Majestic Nights – Review zum 80iger Agenten-Rollenspiel

Willkommen zu meiner Review zu Majestic Nights. Ich bin selber vor einer geraumen Zeit auf den Trailer zu dem Spiel hier gestoßen und musste durch die Musik in eben diesem sofort an den Film ‘Drive’ denken. In meinen Augen einer der besten Filme der letzten Jahre. Der ganze Vibe im Trailer schrie förmlich “80iger Jahre!!”. Wir haben Synthie Musik, Neonfarben und grausame Frisuren. Die für den Titel des Spieles verwendeten Fonts sehen aus wie aus Miami Vice oder für die jüngeren unter euch Far Cry: Blooddragon. Das Bild rundete ein recht eigensinniger. aber an und für sich gelungener, Cellshading-Look ab. Die Story rund um eine Welt, in der jede Verschwörungstheorie wahr ist und wir sogar daran Schuld sein könnten, machte Lust auf mehr. Dazu die Mohrrübe über dem Kopf der Käufer, dass wir, als Spieler, gerade eben, wohl möglich in dieser Welt leben könnten. Dies alles verpackt in eine Mischung aus ‘The Secret World’ und ‘Alpha Protocol’ war schon fast zu viel des Guten. Mein Interesse war geweckt und ich verspürte das Verlangen, das Spiel zu spielen und nebenbei eine Review zu verfassen. Hier sind wir nun also, die erste Episode ist gespielt. Und die Frage, ob sich der Kauf der Wahrheit willen lohnt, oder die Akte “Majestic Nights” in Mulders Schreibtisch versauern sollte, beantworte ich euch in folgender Review.
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Neon, schlimme Frisuren, tolle Musik. Willkommen in den 80igern!

 

I’m giving you a night call to tell you how I feel:

Majestic Nights kommt von dem australischen Studio Epiphany Games, welches seit 2004 besteht, aber hauptsächlich Entwicklungstools für andere Studios bereitgestellt hat. Mit dem Echtzeitstrategie- und Rollenspiel-Hybriden “Frozen Hearth” traute sich das Team 2013 dann aber auch selbst mal an die Entwicklung eines eigenen Spieles. “Frozen Hearth” hat bisher eher negative Kritiken bekommen, unter anderem soll es nur halbfertig und technisch nicht optimiert sein. Andere Stimmen loben es aber wegen seines Schwierigkeitsgrades und den notwendigen Multitasking- und Micromanagement und nennen es das “Dark Souls” des RTS-Genres. Kommen wir jetzt aber zu “Majestic Nights”. “Majestic Nights” erscheint ähnlich wie die Telltale-Spiele im Episodenformat. Der Prolog ist dabei sogar umsonst und bietet etwa 50 Minuten Spielzeit. Die erste Episode kostet 5 Euro und kann in etwa zweieinhalb Stunden beendet werden. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist somit recht ok. Der Prolog “Sunset After Dark” steckt uns in die Schuhe von John Cardholder. Cardholder ist der Jason Bourne, James Bond und Tom Cruise der “Majestic Nights”-Welt und auf einer Reise der Vergebung. Cardholder ist in so ziemlich alle Geschehnisse der Geschichte verwickelt, die aus unserer Sicht als Mythen und Theorien gelten und wird deswegen auch von der CIA gejagt. In seiner Rolle schleichen, sprechen und schießen wir uns jetzt also durch die Straßen LA’s. Die Reise führt uns in eine Whiskeybar und darunter hinaus. Es gibt Geheimnisse zu lüften, Türsteher zu verprügeln und Agenten zu erschießen. Am Ende des Prologes erfahren wir dann ein wenig über die Mondladung (Na sicher war die gefaked!) und werden von einem Cliffhanger verabschiedet. Kurz danach setzt dann Episode 1 an. Covert Genesis, so der Name der ersten Folge, stellt uns die Privatermittlerin Callie, kurz Cal, vor. Cal wurde von dem mysteriösen “The Suit” damit beauftragt, den verschollenen Cardholder ausfindig zu machen. Wenn Sie dabei erfolgreich ist, könnte Cal sofort in den Ruhestand gehen und ihr Leben in Saus und Braus genießen, sie könnte auf dem Weg dahin aber auch blutend im Dreck enden. Ihre Untersuchungen bringen Sie dabei immer tiefer in die Spielereien der Regierung und Cardholders Hintergrund. Dieses Wissen könnte für Cal alles ändern. Die ganze Grundidee ist dabei keine neue mehr. Spiele wie die Deus Ex-Reihe oder The Secret World haben uns auch schon zwischen die Fronten der Wahrheit und Täuschung und ins Fadenkreuz verschiedener Geheimorganisationen gebracht. Wirklich cool ist die Idee hinter Majestic Nights aber trotzdem. Oder könnt ihr von euch behaupten nicht einmal Geheimagent gewesen sein zu wollen?

