Battlefield: Hardline – Review zum Zapfenstreich der Cops

Man nehme ein wenig Payday 2, mischt es zusammen mit der Schnelligkeit und den Kartengrößen aus Call of Duty und setzt auf die gewohnte Technik der Battlefield-Reihe. Fertig ist Visceral Games mit dem neusten Ableger Battlefield: Hardline. Nun, die Tatsache, dass direkt nach der Ankündigung eine offene Beta für alle PlayStation Plus Mitglieder stattfand und die Kritik dafür sorgte, das Spiel um ein halbes Jahr zu verschieben, macht es uns nicht einfacher, Spaß mit Hardline aufzubauen. Doch ist das Spiel unter Realbedingungen wirklich so schlecht? Wir haben es uns nun mehrere Tage/Wochen genauer angeschaut und sagen: Es macht Spaß!

 

Die Singleplayer-Kampagne im Test

Bevor wir mit dem eigentlichen Kern von Hardline starten dürfen, benötigt der Multiplayer eine Installation von knapp 20-30 Minuten. Immerhin kann man in dieser Zeit schon mal die ersten Missionen, oder auch Episoden genannt, anspielen. Wir spielen den jungen Polizist Nicolas Mendoza und arbeiten in einem Drogendezernat von Miami. Die Drogenbanden haben die Stadt komplett im Griff und es herrscht ein harter Krieg zwischen allen Beteiligten. Sogar im Dezernat steckt jemand als Drahtzieher mit drin. Doch bevor wir auf der “guten Seite” stehen, sind wir als Häftling in einem Gefangenentransport irgendwo in der Wüsten Nevadas. Eine Szene, die mehr Fragen aufwirft, als uns als ahnungsloser Spieler in eine Story zu lenken. Ein Wärter spricht uns mit total textlosen Sätzen an und faselt irgendwas von harten Zeiten im Knast. Wie dem auch sei, das Spiel macht auch schon einen Sprung knapp drei Jahre zurück in die Vergangenheit. Dort stehen wir mit unserem Kollegen vor einer Wohnung. Schnell lässt uns das Spiel an die Reihe und wir dürfen eine Razzia beginnen. Vier Täter sitzen am Tisch und schauen gemütlich zu, wie wir das Zimmer stürmen. Sogar die Handschellen lassen sie sich einfach anbringen. Während wir mit dem Festnehmen beschäftigt sind, kommt eine fünfte Person aus dem Badezimmer und versucht uns zu überfallen. Dies gelingt auch beinahe, denn nachdem wir alle vier Täter erschossen haben, nehmen wir eine rasante Verfolgung auf die unbekannte Person auf. Nach ein paar Metern sitzen wir auch schon in unserem Polizeiwagen und rasen dem Täter hinterher. Mensch, so viel Abwechslung ist man bei einer Battlefield-Kampange gar nicht gewohnt. Letztendlich endet auch die Verfolgung mit einem Crash, sodass wir den Täter festnehmen können. Als Strafe für die gescheiterte Mission dürfen wir ab sofort an Seite der leicht reizbaren Polizistin Khai stehen und zusammen mit ihr die nächsten Drogenbosse überwältigen.

 

Battlefield Hardline Review

Kurz nach dem Prolog gibt es eine neue Rollenverteilung

 

