Die Zwerge – Test zur Buch-Umsetzung der kleinen Wesen

Sie sind in vielen Rollenspielen und Filmen vertreten, doch ein eigenes Spiel haben sie bisher nicht gehabt – Die Zwerge! Im gleichnamigen Spiel erlebt ihr das erste Kapitel der Buchvorlage, die aus der Feder von Markus Heitz stammt. Zusammen mit dem Entwicklerstudio KING Art Games arbeitete der Autor eng an der Spielumsetzung, um möglichst getreu dem Buch die Geschichten und Abenteuer des Zwerges Tungdil nachzuerzählen. Doch worum handelt es sich bei diesem Spiel? Ein RPG? Oder doch eher ein Strategiespiel, in dem Taktik und Geschick gefordert sind? Findet es in folgendem Test heraus!

 

Die Reise von Tungdil beginnt

Für alle, die nicht mit den Geschichten von Markus Heitz vertraut sind, liefert der Anfang des Spieles Informationen zum Protagonisten. Der Zwerg Tungdil wuchs bei Menschen auf und hat in seinem Leben keinen einzigen Zwerg gesehen. Als Schmied geht er zwar einer zwergentypischen Berufung nach, allerdings hat er von den gelehrten Magiern lesen und schreiben gelernt. Eher untypisch für einen Zwerg! Zu Beginn des Spiels finden wir uns in Tungdils Heim wieder. Wir können umherklicken, zoomen und die Ansicht ändern, was immer günstige Kameraperspektiven verschafft. Einige Gegenstände und Personen sind in der Welt anklickbar und erzählen euch Details zur Hauptstory und sogar zu den Zwergen, z.B. erfährt man so, dass Zwerge uralt werden können. Ein Questlog zeigt euch zudem an, was eure momentanen Haupt- und Nebenquests sind. Somit wird allen Einsteigern ins Zwergenuniversum ein solider und einfacher Einstieg ins Spiel gewährt. Allerdings wird an vielen Stellen deutlich, dass es von Vorteil wäre, die Buchvorlage von Markus Heitz zu kennen. Im Spiel kommen viele unbekannte Namen vor, denen man kein Gesicht zuordnen soll, zumal sie alle dem Fantasy-Universum entstammen.

Die Welt, in der Die Zwerge spielt, ist mit Routen übersät

 

Der Wechsel zwischen Kampf und Dialog

Habt ihr euch nun auf die Reise begeben, findet ihr euch in einer Art Oberwelt wieder, die die Landkarte vom Geborgenen Land zeigt. Euer momentaner Startpunkt wird als Spielfigur gezeigt und ihr könnt euch von Punkt zu Punkt bewegen, die überall auf der Weltkarte verteilt sind. Das Schieben der Spielfigur zu einem Punkt kostet euch einen Tag sowie Nahrung. An einigen Punkten findet ihr Städte oder Dörfer wieder, in denen ihr durch die richtige Wahl an Dialogoptionen übernachten könnt. Startet ihr das Gespräch mit der falschen Dialogoption, müsst ihr leider weiterziehen. Dabei muss gesagt sein: Die Synchronisation ist ein Traum! Die Charaktere wirken so, als ob ihnen die Stimmen auf den Leib geschneidert wurden. Besonders in Dialogen, in denen ein Erzähler ähnlich wie im Buch kurz erzählt, was gerade als Handlung passiert, redet mit einer so sanften und erzählerischen Stimme, dass man mehr davon hören möchte! Generell stehen euch nicht nur Dialogoptionen zur Verfügung, ihr könnt sogar wählen, ob ihr euch bestimmte Lagerstätten anseht oder lieber weiterzieht. Somit bleibt es nie langweilig, wenn ihr mit der Spielfigur durch die Oberwelt zieht. Ihr könnt in der Ferne ebenfalls andere Truppen als Spielfiguren sehen, gegen die ihr – wenn ihr möchtet – kämpfen könnt. Die Entscheidung liegt ganz bei euch.

Echt gruselig, auch ohne das doppelte Kinn!

 

USK und PEGI ab 12 Jahren?

Die Zwerge bieten ein kontrastreiches Programm. Die zahlreichen Charaktere, denen man im Spiel begegnet, wachsen einem mit der Zeit ans Herz. Der Humor der Zwerge ist wirklich liebenswert. Doch so sehr ich den Humor der Zwerge auch mag, an einzelnen Stellen finde ich die Gewaltszenen doch so krass, dass ich mich frage, wie man auf die Alterseinstufung von 12 Jahren kam. Es ist nicht selten, dass Köpfe rollen und Blut umherspritzt. Besonders hart fand ich eine Szene, in der man eine am Baum lehnende Elfin findet, die mit Blut übersät war und deren Augen fehlten. Nach einem Wiederbelebungszauber oblag es uns, die Elfin von ihrem Leid zu erlösen. Eine mögliche Option: Na klar, köpfen. Dabei erfolgen keine Schnitte oder Zensuren, ihr erhaltet das komplette Paket der zwergischen Brutalität! An sich nichts Schlechtes, allerdings nicht unbedingt für 12 Jährige zu empfehlen. Im Gegensatz dazu fällt einem in Zwischensequenzen immer wieder auf, dass die einzelnen Figuren nicht sehr real wirken. Die Haut glänzt oft übertrieben stark und wirkt so klobig, als ob die Charaktere aus Plastik wären.

