Skilltree Saga – Review zum Schwarzen Auge Lite Rollenspiel

Ich bin ein sehr großer Freund von Rollenspielen in sämtlichen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Den Anfang machte die Liebe zum Genre damals das Spiel Shining in the Darkness, für den Sega MegaDrive. Es war Sommer, die Ferien standen bevor, meine Freunde fuhren alle in den Urlaub und irgendwie hatte man als Lausbub 150 Mark für ein Sega Spiel aus dem Quelleladen über. Damit verbrachte ich dann auch, sehr zum Leidwesen meiner Eltern, den kompletten Sommer und erkundete Ruinen und Dungeons und habe mich durch Monsterhorden gekämpft und selber Karten mit Stift und Papier gezeichnet. Erschwerend kam hinzu, dass das Spiel nur auf Englisch zu spielen war. Bestanden habe ich das Abenteuer trotz allem und begann das nächste Schuljahr mit einem neuen Vokabular der englischen Sprache. Seit diesem Sommer verschlinge ich nun fast alles, was das Rollenspielgenre hergibt. Der neueste Ableger in meiner Sammlung kommt von Headup Games und spielt in dem deutschen Fantasie Setting ‘Das Schwarze Auge’. Mit Headup Games verbindet mich das eigentlich gute aber unfertige Space Engineers. Entwickelt wurde Skilltree Saga von Silent Dreams, die sich ihres Zeichens für die eher mittelmäßigen, aber mit hohen Kultstatus belegten Grotesque Tactics Spiele verantwortlich zeigen. Ob eine alte Liebe mit Skilltree Saga wieder angefeuert werden kann, ob Headup Games auch komplette Spiele publiziert und warum Goblin Späher die US Marines des DSA Universums sind erfahrt ihr im Test.

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Zum Leben erwachte Kanonenkugeln sind nicht nur für Mario ein Problem.

 

Full Metal Goblin

Willkommen in der Welt des Schwarzen Auges! Was ist DSA eigentlich? Wo kommt es her? Kann man es essen? Diese und weitere Fragen wird euch Silent Dreams mit Skilltree Saga leider nicht beantworten. Dafür gibt es aber mich. Bei der Welt von ‘Das Schwarze Auge’ handelt es sich um eine Fantasiespielwelt, die seit den frühen 80. Jahren besteht. Inspiriert von, den in Amerika sehr erfolgreichen, Tabletop-Spielen und Welten von Dungeons and Dragons erschufen Ulrich Kiesow, Werner Fuchs und Hans Joachim Alpers ein deutsches Gegenstück der beliebten Spielbücher. Aventurien, die Welt in der DSA Abenteuer spielen, ist sehr inspiriert von der klassischen Fantasie Literatur aus der Feder JRR Tolkiens und verbindet auch viele Elemente aus den Genres der Hohen und der Dunklen Fantasie. Es gibt eine lange Geschichte der Spielwelt, ein großes Pantheon an Göttern, klassische Monster und eine Menge leichtherzigen Humor. DSA kann aber auch sehr düster und kritisch daherkommen. Neben vielen Büchern, die unter anderem auch von Wolfgang Hohlbein verfasst wurden, gibt es auch eine Menge PC Spiele, de im DSA Universum stattfinden. Dazu gehört unter anderem die bei Spielern sehr geliebte Nordlandtriologie, die Point and Click Adventures Satinavs Ketten und Memoria, das Action Rollenspiel Demonicon und die sehr gute Blackguards-Reihe, die im Januar 2015 ihren zweiten Teil bekommt und ebenfalls von mir getestet werden darf. Neu im Universum des schwarzen Auges haben wir jetzt also Skilltree Saga. Unser Held, der aus den Völkern der Elfen, Menschen oder Zwerge gewählt werden darf, lebt in der Marktgrafschaft Greifenfurt. Greifenfurt ist eine mitteleuropäisch angehauchte und sehr schöne und sonnige Gegend. Greifenfurt hat aber leider auch ein großes Problem mit arbeitsscheuen und eingliederungsunwilligen Zeitgenossen. Diese Rollen werden Rollenspiel-typisch von Orks, Goblins und dem Original G Boss in schwarzer Ritterrüstung verkörpert. Zu beginn des Spieles also wird Greifenfurt geplündert und die Tochter des Grafen Greifentreu wird entführt. Unser zuvor erstellter Mensch/Elf/Zwerg macht sich dann natürlich gleich auf die Fersen, um der plündernden Meute die Leviten zu lesen und Emily zurückzuholen. Die Story ist dabei absolut nichts Neues oder sonderlich aufregend. Schließlich stößt unser Held dann alsbald auf die Gegnergruppe und darf … sich tierisch die Fresse polieren lassen? Von einem Goblin Späher? Genau, dies passiert uns im ersten Kampf, wir werden getötet. Game Over! Tschüss Oder doch nicht ganz. Nachdem unser Held von einem Green Beret Elite Goblin Späher Stufe Chuck Norris in den Erdboden gestampft wurde, werden wir rein zufällig vom Erzähler der Geschichte wiederbelebt. Damit wir auch eine Chance haben die Horden doch noch zu besiegen und die holde Maid zu retten bildet dieser uns auch noch im Fast-Forward zu einem Elementarritter aus. Eine Mischung aus Magier und Paladin die so ultra geheim ist, dass sie bisher niemand im DSA Universum kannte. Das ist die Macht des Hauptcharakters! Mit diesem Grundgerüst beginnt nun also Skilltree Saga.

