Die Säulen der Erde – Test zu Daedalics düsterstem Adventure

Die Könige des Point’n’Click-Genres sind hier in Deutschland mit Sicherheit Daedalic Entertainment. Mit Edna bricht aus, der Deponia-Reihe und The Whispered World feierten sie bereits große Erfolge, nun erschien der letzte Part ihres wohl ambitioniertesten Projekts. Die Säulen der Erde erzählt die Geschichte aus dem Roman von Ken Follet in Adventure-Form nach und da nun alle drei Teile als Komplettpaket verfügbar sind, haben wir für euch mal einen Blick auf diesen Titel geworfen.

 

Daedalics düstersters Adventure

Wer mit den Romanen von Ken Follet vertraut ist, der wird die Geschichte in diesem Spiel kennen. Daedalic hat zwar einige kleinere Änderungen vorgenommen, sodass man im Spiel wenigstens ein bisschen Entscheidungsfreiheit genießt, doch im Großen und Ganzen wird hier die Handlung aus dem Buch abgearbeitet. Und so muss man sich auch von Anfang an bewusst sein, dass hier nicht wie von Daedalic oft gewohnt ein buntes, lustiges Abenteuer erzählt wird, sondern vielmehr ein mittelalterliches, düsteres Drama rund um Religion, Politik und Krieg. Die Geschichte spielt im England des 12. Jahrhunderts und erzählt die Erlebnisse mehrerer Charaktere. Wir begleiten Philip, einen Mönch, Jack, einen im Wald aufgewachsenen Jungen und Aliena, Tochter des ehemaligen Grafen von Shiring. Die Schicksale dieser drei Charaktere und vieler weiterer Nebencharaktere sind eng miteinander verbunden, da sie alle Zeuge eines sich ankündigenden Krieges um den Thron des verstorbenen Königs Heinrich I. werden. Erzählt wird die Geschichte in einem Mix aus Dialogen, Zwischensequenzen und in einigen Passagen einer Visual Novel ähnelnd mit einer Erzählerstimme. Zu Anfang läuft die Erzählstruktur noch extrem langsam ab, sodass ungeduldige Spieler schnell die Lust verlieren könnten, das Erzähltempo nimmt mit Episode 2 jedoch erheblich zu. Mit einer Vorlage wie einem Roman von Ken Follet ist natürlich für eine mitreißende Handlung gesorgt, auch wenn manche Themen wie Religion und Politik nicht jeden interessieren dürften. Die sympathischen Charaktere und ihre Schicksale reißen das Ruder jedoch herum und so findet sich jeder Fan von Dramen hier schnell zurecht.

Kleine Quick Time Events lockern das Gameplay etwas auf.

 

Point’n’Click mit Abstrichen

Da in Die Säulen der Erde eine ernstere, realistischere Geschichte erzählt wird, wurde auch am Gameplay ein wenig heruntergeschraubt. Hier gibt es keine abgefahrenen, unrealistischen Rätsel, genauso wenig wie endlose Kombination von Gegenständen. Stattdessen wird hier die grundlegendste Point’n’Click-Kost geboten, die man sich vorstellen kann. Man unterhält sich mit Charakteren, hebt den einen oder anderen Gegenstand auf und kann auch manche Hinweise, die man bekommt, wie einen Gegenstand auf Personen und Objekte anwenden. Viele Rätsel, wenn man sie denn so nennen kann, sind nicht einmal zwingend notwendig, um die Geschichte voranzutreiben, sondern dienen eher dazu, ein Achievement zu erhalten oder einen anderen Dialog zu bekommen, als wenn man diese Aufgabe nicht erledigt hätte. Am Ende eines jeden Kapitels wird euch ein wenig in Telltale-Manier aufgezeigt, wofür ihr euch entscheiden habt. So dermaßen ins Detail wie bei Telltale-Spielen wird hier aber nicht gegangen. So gut das ganze Point’n’Click-Schema auch funktioniert, Daedalic sind immerhin Experten in diesem Gebiet, so gibt es auch die typischen Probleme. Manchmal weiß man einfach nicht, wo der Charakter ist, mit dem man gerade reden muss. Auf der Karte wird er jedenfalls nicht angezeigt. Und so geraten wir auch ab und an in die alte Point’n’Click-Krankheit, alles mit allem zu probieren und wahllos umherzusuchen. Generell wird hier spielerisch nicht das Aufregendste geboten, ab und zu wird das Gameplay durch kleine Quick Time Events aufgelockert, manchmal habt ihr in Dialogen ein wenig Zeitdruck, der Rest ist Standard, was nicht immer als negativ angesehen werden muss.

Wir werden vor die ein oder andere wichtige Entscheidung gestellt.

 

Mehr Visual Novel als Point’n’Click

Der größte Vorteil von Die Säulen der Erde ist, die Story aus dem Buch auch als lesefauler Mensch zu erleben. Denn eine lohnenswerte Geschichte ist es allemal. Und so gleicht das Spiel viel mehr einer Visual Novel als einem Point’n’Click-Adventure. Visual ist hierbei das Stichwort, denn optisch wurde hier mal wieder seitens Daedalic gezaubert. Wunderbare, handgezeichnete Charaktere und Umgebungen sind immer schön anzusehen, das gilt für alle Daedalic-Spiele und ist bei Die Säulen der Erde keine Ausnahme. Begleitet von einem atmosphärischen Soundtrack ist die Präsentation mal wieder einwandfrei gelungen, man darf mit Sicherheit sagen, dass man von Daedalic mittlerweile nichts anderes mehr erwarten darf. Hier wird man auf eine mitreißende Reise mitgenommen, die erzählerisch und präsentationstechnisch kaum zu toppen ist.

 

Positiv:

Spannende, realistische Geschichte
Liebenswerte Charaktere
Wunderbare, handgezeichnete Charraktere und Umgebungen

Negativ:

Episode 1 zieht sich ein wenig
Typische Point'n'Click-Krankheiten
Sehr reduziertes Point'n'Click-Gameplay
  • die-säulen-der-erde-nat-games-wallpaper-logo
    “Die Säulen der Erde ist ein etwas anderes Daedalic-Adventure. Ein bisschen abgespeckter als vielleicht andere Titel, ein wenig mehr Realismus und Drama und dabei herausgekommen ist eine Geschichte sowohl für Fans von Ken Follets Romanvorlage als auch für all diejenigen, die es werden wollen. Einige Probleme sind sicherlich vorhanden, aber darüber lässt sich schnell hinwegsehen, denn mit 21 Kapiteln über drei Episoden verteilt wird einem hier sehr standardmäßige, jedoch unterhaltsame Point’n’Click-Kost geboten.”
    Maarten Cherek, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Daedalicfans sollte bewusst sein, dass hier etwas anderes als Deponia und Edna bricht aus auf sie wartet. Dieser Titel spricht eher Fans von Ken Follets Romanvorlage und Liebhaber von realistischen Dramen an. Wer aber Point’n’Click-Fan ist und zu letzterer Kategorie gehört, der kann bedenkenlos zuschlagen.

Maarten Cherek
Geschrieben von
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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