Dreamcatcher: Night of Fear

Kritik zum Möchtegern-Thriller

2021 war das Jahr, in dem die Filmwelt langsam wieder ein wenig Fahrt aufgenommen hat – trotz Pandemie. Neben den großen Kino-Blockbustern hieß das auch, dass einige kleinere Produktionen das Licht der Welt erblickten. Eine davon ist Dreamcatcher: Night of Fear, ein Mystery-Thriller, der in diesem Jahr erschienen ist. Wir haben ihn uns für euch angesehen und leider festgestellt, dass der Film alles andere als ein Träumchen ist… aber lest selbst.

 

Die Story von Dreamcatcher

Im Fokus von Dreamcatcher steht eine Gruppe junger Menschen, die auf ein EDM-Festival gehen. Pierce, ihr bester Freund Jake, ihre ältere Schwester Ivy und deren bester Freund Brecken sind spontan auf dem Cataclysm, einem der exklusivsten Events des Jahres unterwegs. Mit von der Partie sind außerdem Hunter, mit dem Pierce vor einiger Zeit eine Affäre hatte und der sie nicht vergessen kann und dessen Freundin Raye.

Auf der EDM-Party geht es allerdings nicht mit rechten Dingen zu. Inmitten des Chaos scheint Dylan zu stehen, der als „DJ Dreamcatcher“ Headliner des Abends ist. Und als schließlich die erste Person stirbt, überschlagen sich die Ereignisse…

 

Unsere Kritik zu Dreamcatcher

Ganz ehrlich, die Prämisse von Dreamcatcher ist gar nicht schlecht. Ein Festival ist ein chaotischer Ort voller Drogen sowie Alkohol und eine Mordreihe hierhin zu versetzen, kann ein unheimlich intelligenter und spannender Schachzug sein. Leider ist das in diesem Film so gar nicht gelungen und anstatt eines spannungsgeladenen Nervenkitzels handelt es sich um eine unsinnige Aneinanderreihung von Ereignissen, die ich mir teilweise in doppelter Geschwindigkeit angesehen habe, damit es endlich vorbei ist. Aber eines nach dem anderen.

Dialoge für die Tonne

Wohl eines der größten Probleme, die ich mit Dreamcatcher habe, sind seine furchtbaren Dialoge. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das vielleicht die schlechtesten Unterhaltungen waren, die ich mir jemals in einem Film anhören musste. So reden keine normalen Menschen. Die Konversationen fühlen sich steif und irgendwie unangenehm an, viele Kommentare sind absolut fehl am Platz, manchmal ergeben die Antworten auf bestimmte Fragen absolut keinen Sinn und insgesamt habe ich das Gefühl, dass ein Dreijähriger die meisten Texte verfasst hat, anders kann ich mir das nicht erklären.

Und wo die großen Sprechrollen schon scheitern, grenzen die Hintergrund-Stimmen schon fast ans Lächerliche. Denn natürlich sind auf einem Festival viele Menschen, die eben auch Unterhaltungen führen oder irgendwas von sich geben. Und natürlich muss man das als Zuschauer*in auch von Zeit zu Zeit mitbekommen. Aber auch hier hat die Dialogregie gepennt und/oder sich in den letzten zwei Minuten vor der Aufnahme erst die Zeilen überlegt, die eingesprochen werden sollen. Meine Top Drei der zufälligen Background-Lines sind: „Wuhuuu!“, „Jaaaa“! und… Trommelwirbel… „Das macht Spaß!“ Ja, ihr habt richtig gelesen. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie fassungslos ich gewesen bin, als ich das gehört habe.

0815-Charaktere

Die illustre Truppe, der wir in diesem Film folgen, ist, wie es sich für einen guten schlechten Film gehört, zusammengestellt aus absoluten Klischees. Im Zentrum steht Pierce, das 21-jährige „quirky girl“, die nicht so ist wie die anderen, denn sie liebt Horrorfilme. Je blutiger, desto besser. Und sie ist total eigenständig und möchte keine Beziehung mit dem Typen, der verrückt nach ihr ist, denn er ist „schon fast zu perfekt“ und würde alles für sie tun. Verständlich, wer will schon einen Partner, der vernünftig kommuniziert und zuvorkommend ist? Ekelhaft.

Mit Jake ist Pierce schon seit Kindestagen befreundet und natürlich steckt der arme Kerl so tief in der Friendzone, dass es schon fast wieder lustig ist. Und weil ihn das belastet, ist er zynisch und sarkastisch und eigentlich hat er auch gar keine Lust auf Festivals und Partys und das ist ihm alles zu viel. Aber weil Pierce ihn so lieb bittet, macht er dann doch eine Ausnahme und kommt mit. Aber natürlich nicht, ohne sich mindestens alle fünf Minuten zu beschweren.