Unser Lehrmeister führt uns sachte in die Spielwelt ein.

 

Ganz schöne Schurken

Nach meinem ersten richtigen Kampf im Spiel setzte leichte Verwunderung ein. Mein Charakter und der Gegner griffen Zug um Zug abwechselnd an, bis der Gegner blutend auf dem Waldboden lag. Nach einer Information zum Kampfsystem aus dem Munde unseres neuen Lehrmeisters machte dies aber allmählich sinn und die Verwunderung machte einem wachsenden Interesse platz. Wir dürfen aus dem großen und namensgebenden Skilltree Fähigkeiten kaufen und festlegen. Dafür verwenden wir die nach Level Ups erhaltenen Punkte und können uns damit unsere eigene kleine Kampfmaschine bauen. Der Skilltree bietet von Angriffs- und Verteidigunsgsskills, Buffs und Debuffs, Heilung und anderen Rollenspielkram eine Menge und lässt uns viel platz bei der Gestaltung unseres Helden. Nachdem dann die ersten Skills verteilt und auf bestimmte Slots in der Skillliste gelegt wurden geht es in den nächsten Kampf. Dieser läuft wie alle anderen Kämpfe im Spiel automatisch ab. Im späteren Spiel wird es sehr wichtig die Fähigkeiten der Gegner zu lernen und uns vor dem Kampf mit richtiger Vorbereitung, den Sieg zu sichern. Wissen wir zum Beispiel, dass der Magier sich in der ersten Runde mit einem Regenerationszauber belegt, legen wir auf den ersten Slot für Skills einen Umkehrzauber, der sämtliche erhaltene Heilung in Schaden umwandelt, danach belegen wir uns mit einem Schutzschild auf Slot 2 und der dritte Slot bekommt einen Feuerzauber, der dem Gegner ebenfalls in jeder Runde HP abzieht. Ein Kampf dauert 6 Runden, dies sind also 12 Aktionen insgesamt, einmal wir, einmal der Gegner und Wiederholung. Danach kommen wir, vorausgesetzt noch am Leben, wieder ins Vorbereitunsgmenü, in dem wir uns dann mit Heiltränken behandeln und neue Skills verteilen können, wenn die alte Strategie daneben ging. Einige Spieler regen sich in den Weiten des Internets darüber auf sich im Kampf nicht mit Heiltränken heilen zu können. Ich begrüße aber Spiele, in denen man nicht jederzeit ungestraft ins Menü wechseln kann, um sich zu heilen oder die Ausrüstung zu optimieren. Stellt euch mal vor bei einer Schlägerei drückt der Gegner pause, trinkt Heiltränke, erhöht seine Stärke und rüstet seine Kettensäge +5 aus. Wenn alle Stricke reißen, können wir auch ohne Verluste aus dem beliebigen Gebiet fliehen und uns in der Stadt neu ausrüsten. Dies ist im Endeffekt alles was in Skilltree Saga gemacht wird. Nach bestandenen Kämpfen erhalten wir Gold, Diamanten oder Ausrüstung. Mit Gold wird Ausrüstung gekauft, die Diamanten werden für Heiltränke genutzt und der Loot wird getragen oder verkauft. Alles ganz typisch, wenn wir in einem der Dungeon-Gebiete sterben, werden wir übrigens auch nicht von einem Game Over Bildschirm verhöhnt, sondern landen in der Stadt, einzig unsere gefundene Ausrüstung geht verloren, wenn nicht eine Goblin Versicherung gekauft wurde. Schon wieder Goblins! Gekaufte Ausrüstung wird ebenfalls gebunden und kann nicht verloren werden. Diesen Ablauf wiederholen wir jetzt also in 3 immer größer werdenden und zufällig generierten Dungeons. Mir gefällt die Möglichkeit ungenutzte Heiltränke für teuer Gold zu verkaufen, um sich eine bessere Ausrüstung leisten zu können, ebenfalls können sich so die Diamanten, die nicht dringend benötigt werden, zu Bargeld machen lassen. Wir kaufen für diese Heiltränke und verkaufen die Tränke für massiv viel Gold weiter. Ebenfalls sehr gelungen finde ich das Planen der Kämpfe, die nach jeweils 9 Stück im Dungeon in einen starken und meist recht kniffligen Bosskampf gipfeln. Wer nicht gerne plant, kann auch nebenbei fernsehen und solange trainieren, bis die meisten Gegner mit einem Treffer einer Standard Attacke gelegt werden. Bei Bossen funktioniert das klassische hochgrinden aber nicht ohne Planung und nutzen der Skills geht gar nichts.

