Matrix Resurrections

Kritik zum filmischen Super-GAU des Jahres 2021

Der Dezember 2021 wirkte wie der absolute Mega-Abschluss für die Kinos. Spider-Man: No Way Home, West Side Story, House of Gucci und Matrix Resurrections – ein absoluter Killer-Monat. Wie sich nun herausstellt, ist Matrix 4 vor allem in einer Hinsicht ein Killer: ein Franchise-Killer. Was sich die Wachowskis vor allem mit dem ersten Matix-Teil aufgebaut haben, reißt Lana Wachowski in diesem Dezember im Alleingang wieder ein. Doch Schritt für Schritt. Hier könnt ihr erst einmal nachlesen, was bisher in den Matrix-Filmen geschah. Und danach erklären wir euch, warum Matrix Resurrections in unseren Augen ein absoluter Totalausfall geworden ist.

 

Die Story von Matrix Resurrections

Der Beginn von Matrix Resurrections dürfte Fans sehr bekannt vorkommen. Wir sehen eine in Leder gekleidete Frau, die in einem abrissreifen Haus eine Gruppe Polizisten erledigt. Klingt nach Matrix 1 – genau so ist es. Anders ist dieses Mal nur, dass die Frau nicht Trinity ist, sondern uns gänzlich unbekannt scheint. Zudem beobachten zwei Unbekannte die uns vertraute Situation. Es handelt sich um Captain Bugs, die herauszufinden versucht, wo sie Neo finden kann. Das kennen wir doch auch irgendwoher…

Im Laufe der Story stellt sich heraus, dass Thomas Anderson ein erfolgreicher Spieleentwickler ist, der mit seinem Game Matrix (und den Nachfolgern) gigantische Erfolge feiern konnte. Irgendwann merkt Thomas jedoch, dass die Welt nicht real zu sein scheint – von einem Mann namens Morpheus wird er aus der Matrix befreit und findet sich in der realen, von Robotern zerstörten Welt wieder. Hier versucht er nun, seine geliebte Trinity zu retten…

 

Unsere Kritik zu Matrix Resurrections

Wer sich beim Lesen der Storyzusammenfassung von Matrix Resurrections dachte, “Moment, das kenne ich doch irgendwoher”, liegt absolut richtig. Würden wir uns kurz fassen wollen, könnten wir nun einfach schreiben: Matrix Resurrections ist eine extrem schlechte Neuverfilmung vom originalen Matrix. Das fasst den Film perfekt zusammen und ihr wüsstet, worauf ihr euch einlasst. Doch natürlich wollen wir dem Übel ein wenig auf die Fährte kommen und tauchen tief ein in eine Welt voller Deja-Vus, dummer Entscheidungen und einer immer wiederkehrenden Frage: Warum?

Warum gibt es diesen Film?

Diese Frage stellt man sich als Zuschauer die gesamten quälend langen 148 Minuten Laufzeit über. Was soll das alles? Der Film hat das große Problem, dass er völlig egal ist. Nichts hat einen tieferen Sinn oder wird genau begründet. Das fängt schon beim Grundplot an. Neo ist erneut in der Matrix und weiß nicht genau, dass er nur in der Matrix lebt. Die Erlebnisse aus den ersten drei Matrix-Filmen sind in der Welt von Resurrections nur ein Spiel, das sich Thomas Anderson ausgedacht hat. Natürlich erfahren wir im Laufe der Story, dass dem nicht so ist und Neo wirklich alles so erlebt hat. Warum das so ist? Das wird nicht erklärt. Um an dieser Stelle weiter zu sprechen, müssen wir zunächst ein anderes Problem klären.

Was geschah in der Zwischenzeit?

Zwischen den Ereignissen von Matrix Revolutions und Resurrections liegen im Film viele Jahrzehnte. Nachdem Neo mit den Maschinen Frieden geschlossen hatte, kam es zu einer Energieknappheit bei den Maschinen. So kam es zu einem Krieg zwischen Maschinen und Maschinen, bei dem irgendwas passierte, sodass jetzt wieder alles so ist, wie noch im ersten Matrix-Teil. Es hat sich also nichts geändert und die Errungenschaften Neos sind völlig nichtig.

Resurrections schafft es also nicht nur, einen absolut überflüssigen Plot zu erzählen, sondern schädig rückwirkend noch das Erbe der ersten drei Teile, da im Prinzip alles umsonst war und wir jetzt wieder am Anfang stehen. Die einzige Neuerung besteht darin, dass die Menschen nun teilweise mit den Maschinen zusammenarbeiten. Irgendwie sind diese neuen, freundlichen Maschinen anders strukturiert – aber auch hier die Frage: Warum? Ist halt so. Wie es zu der Allianz kam, wer diese neuen Maschinen sind, wird nicht erklärt. Das müssen wir uns halt selbst denken.