Doch das eigentliche Ziel ist es, herauszufinden, wer der eigentliche Spion im Dezernat ist. Dies gelingt uns im Verlaufe der Geschichte sogar, sodass wir die nötigen Beweise für eine Festnahme besitzen. Doch dann kommt alles anders und wir sitzen wieder auf der Bank des Gefangenentransportes. Nachdem erneut drei Jahre vergangen sind, können wir aus dem Gefängnis entkommen und endlich Rache mit einem Verbündeten nehmen. Wem das jetzt schon zu komplex wird, der kann sich schon auf die diversen Namen der Drogenbosse und dessen Komplizen freuen. Denn bei so vielen verschiedenen Namen kommt man schnell durcheinander. Aber ist es denn notwendig, alle Namen zu kennen? Im Grund nicht, denn man kann auch einfach Boss Eins, Zwei, Drei… usw. sagen. Die Bedeutung fällt genauso ins Wasser, wie auch die eigentliche Spannung der Geschichte… – wir meinen natürlich der Cop-Serie. Denn eigentlich möchte Battlefield: Hardline eine Cop-Serie wie CSI: Miami werden. Aus diesem Grund sind die einzelnen Abschnitte auch als Episoden getauft. Besonders die Verbindung der Charaktere soll so besser aufgebaut werden. Soll, denn so richtig kommt die Geschichte nicht in Fahrt. Dies liegt zum einen einfach daran, dass man sich durch verschiedenste Level schießen muss. Zum anderen müssen wir natürlich auch die Drogendealer verhaften und uns dabei immer strikt an die Anweisungen der DEA halten. Wären da nicht die ganzen persönlichen Hintergrundinformationen, welche man immer wieder von den Charakteren aufgreift. Am Ende ist es uns als Spieler doch völlig egal, ob unserer Nicolas eine schlimme Kindheit auf Kuba hatte oder wer mit wem … Es ist halt doch nicht so einfach die Beziehungen der Charaktere dem Spieler, näher zu bringen. Da hilft auch nicht, aus dem Namen “Mission” das Wort “Episode” zu machen.

 

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Einmal die Marke in die Hand und schon sind alle einsichtig… Ja ne is klar!

 

Immerhin haben wir die freie Auswahl, wie wir an die Missionen herangehen. So können wir uns durch die Feinde ballern oder ein guter Cop sein, indem wir einfach alle Gegner niederschlagen und sie danach verhaften. Das Letztere bietet uns am Ende jedes Levels auch mehr Punkte für unseren Level. Je besser unser Level wird, desto stärkere Waffen und Gadgets erhalten wir für unseren nächsten Einsatz. Auch das Sammeln von Beweisen stockt unser Punktekonto etwas auf und macht das Spiel etwas abwechslungsreicher. Aber auch nur “etwas”. Denn wenn wir schon den gesetzestreuen Weg gehen, dann müssen wir auch das bekannte “Hände hoch, Polizei!” an unsere Gegner weitergeben. Das ist zwar technisch möglich, sieht nur leider immer gleich aus. Grundsätzlich sind die Täter auch immer einsichtig und befolgen unsere Anweisungen. Egal wie schwer bewaffnet er auch ist. Wenn das nicht schon unlogisch genug ist, dann legen wir noch einen drauf. Denn wenn wir in einen Raum brüllen, hört das zwar der nachstehende Gegner, alle anderen rühren sich nicht ein Stück. Sehr merkwürdig. Gut zehn Stunden dürfen wir also einen Mix aus Verwirrung, unlogischem Handeln aller Beteiligten und Schießereien erleben. Generell sind die Level einfach auch zu linear. Selbst bei der Verfolgungsjagd muss strickt der vorgeschriebene Weg eingehalten werden. Solche schlauchartigen Level machen das ganze nicht wirklich abwechslungsreicher. Auch die sonst, gerade durch Battlefield bekannten, zerstörbaren Umgebungen gehen nur noch dann kaputt, wenn es das Spiel vorsieht. Immerhin können die Zwischensequenzen wenigstens ein wenig interessante Inhalte bieten. Jedem Battlefield-Fan raten wir von dem Singeplayer aber eher ab. Generell sollte sich Electronic Arts die Frage stellen, ob ein Singleplayer überhaupt noch notwendig ist. Wir meinen Nein!

 

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Immerhin gibt es nette Action-Sequenzen in der Story.

