The Suicide Squad

Kritik zum neuen James Gunn-Kracher

2016 wagten DC und Warner ein Experiment: Statt eines neuen Superheldenfilms mit bis dato mehr oder weniger unbekannten Figuren, brachten man einen Antiheldenfilm mit bis dato mehr oder weniger unbekannten Figuren auf den Markt. Die Resonanz war damals eher verhalten und viele Fans mögen den ersten Suicide Squad-Teil bis heute nicht.

Zwei Jahre zuvor, 2014, bewies ein Regisseur namens James Gunn mit dem ersten Guardians of the Galaxy beim DC-Konkurrenten Marvel, wie man einen Ensemble-Film mit völlig neuen Figuren inszeniert. Nun schreiben wir das Jahr 2021 und eben dieser James Gunn bringt mit seiner Version von The Suicide Squad eine lockere Fortsetzung des Erstlings auf den Markt. Schafft er es, den Guardians-Erfolg zu wiederholen, oder tappt er erneut in die DC-Ensemble-Falle?

 

Die Story von The Suicide Squad

Die Story von The Suicide Squad dreht sich um den inhaftierten Scharfschützen Bloodsport, der sich für seine Tochter dem namensgebenden Suicide Squad anschließt. Nein, eigentlich handelt der Film von Harley Quinn, die ihre Bestimmung in der Welt sucht. Wobei… Eigentlich behandelt der Film den Squad-Neuzugang Ratcatcher 2, die ihren Vater vermisst. Um ganz ehrlich zu sein, handelt The Suicide Squad von allen drei und von noch einigen Figuren mehr.

Das Suicide Squad wird von Amanda Waller, bekannt aus dem ersten Film, auf eine südamerikanische Insel geschickt, um dort ein geheimes außerirdisches Waffenprogramm zu finden und zu stoppen. Mehr Story hat der Film tatsächlich nicht – aber das reicht völlig aus, wie wir in unserer folgenden Kritik beleuchten werden.

 

Unsere Kritik zu The Suicide Squad

Ihr habt es schon an der Storyzusammenfassung gemerkt: Einen richtigen Hauptcharakter gibt es in The Suicide Squad nicht – und das ist keinesfalls negativ zu sehen, im Gegenteil! Regisseur James Gunn gelingt mit seinen zahlreichen Charakteren ein kleines Meisterstück. Uns wird mehr als ein Duzend neue Charaktere entgegengeschmissen und jede wichtige Figur bekommt den nötigen Platz eingeräumt, um uns Zuschauern nahe gebracht zu werden. Zum Vergleich: Justice League, ebenfalls von DC, hatte 2017 nur sechs Haupthelden, von denen wir einige schon kannten – und trotzdem waren uns die Figuren oder ihr Schicksal völlig egal.

Nicht so in The Suicide Squad. Auch wenn jede einzelne Figur nicht richtig tickt, liegen sie uns schon nach kurzer Zeit am Herzen. Wir lachen mit ihnen – dazu später mehr – und wir leiden mit ihnen. Gunn schafft das Unmögliche: einen mit neuen Figuren überladenen Film so konzipieren, dass wir stets folgen können und über jeden wichtigen Charakter genug lernen, dass er uns wichtig wird! So inszeniert man einen Ensemble-Streifen!

Das Squad

Im folgenden Abschnitt spoilern wir ein wenig. Wer also nichts verraten bekommen möchte, skippt den folgenden Absatz.

Damit wir von den vielen Figuren, die in Trailern angekündigt worden sind, nicht überfordert werden, bedient sich Gunn einem einfachen Trick. Das vermeintlich große Team wird am Anfang aufgeteilt und an unterschiedlichen Punkten in die Mission geschickt. Das erste Team wird dabei recht schnell ausgelöscht und somit aus dem Spiel genommen. Aus Zuschauersicht ist das doppelt genial: Zum einen bricht Gunn aufs extremste mit den üblichen Konventionen. Dass die vermeintlichen Helden direkt in der ersten Sequenz sterben, kennen wir so bisher eigentlich nicht. Selbst beim ersten Suicide Squad-Teil bleibt ein Großteil der Charaktere bis zum Finale am Leben. Ja, ein bisschen wenig Suicide für den Titel – doch nicht mit Gunn. Bei ihm sterben Charaktere und wir können uns nie sicher sein, dass unser Liebling überlebt. Zimperlich geht es dabei übrigens nicht zur Sache. Da werden Gesichter weggeschossen, Charaktere verbrannt, gesprengt oder zerteilt. Über die explizite Gewalt in The Suicide Squad werden wir später noch einmal sprechen müssen.

