Bayonetta 2 – Review zum abgedrehten Actionspaß

Bayonetta 2 geht auf einer neuen Plattform alte Wege. Die gleichnamige Hexe stürzt sich wieder in bunte Welten mit abstrusen Monstern. Fünf Jahre nach dem ersten Teil erschien der Actiontitel ausschließlich für die Wii U und löst somit die Xbox 360 und Playstation 3 als bisherige Hosts ab. Platinum Games entwickelte nicht nur Bayonetta 1 und 2, sondern unter anderem auch Titel wie ‘Metal Gear Rising’, ‘The Wonderful 101’, oder ‘Vanquish’. Alles außergewöhnliche Titel mit innovativen Verrücktheiten und hohem Anspruch – vielleicht auch gerade deshalb mit eher mäßigen Verkaufserfolg. Als neuer Hoffnungsträger im Actiongenre schickt Nintendo das Spiel jetzt ins Rennen. Ob Ihr eure Dosis Action lieber woanders holen solltet, oder ob sich für Bayonetta sogar die Neuanschaffung einer Wii-U lohnen könnte, erfahrt Ihr in unserer Review.

 

Trivia:

‘Bayonetta’ leitet sich vermutlich von der Waffe ‘Bajonette’ ab. Dies ist eine ‘am Lauf einer Schusswaffe befestigte Stichwaffe’. Bestechend scharf; genau wie unsere Protagonistin!

 

Witch ist back

Bayonetta, die wir steuern, ist ein echter Hingucker. Und was fällt eingefleischten Bayonetta-Fans sofort auf? Die Dame war wohl in unserer Abwesenheit beim Frisör! Eine neue Kurzhaarfrisur sollte es sein, doch sonst hat sich nicht viel verändert; immer noch ein kühles, hinreißendes Lächeln auf den Lippen. Bayonetta ist eine Umbra-Hexe, sie gilt zusammen mit Ihrem Gegenstück, dem Lumen-Weisen, als Wächter des Gleichgewichtes zwischen den Mächten der Dunkelheit und des Lichtes. So gehört es zu Ihrer Hauptaufgabe, sich im Kampf gegen Engel zu beweisen. Genau hier beginnt auch die Story. Als Bayonetta gerade ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt, fällt plötzlich eine göttliche Vorhut vom Himmel. Doch nicht etwa das Christkind persönlich, sondern bis unter beide Arme bewaffnete Engel. Nachdem diese erfolgreich aus dem Weg geräumt wurden, läuft etwas jedoch gewaltig schief; ein von Bayonetta im Kampf herbeibeschworener Dämon entführt eure Gefährtin Jeanne in die Unterwelt. Somit steht das Ziel des Spieles fest: rette deine Freundin! Die Handlung des zweiten Teiles knüpft direkt an die Geschichte des ersten Teils an. Diesmal ist die Story allerdings nachvollziehbarer erzählt. Es gibt weniger wirre Wendungen, für den ein oder anderen Überraschungsmoment ist dennoch gesorgt. Die Geschichte hinter dem Spiel ist zwar kein innovatives Meisterwerk, aber macht genau das, was sie mit einem Action-Titel machen soll: sie verleiht dem ganzen eine persönliche Würze und gibt uns stets Motivation, das Gamepad zu schwingen. Auch wenn die Cutscenes mal etwas lang ausfallen, wird trotzdem eine fesselnde Spannung erzeugt. Bayonetta selbst ist eine der Hauptattraktionen des Spieles. Sie ist zielstrebig, kraftvoll, attraktiv und auch etwas kalt. Mit diesem charismatischen Charakterdesign reißt sie wahrscheinlich nicht nur mich in ihren Bann. Die Story des Spiels lässt sich in weniger als neun Stunden beenden. Das ist etwas enttäuschend, denn kaum ist man richtig in Bayonettas Welt angekommen, muss man auch schon wieder gehen. In solch einem Fall empfiehlt es sich für Bayonetta-Neulinge direkt die Edition des Titels zu kaufen, in der der erste Teil der Serie mit enthalten ist und diesen natürlich auch zuerst zu spielen. Dies lohnt sich logischerweise auch, um der Handlung besser folgen zu können. Zusammenfassend: Mit einer guten Story und einer spannenden Protagonistin macht doch jedes Gameplay gleich doppelt so viel Spaß!

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Die Protagonistin Bayonetta.

 

