Attack on Titan 2 – Test zur erneuten Titanenjagd

Eigentlich dürfte die Anime-Serie Attack on Titan vielen Spielern geläufig sein. Um Schutz vor den menschenfressenden, haushohen Titanen zu suchen, verschanzt sich die Menschheit hinter drei riesigen Mauern, die die gefräßigen Biester abhalten soll. Bereits der erste Teil der Spieleadaption, Attack on Titan: Wings of Freedom, konnte uns überzeugen und einen Gold-Award abstauben. Doch kann der zweite Teil an den Erfolg des ersten anknüpfen? Werden sich deutliche Unterschiede zeigen? Falls euch diese Fragen auf den Nägeln brennen, kommt ihr nicht drum herum, den folgenden Test zu lesen.

 

Das Geheimnis der Titanen

Zunächst könnte man denken, dass die Geschichte inhaltlich an die Geschehnisse vom ersten Teil anknüpft und die Story der zweiten Staffel aufgreift. Doch da habt ihr euch getäuscht: Vielmehr beginnt die Geschichte wieder einmal vom Anfang der ersten Staffel. Zwar wird die Geschichte der ersten Staffel knapper zusammengefasst als noch in Attack on Titan: Wings of Freedom, doch trotzdem dürften euch viele Szenen, bekannt vorkommen. Denn teilweise werden sogar die gleichen Spielszenen wie im ersten Teil gezeigt und recycelt. Sogar Dialoge scheinen 1:1 übernommen worden zu sein, wobei man sich fragt, wieso die Geschichte nicht direkt bei der zweiten Staffel beginnt und abermals von vorne starten muss. So ist der Einstieg allerdings gerade für Spieler leichter, die den ersten Teil Wings of Freedom nicht gespielt haben. Und auch Spielern, die bereits den ersten Teil von Attack on Titan gespielt haben, dürften einige Neuerungen auffallen. Denn ihr erlebt die Geschichte des Spiels nun aus einer neuen Perspektive: eurer eigenen. Direkt zu Beginn des Spiels könnt ihr euch euren eigenen Charakter designen, der vom Aussehen her gut ins Attack on Titan Universum passt. Aus dessen Sicht nehmt ihr dann am Spielgeschehen teil und erlebt die Zwischensequenzen, die mit den originalen Synchronsprechern vertont sind, teilweise aus der Ego-Perspektive, um dem erneuten Durchspielen der Inhalte der ersten Staffel neuen Pepp zu verleihen. Schade ist allerdings, dass der selbst gestaltete Charakter in den Zwischensequenzen keine tragende Rolle einnimmt, sondern vielmehr ein stummer Beobachter ist. Dafür kann euer Charakter direkten Einfluss auf die aus dem Anime bekannten Charaktere der 104. Trainingseinheit nehmen, indem ihr Dialoge mit diesen führt.

Erlebt die Geschichte aus eurer eigenen Sicht.

 

Pflegt eure Freundschaften

Zwischen den harten Kämpfen mit den Titanen könnt ihr euch innerhalb der Mauern frei bewegen. Zwar wirkt die Stadt zunächst sehr klein und komprimiert, aber mit der Zeit lassen sich immer neue Abschnitte freischalten und besuchen. Die Stadt wirkt sehr belebt durch die vielen Figuren, die in ihr umherstreifen und die beispielsweise Trainingsübungen durchführen oder sich einfach nur mit anderen unterhalten. Innerhalb der Mauern findet ihr natürlich auch alles, was ein ambitionierter Titanen-Jäger benötigt und ihr werdet in Läden mit Waffen, Ausrüstung und vielem mehr versorgt. Schade ist allerdings, dass ihr innerhalb von Gebäuden den Kamerawinkel nicht wirklich ändern könnt und sich somit oft ungünstige Perspektiven ergeben. Besonders hervorgehoben sind die Kollegen von der 104. Trainingseinheit. Denn haben diese ein Symbol über ihren Kopf, könnt ihr einen Dialog führen, der euch drei unterschiedliche Antwortmöglichkeiten gibt. Entscheidet ihr euch für die richtige, füllt sich ein Balken auf, mit dem euer Kollege im Freundschaftslevel steigen kann und euch so neue Fähigkeiten zur Verfügung stellt, mit denen ihr euch ausrüsten könnt. Wollt ihr eine neue Fähigkeit ausrüsten, müsst ihr allerdings beachten, dass diese Punkte kosten und ihr die Gesamtanzahl der euch zur Verfügung stehenden Punkte nicht überschreiten dürft. Bestreitet ihr mit den Charakteren Missionen, könnt ihr zusätzlich das Freundschaftslevel erhöhen.