Zurück zur doppelten Genialität. Zum anderen müssen wir uns im restlichen Film nur noch auf eine Handvoll Helden konzentrieren, von denen wir zwei, nämlich Harley Quinn und Rick Flag, schon aus dem Erstling kennen.

Liebe auf den ersten Blick?

Wenn dann aber das finale Team feststeht, können wir und voll und ganz auf die übrig gebliebenen Charaktere fokussieren – und die sind wirklich cool getroffen. Dass John Cenas Peacemaker ein absoluter Liebling von James Gunn geworden ist, war bereits bekannt. Eine entsprechende Spin-Off-Serie ist bereits abgedreht. Doch auch die restlichen Figuren fügen sich wunderbar in die bunt, verrückte Suicide-Welt ein. Harley Quinn ist immer noch eine absolute Wucht. Margot Robbie scheint hier die Rolle ihres Lebens gefunden zu haben. Selbst auf den ersten Blick langweilige Figuren wie Polka-Dot Man gewinnen an Konturen und wissen zu überzeugen. Die Harmonie zwischen den Teammitglieder schwankt immer zwischen Misstrauen, Hass, Freundschaft und Vertrauen. Das wirkt zudem nie aufgesetzt, sondern immer der Situation angemessen.

Auch wenn wir es mit Haimännern, ihren Clownsfrauen oder durchgedrehten Ex-Soldaten zu tun haben, wirken ihre Taten nie unrealistisch oder fehl am Platz. Besonders hervorheben müssen wir dann aber doch noch einmal John Cena. Was der Wrestler hier abliefert, ist an Komik und Absurdität kaum zu überbieten. Zusammen mit Idris Elbas Bloodsport entstehen einige der besten Situationen des Films. Wir freuen uns schon auf seine eigene Serie!

Keine Kompromisse

Wir hatten es schon angedeutet: Wir müssen über den Humor und die Gewalt in The Suicide Squad reden. Wir formulieren es einmal so: Wenn James Gunn den Auftrag bekommt, einen R-Rated-Film zu liefern, dann liefert James Gunn einen R-Rated-Film mit extra viel R. In Deutschland ist The Suicide Squad ab 16 Jahren freigeben, was nur damit zu tun haben kann, dass wir es mit sehr abstrakten und absurden Figuren zu tun haben. Hier wird geblutet was das Zeug hält. Von Schüssen ins Gesicht bis hin zu Mortal-Kombat-ähnlichen X-Ray-Aufnahmen ist in diesem Film wirklich alles an Gewalttätigkeiten vertreten. Dieses Jahr ist The Suicide Squad wohl der bisher härteste Film, der in den deutschen Kinos läuft. Wir raten also dazu, den Film links liegen zu lassen, wenn ihr einen empfindlichen Magen euer Eigen nennt. Wir meinen es ernst!

The Suicide Squad ist verdammt brutal! Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es in die Welt des Films passt und die Absurdität der ganzen Sache noch einmal unterstreicht. Gleiches gilt übrigens für den tiefschwarzen Humor. Schon in den Guardians-Filmen oder Super – Shut Up, Crime! stellte James Gunn unter Beweis, welche Humorfarbe wir bei ihm erwarten können. In seinem neusten Werk geht er hier bis an die Grenzen, bricht Konventionen und für einige Zuschauer vielleicht auch Tabus. Aber wie bereits gesagt: The Suicide Squad ist eben nichts für Kinder!

