Bild: © 2025 Night Dive Studios
System Shock 2: 25th Anniversary (Remaster) im Überblick
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Releasedatum: 10. Juli 2025
Genre: Action, Abenteuer, Rollenspiel
USK: ab 18 Jahren freigegeben
Publisher: Night Dive Studios
Plattformen: Windows PC, PlayStation 4 & 5, Xbox One & Series X|S, Nintendo Switch 1 & 2
Nightdive Studios hat sich in den letzten Jahren einen Namen damit gemacht, verloren geglaubte Klassiker der Spielegeschichte für moderne Plattformen aufzubereiten. Nach dem gelungenen Remake von System Shock (1994) war die Erwartungshaltung an das 25-jährige Jubiläum von System Shock 2 groß. Doch anstelle einer vollständigen Neuinterpretation, wie es beim ersten Teil der Fall war, entschied sich das Studio hier für ein klassisches Remaster. In unserem Test zeigen wir, warum das Remaster trotz spürbarer Bemühungen vor allem für Nostalgiker gedacht ist und warum moderne Spieler eventuell einen Bogen darum machen sollten. Let’s Go!
Eine bedrohliche Sci-Fi-Vision – Die Handlung von System Shock 2 im Überblick
Die Geschichte von System Shock 2: 25th Anniversary (Remaster) beginnt 42 Jahre nach dem Ende des ersten Teils. Der künstlichen Intelligenz SHODAN wurde damals das Handwerk gelegt – scheinbar. Ihr schlüpft in die Rolle des Soldaten G65434-2, der aus dem Kryoschlaf erwacht und sich mitten auf einem havarierten Raumschiff wiederfindet. Die Von Braun, das erste menschliche Schiff mit überlichtschnellen Antriebssystemen, wurde bei einer Rettungsmission mit einer fremdartigen Bedrohung konfrontiert – ein kollektives Wesen namens The Many, das Crewmitglieder infiziert, mutiert und zu willenlosen Dienern macht.
Durch Nachrichten, Audiologs und eine ständige Kommunikation mit der mysteriösen Dr. Janice Polito erfahrt ihr nach und nach, was an Bord der Von Braun und dem angeschlossenen Militärschiff UNN Rickenbacker geschehen ist. Die Erzählweise entfaltet sich nicht durch Zwischensequenzen, sondern über in der Umgebung versteckte Informationen, was ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Geduld erfordert. Die Enthüllung rund um Dr. Polito gehört auch heute noch zu den markantesten Twists des Genres, verliert jedoch aufgrund der heutigen Erwartungshaltung an narratives Design einiges an Schlagkraft.
Das große Problem ist jedoch das Ende: Während der Storyaufbau spannend ist und viele klassische Sci-Fi-Motive gelungen integriert, verpufft die finale Auflösung in einem konfusen, unsauber ausgearbeiteten Showdown. Die letzte Begegnung mit SHODAN und der anschließende Dialog wirken beinahe unfreiwillig komisch – schade um den bis dahin gelungenen Spannungsbogen.
Die vielen Möglichkeiten
System Shock 2 bietet von Beginn an eine bemerkenswerte spielerische Freiheit, die sich vor allem in der Wahl eurer militärischen Karriere widerspiegelt. Ihr habt die Möglichkeit, zwischen drei verschiedenen Klassen zu wählen, die jeweils einen ganz eigenen Spielstil und unterschiedliche Schwerpunkte bieten. Die Marines sind der klassische Soldatentyp mit einem klaren Fokus auf den Umgang mit Waffen, verbesserter Panzerung und körperlichen Fähigkeiten. Diese Klasse eignet sich besonders für Spieler, die direkte Konfrontationen und den Kampf aus nächster Nähe bevorzugen und ihre Stärke in roher Gewalt sehen.
Die Navy-Klasse legt ihren Schwerpunkt dagegen auf technische Fähigkeiten. Hacker, Ingenieure und Tüftler finden hier ihre ideale Rolle, denn sie sind auf Hacking, Reparatur und andere technische Fertigkeiten spezialisiert, mit denen sie Türen öffnen, Sicherheitssysteme umgehen oder Ausrüstung modifizieren können. Damit bieten sie eine flexiblere, eher unterstützende Spielweise, die weniger auf pure Feuerkraft setzt. Schließlich gibt es noch die OSA, das Office of Strategic Analysis. Diese Spezialeinheit konzentriert sich auf psionische Kräfte – eine Art futuristische Magie, mit der ihr Fähigkeiten wie Telekinese, Unsichtbarkeit oder mentale Kontrolle einsetzen könnt. Die OSA-Spieler haben somit Zugang zu einer besonderen Bandbreite an Fähigkeiten, die eine ganz andere Herangehensweise an Kämpfe und Herausforderungen erlauben und taktisch sehr vielfältig sind.
Im Verlauf des Spiels lassen sich dutzende Eigenschaften über ein umfangreiches Upgrade-System ausbauen. Ihr investiert Punkte in Stärke, Beweglichkeit, Forschung, Energie, Nahkampf, Fernkampf oder eben psionische Kräfte. Dieses System erlaubt es, euren Charakter stark zu personalisieren und einen eigenen Spielstil zu entwickeln – sei es als Hacker, Techniker oder brutaler Kämpfer. Doch in der Praxis zeigt sich schnell, die Umgebungen und Gegner bieten kaum Raum, um diese Vielfalt sinnvoll auszuleben. Die Level bestehen fast ausschließlich aus engen, linearen Korridoren. Die Begegnungen mit Feinden laufen oft nach demselben Muster ab: Gegner patrouillieren in festen Mustern, greifen euch an, sobald ihr in Sichtweite seid und sterben nach wenigen Treffern. Kreative Herangehensweisen werden nur selten gefördert, obwohl das Spiel mit seinen Möglichkeiten genau das suggeriert.