In den Städten tummeln sich viele NPCs.

 

Das kommt mir aber bekannt vor…

Der Kampf gegen die Titanen hat sich im Vergleich zum Vorgänger kaum geändert. Mit eurer 3D-Manöverausrüstung fliegt ihr durch die Luft und müsst die Titanen mit euren Klingen im Nacken treffen, damit sich diese auflösen. Eure Ausrüstung besteht dabei aus drei Bestandteilen, die ihr im Laden auch verbessern könnt. Eure Klingen werden mit der Zeit stumpf und müssen ausgetauscht werden, während die angebrachten Gasflaschen mit der Zeit leer gehen und ebenfalls ausgetauscht werden müssen. So müsst ihr im Kampf immer im Auge behalten, wie oft ihr noch euren Gastank und eure Klingen wechseln könnt. Geht euer Vorrat mitten im Kampf zur Neige, müsst ihr zu einer nahe gelegenen Basis aufbrechen, um dort euren Vorrat aufzustocken. Gut gerüstet könnt ihr euch wieder geschmeidig durch die Lüfte bewegen, allerdings müsst ihr darauf achten, dass eure Haken nur an Häuserwänden und Titanen haften können. Ansonsten sieht euer Jäger ganz schön alt aus und ihr müsst euch anderweitig über das Schlachtfeld bewegen. Während der Flug mit der 3D-Manöverausrüstung leicht fällt, ist der Angriff dafür etwas schwerer. Es erfordert ein exaktes Timing, mit dem ihr den entsprechenden Knopf drücken müsst, um einen Angriff korrekt auszuführen. Des Weiteren könnt ihr den Titanen nur aus dem richtigen Winkel angreifen, da ansonsten der Körper des Titanen eure Flugbahn blockiert und der Angriff somit ins Leere geht. Dies wird mit der Zeit besonders nervig, da man oft nicht steuern kann, wohin der Angriff gehen soll. Was ihr lediglich steuern könnt, ist die Körperpartie, die ihr angreifen wollt. Der Titan kann nämlich neben dem Nacken auch an den Armen und Beinen verwundet werden, um so in seiner Beweglichkeit eingeschränkt zu sein. Doch da die Angriffe sich nicht immer als einfach gestalten und sehr zeitintensiv sind, empfiehlt es sich meist, einfach den Nacken zu treffen, außer, ihr wollt die Items abstauben, die ihr beim Abtrennen der Gliedmaßen bekommen könnt. Zwar ändern sich die Titanen in ihrer Gestalt, aber das Vorgehen ist immer das gleiche. Es gibt zudem stärkere Titanen, bei denen ihr erst grün leuchtende Körperstellen attackieren müsst, damit dieser verwundbar wird, aber auch hier fliegt ihr die ganze Zeit um den Gegner herum und versucht, die Körperstellen aus dem richtigen Winkel zu treffen. Mit der Zeit kann das sehr dröge und ermüdend werden. Doch nicht nur die Titanen, auch die Karten, auf denen gekämpft wird, dürften euch bekannt vorkommen. Denn viele der spielbaren Karten wurden einfach aus Wings of Freedom übernommen, was bei Kennern des ersten Teils für Unmut sorgen könnte.

Die 3D-Manöverausrüstung bewegt euch durch das Spiel.

 

Und abseits der Titanen?

