Arcania: The Complete Tale – Review zum inoffiziellen Gothic Nachfolger auf PS4

Der neue Titel wird nicht mehr von den ursprünglichen Gothic Entwicklern Pirania Bytes entwickelt. Denn diese haben sich ja bekanntlich mit Publisher Jowood zerstritten und programmierten das Rollenspiel Risen. Die Gothic Reihe hat nun das Studio Spellbound mit dem Titel Arcania weitergeführt. Dieses erschien bereits anno 2010 für PC, Playstation 3 und Xbox 360. Doch nun erscheint eine überarbeitete Fassung samt DLC für die Playstation 4 und Xbox One. Ob diese Portierung gelungen ist, erfahrt ihr in unserer Review:

 

Ein Schafshirte auf der Suche nach Rache

In Arcania spielen wir ganz Gothic einen namenlosen Helden. Zu Beginn starten wir auf eine kleine friedliche Insel. Auf der die Welt noch in vollkommener Ordnung ist. Wir spielen einen stattlichen Schafshüter, der liiert mit der Tochter des Dorfältesten ist. Wie es mit der jungen Liebe so ist, wollen beide den Bund der Ehe eingehen. Jedoch ist der Vater der jungen Hold nicht mit der Heirat einverstanden. Um ihn umzustimmen, müssen wir einige Aufgaben erfüllen, um ihn von unserem Können als Ehemann zu überzeugen. So müssen wir Hirsche jagen, um ihn zu beweisen, dass wir unsere zukünftige Familie ernähren können oder Diego, unseren Freund und Lehrmeister, aus dem Dorf vertreiben. Diese Aufgaben dienen als eine Art Tutorial, welche die Steuerung und Kampfsystem des Spiels erklärt. Als letzte Aufgabe müssen wir zu einer Hexerin gehen, die uns den Umgang mit Magie lehrt. Nachdem wir von der Reise zur Magierin zurückkehren, finden wir das Dorf vollkommen zerstört wieder, auch unsere Frau und der Rest des Dorfes sind ebenfalls gestorben. Kein geringer als der kriegerische König Rhobar III hat die Landschaft erobert. Mit dem Sinn auf Rache begibt sich unser Held nach Argaan, de Haupinsel der Spielewelt. Die Story, der Gothic Reihe war, noch nie ihre allergrößte Stärke und auch Arcania ist da keine Ausnahme. Denn die zunächst glaubwürdige Rachestory verliert sich im Laufe der Spieldauer und wird nach und nach zur großen Schnitzeljagd, welche später im abstrakten Dämonen- und Götterkonflikt mutiert. Nett ist, dass man im Laufe der rund 30-stündigen Kampagne auf einige Gothic Charaktere wie Diego, Lester oder Milten trifft. So gibt sich die Story auf demselben durchschnittlichen Niveau wie die älteren Gothic Teile. Diese punkteten hingegen mit einem gelungenen Quest System. Hier jedoch fällt Arcania in jeder Disziplin gründlich durch. Denn hier gibt es nur die typischen Missionen, die man aus jedem anderen Rollenspiel kennt. Seien es Sammelmissionen, wo ihr “Anzahl x von Objekt y” sammeln müsst, schaltet eine bestimmte Gegnerart aus oder “sammelt Objekt y”. Diese Arten oder Kombinationen aus diesen kommen hauptsächlich im Spiel vor. Zusätzlich kommen zu dem nervigen Missionsdesign noch lange Laufwege in den Missionen vor, was auch nicht gerade den Spielspaß und Fluss gut tut. Die Gegenden, in denen wir herumlaufen sind, sehr abwechslungsreich gestaltet. Demnach durchkämmen wir tiefe Dschungel, finstere Wälder oder tiefe Höhlengebiete. Diese wirken auf den ersten Blick relativ groß und offen. Sind es aber bei genauerem Hinschauen recht linear aufgebaut. Dabei gibt es meistens nur einen Hauptpfad, der die Gebiete miteinander verbindet. Schaden tut das Spiel nicht unbedingt, da der Erkundungstrieb gleich null ist und es kaum spezielle Orte zum Entdecken gibt.

