Smile - Siehst du es auch?

Kritik zum zweischneidigen Horrorthriller

Herbst. Draußen wird es früher dunkel, es wird kälter und ungemütlich. Die perfekte Zeit also, um einen schönen Horrorfilm im Kino zu genießen. Mit Halloween Ends startet Mitte Oktober vermutlich ein Horrorhighlight, doch wer sich jetzt schon gruseln möchte hat mit Smile – Siehst du es auch? einen Horrorfilm in der Auswahl, der in den Trailern schon sehr interessant aussah. Am 29. September erscheint der Film, der zwar nicht so enttäuscht wie zuletzt Nope, aber das Gruselrad auch nicht neu erfindet. Für wen Smile geeignet ist und wer lieber noch auf Halloween Ends wartet, verraten wir in unserer Kritik.

 

Die Story von Smile – Siehst du es auch?

Im Fokus der Geschichte steht die Psychologin Dr. Rose Cotter, die in einer Station für psychische Notfälle arbeitet. Eine Patientin begeht vor Roses Augen Selbstmord, nachdem sie ihr erzählt, sie würde von einer unbekannten Macht verfolgt und terrorisiert werden. In den Stunden nach dem Erlebten merkt die Therapeutin, dass dieses böse Etwas nun offenbar sie als Ziel ausgesucht hat. Die unerklärlichen Geschehnisse in Roses Umgebung mehren sich und langsam, aber stetig wird sie von der Ärztin zur Patientin. Mithilfe ihres Ex-Partners, dem Polizisten Joel, kann sie eine Verbindung zwischen zahlreichen Selbstmorden herstellen, deren Opfer ihrem Leben immer mit einem gruseligen Grinsen im Gesicht ein Ende setzten. Um den Fluch zu brechen, muss sich Rose ihrer Vergangenheit stellen und eine schwierige Entscheidung treffen.

 

Unsere Kritik zu Smile – Siehst du es auch?

Die Prämisse von Smile klingt unglaublich spannend – und ist es auch. Ähnlich wie im Geheimtipp Unsane begleiten wir Zuschauer die Protagonistin bei ihrem stetigen geistigen Zerfall. Bei Rose ist es besonders spannend, weil sie nicht nur immer wahnsinniger wird, sondern dabei auch noch die Seiten wechselt. Eigentlich ist sie diejenige, die Patienten mit psychischen Problemen hilft, am Ende möchte man ihr aber eher zu einer Therapie raten.
Smile hat jedoch einen gigantisch großen Haken, der die gute Idee über lange Strecken ziemlich kaputt macht: Der Holzhammer.

Diskrepanz zwischen Was und Wie!

Wie gesagt, die Idee, dass eine Therapeutin nach und nach selbst irre wird, ist super interessant. Leider gehört Smile zu dieser Kategorie von Horrorfilm, die auf Atmosphäre größtenteils sch**ßt und lieber in regelmäßigen Abständen etwas oder jemanden mit einem ohrenbetäubenden Krach in die Kamera ballert. Oder anders gesagt: Smile ist eine Jumpscare-Orgie vor dem Herrn. Bis auf die letzten zehn, fünfzehn Minuten – dazu später mehr – besteht jeder (!) Erschrecker daraus, dass uns irgendwas ins Gesicht springt. Das passiert dabei mit einer so penetranten Lautstärke, dass es dem Zuschauer regelmäßig das Trommelfell zerschmettert. So sitzt man die sehr lange Laufzeit über (an)gespannt im Kino, aber nicht weil die Atmosphäre so dicht ist, sondern weil jeden Moment der nächste Gehörschaden folgen könnte. Klar, auch solche Filme haben ihre Berechtigung und ihr Publikum, man sollte jedoch keinen Atmosphäre-Knaller wie zum Beispiel A Quiet Place 2 erwarten.

Klischees und Logiklöcher

Durch das Abarbeiten von Jumpscares bleibt die Logik der Story leider in weiten Teilen auf der Strecke. Apropos Strecke, nur eine kleine lustige Anekdote: In einer Szene fahren Rose und Joel mit dem Auto über eine Schnellstraße. Der umliegende Verkehr ist dabei aber so schlecht in die Green-Screen-Scheiben reingebaut, dass uns die Szene im besten Fall an alte Hitchcock- oder Bond-Filme erinnert.
Zurück zur Logik. Leider wird die gute Prämisse nun nicht nur durch ständige Jumpscares, sondern eben auch durch dumme Entscheidungen und unlogische Handlungsverläufe gestört. Wer zudem eine Aufklärung erwartet, was die grinsenden Menschen denn nun in den Suizid treibt – Fehlanzeige. Es ist einfach ein böses Etwas, das sich am Trauma der Menschen erfreut, die den jeweiligen Selbstmord beobachten. So wird der Fluch dann auch übertragen. Wer den Selbstmord der Grinsenden sieht, ist der oder die nächste. Grundsätzlich sind die meisten Schocker so oder ähnlich auch schon in anderen Filmen zu sehen gewesen. Die meisten gängigen Horrorklischees werden in Smile abgedeckt.