Zurück zum Anfang

Nach diesem kleinen Einschub, widmen wir uns wieder Neo. Warum ist der nun also wieder in der Matrix? Gute Frage, ist halt so. Neo ist EXAKT wie im ersten Teil wieder an einem Pod voller Schleim gefangen, muss per Pille extrahiert und in der realen Welt gerettet werden. Der neue Schurke, gespielt von Neil Patrick Harris, erklärt zwar irgendwann, dass Neo in Verbindung mit Trinity eine Art Superenergiequelle darstellt. Das ist aber so durcheinander und an den Haaren herbeigezogen, dass man es gar nicht erst hinterfragt. Wird schon stimmen.

Apropos Neil Patrick Harris: Der ist als Schurke wohl das einzige Highlight an Matrix Resurrections. Zwar taucht Agent Smith auch wieder auf, der wird jedoch nicht von Hugo Weaving verkörpert, sondern von Jonathan Groff. Blöd ist halt, dass Weavings Smith einen dermaßen ikonischen Status innehat, dass wahrscheinlich jeder neue Darsteller hier versagen würde. Groff ist aber auch einfach grundsätzlich ein langweiliger, fehlbesetzter Darsteller für diesen Bösewicht. Und Agent Smith ist nicht der einzige neubesetzte Rückkehrer…

Das kenne ich doch

Neben Agent Smith kehrt auch Morpheus zurück. Dieses Mal jedoch nicht von Laurence Fishburne, sondern von Yahya Abdul-Mateen gespielt, der 2021 im neuen Candyman zeigte, dass er ein wirklich toller Darsteller ist. Doch wie schon Groff als Smith, stinkt auch er im Vergleich zum Original völlig ab. Morpheus ist zudem eine Figur, die wie so vieles in diesem Film, völlig egal ist. Er ist halt da, damit die Fans sagen: Boah cool, Morpheus – den kenne ich! Und das werden Fans sehr, sehr, sehr häufig sagen. Matrix Resurrections strotzt nur so vor Selbstreferenzen. Aber nicht die coole Art, wie zuletzt in Spider-Man: No Way Home. Matrix geht mit seinen Referenzen so unfassbar plump um, dass es fast schon beispiellos ist. “HIER KENNT IHR DIESE SZENE??????!!!!” – hören wir gefühlt in unserem Kopf brüllen.

Szenen, Einstellungen, Dialoge, Figuren – nahezu alles in Resurrections kennen wir schon aus Matrix, Reloaded oder Revolutions. Die Macher sind sogar so dreist, dass im Hintergrund teils die originalen Filmszenen ablaufen, während im Vordergrund die Neuinterpretation zu sehen ist. In der Welt von Resurrections sind die bisherigen Filme schließlich Videospiele und können eins zu eins abgespielt werden. So gibt es sogar eine neue Menschenstadt anstelle von Zion. Io, die von Niobe regiert wird – bekannt aus den alten Filmen.
Es ist schon klar, was die Macher hier bewirken wollen. Es soll sich wie ein “Nach-Hause-kommen” anfüllen. Das kann auch durchaus klappen, wenn derartige Selbstreferenzen mit Fingerspitzengefühl und wohl dossiert eingesetzt werden. Wenn jedoch 90 Prozent des Films aus Elementen bestehen, die man so oder so ähnlich schon gesehen hat, kommt man sich ein wenig verarscht vor.

Wir sind ja so klug

Die erste halbe Stunde ist das dümmste und vor allem arroganteste, was wir seit langem im Kino gesehen haben. Matrix Resurrections will hier besonders klug sein und mit aller Macht die vierte Wand durchbrechen. Die Crew rund um Thomas Anderson soll ein viertes Matrix-Spiel entwickeln, weil der Mutterkonzern Warner das so möchte. Versteht ihr? Das vierte Spiel ist quasi der vierte Film, den wir in dem Moment gucken – HAHAHA genial! So hat das PR-Team der Spieleentwickler eine Umfrage erstellt, was die Fans an den Matrix-Spielen/Filmen – wer weiß das an dieser Stelle schon so genau – besonders mochten. Da fallen dann Begriffe wie “Bullettime” oder “herausfordernd”. Ja, wir haben es verstanden.

