Saw: Spiral

Kritik zur Horror-Franchise-Fortsetzung

Im Jahre 2004 erschien der Film Saw in den Kinos weltweit und revolutionierte, so die Meinung vieler, das Horror-Genre. 17 Jahre später ist aus einem der besten Filme des Genres ein ganzer Franchise entstanden, der acht Filme umfasst, die sich um John Kramer, den berühmt-berüchtigten Jigsaw-Killer drehen. Nachdem er bereits im Mai in den USA Premiere feierte, erscheint mit Saw: Spiral bald Jahr der neunte Teil der Reihe auch in den deutschen Kinos. Wir haben uns den neuesten Film für euch angesehen und berichten!

 

Die Story von Saw: Spiral

Es ist der vierte Juli. Während der Festivitäten zum US-amerikanischen Nationalfeiertag verfolgt Marv Boswick, ein Polizist in zivil, einen Handtaschenräuber bis in die Kanalisation, wo er schließlich überwältigt wird. Als er aufwacht, findet er sich auf einem Hocker stehend und an den Händen gefesselt wieder – zudem ist er an seiner Zunge aufgehängt und steht mitten auf einem U-Bahn-Gleis. Per Videobotschaft teilt ihn ein Unbekannter in Schweinemaske mit, dass ein Zug auf dem Weg zu ihm ist und er dem sicheren Tod nur entkommen kann, wenn er sich die Zunge ausreißt. Nachdem er zuerst versucht, unversehrt zu entkommen, folgt Boswick den Anweisungen, doch er ist zu spät und wird von der ankommenden U-Bahn überfahren.

Ab hier folgt der Film dem Polizisten Ezekiel „Zeke“ Banks, dem Sohn des ehemaligen Chiefs, der im Präsidium in Ungnade gefallen ist, als er einen korrupten Kollegen verriet. Gemeinsam mit seinem neuen Partner William Banks, einem Neuling auf dem Revier, der als Jahrgangsbester die Polizei-Akademie abgeschlossen hat, wird er von Captain Angie Garza zum Tatort eines vermeintlichen Unfalls geschickt. Dieser entpuppt sich jedoch bald als der sorgfältig arrangierte Mord an ihrem Kollegen Detective Boswick. Die Details der Tat erinnern stark an die Mordserie, die durch den Jigsaw-Killer inszeniert wurde und die Polizist*innen des Reviers fürchten, dass es sich um einen Nachahmungs-Täter handelt.

Nach einem weiteren Mord an einem Kollegen wird schnell klar, dass der Mörder es aus einem bestimmten Grund auf Polizist*innen abgesehen hat: Sein Ziel ist es, „aufzuräumen“ und korrupte Officers auszusortieren. Es beginnt ein Wettrennen zwischen Zeke und seinem Team und dem Mörder, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Und als sich Zekes Vater auch noch in den Fall einmischt, überschlagen sich die Ereignisse…

 

Unsere Kritik zu Saw: Spiral

Saw: Spiral ist vielleicht der bildgewaltigste Teil der Filmreihe. Rein optisch kann er mit spektakulären Shots und Kamerafahrten punkten und auch beim Szenenbild wurde ganze Arbeit geleistet. Von dramatischen Verfolgungsjagden bis hin zu Folter-Szenen, bei denen es einem kalt den Rücken runterläuft – die Cinematographie ist wirklich eindrucksvoll. Und auch sonst ist der Film rundum durchaus unterhaltsam. Allerdings fühlt er sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht nach einem Horror-Streifen an, sondern eher nach einem Krimi-Thriller.

Natürlich bekommt das Publikum die für die Saw-Reihe typischen Fallen zu sehen und die „Spiele“, die der Mörder seine Opfer zu spielen zwingt, sind das, was wir von der Reihe gewohnt sind. Was Spiral jedoch zum großen Teil ausmacht, sind die Suche nach dem Täter und die damit verbundene Polizeiarbeit, die Zeke und seine Kolleg*innen leisten. Dabei gerät das eigentliche Genre ein bisschen aus dem Fokus und man denkt streckenweise, man sehe ein Cop-Movie. Dazu kommt die Prise Humor, die ja bereits im Vorfeld von Chris Rock für die Fortsetzung des Franchises angekündigt worden war. An und für sich ist das nichts Schlechtes und funktioniert für den Film auch grundsätzlich, aber wenn Saw draufsteht, sollte Saw drin sein – ohne dieses Label und die damit verbundenen Erwartungen an ihn wäre der Film vermutlich überzeugender.

Brandaktuelle Thematik

Es ist eindeutig, dass Saw: Spiral eine Nachricht senden möchte. Und gerade im Licht des aktuellen Klimas in der US-amerikanischen Polizei ist es wichtig und richtig, dass die Themen Korruption und Machtmissbrauch angesprochen werden. Das gelingt Spiral tatsächlich wirklich gut. Der Umgang der Polizist*innen untereinander und vor allem mit Zeke, der als Verräter abgestempelt ist, ist sehr aussagekräftig. Dazu kommen die Taten der verschiedenen Mordopfer, die nach und nach aufgedeckt werden und sie mit einem Mal gar nicht mehr so gut und rechtschaffen dastehen lassen, wie sie auf den ersten Blick vielleicht wirken mögen. Natürlich ist die gesamte Zeit über klar, dass das die Taten des Mörders in keiner Art und Weise rechtfertigt, aber es regt dennoch zum Nachdenken an.

