Umbrella Corps – Test zum erneuten Shooter-Versuch von Resident Evil

Bereits im März 2012 machte Capcom ernst und veröffentlichte den Resident Evil-Ableger “Operation Raccoon City” für die alten Konsolen. Auch wenn das Schützenfest damals nicht so recht überzeugen wollte, gab es im Herbst letzten Jahres eine Ankündigung, die viele überraschte. Mit Umbrella Corps erschien am 21 Juni nun ein weiterer Third-Person-Shooter im Resident Evil-Universum. Man sollte sich aber bewusst die Frage stellen, warum der Name Resident Evil dieses Mal nicht mit auftaucht. Wir haben den “Counter of Zombie”-Titel gespielt und verraten euch nun, warum das Spiel eher nicht gekauft werden sollte.

 

Ein neues Genre wurde geschaffen

Für rund 30€ kann man den neuen Titel Umbrella Corps derweil im jeweiligen Onlinestore digital erwerben. Eine Disc-Version gibt es derweil nur in Japan. Wer jetzt aber an eine vollwertige Singleplayer-Kampagne mit netter Online-Ballerei denkt, den müssen wir direkt enttäuschen. Denn Umbrella Corps ist ein Koop-Third-Person-Online-Shooter, was ein Genre-Titel. Immerhin gibt es ein Tutorial und den Modus “Das Experiment”, welcher Offline gespielt werden kann. Hier kann man sich mit den wenigen Maps vertraut machen, indem man ausschließlich gegen Zombies kämpft, Proben vom Virus sammelt und Stützpunkte erobert. Keine Geschichte, keinen Zusammenhalt, kein Resident Evil! Generell ist der Umfang von Umbrella Corps ziemlich mau. Denn auch Online gibt es nur zwei unterschiedliche Spielvarianten. Im 3-gegen-3-Modus spielen wir beispielsweise “Ein Leben”, ein klassischer Deathmatch-Modus ohne Respawns, und “Multi Mission”, gleiche Bedingungen, nur dass es dieses Mal Missionen für die Teams gibt. Diese lauten zum Beispiel sammelt alle verstreuten Koffer auf der Karte ein oder halte bestimmte Areale für einen kurzen Zeitraum auf eurer Seite. Letztendlich ist es aber vollkommen egal, was für eine Mission man hat, während des Tests haben wir keinerlei gravierende Unterschiede beim Gameplay bemerkt.

Bekannte Ortschaften aus alten Resident-Evil-Teilen sind mit dabei.

Bekannte Ortschaften aus alten Resident Evil-Teilen sind mit dabei.

 

Bekannte Orte, bekannte Probleme

Gespielt wird in bekannten Arealen bereits erschienener Resident Evil-Titel. Beispielsweise das spanische Dorf aus Resident Evil 4 oder das Raccoon City Police Department wurden fast eins zu eins als Map in Umbrella Corps integriert. Die eine oder andere Deckungsmöglichkeit wurde aber dennoch neu gesetzt. Generell sind die Karten aber ziemlich klein geraten, sodass es nur wenige Sekunden bis zum ersten Treffen dauert. Auf den schon recht kleinen Karten finden sich aber neben den sechs realen Spielern auch noch jede Menge untote KI-Zombies, die man ebenfalls töten muss. Einiger Vorteil: Zu Beginn jeder Runde hören die Zombies uns nicht. Erst wenn wir das erste Mal von einem Feind getroffen wurden, rennen sie auf uns zu und zerfleischen uns im schlechtesten Fall. So lassen sich in der Theorie einige taktische Möglichkeiten erzielen. Allerdings macht uns das Deckungssystem schnell einen Strich durch die Rechnung. Es schützt uns zwar gegen Angriffe, wollen wir selbst aber angreifen, müssen wir erst aus der Deckung gehen und dann den Gegner suchen. Bis zum Abschuss sind wir schon längst unter der Erde. Dazu kommt, dass wir an fast jeder Ecke an den verschiedensten Objekten schnell mal hängen bleiben. Ebenfalls nicht klar definiert ist, über welche wir springen und an welchen wir Deckung suchen können. Das gesamte Spiel wirkt sehr unfertig und kann deshalb auch nicht lange motivieren.

Die herumlaufenden Zombies sind unnötig und stören.

Die herumlaufenden Zombies sind unnötig und stören.

 

Sind die Zombies besoffen?

Nahkampf sollte man in diesem Spiel gar nicht erst probieren, da es sich nicht nur klobig anfühlt, sondern auch nicht richtig funktioniert. Zudem gibt es bei der Ausführung Freezes in den Animationen, was schnell zum Tode führt. Auch die herumlaufenden Zombies wissen nicht wohin sie eigentlich laufen, und sind deshalb auch gerne mal dabei, durch unsere Spielfigur zu torkeln. Zusammenarbeit ist das A und O in Umbrella Corps. Denn nur wer im Team spielt, kann gerade bei den “Multi-Missions” gewinnen. So macht es durchaus Sinn sich während des Zockens zu unterhalten. Gänzlich für die Tonne ist das Spiel spielerisch also nicht unbedingt. Denn man kann mit der richtigen Vorgehensweise eine nette Runde mit Freunden spielen. Eine Runde dauert auch nicht länger als fünf Minuten, sodass der Rang schnell steigt und neue Waffen, Rüstungen und Objekte für den Charakter freigeschaltet werden. Apropos Charakter: Wer unbedingt bekannte Figuren aus den Resident-Evil-Teilen spielen möchte, der muss neben den 30€ für das Hauptspiel noch das Upgrade-Pack kaufen. Dieses schlägt weitere 15€ zu Buche. Dann kommen noch Chris, Leon, Jake, Barry, Hunk oder Wesker ins Spiel. Stärkere Fähigkeiten haben die sechs aber nicht. Neben den unschönen Gameplaymechaniken, den kaputten Objekten in den Maps und den fehlerhaften Animationen sieht Umbrella Corps auch nicht wirklich schön aus. Die Umgebungen sind ziemlich einfach und ohne Details gestaltet, die Charaktermodelle sind auch nicht wirklich dolle und von den Texturen wollen wir in vielen Momenten gar nicht erst anfangen. Im Vergleich mit anderen aktuellen Shootern steht dieser Titel weit hintenan.

 

Fazit:

Auch wenn Umbrella Corps “nur” 30€ kostet, dieser Ableger hat nichts mit Resident Evil zu tun und kann auch ohne den Titel im Namen schlichtweg nicht überzeugen. Das Spiel funktioniert nur sehr grob, bietet kaum Inhalt und ist zudem noch stark voller Fehler. Dazu kommt, dass wir aktuell kaum Spieler für ein Match finden, wahrscheinlich, weil viele nach der ersten Runde das Spiel wieder von ihrer Festplatte geschmissen haben. Die Krönung ist allerdings das Upgrade-Pack für weitere 15€. Die paar originalen Charaktere mit ihren eigenen Looks für weiteres Geld in das Spiel zu integrieren, ist eine Frechheit. Wenn man schon kaum Inhalte bietet, dann doch bitte kommende kostenfrei anbieten. Mit Freunden kann das Spiel vielleicht ein paar Runden Spaß machen, kaufen sollten es sich aber auch Hardcore Resident Evil-Fans nur dann, wenn es wirklich nichts, aber auch gar nichts zum Spielen gibt. “Nette Ansätze” bekommen keine gute Wertung.

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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