Anno 2205 – Test zum neumodischen Stromausfall

Angefangen hat alles 1404 (ja, der erste Teil war 1602) und nun sind wir im Jahre 2205 angelangt. Damals noch auf CD-ROM und heute als 12,5 GB großer Uplay Download. Anstatt Holzhütten bauen wir nun Raumhäfen und anstatt unser Gebiet zu erweitern besiedeln wir einen anderen Planeten. Was sich sonst noch so verändert hat erfahrt ihr in unserem Test.

 

Das Mond-Lizensierungsprogramm

Nach dem erfolgreichen Download des Spieles über Uplay konnten wir es direkt starten und siehe da ein filmreifer Trailer begrüßt uns. Ein Buggy fährt auf der Mondoberfläche entlang. Alles sieht nach einer einsamen Raummission aus. Doch dann bleibt der Buggy an einer Anhöhe stehen und die Kamera schwenkt über diese. Es ist eine riesige hell erleuchtete Stadt zu sehen. Auf dem Mond! Das ist doch schon mal vielversprechend. Wenn wir ein neues Spiel starten, erstellen wir uns erst mal eine eigene Firma, mit Name und Logo. Also ganz offiziell. Danach dürfen wir uns einen Start-Sektor aussuchen und die gute Sam Beaumont hilft uns, unser Mondlizenzierungsprogramm abzuschließen. Denn das Ziel ist es die Energieprobleme auf der Erde zu lösen, indem wir den Mond ausbeuten, wie wir es mit unserem doch so geliebten Heimatplaneten getan haben. Richtig gehört, es gibt eine kleine Mini-Story in Anno. Diese ist wohl dafür gedacht das Endlosspiel etwas aufzulockern, darüber hinaus gibt es kleinere Nebenmissionen. Diese handeln oft von einer gegnerischen Fraktion, die Orbital Watch. Warum diese nun gegen uns handeln, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unklar. Wirklich anspruchsvoll bzw. abwechslungsreich sind diese Einsätze auch nicht. Mit einer kleinen Kriegsflotte zerstören wir gegnerische Schiffe und Gebäude, befreien dabei entweder die eigenen Schiffe oder wichtige Knotenpunkte. Diese finden in den immer gleichen Gebieten statt und machen gefühlt wenig Sinn. Wenigstes sind sie zeitlich relativ beschränkt. Beginnt man aber ein Spiel kann man neuerdings nicht zwischen Kampagne und Endlosspiel wählen, man startet direkt. Es verschwimmt quasi ineinander. Das Tutorial beginnt dann auch gleich mit, man kann es zwar im Hauptmenü ausschalten, aber empfehlenswert ist es nur dann, wenn ihr neu anfangt. Neulinge sollten es unbedingt mitnehmen.

Der Beginn der Mondsiedlung steht kurz bevor. Nur 100.000 Credits werden benötigt.

 