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Höllische Nachbarn. Cardholder hatte wohl wieder zu laute Musik gehört und muss jetzt durch die Schatten schleichen.

 

I want to drive you through the night, down the hills:

Lassen wir uns jetzt zum Gameplay von Majestic Nights kommen. Wir steuern Cardholder und Cal entweder mit Maus und Tastatur oder einem Xbox 360 Controller. Ich möchte euch an dieser Stelle den Controller ans Herz legen. Mit der Maussteuerung ist nichts verkehrt, rechte Taste zum zielen, linke zum Schießen. Aber das Problem ist die Belegung der Tastatur. Um die Tastaturbefehle zum Rennen wirklich ausführen zu können, benötigt man eine dritte Hand oder einen Mitspieler, der nur Shift drückt während ihr euch mit W-A-S-D bewegt. Eine Funktion, um mit der Maus wie z.B in Diablo zu laufen wäre wünschenswert. Mit dem Gamepad in der Hand geht es jetzt also weiter. Ein Großteil des Spieles verbringen wir mit Dialogen, die ähnlich wie in den Telltale Spielen verschiedene Antwortmöglichkeiten bieten. Dabei ist zu beachten, dass die falschen Antworten Konsequenzen nach sich ziehen, die nicht mit der Zombiefizierung eines geliebten Charakters, sondern mit einer Kugel in eurem Kopf enden können. Bei den Dialogen, die komplett unvertont sind, offenbart sich eine der größten Schwächen des Spieles: Die Dialoge rasen über den Bildschirm! Ich selber bin ein sehr schneller Leser und hatte aber stellenweise Probleme der Textflut zu folgen. An dem Punkt der Entscheidung, wie man antworten möchte, läuft zum Glück keine Zeit und man kann den Rest des Textes in Ruhe lesen, richtig Spaß macht dies aber nicht. Die Dialoge selbst sind aber öfters gut geschrieben als eher Füllmaterial und beleuchten die Welt, in der wir uns befinden, und die Charaktere effektiv genug. Wenn wir nicht mit NPC’s reden, schleichen wir uns also auf der Suche nach Informationen durch L.A., dabei sollten wir stets ungesehen im Schatten oder in einer Deckung agieren. Wenn das Schleichen nicht funktioniert oder wir uns aus anderen Gründen den Weg freischießen müssen, kommen wir dann zu dem 3. S: Ballern! Wenn wir zielen, erscheint ein Laserstrahl vor der Mündung unserer Waffe, diesen richten wir auf den Gegner, warten einen Moment und drücken ab. Wenn unser Charakter ruhig und lange genug gezielt hat, werden wir mit einem Kopfschuss belohnt und der Gegner war nie da. Wenn wir zu voreilig am Abzug ziehen, kann es aber 2-4 Schüsse dauern, bis unser Gegenüber den Löffel abgibt. Eine Munitionsanzeige gibt es dabei nicht, meines Wissens haben wir wie in Actionfilmen aus dem Zeitalter des Spieles unendlich viele Kugeln in unseren Schusswaffen. Hier und da begegnen uns noch verschlossene Türen, die es in einem simplen Minispiel zu knacken gilt, hierbei müssen wir einen Dietrich Stück für Stück durch verschiedene bewegliche Teile lotsen, wer schlecht im Timen ist, hat dabei aber seine Probleme. Kommen wir zu dem zweiten großen Kritikpunkt, den Majestic Nights leider zu bieten hat. Die künstliche Intelligenz: unsere Gegner, ausgebildete und professionelle Agenten, sind dumm wie Stroh. Sie verfolgen uns bei Entdeckung entweder ohne Ende oder bis wir oder sie tot sind, verlieren nach drei Sekunden das Interesse an uns und gehen zurück auf ihren Posten, um dort dann eine Kugel ins Gesicht zu bekommen. Oder sie bleiben an dem Ort stehen, an dem sie uns in Deckung haben rennen sehen, schießen auf uns ohne eine Gefahr darzustellen und werden, genau, ins Gesicht geschossen. Um diesen Umstand etwas entgegen setzen zu können, treten die Gehirnakrobaten aber gerne in großen Gruppen auf und versuchen uns über den Haufen zu ballern. Hier sehe ich aber auch ein Nicken zu Actionfilmen mit Bruce Willis, Jean Claude Van Damme oder Arnold Schwarzenegger. Die Helden meiner Jugend haben sich auch immer durch Armeen geballert. Das verteilen unseres Pixelsaftes gelingt unseren Feinden auch recht gut, wenn wir nicht schnell genug verschwinden. Nach drei Teffern dürfen wir blutend zu Boden fallen und den kompletten Abschnitt wiederholen. Checkpoints gibt es nur zwischen den Gebieten. Ob das ein Designschnitzer oder an ältere Spiele angelegt ist, kann man jetzt drehen und wenden wie man will.
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POP! goes the Weasel