(Fast) Überzeugender Cast

Eines der Elemente, die Saw: Spiral tragen, ist der Cast des Films – wenigstens größtenteils. Leider ist es gerade der Hauptdarsteller Chris Rock, der die am wenigsten überzeugende Performance abliefert. Doch davon mal abgesehen bieten die anderen Schauspieler*innen eine wirklich gute Leistung. Gerade Max Minghella als William Schenk wertet seine gemeinsamen Szenen mit Chris Rock ungemein auf und bringt eine angenehme Dynamik mit. Marisol Nichols, die Angie Garza verkörpert, passt ebenfalls perfekt in die Rolle der selbstbewussten und stark durchgreifenden Polizeikapitänin.

Ein kleines Highlight ist tatsächlich der Auftritt von Samuel L. Jackson. Als Zekes Vater Marcus Banks, ein zynischer und rechtschaffener Cop in Rente, rundet er das Ensemble auf eine gelungene Art und Weise ab und bringt einfach das für ihn typische Je-ne-sais-quoi mit, einen Charme, der seine Rollen seit vielen Jahrzehnten so beliebt macht.

Fassen wir zusammen

Insgesamt ist Saw: Spiral ein ziemlich guter Film. Er bietet eine ausgewogene Mischung aus Horror, Splatter, Thriller und ein wenig Comedy und ist rundum unterhaltsam. Klar hat er seine Macken – das Stilmittel Flashback wird beispielsweise sehr häufig verwendet, um rote Fäden zusammenzuführen und dem Prozess der Auflösung des Falls zu folgen und ab einem gewissen Punkt wünscht man sich als Zuschauer*in, dass der Film einem ein bisschen mehr geistige Eigenleistung zutrauen würde. Aber abgesehen davon war er eine tolle Kino-Erfahrung, die sich gerade auf der großen Leinwand lohnt.

Meine größte Kritik an dem Film ist tatsächlich, dass er als etwas vermarktet wird, was er irgendwie nicht wirklich ist: Eine Fortsetzung des Saw-Franchises. Mit Jigsaw aus dem Jahr 2017 ist die Geschichte um John Kramer eigentlich abgeschlossen und mit Spiral soll ein neues Kapitel in dem durch den berüchtigten Killer geprägten Universum aufgeschlagen werden. Das funktioniert leider nicht so richtig. Obwohl besonders die zweite Hälfte des Films in bekannter Saw-Manier mehr auf brutale Fallen und Nervenkitzel setzt und bis zum Ende hin ein Rätsel ist, wer hinter den grausamen Morden steckt, so scheitert auch Spiral an dem, was auch alle Nachfolger vor ihm versucht haben. Nämlich an die Spannung und die Innovation, das Genie und das schaurige Gänsehaut-Feeling des Originals ranzukommen.

Vielleicht hätte es dem Film gut getan, nicht im Schatten eines achtteiligen Franchises zu stehen, da er so bloß mit seinen Vorgängern verglichen wird und mit denen kann er einfach nicht mithalten – hierzu sind viel zu viele Erwartungen an den Namen Saw geknüpft und Fans der Reihe werden vermutlich eher denken, dass Spiral etwas fehl am Platz ist. Losgelöst von der Prämisse jedoch kann man durchaus Spaß mit dem Film haben.

 

Informationen zu Saw: Spiral

  • Originaltitel: Spiral: From the Book of Saw
  • Laufzeit: ca. 93 Minuten
  • Kinostart: 16. September
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Chris Rock, Samuel L. Jackson, Max Minghella, Marisol Nichols

 

Trailer zu Saw: Spiral

  • Saw: Spiral – Kritik zur Horror-Franchise-Fortsetzung
    Fazit zu Saw: Spiral

    Verglichen mit dem Rest des Saw-Franchises ist Spiral tatsächlich einer der schwächeren Filme, da er versucht, etwas neuen Wind in die Reihe zu bringen. Als Standalone macht er aber trotzdem Spaß.

    Julia Dohm, Redakteurin

 

Das Kamera-Department kriegt eine 1 für seine Arbeit
Humor, der tatsächlich nicht fehl am Platz wirkt
Samuel L. Jackson. Mehr brauche ich nicht zu sagen.
„Keine Sorge, der will nur spielen“ war noch nie so besorgniserregend

Ab ins Kino?

Die-Hard Fans des Franchises werden mit Spiral nicht glücklich, aber für alle anderen ist ein schaurig-schockierender Kinoabend garantiert.

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01
Geschrieben von Julia Dohm
durchbricht gern die 4. Wand und redet mit dem Publikum
1 Kommentar
  1. Für mich ist Chris Rock ein ganz ganz schlechter Schauspieler und schaffte es sogar die Fargo Reihe an die Wand zu fahren.In Spiral ist es nicht besser und seine Stimme kann ich auch nicht ab
    Ich fand nicht einen seiner Filme die mir gefallen haben

    Antworten

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