The Outpost – Überleben ist alles – Kritik zum US-Kriegsdrama

Kriegsfilme, die entweder aus den USA kommen oder von den USA handeln, haben oft den Drang, extrem patriotisch daherzukommen. The Outpost – Überleben ist alles gehört zu eben diesen Filmen, die aus den USA kommen und in diesem Falle sogar von den USA handeln. Hinzu kommt noch, dass der Streifen die Geschichte von einem wirklich geschehenen Angriff auf einen US-Außenpost in Afghanistan erzählt. Pathos und Patriotismus sind also vorprogrammiert – oder schafft der Film den Spagat zwischen Realismus und Bodenständigkeit? Wir klären es in unserer Kritik:

Die Story von The Outpost – Überleben ist alles

The Outpost – Überleben ist alles erzählt die Geschichte von einem US-Außenposten in Afghanistan (wer hätte es bei dem Titel erwartet), der 2009 von über 300 Taliban-Kämpfern überfallen wurde. Im Film beginnt alles recht langsam. Wir lernen die Soldaten kennen, sehen wie sie leben und wie sie miteinander agieren. Die Soldaten wissen, dass ihr Posten ein leichtes Ziel ist, da er in einem tiefen Tal liegt und von allen Seiten angreifbar ist. In den letzten 30 bis 40 Minuten passiert dann das, was heute als Battle of Kamdesh bekannt ist. Der Außenposten wird angegriffen und die Amerikaner sehen sich einer absoluten Übermacht entgegengestellt.

Unsere Kritik zu The Outpost – Überleben ist alles

In den USA ist der Combat Outpost Keating und der dazugehörige Kampf um Kamdesh eine große Nummer. Zahlreiche Orden wurden im Nachgang verliehen, acht US-Soldaten ließen ihr Leben und gelten seither als Kriegshelden. Da derartige Geschichten in Amerika natürlich immer höher gehandelt werden als hierzulande, wurde der Film aus einer ganz anderen Mentalität heraus gedreht. Für uns Europäer wirkt ein Film wie The Outpost immer ein bisschen sehr übertrieben und patriotisch, für Filmfans aus den USA hat ein solcher Streifen aber natürlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Das soll als kurzes Vorwort reichen, gehen wir direkt in die tiefere Kritik von The Outpost.

Langsame Eskalation

Der Aufbau von The Outpost ist wirklich gut gelungen. Der erste große Part des Films hat zwar seine dramatischen Höhepunkte, verlässt sich aber ansonsten auf das Zusammenspiel der Soldaten. Wir lernen die stationierten Männer kennen, sehen ihre verschiedenen Motivationsfaktoren und das Zusammenleben in der Basis. Momente wie ein Telefonat mit der Familie in Amerika oder das Rumalbern am Lagerfeuer machen die Soldaten menschlich – wir fühlen mit ihnen. Das klappt zwar grundsätzlich ganz gut, es sind nur so viele kahlrasierte US-Soldaten, dass es teils schwer fällt, den Überblick zu behalten. Natürlich legt der Film seinen Fokus nicht auf alle, sondern nur auf ein paar Männer, doch der Rest wird uns dann schnell wieder egal – auch wenn etwas anderes aufgebaut werden soll. Ein zugegeben schwerer Drahtseilakt, den The Outpost nur in Ansätzen meistern kann.

USA vs. Taliban

Als Europäer, der mit Krieg nichts anfangen kann, ist es teils sehr befremdlich zu sehen, wie sich die Amerikaner in Afghanistan verhalten. Alles soll mit Geld geregelt werden, die Stammesältesten der Afghanen werden solange bequatscht, bis sie dem Willen der Soldaten folgen. Das mag so im Afghanistan-Krieg gewesen sein, doch wenn man dann sieht, wie die Soldaten im “Privaten” über die Einheimischen denken, bekommt das ganze einen üblen Beigeschmack.. Während die erste Hälfte von The Outpost – Überleben ist alles dann eher ruhig ausfällt, kracht es in der zweiten Hälfte umso mehr. Wenn die Taliban angreifen, ändert sich die Stimmung des Streifens schlagartig. Wo vorher ruhige Kamerafahrten und langstehende Einstellungen dominiert haben, wackelt es nun an allen Ecken und Enden. Die Kamera ist immer nah an den Soldaten und mitten im Geschehen. Während diese Arbeit Filmen wie Taken 3 aber noch das Genick brach, passt sie hier ungemein gut. Als Zuschauer ist man wirklich dabei, fühlt die Einschläge der feindlichen Mörser und sitzt mit den US-Soldaten im engen Jeep. Das ist nicht nur bedrückend (im positiven Sinne), sondern auch verdammt intensiv.