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Hübsche Weitsicht, aber matschige Texturen

 

Gute Ansätze, aber nicht konsequent durchdacht

Ein Rollenspiel lebt neben der Story vor allem von seinem Kampf- und Levelsystem. Und auch hier befindet sich Arcania nur im Mittelmaß. In den Kämpfen teilen wir mit flotten Schlagkombos mächtige Hiebe aus, beschießen entfernte Gegner mit Bogen oder Armbrust oder brutzeln Monster mit EIS, Feuer oder Blitz Zaubersprüchen nieder. Gegnerische Attacken blocken wir mit einem Schild oder weichen die Hiebe mit gekonnten Rollen aus. Jedoch wirkt das Blocken mit dem Schild durch die Steuerung recht kompliziert. Da man mit derselben Taste durch gedrückt halten den Schild hebt und durch eine Richtungstaste eine Rolle ausführt. Durch diese Handhabung weicht man intuitiv vermehrt mit der Rolle aus, als das man mit dem Schild Angriffe blockt. So avancieren die Kämpfe zu einem Spiel aus Angriff und Verteidigung, welches dynamisch von der Hand geht. Taktischen Tiefgang lässt das Kampfsystem jedoch vermissen, da es nur eine Schlagvariante gibt. Dadurch verkommen die Kämpfe zu stumpfen Buttonmashing.

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In Gesprächen mit Personen erhalten wir neue Quests

 

Ein Schlag mit der Keule

Die Unterschiede der Waffenarten sind nur marginal, im Kampf ist recht, egal ob man mit dem Schwert, Axt oder Keule spielt. So spielt das Gewicht der Waffen für die Handhabung beispielsweise keinerlei Rolle. Auch braucht ein Schlag mit einer Keule genauso lange, wie ein Schwerthieb. Mit dem Besiegen von Gegnern und anderen Monstern oder das Erfüllen von Quests erhält man Erfahrungspunkte. Wenn man dann genug Punkte erhalten hat, steigt man im Level auf und erhält drei Skillpunkte. Diese Punkte kann man in fünf Charakterwerte und drei Zauberslots investieren. Sehr gut ist das sich jeder wert spürbar auswirkt, steckt man diesen in beispielsweise in Ausdauer kann man einen weiteren Schlag in seiner Kombo machen oder erhält durch Vitalität mehr Leben etc. Arcania beinhaltet zudem auch ein Crafting System, welches unserem Helden erlaubt neue Tränke und Waffen herzustellen. Jedoch benötigt man dafür keinerlei Voraussetzungen, man muss nur die Rezepte bzw. zutaten im Spiel finden. Hat man diese gefunden, kann man zu jederzeit und an jedem Ort (Auch im Kampf) die Objekte herstellen.

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Mit jedem Level können wir drei Punkte in die Fertigkeiten investieren.

 

Man merkt das Spiel sein Alter an 

Von der Technik her merkt man es deutlich, dass das Spiel schon Ende 2010 für den PC erschien und nun für die Playstation 4 und Xbox One überarbeitet wurde. Demnach läuft das Spiel in 1080p und mit konstanten 60fps. Dass es sich bei Arcania um eine PC-Portierung handelt, macht sich auch im Menü bemerkbar. Denn so wirkt das Spielmenü als sei es eher für die Steuerung mit Maus und Tastatur eher geeignet als für den Controller. Zudem punktet das Spiel mit einer hervorragenden Weitsicht und abwechslungsreichen Gebieten. Jedoch sieht ein Großteil der Texturen matschig aus, was für ein fünf Jahre altes Spiel in Ordnung ist. Auch die Animationen wirken alles andere als flüssig und wirken sich negativ auf die Atmosphäre aus. Die Synchronisation kann sich auch sehen lassen. Besonders beim Helden denn die Stimme passt hervorragend zum Helden und passt sich immer der Situation an. Lediglich bei einigen Nebencharakteren stören eher die dämlichen Texte, die sie sagen als deren Sprache oder Stimme. Denn wenn eine Person nah jedem Satz immer ah, eh oder uh sagt, will man am liebsten den Dialog sofort abbrechen.

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Zahlreiche Gegner warten darauf bekämpft zu werden

 

Fazit:

Für rund 30 Euro bekommt man ein recht solides Rollenspiel geboten. Da Arcania mit dem Hauptspiel noch den DLC beinhaltet kann man etliche Stunden im Spiel verbringen. Zwar sollte man jetzt kein neues Gothic erwarten, das Arcania sich etliche Mängel erlaubt. So lässt die Handlung, das stumpfe Kampfsystem oder das Charakter System jegliche Tiefe vermissen. Zudem wirkt das Releasedatum auch recht unglücklich gewählt, da man zur selben Zeit mit etwas mehr Geld auch The Wtcher 3 bekommen kann. Demnach kann ich Arcania nur absoluten Rollespiel- und Gothic Fans, die über die Mangel hinwegsehen können empfehlen. Alle anderen können ihre Zeit getrost in The Witcher 3 stecken.

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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