 

Der Multiplayer im Test

Nach mehreren Multiplayer-Matches und einiger Testzeit seit Release, haben wir auch den Multiplayer von Battlefield: Hardline ausführlich spielen können. Bereits auf den ersten Blick hat sich im direkten Vergleich mit Battlefield 4 doch einiges getan. Eines muss aber vorweg geklärt sein. Visceral Games mag sich vielleicht ein paar gute Ideen von PayDay 2 angeschaut haben, Hardline spielt sich aber immer noch im Prinzip her wie ein Battlefield. Passend zum Polizei-Setting gibt es im Multiplayer auch einige exklusive Spielmodi. In Überfall müssen die Gangster einen Tresor knacken und das Geld mit ihren Taschen zu stehlen. Das muss das andere Team, also die Cops, natürlich verhindern. Grundsätzlich macht Überfall eine Menge Spaß, wenn da nicht die Camper wären. Besonders der Tresor ist auf den Karten meist sehr gut verbarrikadiert, sodass man nur von einer Seite an das Geld kommt. Nur mit einem guten Team kann man das Spiel für sich gewinnen. In Blood Money stehlen auch die Cops Geld aus einer abgefangenen Geldlieferung. Diese Lieferung ist meist in der Mitte der Karte. Das Geld muss dann in den eigenen Tresor gebracht werden. Doch Vorsicht: Der eigene Tresor kann natürlich auch bestohlen werden. Gleiches gilt, wie schon bei Überfall. Nur mit einem sauberen Team kann man hier auch das Match gewinnen – campen steht an der Tagesordnung. Hotwire ist dagegen eine sehr spaßige Alternative um mal eben viele Punkte zu holen … oder auch keine Punkte zu bekommen. Denn hier gilt es als Gangster Autos zu stehlen und als Cop, diese zu beschlagnahmen. Um Punkte zu sammeln, muss das Auto immer in Bewegung bleiben. Für den Fahrer und dessen Beifahrer regnet es dann nur so Punkte. Alle anderen schauen getrost in die Röhre und können nur dabei zusehen, wie die Punkte verteilt werden. Nur mit einem Granatwerfer, einem Kampfhubschrauber oder ein wenig Glück im Zielen bringt hier den Erfolg. Schade, denn Hotwire ist mal etwas anders, als das stupide Flaggen/Geld stehlen und zur Base bringen. Rettung erinnert stark an Counter Strike. Hier müssen die Cops Geiseln befreien, die von den Gangstern festgehalten werden. Das Ganze muss in maximal drei Minuten über die Bühne gelaufen sein. Wer einmal gestorben ist, der wird in der aktuellen Runde nicht wieder in das Spiel zurückgesetzt. Counter Strike lässt grüßen. Die Karten sind allerdings nicht komplett spielbar, sondern wurden auf den Modus angepasst und stehen nur in einer kleineren Form zur Verfügung. Hier kann man seine Skills auspacken und einige Punkte sammeln. Ein sehr spaßiger Modus, der auch auf längere Sicht überzeugt. Fadenkreuz spielt sich ähnlich. Hier gibt es allerdings keine Geiseln, sondern einen Zeugen, der sicher an die Base der Gegner gebracht wird. Die Cops beschützen den Zeugen, die Gangster versuchen, diesen umzulegen. Auch hier gilt, wer stirbt, bleibt tot. Doch was wäre ein Battlefield ohne Eroberung und Team Deathmatch? Die Regeln sind klar und deutlich und haben sich auch in Hardline nicht geändert.

 

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Fahrzeuge gibt es auch in Hardline massig.

 