Step by Step

Zu Beginn fahren wir mit einem Kommandoschiff an ein Ufer und platzieren dort unser Lagerhaus, errichten Wohnhäuser und sehen zu, dass die eingestellten Arbeiter glücklich sind. Dies geht zu Beginn noch recht leicht, die Bedürfnisse beschränken sich auf das Nötigste. Bleiben die Arbeiter zufrieden können wir die Unterkünfte upgraden und erhalten eine andere Arbeiterklasse mit anderen Bedürfnissen. Diese zu decken ist vom Prinzip her dasselbe, man baut ein bis zwei Gebäude bzw. Fabriken, achtet auf den Transport der Güter und schon sind alle zufrieden. Hier ist zu beachten, dass zu allen Gebäuden, die platziert werden, eine Straße geführt werden muss. Man kann nicht direkt einen Wohnkomplex errichten, obwohl das Spiel zulässt, durch das Halten der Maustaste mehrere Wohnhäuser auf einmal zu errichten. Hier könnten wir Häuser in einem 3×3-Raster aufstellen und eine Straße hinführen. Geht aber leider nicht, da wirklich jedes Haus angebunden sein muss. Schade eigentlich. Zusätzlich müssen wir die Energieversorgung aufrecht halten, hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. In der gemäßigten Zone können wir ein Gezeitenkraftwerk errichten oder Windräder aufstellen. Diese haben einen Effizienzgrad, der sich dann erhöht, wenn sich die Wirkungskreise der einzelnen Windräder nicht berühren. Gezeitenkraftwerke bringen generell mehr Energie, benötigen aber einen Küstenbauplatz und kosten mehr Ressourcen. Es ist auch zu beachten, dass Fabriken Wartungskosten mit sich bringen. Dies beeinflusst eure Credit-Bilanz enorm. Daher ist es ratsam, Fabriken zu erweitern. Dafür benötigt ihr aber freien Platz, entweder habt ihr gut geplant oder den niedrigsten Schwierigkeitsgrad ausgewählt, denn in dieser ist es möglich, Gebäude wieder zu versetzen. Um die nächste  Firmenstufe zu erreichen, müssen wir mehr Arbeiter haben, mehr Rohstoffe erstellen und finanzielles Wachstum generieren. Doch dies geht nicht nur durch das Startgebiet, anstatt hier zu expandieren (was wegen fehlender Rohstoffe nicht möglich ist) müssen wir eben ein neues Gebiet besetzen. Also zieht es uns aus einer milden Klimaregion in die Arktis. Was hier Veteranen direkt auffällt und vielleicht sogar aufstoßen mag, ist, dass die Gebiete nicht mehr zufällig generiert werden.  Dieser Nachteil hat entsprechend sogar einen Vorteil, die Regionen sehen schön gestaltet aus. Liebevoller, detaillierter und sinniger. Aber eben immer dasselbe. Neulinge oder Anhänger typischer Städtebauspiele freuen sich, so können sie versuchen das Beste aus der Region rauszuholen.  Sind wir bereits bei Änderungen zu den Vorgängen, fahren wir hier fort. Das Wirtschaftssystem hat sich ebenfalls verändert, dies hat aber eher einen Vorteil, da der Warenfluss schneller kontrolliert und aufgebaut werden kann. Es wirkt entschlackt und vereinfacht, was Spielern entgegenkommen wird, die etwas geringere Herausforderung wünschen. 

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Die gemäßigte Zone: Viel Wasser und saftiges Grün.

 

Macht Spaß – ist aber anders

Aber zurück in die Arktis, im Gegensatz zur gemäßigten Zone müssen wir unsere Region in einer anderen Art und Weise aufbauen. Wohnhäuser müssen in der Nähe von Fabriken platziert werden, um ausreichend Wärme für die Arbeiter zu bekommen. Diese frieren sonst und sind unzufrieden. Auch die Grundbedürfnisse sind andere, können aber auf dieselbe Weise befriedigt werden. In jedem Gebiet müssen wir einen Raumhafen errichten, mit dem wir waren zwischen den Regionen handeln bzw. direkt versenden können. Eine Handelsroute festzulegen könnte kaum simpler sein. Man klickt auf den entsprechenden Button, sucht die gewünschte Ressource aus, klickt den Spender an und dann die Zielregion, nur noch die Menge festlegen und bestätigen. Einfacher geht es kaum, das gefällt. Die übrigen Regionen werden von anderen Firmen besetzt und stehen uns nicht ohne Weiteres zur Verfügung. Allerdings gibt es die Möglichkeit diese Gebiete zu “übernehmen”. Hierfür müssen wir aber reicher sein.  Die Firmenstufe muss mindestens gleich hoch sein und unser Credit-Kontostand muss einen Bestimmten, der zu übernehmenden Firma entsprechenden, Wert haben. Dann gibt es ein paar Krisengebiete, die immer wieder von der Oribtal Watch angegriffen werden. Diese Aufgaben müsst ihr nicht zwingend erledigen, ist aber in jedem Falle ratsam, da ihr dort seltene Rohstoffe erhalten könnt. Zudem ist die Dauer recht begrenzt und der Schwierigkeitsgrad ebenfalls. Es sind eben immer dieselben Gebiete, mit denselben Gegnern und demselben Ablauf. Ihr habt eine kleine Flotte mit der Ihr die gegnerischen Schiffe bekämpft, dabei sammelt ihr Treibstoff und Sonderfähigkeiten ein. Mit Treibstoff repariert ihr beispielsweise eure Flotte und als Sonderfähigkeit könnt ihr zusätzliche Schiffe platzieren oder Raketen abfeuern.  Am Ende erhaltet Ihr eine Übersicht über den Missionserfolg und die Belohnungen, die ihr erhalten habt. Wollt ihr eure Gebiete vergrößern, braucht ihr diese seltenen Ressourcen. Denn eine Brücke zur nächsten Insel kostet richtig. Aber nur so kann eure Stadt expandieren und eure Firma wachsen. Der Platz geht nämlich recht schnell aus, wenn aus Arbeiter. Erst Administratoren werden und anschließend Manager. Denn mit der steigenden Klasse steigen die Ansprüche, ihr müsst neue Fabriken errichten. Ein kleiner Teufelskreis mit hohem Suchtpotenzial. Darüber hinaus findet man in den Regionen, Rohstoffe verteilt liegen (auf leichter Schwierigkeit), dies regt ebenfalls dazu an, die Gebiete ordentlich zu erkunden.