Ende gut, alles gut?

Das klingt ja jetzt alles nicht so gut und deutet eher darauf hin, dass Smile der nächste Retortenfilm ist, der wieder einmal in die Kerbe von The Nun, Conjuring und Co. schlagen will. Ja, Fans dieser Streifen werden mit Smile auf jeden Fall ihren Spaß haben, doch zum Glück hat Smile ja auch noch ein Finale. Die letzten 15 Minuten können dann das Ruder doch noch einmal (in Teilen) rumreißen. Natürlich wird der Film dadurch nicht zum Must-See-Meisterwerk, doch gerade was das Groteske und Atmosphärische angeht, punktet Smile zum Schluss noch einmal gewaltig. Uns werden verstörende Bilder, ein extrem gruseliger Antagonist in seiner wahren Form und ein bitterböses Finale geboten. Natürlich dürfen auch hier die Jumpscares nicht fehlen, aber da der Schluss derart düster und beklemmend daherkommt, fügen sich diese Erschrecker gut ins Gesamtbild ein. Hier ist man als Zuschauer zum ersten Mal in 115 Minuten nicht angespannt, weil man weiß, dass uns gleich wieder der Gehörgang malträtiert wird, sondern weil der Film wirklich gruselig ist. Das fehlende Happy End rundet das tatsächlich gute Finale dann noch einmal ab.

Oberes Mittelmaß

Smile ist beim besten Willen kein schlechter Film. Man muss nur eben genau wissen, worauf man sich hier einlässt. Die Idee der verrückt werdenden Therapeutin ist extrem interessant, verschwimmt jedoch unter billigen Erschreckern und dem schnellen Thrill. Wer das mag und ein Freund solcher Filme ist, dürfte mit Smile auf jeden Fall seinen Spaß haben. Alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, der Sound ist zwar unfassbar laut aber passend, die Optik stimmt (mit kleinen Ausreißern). Alles in allem ist Smile ein Film, der in dem, was er machen möchte, wirklich funktioniert und gerade mit seinem tollen, düsteren Finale vielleicht auch Jumpscare-Muffel überzeugen kann. In seinem Subgenre rangiert der Film auf jeden Fall in der oberen Hälfte. Und unter uns: Mit der etwas knackigeren Ausrichtung der aktuellen Halloween-Filme ist Smile vielleicht die genau richtige Vorbereitung für das vorläufige Myers-Finale.

Informationen zu Smile – Siehst du es auch?

  • Originaltitel: Smile
  • Laufzeit: ca. 115 Minuten
  • Kinostart: 29. September 2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Sosie Bacon, Jessie T. Usher, Kyle Gallner

 

Trailer zu Smile – Siehst du es auch?

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  • (C) Paramount Pictures
    Fazit zu Smile - Siehst du es auch?

    Wer schon einmal eine Horrorkritik von mir gelesen hat, weiß wohl mittlerweile, dass ich kein Fan von Jumpscares bin. Mir ist das einfach zu billig und einfach gelöst, um ja auch jeden Zuschauer zu erschrecken. Während des Besuchs von Smile habe ich mich dementsprechend schon geärgert, dass man die gute Idee wieder nur durch billige Effekthascherei gruselig machen kann. Doch dann kam das Finale und ich war wieder ein bisschen versöhnt. Wenn der ganze Film auf diesem Niveau gewesen wäre – WOW! Nun will ich aber auch nicht immer auf diesen Jumpscares rumreiten und Filme darauf reduzieren. Guckt ihn euch an und gruselt euch!

    Lukas Hesselmann, Redakteur
Psychohorror über eine Reihe mysteriöser Selbstmorde
Extrem dichtes und böses Finale
Jumpscares über Jumpscares in unfassbarer Lautstärke
Gut für das, was Smile sein möchte

Ab ins Kino?

Wer weiß, worauf er sich hier einlässt und Spaß daran hat, bekommt mit Smile einen klar besseren Vertreter seiner Art!

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Lukas Hesselmann
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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