Neben der Hauptstory könnt ihr auch Nebenmissionen absolvieren, die allerdings genauso gestaltet sind wie die Hauptmissionen. Ihr müsst Titanen besiegen. Wollt ihr Freunden aus der Klemme helfen, müsst ihr Titanen besiegen. Wollt ihr Personen eskortieren oder Gebäude verteidigen, müsst ihr Titanen besiegen. Wie ihr seht, dreht sich alles darum, den riesigen Monstern Einhalt zu gebieten. Auch die langen Kampfmissionen, bei denen ihr mehrere Missionen nacheinander absolvieren müsst, bringen da keine Abwechslung ins Spiel. Die Nebenquests dienen euch als Aufklärungsmissionen, mit denen ihr Teile der Karte freischalten könnt, wo euch abermals neue Quests erwarten. Neu ist, dass ihr euch als guter Soldat Flügel der Freiheit verdienen könnt. Ihr könnt faule Soldaten ermahnen oder euch durch Quests Flügel der Freiheit hinzuverdienen, mit denen ihr eure Türme verbessern könnt, die ihr auf dem Schlachtfeld aufbauen könnt. Denn neben den Versorgungsbasen könnt ihr auch Türme erbauen, die selbstständig auf die Titanen schießen oder Materialien für euch sammeln. Doch nimmt man mal den Blick von den Titanen und schaut auch auf das, was abseits der Kämpfe passiert, erfolgt Ernüchterung. Denn Attack on Titan zeigt sich technisch nicht gerade von seiner besten Seite. Zwar hat sich die Optik im Vergleich zum Vorgänger gebessert, aber gerade die Switch-Version hat das Nachsehen. Schatteneffekte oder detaillierte Häuserfronten sucht man hier vergebens. Doch was in allen spielbaren Versionen vorhanden ist, sind schlechte Special-Effects wie unrealistischer Rauch, plötzlich verschwindende Gebäude, wenn mal ein Titan dort reinkracht, Einbrüche in der Bildrate, aufploppende Texturen und vieles mehr. Die technischen Patzer wirken sich zwar nicht direkt auf das Spielgeschehen aus, schmälern dieses aber ein wenig.

 

Positiv:

Eigener gestaltbarer Charakter, aus dessen Sicht die Geschichte erneut erzählt wird
Lebendig wirkende Stadt, in der viele wichtige NPCS umherstreifen
Freundschaftssystem mit den Kollegen aus der 104. Trainingseinheit
Lange Spielzeit mit einer Vielzahl an Missionen
Vollständig synchronisierte Zwischensequenzen mit den original japanischen Synchronsprechern
Verbesserte Grafik im Vergleich zum Vorgänger

Negativ:

Viele technische Macken wie Framedrops und aufploppende Texturen
Missionen variieren von den Aufgaben her kaum
Viele recycelte Sequenzen und Karten aus dem ersten Teil
Geschichte wird abermals vom Beginn der ersten Staffel an erzählt
Steuerung bei Angriffen oft frickelig, da richtiges Timing und passender Winkel benötigt werden
Titanen wechseln zwar in der Optik, aber nicht in der Taktik, mit der sie bezwungen werden müssen
  • A.O.T. 2
    “Attack on Titan 2 wirkt wie ein recycelter Nachfolger des ersten Teils. Teilweise wurden sogar ganze Szenen und Dialoge übernommen, auch auf dem Schlachtfeld sucht man vergebens nach neuen optischen Anreizen, die man schon im Vorgänger vermisst hat. Hier hätten sich die Entwickler viel mehr auf den Inhalt der zweiten Staffel konzentrieren müssen und tolle gelungene Neuerungen wie das Freundschaftssystem ausbauen müssen. Zudem hätte man sich dann viel mehr auf die technischen Pannen konzentrieren können, die sich durchweg in allen spielbaren Versionen zeigen. Doch Fans der Serie können trotzdem beruhigt zu diesem Spiel greifen, denn die Geschichte wird kurz und prägnant erzählt und wird aus der Sicht unseres individuell gestaltbaren Charakters gezeigt. Und wer Spaß am Jagen von Titanen hat, der wird hier vollends auf seine Kosten kommen. Allerdings darf man keine Abwechslungen innerhalb der Missionen erwarten, denn auch wenn die Aufgaben zu wechseln scheinen, so geht es immer nur um das Töten der riesigen Kolosse.”

    Jasmin Paskuda, Redakteurin

Ab hinter die schützenden Mauern?

Fans der Anime- und Mangareihe können hier beherzt zugreifen, vor allem diejenigen, die Wings of Freedom nicht gespielt haben. Alle anderen müssen mit recycelten Inhalten leben.

Jasmin Paskuda
Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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