Titanfall 2 – Test zum schnellen Kampf mit Pilot und Titan

Der schnelle Mechshooter, in der die Verbindung zwischen Pilot und Titan der entscheidende Punkt ist, geht in die zweite Runde. Neben dem überaus erfolgreichen Multiplayer beschenkt uns Respawn in Titanfall 2 auch endlich mit einem Singleplayer und lässt die Spieler in die Rolle eines ganz speziellen Piloten schlüpfen. Wie wichtig dabei sein Titan ist und was es noch für Neuerungen im Spiel gibt, erfahrt ihr nachfolgend in dieser Review.

 

Der Singleplayer

Wir widmen uns natürlich zuerst der größten Neuerung, dem Singleplayer. Musste der, im März 2014 erschienene Vorgänger, aufgrund von Geld und Personalmangel, noch ohne Einzelspielerkampagne auskommen, wurde in Teil 2 ein Kampagnenmodus implementiert. Wir starten in der Kampagne als „Milizpilot in Ausbildung“ und noch Infanterieschütze Jack Cooper und durchlaufen einige Pilotentrainings, bis unser Kampfschiff von IMC-Verbänden vom Himmel geholt wird und wir mit einer Rettungskapsel auf einem nicht näher erkundeten Planeten stranden. Dort verbinden wir uns mit „BT-7274“ dem Titan unseres, im Kampf gefallenen Ausbilders und nehmen dem Kampf gegen eine Söldnergruppe die auf Seiten der IMC kämpft auf. Hier wird auch die Geschichte des Bürgerkrieges aus dem ersten Teil weitergesponnen in dem die Miliz bereits gegen den übermächtigen IMC-Konzern, welcher Planeten nur für Profit ausbeutet, einige Erfolge errungen hat. Seite an Seite mit BT kämpfen wir uns nun durch abwechslungsreiche Level welche uns auch immer wieder dazu zwingen abschnittsweise getrennt voneinander zu agieren, sei es, weil wir einen Durchgang für unseren großen metallenen Freund öffnen, oder weil wir zu Fuß Daten aus einer Anlage extrahieren müssen. Nach diesen Abschnitten befinden wir uns aber immer wieder schnell in unserem Mech um die nächste fulminante Titan-Schlacht zu kämpfen oder um einen Bosskampf zu bestreiten. Die Kampagne ist vom Levelkonzept und den Ideen her sehr gut gelungen und jeder Abschnitt birgt neue Überraschungen und Spielelemente, die direkt umgesetzt und genutzt werden können. So kann man die Kampagne trotz der gelegentlichen erzählerischen Schwächen ohne das Aufkommen von Langeweile mit Spaß durchspielen. Denn leider ist das einzige Manko der Kampagne eher die Story an sich. Die Verbindung zwischen Pilot und Titan, ein sehr guter Aufhänger für die Entwicklung von starken Charakteren kommt gefühlt einfach viel zu kurz und wird nur in wenigen Momenten so richtig deutlich, ansonsten entsteht der Eindruck der Bindung eher durch mal mehr, mal weniger witzige Dialoge zwischen BT und Jack. Auch das Oberthema eines intergalaktischen Bürgerkrieges kommt in der Kampagne erzählerisch nicht so ganz rüber, wie Respawn sich das vielleicht vorgestellt hat, da dem Spieler schlicht und ergreifend Hintergrundinformationen zu dem „Wie und Warum“ des Konfliktes fehlen. Vielleicht werden diese fehlenden Informationen ja mit der, von Respawn angekündigten TV-Serie ergänzt. Für die erzählerischen Schwächen wird man aber mit rund 6-7 Stunden sehr gutem Leveldesign, welches immer wieder zu überraschen weiß und jeder Menge Spielspaß entschädigt. Dies ist erst dadurch möglich, dass die Entwickler stellenweise gar nicht versuchen etwas storytechnisch zu erklären, sondern es direkt als neues Spielelement nutzen. Einiges ist dann so cool, dass man als Spieler gar nicht weiter hinterfragen will, wie das nun ins Spiel passt. Als Beispiel sei eine Mission genannt in der wir eine Waffe bergen mit der Zeitsprünge möglich sind. Die Kombo-Sprünge mit der Waffe machen so viel Spaß, dass man eben gar nicht erst darüber nachdenkt, inwiefern das Thema „Zeitreise“ zum eigentlichen Spiel gehört.