Grundsätzlich sind die Karten allesamt recht klein gehalten. Battlefield-Veteranen werden sich wahrscheinlich nur über die Staubwüste freuen. Denn irgendwo im Nirgendwo liegt eine kleine Wüstenstadt namens “Joad”. Dort leben einige Meth-Dealer, die man natürlich mal eben erledigen muss, damit nicht noch mehr Drogen in den Umlauf kommen. Aber auch hier wird schnell deutlich, dass man mit 64 Spielern einfach keinen großen Spaß haben wird. Generell gilt: Spielt lieber auf einem kleinen Server mit bis zu 32 Leuten. Dort ist das Gewusel nicht zu groß und vor allem macht es auch viel mehr Spaß ein wenig taktisch vorzugehen. Schließlich sind wir hier nicht bei Call of Duty. Die Interaktionen auf den Karten sind leider, ähnlich wie im Singleplayer, nur dann vorhanden, wenn das Spiel es auch möchte. Aber auch nur ein Bruchteil der neun Orte haben überhaupt dynamische Interaktionen. Das ist sehr schade, denn genau dieses Feature hat man in den letzten Teilen noch so hoch angepriesen. Großartige Bugs oder Fehltritte am Release gab es bei Hardline nicht, dafür ist die Balance noch nicht ganz richtig. So haben Vorbesteller und Deluxe-Edition-Besitzer die Nase bei den Waffen immer vorne. Denn die exklusiven Waffen sind einfach um Längen stärker, als die im normalen Spiel. Sowas nennt man Pay-to-Win! Zwar kann man, wie bei den Vorgängern auch, weitere Waffen freispielen, die dann auch etwas stärker sind, gegen die ACWR etwa hat man aber keine Chance. Auch Schrotflinten haben nicht mehr die Stärken von früher. Hier muss noch etwas Feintuning ran. Vielleicht mögen einige Schüsse auch wegen dem Lagausgleich daneben gegangen sein. Dieses System sorgt dafür, dass auch die Spieler mit hohem Ping flüssig dargestellt werden können. Das führt aber auch dazu, dass ein Gegner vielleicht gar nicht mehr da ist, wo er gerade zu sehen ist. Fazit: Unsere Schüsse treffen nicht, stattdessen gehen wir zu Boden.

Diese Maps sind zum Launch verfügbar:

  • Downtown
  • Banküberfall
  • Der Block
  • Staubwüste
  • Hollywood Heights
  • Drogenlabor
  • Entgleisung
  • Brandung
  • Everglades

 

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Nicht jeder Schuss kann treffen.

 

Noch ein wenig technischer Kram

Die Technik hat sich im Vergleich zu Battlefield 4 nicht groß verändert. Die Sonnenstrahlen und Belichtungen sehen erneut grandios aus, die Waffen wurden wieder mit vielen Details versehen und die Animationen der Charaktere und Personen sind mal wieder sehr nah am echten Menschen dran. Auch der Sound kann, besonders mit einem 5.1 Surround-System, vollkommen überzeugen. So gehört es sich doch. Letztendlich fehlt aber der Sprung nach oben. Denn alles, was man bereits in Battlefield 4 gesehen hat, bekommt man hier erneut vorgesetzt. Das ist in der heutigen schnelllebigen Welt nicht mehr akzeptabel. Hardline sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht besser als sein Vorgänger. Genau das erzeugt das enttäuschende Gefühl. Hinzukommt, dass die Multiplayerkarten alle nicht wirklich bombastisch, sondern eher langweilig und gleich aussehen. Vielleicht gibt es einen technischen Sprung aber auch erst dann, wenn die Last-Gen-Konsolen nicht mehr mit unterstützt werden.

 

Fazit:

Wer hätte nach Battlefield 4 noch an einen reibungslosen Launch bei Hardline gedacht. Nach der wirklich vergeigten Betaphase direkt nach der Vorstellung waren schließlich alle Lichter rot. Doch Visceral Games hat sich die Kritik zu Herzen genommen und das Bestmögliche draus gemacht. Ein kleines Battlefield mit Cops und Gangstern, wie man es aus PayDay 2 oder Counter Strike gewohnt ist. Die Story ist dank der Zwischensequenzen zwar wirklich nett gemacht, spielerisch bleibt es aber genauso schlecht, wie schon im vierten Teil. Der Multiplayer bringt einige neue coole Spielmodi mit, die Karten sind aber allesamt zu klein und unspektakulär. Aktuell kann man wohl auch nur mit den DLC-Waffen ordentlich Punkte kassieren. Hier muss Visceral noch mal ran. Im Gesamten braucht sich Hardline gar nicht zu verstecken. Denn im Kern heißt es nicht nur Battlefield, sondern es ist auch eins.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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