Diese 30 Minuten Meta-Film sind so plump und uninspiriert erzählt, dass wir uns fragen, wo das Fingerspitzengefühl von Wachowski geblieben ist. Der erste Matrix-Teil war um ein vielfaches smarter und tiefgründiger als dieser pseudointellektuelle Mist – es ist kaum in Wort zu fassen. Diese Selbstreferenzen, Dialogzeilen aus den alten Filmen, Aktionen und Bilder werden uns die gesamte Laufzeit über in die Netzhaut geballert. Der strapazierende Anfang ist hier nur die Spitze des nervigen Eisbergs.

Optik, Action und Co.

In ein paar Bereichen kann Resurrections dann aber tatsächlich punkten. Gerade soundtechnisch kann man dem Film nur wenig vorwerfen. Die Schießereien sind zwar völlig belanglos und zum Vergessen, klingen aber wenigstens satt und ordentlich. Wenn ihr die Worte Highway oder Hochhauslobby hört, klingelt wahrscheinlich etwas im Filmgedächtnis. Matrix Resurrections hat nicht eine Actionszene, die eine vergleichbare Epik bietet oder irgendwie erinnerungswürdig ist.

Die Effekte gehen ebenfalls klar. Zwar werden Neos neue Jedimächte, ein Machtschub und ein Machtschild, ein wenig überstrapaziert, doch zumindest sieht alles ganz gut aus.
Der Style der alten Matrix-Filme wurde auch ganz gut ins Jahr 2021 transportiert. Aus schwarzen Lederroben mit Sonnenbrillen wurden 2021er-schwarze Roben mit Sonnenbrillen. Trotzdem wirkt gerade der Ur-Matrix auch heute noch organischer und stilsicherer als Resurrections. Der Look, die Farben, der Stil war damals eher aus einem Guss und auch die Effekte können sich bis heute sehen lassen. Der neuste Teil sieht zwar heute gut aus, wird aber sicherlich in 10 Jahren irgendwie aus der Zeit gefallen wirken.

WARUM?

Warum gibt es Matrix Resurrections? Warum ist alles so bekannt? Warum wirkt Keanu Reeves in vielen Szenen so, als hätte er überhaupt keinen Bock, am Set zu sein? Warum sieht er dabei aus, wie ein billiges Neo-Cosplay mit Klamotten vom Flohmarkt? Fragen über Fragen, die alle nicht beantwortet werden können. Lana Wachowski ist mit Matrix Resurrections ein Kunstwerk gelungen. Sie schafft es nicht nur, einen in sich völlig überflüssigen Film auf die Leinwand zu “zaubern”, sie unterbietet sogar den eh schon qualitativ schlechteren zweiten und dritten Teil der Reihe.

Alle neuen Versionen der Charaktere stinken gegen ihre Ur-Versionen ab, die Story ist völlig egal und selbst die Action ist nicht wirklich erinnerungswürdig. Tatsächlich finden sich online auch einige mittelmäßige bis gute Kritiken. Bildet euch also gerne selbst eine Meinung von Matrix Resurrections, doch seid euch bewusst, dass ihr vieles schon genau so oder zumindest so ähnlich gesehen habt. Unserer Meinung nach hätte man sich den vierten Matrix-Teil gut und gerne sparen können. So ist der Film leider ein absoluter Tiefpunkt für ein ansonsten recht solides Kinojahr.

 

Informationen zu Matrix Resurrections

  • Originaltitel: The Matrix: Resurrections
  • Laufzeit: ca. 148 Minuten
  • Kinostart: 23. Dezember 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Neil Patrick Harris

Trailer zu Matrix Resurrections

  • Matrix 4
    Fazit zu Matrix Resurrections

    Ich habe grundsätzlich kein Problem mit trashigen Filmen. Matrix Resurrections ist halt nur leider nicht trashig charmant, sondern für mich als Fan einfach schlecht. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt dermaßen nach einem Film geärgert habe und selbst während des Films schon gemerkt habe: Au weia, das ist ja mal gar nicht so gut. Für mich ist Matrix 4 definitiv die Enttäuschung des Kinojahres und ich hoffe, dass es nicht zu Matrix Revelations, Reactivated oder Revenge kommen wird…

    Lukas Hesselmann, Redakteur

 

Fortsetzung der legendären Matrix-Reihe
Im Kern die gleiche Geschichte wie in Matrix 1
Kaum neue Ideen
Warum gibt es diesen Film?

Ab ins Kino?

Wer zum Jahresabschluss nochmal so richtig enttäuscht werden möchte, kauft sich ein Kinoticket.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
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