Beginn des Singleplayers, BT rettet Jack

Beginn des Singleplayers, BT rettet Jack

 

Der Multiplayer

Wo der Singlepayer mit seiner guten Qualität überraschen konnte, so kann es der Multiplayer mit den vielen Kleinigkeiten die sich zum Vorgänger hin verändert haben. Alle Grundzüge von Titanfall sind noch da, seien es die Piloten, die sich in Parcoursmanier über die Map bewegen, die NPC-Streitkräfte die für beide Fraktionen mit in den Kampf ziehen oder der Titanfall und die Titans an sich, doch alle diese Features fühlen sich neu durchdacht an und erschaffen somit ein neues Spielgefühl. Der Multiplayer spielt sich wieder extrem schnell, überleben und erfolgreich sein kann nur wer die richtige Kombination aus Wall-Runs, Slides und Sprüngen findet und das Aneinanderreihen dieser Aktionen meistert. Zu den genannten Bewegungsmöglichkeiten neu hinzugekommen ist der Greifhaken, welcher es ermöglicht sich an feste Gegenstände heranzuziehen oder an Trägern entlang zu schwingen, was ein wenig Spidermanfeeling aufkommen lässt und das Spieltempo noch zusätzlich erhöht. Das Waffenarsenal ist wie beim Vorgänger recht groß und reicht von Maschinenpistolen über Schrotflinten bis hin zu Scharfschützengewehren. Bei allen Waffen kann man durch das Erlangen von Waffenerfahrungspunkten Verbesserungen freischalten, wie neue Optiken oder größere Magazine. Das Freischaltsystem ist sehr großzügig gehalten und man bekommt immer zumindest eine Kleinigkeit nach einem Match freigeschaltet. Als Neuerung gibt es die Ingamewährung “Credits” (kein Echtgeld), über welche man Perks freischalten kann, zu denen man aber erst in einem späteren Level Zugang hätte. Bereits beim ersten Einloggen verfügt man über einen Grundbetrag an Credits und verdient sich durch Erfolgreiches spielen neue dazu.

Für folgende Aktionen gibt es Credits:

  • 1 Credit für das beenden eines Multiplayermatches
  • 1 Credit für das gewinnen des Matches
  • 1 Credit für „eine gute Performance“ sprich ein Ranking am oberen Ende des Scoreboards
  • je 1 Credit für jedes Waffen,Titanen und Pilotenlevel welches man abschließt
Die richtige Kombi aus Sprüngen und Slides macht den Unterschied

Die richtige Kombi aus Sprüngen und Slides macht den Unterschied

 

Happy Hours für extra EP..

Des Weiteren gibt es Happy Hours in den Networks, während derer die Erfahrungspunkte und die Credits verdoppelt werden. Networks sind soziale Ingame-Netzwerke, welche man am ehesten mit Gilden oder Clans in anderen Spielen vergleichen könnte. Innerhalb dieser Netzwerke kann man sich organisieren und unter einem Banner zusammenspielen. Entweder joint man eines der großen bestehenden Netzwerke oder man gründet ein eigenes und legt sich die Happy-Hour dieses Netzwerkes auf die Uhrzeit, an der man am wahrscheinlichsten online ist. Die größte (Ballance-)Änderung im Multiplayer ist die neue Verletzlichkeit der Titans, sie verfügen nicht mehr über ein regeneratives Schild, sodass man sich nach einem Gefecht nicht in Ruhe wieder erholen kann. Nun zählt jeder Schuss, der nicht abgefangen wird und beschädigt direkt den Titan. Das macht die Titans weniger übermächtig und gerade in der offensive als Einzelgänger schwächer und man wird somit zu mehr Teamplay gezwungen, da man sich gegenseitig mehr Backup geben muss. Das allen Titanfallspielern bekannte „Rodeo“ also das Reiten auf einem feindlichen Titan, um diesen als Pilot auszuschalten, wurde ebenfalls komplett überarbeitet und bringt die Spieler, so fern sie das Gameplay verstehen, auch mehr in Richtung Teamplay. Wo man in Titanfall 1 als einzelner Pilot auf einen Titan gesprungen ist, macht es nun durchaus Sinn mit zwei Piloten in zwei Anläufen den gegnerischen Titan zu Fall zu bringen. Im ersten Anlauf wird eine der Titanenergiezellen von Pilot 1 aus ihrem Schacht gerissen und Pilot 1 springt mit dieser wieder ab, Pilot 2 springt nun auf den gegnerischen Titan und wirft seine Granate in den Batterieschacht um den Titan auszuschalten. Diese Taktik ist sehr nützlich, da Pilot 1 die geborgene Batterie zu einem Team-Titan bringen kann und diesen damit teilweise wieder herstellen kann. Andersherum kann der Pilot, dessen Titan angegriffen wird, natürlich weiterhin versuchen den „Batteriedieb“ zu erschießen, auszusteigen und die Batterie wieder im eigenen Titan zu verbauen. Zusätzliche Spieltiefe erreichen die Titanenkämpfe durch die neuen Möglichkeiten bei der Titanenauswahl. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, angefangen beim Ronin welcher sich mit einem gigantischen Schwert durch gegnerische Titans schneidet (kleiner Tipp: man sollte ihn lieber aus der Distanz vernichten) bis hin zum Legion-Modell mit seiner vernichtenden Gatlinggun deren Kugelhagel man lieber schnell ausweichen sollte.

