wir auch eine andere Möglichkeit haben und zwar die Dörfer durch den Eindruck unserer Stadt zu uns zu locken. Wenn unsere Stadt nämlich überzeugt – meistens durch den Bau von Gebäuden, welche einen hohen Eindruckswert besitzen – packen alle Einwohner des Dorfes die Sachen, in dem Fall auch all das Essen und Holz aus ihrem Lagerhaus und pilgern zu unserer Stadt mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Hier müssen wir uns entscheiden wie wir vorgehen, denn da liegt der größte Erwerb der Karmapunkte. Ab hier ist man ein voll ausgelernter Gott und bereit für den Streifzug gegen die Azteken und ihre Gehilfen.

Mit unserer Armee können wir feindliche Dörfer oder Städte einnehmen und diese für uns gewinnen - dies bedeutet aber dass wir böses Karma generieren. Hier sieht man den Angriff auf das Dorf neben unserer Stadt.

Mit unserer Armee können wir feindliche Dörfer oder Städte einnehmen und diese für uns gewinnen – dies bedeutet aber dass wir böses Karma generieren. Hier sieht man den Angriff auf das Dorf neben unserer Stadt.

 

Du sollst keinen Gott neben mir haben

Zwar ist der Singleplayer und damit auch die Geschichte gut gestaltet und schön verpackt, aber leider gibt es keine Szenarien oder gar einen Multiplayer. Im ersten Teil der Reihe gab es den noch und man konnte sich mit Freunden, mit bis zu 4 Spielern, auf einer Karte bekämpfen und Gott spielen was das Zeug hält. Leider enttäuscht der zweite Teil mit der nicht vorhandenen Multiplayer-Anbindung und sogar der fehlenden Skirmish Möglichkeit. So bleibt uns, leider Gottes, nur der Storypfad und wenn der erstmal durch ist, lohnt es nicht wirklich das Spiel weiter zu spielen. Ganz übles Eigentor von Lionhead! In puncto Grafik haben die Entwickler, im Vergleich zum ersten Teil der Reihe, einen immens großen Schritt gewagt. Die Vegetation und die Darstellung des Fells der Kreaturen war ein Augenmerk schlechthin. Es schien an nichts zu mangeln – jedoch bekamen es zu der Zeit des Releases nur die High-End Rechner in voller Qualität zum laufen. Besitzer weniger gut ausgestatteter Computer mussten mit Framerate-Einbußen rechnen. Neben der Vegetations- und Felldarstellung, waren noch folgende grafische Faktoren, welche das Spiel verfeinerten. Weit rausgezoomt hatte man die komplette Insel im Blick. Die Wasserdarstellung / -simulation war wirklich schön anzusehen, die Schatten fielen weich und machten Konturen bemerkbar. Nah rangezoomt – also so dass man in den Gräsern herumkauert – waren hier und da kleine Animationen von Käfern, welche sich bewegten und irgendwas zu machen schienen. Was Lionhead da an Grafik und Gameplay erschaffen hat, ist ein reines Meisterwerk. Schließt mal die Augen, stellt euch vor ihr seid mitten auf einer Wiese, keine Autos, kein Lärm, nur Vogelgezwitscher, begleitet von einem ruhigem Glockenspiel. So ist es in Black & White 2. Die Musik ist passend für das jeweilige Land gewählt. Spielt ihr gegen die Japaner, kommt typische japanische Hintergrundmusik. Das geht sogar soweit, dass wenn ihr euch in das Feindliche Gebiet begebt und euch dort mit euren göttlichen Augen umseht, die Hintergrundklänge sich dem jeweiligen Volk anpassen. Neben der Musik haben die Synchronsprecher wirklich gute Arbeit geleistet. Es ist einfach alles stimmig.

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Kühe sind etwas schräge Götter.

 

 

Fazit:

“Black & White 2” ist ein gebührender Nachfolger des im 2001 erschienenen ersten Teil. Die Grafik ist zum Zeitpunkt des Releases hervorragend gewesen und überzeugt immer noch. Ganz zu schweigen von der musikalischen Untermalung, welche harmonisch klingt und wirklich schön anzuhören ist. Die Synchronsprecher sind wirklich gut gewählt. Alles in allem ist das Spiel wirklich gut gestaltet und sehr Benutzerfreundlich. Jedoch finde ich, dass die Benutzerfreundlichkeit hier einige, sehr interessante, Spielmechaniken aus dem ersten Teil herauskatapultiert. Der Kreatur musste man die Wunder wortwörtlich beibringen. Im ersten Teil sollte man seine Kreatur an der Leine halten und ihr zigtausend mal ein Wunder vorführen. Dagegen genügt im zweiten Teil ein Blick in das Tributmenü und ein weiterer Klick auf “Kaufen”, wenn man genug Tribut gesammelt hat. Hier wurden leider grundlegende Mechaniken / Features vom ersten Teil der Reihe komplett vereinfacht. Dies ist je nach Geschmack entweder ein Gewinn oder Verlust. Nichtsdestotrotz ist und bleibt das Spiel ein sehr netter Begleiter durch freie Abendstunden, welches grafisch sowie soundtechnisch komplett überzeugt. Also ich persönlich lasse mich gerne in die schönen Landschaften entführen und vergesse oftmals die Zeit. Wer es noch nicht ausprobiert hat, dem würde ich ans Herz legen, sich auch mal an der Göttersimulation zu versuchen – ihr werdet begeistert sein!

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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