Anna’s Quest – Review zu Daedalics Märchenabenteuer

Märchen. Das sind tolle, kleine Geschichten, die spannend sind, das Herz erwärmen und meist auch eine Moral mit sich bringen. In Anna’s Quest, Daedalics neuestem Point’n’Click Adventure, werden viele Figuren aus ebendiesen Geschichten zum Leben erweckt. Die kleine Anna wird während ihrer Quest vielen bekannten Märchenfiguren begegnen, und nicht alle davon sind ihr wohlgesonnen. Ob Anna’s Quest ein weiteres Erfolgsadventure von Daedalic ist, oder ob wir doch lieber die Geschichten in den Büchern vorziehen sollten, das erfahrt ihr in dieser Review.

 

Es war einmal…

Anna ist ein kleines Mädchen, das mit ihrem Großvater alleine am Waldesrand wohnt. Auf dem Feld darf sie helfen, doch den gefährlichen Weg durch den Wald zum Dorf traut Opa Anna nicht zu, alle Erledigungen tätigt er allein. Eines Tages wird er auf unerklärliche Weise sehr krank, und Anna beschließt, entgegen den Warnungen ihres Großvaters, sich durch den Wald auf den Weg ins Dorf zu machen, um Medizin zu holen. Dort wird sie prompt von einer Hexe entführt und in einer Hütte eingesperrt. Nun muss sie es gemeinsam mit dem sprechenden Teddy Ben schaffen, der Hexe zu entfliehen und ihrem kranken Großvater zu helfen. Daedalic hat hier mal wieder eine tolle Story geschaffen, die zwar zu Beginn sehr klischeebehaftet erscheint, doch alles andere als 0815 ist. Bekannte Märchen werden hier zwar nicht nacherzählt, doch inspiriert wurde man auf alle Fälle. So trifft man auf bekannte Märchencharaktere wie Jorinde und Joringel, den Zauberspiegel und Reineke Fuchs. All diese Charaktere sind mehr oder weniger hilfreich auf Annas titelgebender Quest.

Reineke Fuchs...wer ihn kennt weiß, dass ihm eigentlich nicht zu trauen ist

Reineke Fuchs…wer ihn kennt weiß, dass ihm eigentlich nicht zu trauen ist

 

Einmal Daedalic, immer Daedalic

Wer auch nur ein Adventure von Daedalic Entertainment gespielt hat, der weiß, was ihn erwartet. In guter alter Point and Click-Manier bewegt ihr Anna durch die Bildschirme, schaut euch alles genau an, hebt wichtige Sachen auf, kombiniert sie in eurem Inventar und löst hier und da einige Rätsel. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu anderen Daedalic-Abenteuern deutlich heruntergeschraubt worden. Das Kissen ist zu ungemütlich? Stopf es mit Füllung aus. Die Maus möchte Käse? Nimm Schimmel und mal ihn gelb an. Solche Rätsel sind für erfahrene Spiele natürlich Kindergarten, doch die soll Annas Quest wohl auch nicht bedienen. Es ist fast zu jedem Zeitpunkt ersichtlich, was ihr zu tun habt. Wie jedes Daedalic-Spiel hat auch Annas Quest ein Feature, welches das Gameplay ein wenig auflockern soll. So beherrscht das kleine Mädchen telekinetische Kräfte, mit denen sie Sachen auf Entfernung nur mittels der Kraft ihrer Gedanken bewegen kann. Wildes rumprobieren ist hier jedoch nicht notwendig, auch hier sind die Objekte, auf die man die Telekinese anwenden kann, immer deutlich. Man kann es als einen permanenten Gegenstand im Inventar betrachten, den man durchaus mal verwenden kann, sollte es gerade keine andere Lösung geben. Ebenfalls im Spiel sind versteckte Bonbons. Das ist durchaus wörtlich gemeint, beim genauen Hinschauen findet man in manchen Bildschirmen ein Bonbon, welches nicht mit der Hotspotanzeige (bei der durch den Druck auf die Leertaste alle interaktiven Objekte angezeigt werden) zu finden sind. Diese Sucherei erinnert an die Puzzleteile aus Deponia 3, auch wenn die Bonbons im Gegensatz zu diesen Puzzleteilen nicht so schwer zu entdecken sind.Alles in allem ist Annas Quest eine eher leichtere Adventure-Kost, was man gemeinsam mit jüngeren spielen kann. Diese können dann ein wenig herumrätseln, während man selbst die Story verfolgt, die natürlich wie immer sehr gut ausgearbeitet wurde.

Wer kennt noch den Mond aus Whispered World? Dieser hier ist nicht so detailliert ausgefallen...