Der Batterieklau auf dem Titan

Der Batterieklau auf dem Titan

 

… Neues Boost-System

Doch die neue „Squishyness“ der Titans ist nicht die einzige Balllanceänderung, so gehört die von vielen gehasste Smart-Pistol nicht mehr zum Standardwaffenrepertoire, sondern ist nur noch als „Boost“ verfügbar. Womit wir auch schon bei der nächsten Balllanceänderung wären: Die bekannten Burn-Cards als Pilotenbuff fallen weg und werden durch die sogenannten Boosts ersetzt. Diese Boosts umfassen Waffenverstärkungen, Spinnenminen und die bereits erwähnte Smart-Pistol. Diese neuen Boosts machen im Spielverlauf einen viel ausballlancierteren Eindruck als die Burn-Cards, mit denen es zum Beispiel möglich war am Anfang des Matches, einen Free-Titanfall anzufordern. Das Gameplay ist wie gewohnt schnell und das Skillceiling entsteht hierbei nicht durch unglaublich gutes Aiming oder ausgleichen des Waffenrückstoßes, sondern vor allem durch das meistern der „Movement-Chain“. Wer sich anschaut (meistens aus der Killcam Perspektive) wie er von einem wirklich guten Spieler eliminiert wurde, der wird sich oft fragen „verdammt wie ist er da bloß hingekommen?“ oder „wie kann er während des Walljump into Slide so gut zielen?“. Titanfall ist und bleibt halt ein verdammt schnelles Spiel bei dem sich „normales“ Sprinten auf dem Boden eigentlich mehr, wie ein Fail anfühlt und will man am oberen Ende des Scoreboards stehen auch einer ist.

Kampf der Titans

Kampf der Titans

 

Spielmodi

Hier gibt es als Neuerung den Modus „Kopfgeldjagd“ welcher sehr viel Spaß und Abwechselung mit sich bringt. In diesem Gamemode erlangt man Belohnungen für das Ausschalten von Kopfgeldzielen auf der Map welche für beide Fraktionen markiert spawnen. Diese Belohnungen müssen von den Spielern in „Bankautomaten“ auf dem Spielfeld eingezahlt werden, was immer nur für ein kurzes wiederkehrendes Zeitfenster möglich ist, dies baut zusätzlichen Druck auf die Spieler auf und ermöglicht entsprechende Hinterhalte an den Bankautomaten. Denn wird man getötet und hat seine Belohnung noch nicht abgegeben erhält der gegnerische Spieler einen Teil der gesammelten Belohnung und kann diese selber in seine Teambank einzahlen. Gewonnen hat das Team mit den meisten Credits in der Teambank nach Ablauf von 10 Minuten. Die übrigen Gamemodes sind eigentlich selbsterklärend und jeder Shooterkenner sollte sich darin schnell zu Hause fühlen:

 

  • Capture the Flag (sehr Teamplay fordernd und daher sehr gut als festes Team spielbar)
  • Team Deathmatch
  • Free for All
  • Pilot vs.Pilot (keine Titans erlaubt)
  • Last Titan Standing (jeder startet mit einem Titan und das erste Team ohne Titan auf dem Schlachtfeld verliert)
  • Hardpoint (ähnlich wie Domination bzw. Capture the Base in anderen Shootern)
  • Kollosseum (1 on 1 Pilot gegen Pilot)

 

Die Maps sind alle sehr schön designt und machen im Großen und Ganzen Spaß, jeder wird etwas für sich finden, so gibt es Häuser/Städtekampf Maps in denen es durchaus schwierig ist mit Titans zu manövrieren, da die Piloten diese mit einer Hit-and-Run Taktik sehr schnell zermürben können. Im Gegenzug gibt es auch große offene Maps (Homestead) auf denen sich das Kräfteverhältnis dann wieder verschiebt.

Oberer Einstieg in den Titan

Oberer Einstieg in den Titan

 

Fazit:

Als Fan der Serie kann ich eigentlich nur sagen, dass Respawn sehr vieles richtig gemacht hat. Wer nicht mit unglaublich hohen Erwartungen an die Singleplayerkampagne geht, wird mit einer kurzweiligen actiongeladenen Kampagne belohnt. Die Ballancingänderungen im Multiplayer habe ich als durchweg positiv aufgefasst und das, obwohl ich mich erst daran gewöhnen musste, wie schnell man mich aus meinem Titan schießen kann. Zusammengefasst kann man also sagen, Fans von Titanfall 1 und jene Spieler die schnelle und facettenreiche Shooter mögen werden viel Freude mit Titanfall 2 haben.

 

85

 

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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