Zudem ist das Waffenfeedback unbefriedigend. Nahkampfangriffe fühlen sich schwammig an, verursachen kaum sicht- oder hörbaren Schaden, und das Treffer-Feedback bei Fernkampfwaffen ist schwach ausgeprägt. Die Gegner-KI bleibt simpel und viele Feindtypen wiederholen sich über das Spiel hinweg – echte Highlights wie die gruselige „Cyborg Midwife“ bleiben die Ausnahme.
Erkundung und Leveldesign: Viele Räume, wenig Wiedererkennungswert
Das Spiel fordert euch auf, jeden Winkel der Von Braun zu durchsuchen – und das meint es wörtlich. Zugangskarten, versteckte Gegenstände, verschlossene Türen und Sicherheitscodes treiben euch stetig zum Backtracking. Wer aufmerksam liest und jede Leiche durchsucht, wird belohnt – allerdings auch mit langen Laufwegen und teilweise frustrierender Orientierungslosigkeit. Der Aufbau der Levels ist funktional, aber wenig inspirierend. Es gibt kaum visuell markante Bereiche, die sich im Gedächtnis einprägen.
Viele Korridore und Räume sehen gleich aus. Im Vergleich zum Remake des ersten System Shock, das eine clevere Raumstruktur und visuelles Storytelling bot, wirkt Teil 2 in seiner Remaster-Form deutlich konventioneller. Die Hacking-Minispiele – ein weiteres zentrales Spielelement – sind ebenfalls stark gealtert. Ihr müsst eine Verbindung zwischen Knotenpunkten herstellen, was eher einem Glücksspiel als einem echten Rätsel gleicht. Zwar lassen sich die Erfolgschancen durch Skillpunkte verbessern, das System bleibt insgesamt aber leider sehr sperrig.
Technik-Update mit Licht und Schatten
Die größte Stärke des Remasters ist sicherlich die technische Modernisierung. Die Grafik wurde überarbeitet, Texturen sind nun schärfer, Lichteffekte stimmungsvoller, und die allgemeine Lesbarkeit der Umgebung hat gewonnen. Besonders positiv hervorzuheben ist die erweiterte Controller-Unterstützung, die das Spiel auf Konsolen und im Wohnzimmer spielbar macht – auch wenn die Steuerung nicht überall optimal funktioniert.
Die Benutzeroberfläche ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar wurde sie visuell angepasst und lässt sich nun auch mit dem Gamepad bedienen, doch bleibt die Menüführung unübersichtlich. Viele Funktionen sind hinter mehreren Reitern versteckt, Items lassen sich umständlich auswählen, und das Inventarmanagement wirkt wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Hinzu kommt ein merkwürdiges Verhalten beim Zielen und Schießen. Obwohl das Spiel mit hoher Framerate läuft, fühlt sich das Waffenhandling wie bei einem Spiel mit 30 FPS an. Präzise Schüsse sind gerade bei kleinen Zielobjekten wie Kameras ein Geduldsspiel.
Eines der neuen Highlights der Anniversary-Edition ist der 4-Spieler-Koop-Modus. Dieser erlaubt es, die gesamte Kampagne mit bis zu drei Freunden gemeinsam zu erleben. Zwar konnten wir diesen Modus nicht vollständig mit insgesamt vier Personen testen, doch das Konzept verspricht, viele der Einzelspieler-Schwächen – wie träge Kämpfe und frustrierendes Backtracking – durch Teamarbeit auszugleichen. Wer mit Gleichgesinnten spielt, wird die monotonen Phasen leichter verschmerzen. Während unseres Tests hatten wir allerdings noch mit einigen Verbindungsproblemen zu kämpfen. Sobald unser gemeinsamer Spielstand gespeichert und danach geladen wurde, gab es einige Fehlermeldungen. Nicht jeder Versuch brachte den Spielstand wieder zum Laufen. Hier müssen die Nightdive Studios also nochmal ran.
Fazit zu System Shock 2: 25th Anniversary (Remaster)
Für Liebhaber gemacht, nicht für moderne Spieler
System Shock 2: 25th Anniversary (Remaster) ist ein Stück Gaming-Geschichte, das mit Respekt behandelt wurde – aber nicht ausreichend modernisiert wurde, um heutigen Standards gerecht zu werden. Wer das Original liebt, bekommt hier die wahrscheinlich beste Version des Spiels: technisch gut umgesetzt, neue Komfortfunktionen, Koop-Unterstützung und mehr Zugänglichkeit für die Spielerschaft.
Doch wer heute ein frisches, spannendes Sci-Fi-Spiel sucht, wird sich mit dem zweiten Teil schwer tun. Die altmodischen Mechaniken, das sterile Leveldesign, die schwachen Kämpfe und das unausgegorene UI erschweren den Zugang für neue Spieler erheblich. Noch stärker wird diese Diskrepanz sichtbar, wenn man es direkt mit dem modernen System Shock Remake vergleicht, das durchgängig zeigt, wie man ein altes Spielgefühl in ein neues Gewand kleidet. Hier hätten die Nightdive Studios durchaus ihr Werk vom ersten Teil wiederholen können.
Positiv:
Negativ:
Ab in die Sammlung?
System Shock 2: 25th Anniversary (Remaster) ist perfekt für Retro-Fans und Liebhaber des Originals, die mit ein paar technischen Macken klarkommen – wer neu einsteigt, sollte lieber erst das moderne Remake vom ersten Teil ausprobieren.