Einige RPG-Elemente lassen sich wiederfinden

 

RPG oder Strategie-Spiel?

An vielen Punkten wirkt das Spiel Die Zwerge wie ein RPG. Ihr habt verschiedene Charaktere zum Kampf zur Auswahl, die bis zu drei Skills mit in den Kampf nehmen können. Pro Levelaufstieg erhaltet ihr die Wahl zwischen zwei Skills, mit denen ihr euren Zwerg ausstatten könnt. Allerdings war es das auch schon mit RPG-Elementen. Wie der Entwickler selbst sagt, soll das Spiel kein RPG sein, sondern ist auf Taktik ausgelegt, bestärkt wird dies durch fehlende Rüstung- und Waffenelementen, mit denen ihr eure Zwerge verstärken könntet. Merkwürdig ist allerdings, dass ihr eure Zwerge im Kampf mit einem Ausrüstungsgegenstand ausrüsten könnt. Die Taktik wird auch schon vor Beginn des Kampfes deutlich: Mit der Wahl eurer Zwerge, die in den Kampf ziehen sollen, steht und fällt der Schwierigkeitsgrad für euren Kampf. Mit manchen Zwergen lassen sich bestimmte Kämpfe leichter gewinnen als mit anderen. Zieht ihr trotzdem den Kürzeren, könnt ihr den Schwierigkeitsgrad des Spieles ganz leicht herunterstellen. Seid gewarnt: Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist kein Kinderschlecken! Selbst auf Stufe Einfach bin ich das eine oder andere Mal im Kampf gestorben und musste die Schlacht von vorne beginnen. Der Hauptaspekt im Kampf besteht darin, eure Zwerge günstig zu positionieren. Seid ihr von einer Gegnerschar umringt, kann es nie schaden, diese beiseite zu hauen oder von Brücken zu stürzen. Doch ihr müsst aufpassen, denn eure Zwerge können sich auch gegenseitig treffen! Um also schnell zwischen den Zwergen hin und her wechseln zu können und diese günstig zu positionieren, könnt ihr einfach auf TAB drücken. Mit der Zeit laden sich zudem eure Aktionspunkte auf, mit denen ihr den Gegnern eure Skills um die Ohren hauen könnt. Allerdings sind die Kämpfe so hektisch und oft unübersichtlich, dass die Leertaste euer bester Freund wird. Mit ihr löst ihr den Pausenmodus aus, sodass ihr Zeit habt, über eure Taktik nachzudenken und eure Zwerge neu zu formieren. Oft merkt ihr auch gar nicht, wenn die Aktionspunkte eures Zwerges gefüllt sind, sodass ihr unnötig Aktionspunkte aufbaut, die nicht gutgeschrieben werden. Somit kann ich bestätigen: Ja, es handelt sich definitiv um ein Strategiespiel!

Positiv:

Ansicht frei wählbar, was in hektischen Kämpfen äußerst praktisch ist
Angenehmer Einstieg ins Zwergenuniversum
Viel Entscheidungsfreiraum bei Dialogen und Reisen
Traumhafte Synchronisation der einzelnen Charaktere und des Erzählers
Hoher Schwierigkeitsgrad, der selbst auf Einfach fordert

Negativ:

Grafik sehr durchwachsen, vor allem bei Personen in Zwischensequenzen
Die viel zu vielen Charakternamen (die teilweise nicht einmal im Spiel auftauchen) bringen unnötige Verwirrung ins Spiel
Schwacher Umfang (rund 20 Stunden Spielzeit mit allen Nebenquests, ohne um die 10)
Sehr hektisches Kampfsystem, in dem der Pausemodus essentiell ist
Nur ein Ausrüstungsplatz für Kämpfe vorhanden
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58908″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Jasmin Paskuda, Redakteurin”]

“Die Zwerge wirkt für mich wie eine gelungene Umsetzung der Buchvorlage. Durch die gelungene Synchronisation wirkt das Spiel wie eine Art Nacherzählung des Buches, in der ihr euch mit der Welt der Zwerge vertraut machen könnt. Auch der Wechsel zwischen Dialog und Kampf ist ausgewogen. Durch eine frei wählbare Ansicht verliert ihr in den hektischen Kämpfen selten den Überblick, allerdings muss euer Finger stets auf der Leertaste bereit sein, um alle paar Sekunden in den Pausemodus zu wechseln. Durch das schnelle Aufladen der Aktionspunkte, dem hohen Schwierigkeitsgrad und dem ständigen Positionswechsel wirken die Kämpfe wie ein wildes Gescheuche eurer Zwerge. Schade ist zudem, dass es sich bei Die Zwerge um ein reines Taktikspiel handeln soll, allerdings stellt sich mir dann die Frage, wieso Elemente wie Skillmöglichkeiten und der einsame Ausrüstungsplatz einen Weg ins Spiel gefunden haben. Alles in allem ist Die Zwerge jedoch ein wirklich gelungenes Spiel, das Beachtung und vielleicht sogar eine Fortsetzung der Buchreihe verdient hat.”

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Lohnt sich die Reise durch das Geborgene Land?

Spieler, die schnell aufgrund eines hohen Schwierigkeitsgrades gefrustet sind, sollten die Finger hiervon lassen, denn das Spiel ist nichts für Strategieanfänger. Allerdings können Fantasy-Fans, die gerne mal tüfteln und grübeln, beherzt zugreifen.

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Geschrieben von Jasmin Beverungen
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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