Ivy ist die große Schwester, mit der Pierce früher einmal ein gutes Verhältnis hatte, aber die beiden haben sich drei Jahre lang nicht gesehen und sind einander irgendwie fremd geworden. Pierce wirft ihr aus irgendeinem Grund vor, eine schlechte Schwester zu sein und irgendwie ist die Stimmung zwischen ihnen eher angespannt. Einziger Ruhepol ist Brecken, Ivys bester Freund aus dem Studium (Medizin, was auch sonst?), der aber die meiste Zeit aber eher am Rand steht und bloß den ein oder anderen die Situation entschärfenden Kommentar von sich gibt, abgesehen davon aber nicht viel Persönlichkeit hat.

Mit Hunter und Raye ist die Runde schließlich komplett. Er ist ein absoluter fuckboy (und das kann man wirklich nicht anders formulieren), der hinter Pierce her jagt, denn „Da war eine Verbindung zwischen uns!“, sie seine neue Flamme, die eigentlich bloß zur Ablenkung/Überbrückung dient, bis er Pierce zurückerobert hat. Entgegen meinen Erwartungen bringt Raye aber doch tatsächlich etwas Hirn mit in die Runde und durchschaut Hunters Masche relativ schnell. Good for her.

Schlecht gesponnene Geschichte

Ich hatte ja bereits kurz angemerkt, dass ich die Prämisse des Films gar nicht schlecht finde. Meiner Meinung nach steckt da echtes Potenzial drin für absoluten Nervenkitzel. Stattdessen zieht sich die Handlung des Films, ergibt zwischendurch keinen Sinn und lässt einen mit mehr Fragen als Antworten zurück, und die dringendste davon ist „Warum habe ich meine Zeit mit diesem Mist verschwendet?“

Die Protagonisten sind allesamt dumm wie Brot, beginnen unnötige und lächerliche Streits und eine nimmt sogar Drogen von einem Fremden an. Die Dummheit der Charaktere als Plot-Device zu nutzen ist einfach ausgelutscht und funktioniert nicht, vor allem nicht, wenn man dabei ernst genommen werden will. Als dann das erste Opfer verletzt ist, kommt keiner auf die Idee, lebensrettende Maßnahmen einzuleiten (nein, auch nicht die Medizinerin der Gruppe!) oder einen Krankenwagen zu rufen. Und als dann noch die Antagonistin Josephine auf den Plan tritt, die Agentin von DJ Dreamcatcher, ist alles vorbei. Um diesen ersten Tod zu vertuschen, bietet sie die Überlebenden Geld an, um ihr Schweigen zu kaufen – und es funktioniert. Naja, wenigstens so halb, denn die angehende Anwältin Raye plant, rechtliche Schritte einzuleiten (wie gesagt – sie ist die einzige mit Hirn). Doch ein verkleideter Killer bringt nach und nach scheinbar ohne Motiv einen Charakter nach dem anderen um und anstatt eines spannenden Plots handelt es sich jetzt nur noch um ein Roulette von „Wer ist als nächstes dran?“. Im Ernst, macht ein Trinkspiel draus, oder wettet um was, das macht mehr Spaß als der Film an sich.

Schließlich sieht es in den letzten Minuten doch noch aus, als würde der Film die Kurve kriegen. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Dylan ist stark belastet und steht unter Verdacht und für einen kurzen Moment dachte ich: „Hey, das funktioniert doch. Jetzt kommt Kritik am modernen Musikbusiness, aufgezeigt an einem Superstar, der viel zu jung berühmt wurde und jetzt in einem Lifestyle aus Drogen, Druck und fehlender Selbstbestimmung den Verstand verliert. Und in einem Versuch, etwas Kontrolle wiederzuerlangen, bringt er eben sein Management und alle, die ihm im Weg stehen, um.“ Aber – Spoiler Alter – ich hatte mich zu früh gefreut und stattdessen nimmt der Film eine vollkommen zusammenhangslose Wendung ins Übernatürliche, die nicht in irgendeiner Art und Weise erklärt wird. Was eine Enttäuschung.