Wer kennt noch den Mond aus Whispered World? Dieser hier ist nicht so detailliert ausgefallen…

 

Was ist mit den Augen?

Was die Anschaulichkeit angeht, so sind Daedalic-Fans bislang wirklich verwöhnt worden. In jedem Spiel waren die Hintergründe schön gezeichnet, sodass man aus dem Staunen manchmal nicht herauskam. Zwar sind die Hintergründe in Annas Quest auch schön gezeichnet, halten sich allerdings im Gegensatz zu anderen Daedalic-Titeln ein wenig zurück. Hier gibt es keine großen Panoramabildschirme, bei der man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, wie etwa noch bei einem Whispered World oder einem Night of the Rabbit. Nichtsdestotrotz kann man sich wirklich nicht beschweren. Die gezeichneten Räumlichkeiten erfüllen alle ihren Zweck und erschaffen die gewünschte Atmosphäre in Kombination mit der Musik, zu der wir noch kommen werden. Dazu sind in den Bildschirmen viele Anspielungen versteckt, nicht nur an bekannte Märchen, sondern auch an andere Spiele von Daedalic und sogar an aktuelle popkulturelle Werke wie etwa Game of Thrones. Im Ganzen ist die Optik zwar nicht pompös, aber trotzdem sehr liebevoll und detailreich gezeichnet worden. Einzig und allein Annas Design ist ein wenig fragwürdig. Während menschliche Charaktere in bisherigen Daedalic-Adventures bereits allein durch das Aussehen und ihre Mimik einen Charakter darstellten, so wirkt Anna fast schon leblos. Dies liegt vor allem an der Designentscheidung, ihren Augen keine Pupillen zu geben. Da auch ihr Opa keine Pupillen hat, bleibt anzunehmen, dass dies wohl genetisch bedingt sein muss. So oder so, gut aussehen tut es nicht, das Mädchen hätte ein wenig mehr Ausdruck im Gesicht vertragen können.

Ach nee, die gibt's noch? Wann kommt das neue Album?

Ach nee, die gibt’s noch? Wann kommt das neue Album?

 

Märchenhaft

Musik spielt in den Daedalic-Spielen immer eine große Rolle. Ob humorvolle, stimmungsbetonende oder gar gruselige Musik, der Soundtrack passt sich immer der aktuellen Situation an. Dies ist auch bei Annas Quest nicht anders. Schön stimmungsvolle Musik unterstreicht die abwechselnden Szenarien, in denen sich Anna bewegt, manchmal setzt sie auch aus, um der Geräuschkulisse eine Plattform zu bieten. Ebenfalls on Point ist die Vertonung. Die gibt es zwar nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln, ist aber gut gelungen. Dennoch stellt sich die Frage, warum es keine deutsche Vertonung gibt. Daedalic hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass wir in Deutschland super Synchronsprecher haben, und besonders da Anna’s Quest eher auf Kinder abzielt, ist eine deutsche Synchronisation eigentlich zu erwarten. Womit man allerdings nicht allzu sehr rechnen sollte, ist der sonst bei Daedalic so oft vorhandene Humor. Spiele wie Edna bricht aus oder Deponia haben in unseren Köpfen den Fakt verankert, dass Daedalic-Adventures immer groß mit Witz handhaben. Dass es auch etwas ernster und stimmungsvoller zugehen kann, bewiesen sie schließlich mit The Night of the Rabbit, welches auch am ehesten mit Annas Quest vergleichbar ist. Eine Geschichte, die sich auf das Märchenhafte und mysteriöse konzentriert, anstatt auf die Lachmuskeln anzuspielen. Auch solche Spiele braucht die Adventurewelt, genau wie sie Daedalic braucht.

Wer findet alle vier Anspielungen auf alte Daedalic-Titel?

Wer findet alle vier Anspielungen auf alte Daedalic-Titel?

 

Fazit:

Anna’s Quest ist ein Daedalic-Adventure, das erkennt man direkt. Schön gezeichnete Welten, tolle musikalische Untermalung und eine wunderschöne Story sind nur wenige Aspekte, für die Daedalic bekannt ist und die auch in diesem Titel vorhanden sind. Die richtig harte Adventurekost haben wir hier allerdings nicht, Anna’s Quest zielt eher auf jüngere Spieler ab. Von daher fällt auch die fehlende deutsche Synchro ein wenig mehr ins Gewicht, als es das sonst getan hätte. Kinder wollen beim Spielen keine Untertitel lesen, so groß ist die Aufmerksamkeitsspanne von jungen Zockern nun mal nicht. Dennoch handelt es sich hier um ein nettes Adventure, dem Daedalic guten Gewissens ihren Stempel aufdrücken kann.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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