Technik, die begeistert

Erst vor wenigen Tagen haben wir mit OLD einen Film vorgestellt, der zwar visuell und technisch einiges bieten wollte, damit aber krachend scheiterte. The Suicide Squad ist das absolute Gegenteil! Was James Gunn hier visuell abliefert ist der absolute Wahnsinn. Zeit- oder Ortsangaben, Zwischenüberschriften oder sonstige Texte werden völlig organisch und extrem stilsicher in die Umgebung eingebaut. So bilden etwa Rauchschwaden oder Antennen auf Dächern die Kapitelüberschriften. Kamerafahrten oder bestimmte Einstellungen lassen uns Zuschauer in die Action eintauchen.

Und der Soundtrack! Dass Gunn ein Händchen für gute Musik in Filmen hat, wissen wir spätestens seit den Guardians-Filmen. Schon dort ist die musikalische Untermalung ein absolutes Highlight. Gleiches gilt nun auch für The Suicide Squad.
Durch eine geniale Optik, gute Actionsequenzen und viele frische Idee – technisch wie inhaltlich – wirkt der Film übrigens nie gestreckt. Die zwei Stunden und 12 Minuten vergehen wie im Flug.

Licht und Schatten?

Das klingt ja nun alles sehr, sehr positiv. Dann kommt jetzt wohl der Negativpart. Und ja, an dieser Stelle würde nun eigentlich der Teil kommen, an dem wir uns über dieses oder jenes aufregen. Tatsächlich gibt es aber nichts Nennwertes, was uns am neusten DC-Film stört. Kleinigkeiten, wie der blasse Schurke – wenn man den überhaupt benennen kann. Einen tatsächlichen Bösewicht im klassischen Sinne gibt es nämlich nicht wirklich. Zwar muss am Ende eine böse Macht besiegt werden, die ist aber den ganzen Film über so ungreifbar, dass sie uns herzlich egal ist. The Suicide Squad folgt aber eher dem Mantra, dass der Weg das Ziel ist. Der fulminante Endkampf ist schön und gut, uns Zuschauern aber eben recht egal, da der Bösewicht eben eher im Hintergrund existierte. Das ist aber dahingehend auch wurscht, da der Weg bis zu diesem Finale so viel Spaß gemacht hat.

Vielleicht könnte man noch bemängeln, dass einige interessante Figuren doch etwas sehr schnell aus dem Spiel genommen werden oder wir noch mehr über die Hintergründe lernen wollen. Auch eine echte Verbindung zu Teil eins ist – bis auf wenige Figuren, die zurückkehren – nicht wirklich existent. Wer auf eine überraschende Rückkehr vom Joker hofft, wird wohl enttäuscht sein. Auch die Story ist insgesamt ein wenig flach ausgefallen und hätte ein paar tiefer Nuancen vertragen können.

Das ist aber alles Jammern auf hohem Niveau, denn The Suicide Squad ist das geworden, was sich Fans wohl vom ersten Teil erhofft haben. Brutale Action, tiefschwarzer Humor, irre Charaktere und keine Tabus machen das neue Werk von James Gunn zu einem seiner besten Filme und zu einem absoluten Must-See im Kinojahr 2021!

Informationen zu The Suicide Squad

  • Originaltitel: The Suicide Squad
  • Laufzeit: ca. 132 Minuten
  • Kinostart: 05. August 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Idris Elba, John Cena, Margot Robbie

Trailer zu The Suicide Squad

  • (C) Warner Bros. & DC Comics
    Fazit zu The Suicide Squad

    Ich gebe es zu: Der erste Suicide Squad gehört zu meinen geheimen Lieblingsfilmen. Umso mehr war ich auf den neuen Teil gespannt und muss sagen, dass ich völlig umgehauen wurde. So einen brachialen, absurden und irren Film habe ich mir erhofft. Die über zwei Stunden sind wie im Fluge vergangen und ich werde mit Sicherheit noch eine zweite Runde mit diesem Kracher drehen. Danke James Gunn für das bisherige Highlight im Kinojahr!

    Lukas Hesselmann, Redakteur

 

Brachiale Quasi-Fortsetzung zum 2016er-Suicide Squad
Extrem (!) brutal und schwarzhumorig
Irre Charaktere
Recht flache Handlung

Ab ins Kino?

Actionfilmfans, Comicfilmfans und allgemein Kinofans mit gutem Magen dürfen The Suicide Squad nicht verpassen. Der bisher beste Kinoblockbuster 2021!

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
1 Kommentar

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