 

I’m gonna tell you something you don’t want to hear:

Ich habe jetzt schon mehrfach vergleiche zu Telltale bringen müssen. Im Bereich der Grafik scheint sich Majestic Nights vor allem bei “The Wolf Among Us” zu bedienen, diese Beobachtung entpuppt sich aber als falsch. Auch, wenn die Farbpalette und das Cellshading sehr ähnlich wirken, soll sich Majestic Nights eher an Hotline Miamis Grafikstil orientieren. Sprachausgabe gibt es keine und der Soundtrack ist eher sporadisch vorhanden, glänzt aber mit einigen wahnsinnig geilen Synthy-Themen. Das überzeugt dann schon. Was absolut nicht überzeugt sind aber die Animationen der Charaktere. Alles wirkt sehr grobmotorisch und Cardholder und Cal scheinen oft über den Boden zu schweben. Dies fällt vor allem bei den Schleichanimationen auf. Hier bleibt zu hoffen, dass bei dem Erscheinen weiterer Episoden noch einiges an Feinschliff vorgenommen wird.

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I’m gonna show you where it’s dark, but have no fear:
Wie vor etwa 1000 Wörtern erwähnt ist Majestic Nights erst das zweite Spiel von Epiphany Games und kostet pro Episode auch nur etwa 5 Euro. Wenn man dieses Wissen als Ausgangspunkt nimmt, die epische Idee der Story rund um ALLE Verschwörungstheorien der Welt hinzufügt, ist das Endergebnis doch recht beeindruckend. Spielerisch könnte Majestic Nights auch auf einem IOS Gerät erschienen sein, auch die Technik passt eher zu einem mobilen Release, aber dies ist ebenfalls nicht wirklich schlimm. Man könnte ultra kritisch sein und Majestic Nights mit einem Triple-A-Titel vergleichen, aber dies wäre für ein Indie Spiel doch recht unfair. David und Goliath gehören in die Bibel und nicht in Videospielreviews. So ist Majestic Nights ein brauchbares Spiel, es wurde sicher viel Recherche in Verschwörungstherien gesteckt und auch versucht alle unterzubringen. Ob Epiphany Games zu viel vom Kuchen abgebissen haben, oder doch sämtliche Folgen Akte X analysiert haben, werden die späteren Episoden zeigen. Hoffen wir, dass dabei aber nicht das Patchen der alten Episoden vergessen wird.
Fazit:
Majestic Nights ist ein mutiges Projekt. Es wurde viel Zeit und Liebe in die Recherche der Verschwörungstheorien gesteckt, die Welt ist bunt und schreit 80iger Jahre. Technisch gibt es aber einige Mängel, die das Spiel nicht ganz auf das Niveau der 80iger befördern – aber fast. Majestic Nights bekommt meine Empfehlung aber trotzdem. Hoffen wir auf weitere Updates mit den neuen Kapiteln.
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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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