Schlechte Antagonistin

Ja, lasst uns über Josephine reden. Diese Frau verdient einen eigenen Absatz, so wütend hat sie mich gemacht. Auch hier sind die Dialoge wieder abgrundtief schlecht geschrieben und das Schauspiel sowie die deutsche Synchronisation sind unterirdisch. Ab der Sekunde, in der sie den Mund das erste Mal aufmacht, ist sie eigentlich nur nervtötend. Sie soll dargestellt werden als diese reiche, mächtige und gnadenlose Agentin, die tut, was sie tun muss, um ihre Karriere zu retten und dabei vor nichts zurückscheut. Aber statt ernsthaft bedrohlich zu wirken und Eindruck zu machen, kommt sie rüber als völlig überspitzt, herrisch und mit einer „Ich bin besser als ihr alle“-Attitüde, was sie insgesamt einfach zum nervigsten Charakter des gesamten Films macht. Ihre ständigen Allüren von „Ich bin so reich und kann euch alle kaufen“ und „Hmm, eigentlich habe ich hier alle Fäden in der Hand und der gute DJ Dreamcatcher ist von mir abhängig, haha, ich bin so böse“, gingen mir so ungemein auf die Nerven, dass ich sehr bald den Mörder angefeuert habe, sie doch bitte einfach zu erschießen.

Was ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte ist die Art und Weise, wie sie sich vorstellt: „Ich bin Dylans rechte Hand. Und seine linke. Und sein Verstand. Und sein Herz. Ich bin eigentlich sein Ein und Alles, hahaha!“. Wenn ich euch sage, dass ich an der Stelle kurz pausieren musste, um mich davon zu erholen, ist das nichts als die Wahrheit.

Das ganze Drumherum

Auch sonst lässt Dreamcatcher eher zu wünschen übrig. Die Kulissen sind abgewrackt – und das nicht auf die gute Art. Der Sound ist so schlecht abgemischt, dass ich im ersten Moment dachte, irgendetwas stimmt mit meinem Laptop nicht. (Ganz im Ernst, wenn die Protagonist*innen auf einem EDM-Festival sind, werden im Hintergrund wohl nicht nur ein dumpfer Bass, zwei weitere Stimmen und das Quietschen von Schuhsohlen auf dem Boden zu hören sein. Was zur Hölle?) Insgesamt wirkt das Cataclysm in den Dialog-Szenen nicht wie die krasseste Party des Jahres, sondern wie eine Kinderdisco, die sich etwas zu ernst nimmt.

Und auch, wenn unterm Strich alles eher schlecht als recht ist, muss man Dreamcatcher wenigstens zwei Dinge zugutehalten. Erstens: Die Cut-Scenes, in denen die Eindrücke des Festivals gezeigt werden – tanzende Menschen, DJs, die Stimmung machen, wilde Licht-Effekte – sind gar nicht mal so schlecht. Dasselbe gilt für die Szene, in der Pierce einen schlechten Trip erlebt. Auch die war recht gut gemacht. Zweitens: Das ein oder andere Mal hat der Film versucht, lustig zu sein und es tatsächlich in den subtileren Momenten gut geschafft. Beispielsweise witzelt einer der Charaktere, dass er nicht will, dass Blut auf seine Schuhe spritzt, wenn die Gruppe den Mörder endlich erledigt hat. Als er schließlich getötet wird, zoomt die Kamera auf seine Schuhe. Ich muss gestehen, ich habe gelacht.

Trotzdem: Im Großen und Ganzen überwiegen die Fehler und schlecht exekutierten Elemente des Films und obwohl er die ein oder andere bildlich starke Szene enthält, ist er eher enttäuschend als unterhaltsam.

 

Informationen zu Dreamcatcher

  • Originaltitel: Dreamcatcher
  • Laufzeit: ca. 108 Minuten
  • Heimkinostart: 9. Dezember 2021 Digtal EST, 16. Dezember 2021 Digital TVOD, 4. Februar 2022 auf Blu-Ray und DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Zachary Gordon, Travis Burns, Niki Koss, Elizabeth Posey

Trailer zu Dreamcatcher

  • Dreamcatcher: Night of Fear – Kritik zum Möchtegern-Thriller
    Fazit zu Dreamcatcher

    Dreamcatcher ist einer der schlechtesten Filme, die ich mir dieses Jahr angesehen habe. Er kommt nicht ganz an Queen of Spades ran, aber trotzdem wünsche ich mir diese eineinhalb Stunden zurück. Das war es echt nicht wert.

    Julia Dohm, Redakteurin
Dylan „DJ Dreamcatcher“ als Depp vom Dienst
Die nervigste Agentin des Jahres, herzlichen Glückwunsch
Waren die Soundtechniker*innen jemals auf einer Party? So klingt das nicht!!!
Der schlechteste Plottwist, den ich seit Langem gesehen habe mit kriminell wenig Kontext

Ab in die Filmsammlung?

Nein, besser nicht. Erspart euch dieses Schnarchfest.

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Geschrieben von Julia Dohm
durchbricht gern die 4. Wand und redet mit dem Publikum