Action, Chaos, Erfolg

Eigentlich kann man mit diesen drei Worten das komplette Spiel ziemlich treffend beschreiben, doch jetzt geht’s erstmal um das Herzstück: Das Gameplay. Die Steuerung ist anfängerfreundlich und man braucht nur eine kurze Eingewöhnungszeit. Die drei Buttons, die man größtenteils braucht, um seine Gegner zu zerhächseln, sind schnell verinnerlicht. Das Kampfsystem von Bayonetta ist nahezu perfekt. Das Hauptaugenmerk wurde auf das leichte Kombinieren verschiedener Waffen und Attacken gelegt und das gelingt auch einwandfrei. Fließend gehen Bayonettas Bewegungen ineinander über. Das einfache Kombinieren macht Spaß und garantiert euch Treffer; denn hat man die richtige Taste erwischt, führt die toughe Hexe alle aneinander gereihten Angriffe aus. Genau das gibt mir als Spieler Erfolgserlebnisse, die nicht zuletzt von der federleichten Stärke ausgeht, mit der die Protagonisten zielstrebig ihre Gegner zermalmt. Beim Kombinieren werden keine Grenzen gesetzt, der Kreativität wird freien Lauf gelassen. Das einzigartige Feature, Waffen an Bayonettas Fußknöchel zu befestigen, unterstreicht den völlig individualisierbaren Kampstil. Doch in jedem neuen Level bieten die neuen Gegner auch neue Herausforderungen. Braucht man doch mal etwas mehr Zeit, um sich in der knalligen Welt zu orientieren, hilft einem die Hexenzeit. Diese verlangsamt das Spielgeschehen und erlaubt uns so, in Levels, in denen dich Kreaturen aller Art aus jeder Himmelsrichtung angreifen, auch mal nicht nur von diesen zu kassieren, sondern auch ordentlich Schläge zu verteilen. Platinum-Games-Veteranen werden wissen, was ich meine, wenn ich sage, dass selbst auf ‘Normal’ das Spiel nicht an Herausforderungen mangelt. Die Gegner sind schon auf ‘Leicht’ fordernd und reagieren dynamisch. Das macht das Kämpfen lebhaft und abwechslungsreich. Belohnt wird man mit sogenannten ‘Halos’, mit denen könnt ihr euch dann mal eine neue Waffe leisten oder eurer Heldin ein neues pikantes Outfit spendieren. Das Gameplay von Bayonetta fühlt sich sehr rund und durchdacht an, die Adrenalinleiste ist stets gefüllt und langweilig wird einem selbst beim zweiten mal spielen dank des herausragendem Kampfsystem nicht.

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Action an allen Ecken.

 

Surreales Bildschrimgewitter

Wie schon im ersten Teil der Serie weiß man nie wirklich wo man zuerst hingucken soll. Der Bildschirm ist ausgefüllt mit wilden Kreaturen, verrückten Animationen und quietschbunten Farben. Die Absurdität kennt kein Limit. Am Anfang tragen all diese Faktoren zu einer gewissen reizüberflutung bei, doch hat man sich erstmal an das Setting gewöhnt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Hintergründe sind abgefahren und so findet man sich schon mal auf der Tragfläche eines Düsenjets wieder. Überall passiert etwas, immer ist was los. Die Bosse, vorallem die Endbosse sind riesengroß, imposant und exzentrisch desingt. In dem völlig überfüllten Farbwahnsinn fällt es auch oft auf Grunde der sehr gewöhnungsbedürftigen Kameraführung schwer, Blickkontakt mit Bayonetta zu halten. Oft fragt man sich: ‘Wo bin ich eigentlich gerade?’. Der häufige Perspektivenwechsel, gerade mitten im Gefecht ist anstrengend und findet von mir keinen Zuspruch. Dass die Kamera häufig auch nah an Stellen vorbeischwenkt, die viele als unangebracht empfinden würden, gehört wohl zum Japano-Charme. Generell ist die Atmosphäre schwer in Worte zu fassen, sie ist atemberaubend und elektrisierend.  Die Grafik siedelt sich wohl irgendwo zwischen Current – und Nextgen an. Unterschiede zum Vorgänger sieht man auf den ersten Blick kaum. Dennoch hebt sie sich durch die Masse an Patrikeln und Animationen hervor.  Doch gerade bei einem Titel wie Bayonetta geht es wohl nicht um gestochen scharfe, realistische Darstellung, sondern viel mehr um die Besonderheit des Stils und dem korrekten vermitteln der Gesamtstimmung. Dazu passt auch der Soundtrack. Japanisch, poppig, kitschig – gemischt mit Kampfgeräuschen. Das Voiceacting ist sehr gut gelungen, Bayonettas britischer Akzent ist unverkennbar.

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Der Boss alleine füllt schon den halben Bildschirm aus, da wird es oft kniffelig, alles im Auge zu behalten.

 

Tag Climax

Im Multiplayer-Modus von Bayonetta 2 tritt man gegen einen Freund oder einen fremden Mitspieler in einer Arena an. Das besondere ist, dass man hier seine im Spiel gewonnen Halo’s verwetten kann. Hier gilt; je höher der Schwierigkeitsgrad, je höher der Einsatz.

 

 

Fazit:

 

Action, Action, Action! Bayonetta 2 gehört in seinem Genre zu den Spitzenreitern – Konsolenübergreifend. Das ganze Spiel ist grandios inszeniert: Atemberaubende Atmosphäre, faszinierende Level und Gegner und eine herausragende Protagonistin. Das Gameplay ist ausgereift und in sich geschlossen. Für alle, die schon länger mit dem Gedanken spielen, sich eine Wii U anzuschaffen: Mit Bayonetta 2 wird’s jetzt höchste Zeit. Sowohl für Neulinge, als auch für Fans der Serie ist dieser Titel wärmstens zu empfehlen. Die Hexe Bayonetta hat mit Ihrem Handkuss nicht nur schon das ein oder andere Tor zum nächsten Level geöffnet, sondern auch die Tür in mein Gamer-Herz!

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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