Krieg light

Was den Gewaltgrad angeht, ist The Outpost übrigens ziemliche zahm. Die FSK-16-Freigabe ist zwar durchaus berechtigt, wenn man aber bedenkt, was andere Filme wie Apokalypse Now, Platoon oder Hacksaw Ridge aus der 16 gemacht haben, ist The Outpost vergleichsweise unblutig. Nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass Gewalt super geil und Krieg ganz ganz toll ist. Doch wenn man sich auf die Fahne geschrieben hat, eine reale kriegerische Auseinandersetzung zeigen zu wollen und dann derart “sanft” daherzukommen, ist das etwas ungewöhnlich. Um es kurz zu sagen: Wer ein Splatterfest erwartet, hat mit The Outpost keine Freude.
Die Darsteller leisten durchweg eine gute Arbeit. Einzig die Bewerbung mit Orlando Bloom ist ein wenig frech. Schaut euch mal unsere Kritik zu Trauma Center an, dann wisst ihr was wir meinen…

Und doch…

Natürlich wird The Outpost – Überleben ist alles am Ende dann doch noch sehr sehr patriotisch. Vor dem Abspann werden alle überlebenden Soldaten in Slowmotion gezeigt, während am unteren Bildrand eingeblendet wird, welche Medaille sie für ihre Leistungen erhalten haben. Dass man hier als Laie überhaupt nicht durchblickt, was welche Ehrung jetzt bedeutet – geschenkt. Dann werden die gefallenen Soldaten gezeigt. Wir sehen immer den Darsteller in seiner Rolle und daneben ein Foto des echten Soldaten, der im Kampf um den Außenposten sein Leben lassen musste. Hier spürt man teils einen Kloß im Hals: Dass so viele Mittzwanziger im Krieg sterben fühlt sich falsch an. Das könnte man selbst sein. Das zeigt, wie zerstörerisch Kriege am Ende wirklich sind. Alles in allem ist The Outpost – Überleben ist alles ein solider Kriegsfilm, der auf wahren Ereignissen beruht und für Fans derartiger Filme sicherlich einen Blick wert ist. Wer mit Kriegsfilmen aber per se nichts anfangen kann, muss auch The Outpost nicht anschauen.

Informationen zu The Outpost – Überleben ist alles

  • Originaltitel: The Outpost
  • Laufzeit: ca. 124 Minuten
  • Heimkinostart: 28. Januar 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Scott Eastwood, Orlando Bloom, Caleb Landry Jones

Extras auf der Blu-ray:

  • Behind the Scenes, Trailer

Trailer zu The Outpost  – Überleben ist alles

Fazit:

Kriegsfilm, der auf realen Ereignissen beruht
Tolle Kameraführung im zweiten Teil des Films
Gewaltarm für einen Kriegsfilm
Hurra-USA-Pathos
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“Ich bin ehrlich: Ich kann mit Kriegsfilmen wenig anfangen und mit dem dazugehörigen Pathos noch viel weniger. Dementsprechend bin ich mich recht wenig Lust an The Outpost herangegangen – klingt gemein, ist aber so. Dass mich der Film dann aber doch gut unterhalten hat, liegt vor allem an der beeindruckenden Wirkung der zweiten Filmhälfte. Hier hat der Film seine Stärken voll ausgespielt.”

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Ab in die Filmsammlung?

Für Fans von Kriegsfilmen ist The Outpost sicherlich einen Blick wert.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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