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Hier findet die meiste Planung im Spiel statt.

 

Achtung! Könnte Goblins enthalten!

Die Technik von Skilltree Saga ist an und für sich recht angenehm. Der Hauptcharakter sowie die Gegner sind nett designt, Animationen sind simpel aber ausreichend und auch die Musik ist nicht störend und begleitet das Spiel durchgängig. Eine Sprachausgabe gibt es keine und die komplett deutschen Texte weisen auch nur zu etwa 10 Prozent Schreibfehler auf. Ähnlich wie in dieser Review. Auffällig ist aber stark, dass Skilltree Saga wohl eher ein Mobile Game hätte werden sollen. Viele der Design-Entscheidungen erinnern stark an Handy spiele, nach etwa 5-12 Stunden hat man Skilltree Saga dann auch bestanden. In kleinen Schüben macht das alles auch viel Spaß. Für längere Sessions ist es aber nicht geeignet. Die Geschichte rund um Chuck Norris Goblins, holde Frauen und von null auf Hundert Helden ist dabei nur die Ausrede für ein sehr tiefes und spaßiges Light Rollenspiel, das prima zwischendurch gespielt werden kann und mit anspruchsvollen Bosskämpfen aufwartet, der leichte Rogue Faktor des Spieles sorgt auch für Abwechslung in den Dungeons und kann einen auch mal den Hintern retten, wenn ein Heilbrunnen oder Händler richtig erscheint.

Fazit:
Wer ein DSA Abenteuer erwartet wird leider enttäuscht. Hier gibt es keine Heldengruppen, keine epische Story und auch sonst keine Bezüge zu dem DSA Universum. Für Spieler die ein tiefes und schnelles Spiel für zwischendurch suchen und keine Next Gen Grafik erwarten wird aber genug geboten.

 

 

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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