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Übersicht der Mission, mit Belohnungen und Upgrademöglichkeit der Schiffe.

 

Ein echter Hingucker

Grafisch gibt es an Anno 2205 fast gar nichts auszusetzen. Es ist bislang das hübscheste Anno, was wohl auch daran liegt, dass es das neueste Anno ist. Einstellungen gibt es im Menü auch genügend, um es auch auf einer mittel-starken bis schwachen Maschine laufen zu lassen. Bei vollem Zoom gibt es noch genügend Details, die das Spiel sehr ansehnlich erscheinen lassen. Beispielsweise gibt es Vogelschwärme oder schöne Wellen die sich an der Küste brechen und aufschäumen. Auch die Vertonung ist auf gewohnt hohem Niveau. Das bezieht sich auf gesprochene Texte und auch auf Effekte und sonstige Geräusche. Zoomt man voll rein, überkommt einen fast das Gefühl, man wäre mittendrin. Einzig die Straßen könnten etwas belebter sein. Lediglich Fußgänger und Fahrzeuge der Transportunternehmen sind unterwegs. Es gibt weder Autos noch Busse oder Ähnliches. Bugs konnten wir immerhin keine entdecken. Was sehr gut gefallen hat, war die nahezu frei einstellbare Kamera. So können wir Zoomen und 360° Drehen, die Ego Perspektive fehlt aber, dennoch wirken die Städte sehr beeindruckend. Zur Technik muss noch erwähnt werden, dass Anno 2205 zwar über Uplay aktiviert werden, muss danach aber auch offline. Funktioniert. Dann fehlt aber die Funktion des Weltmarktes, einen Mehrspieler-Modus gibt es ohnehin nicht.

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Schöne Atmosphäre in der Arktis, wirkt wie eine Forschersidlung. Ein wenig Sturm fehlt aber.

 

Fazit:

Echte Anno-Fans und Veteranen werden sich umgewöhnen müssen. Liebhaber von Städtebauspielen werden ihre Freude haben. Die Wirtschaft ist deutlich in den Hintergrund und das Platzieren und Versorgen von Gebäuden in den Vordergrund geraten. Die Nebenaufgaben sind oft nicht von großer Bedeutung und außer, dass dadurch seltene Ressourcen gesammelt werden können. Das hätte man durch Handel mit schwierigen Partnern oder Ähnlichem besser lösen können. Alles in allem aber ein unterhaltsames Spiel, dass auch mit Herausforderungen daher kommt. Fans von Cities Skylines oder SimCity werden auch hier ihre Freude finden, mir persönlich gefielen die Umstellungen ziemlich gut.  Auch die Auswahl beziehungsweise Einstellmöglichkeit der Schwierigkeitsgrade lässt den individuellen Spielstil zu.

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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