Der Herzensbrecher

Kritik zur Telenovela-Satire

Der Herzensbrecher ist eine mexikanische Serie, die typische Telenovela-Elemente enthält und diese dabei aufs Korn nimmt. Die Serie feierte in Mexiko am 8. Juni auf Star+, einem Streamingdienst von Walt Disney, Premiere. Die deutsche Erstausstrahlung fand vom 08.06. bis zum 24.08. auf Disney+ statt. Die Regie führte Chava Cartas und das Drehbuch übernahmen Elías Marín Govea und Mariano Enquin. Im Mittelpunkt der Comedyserie steht der gealterte Galan Fabián Delmar, der ein Telenovela-Star im Mexiko der 90er war und nun in der Neuzeit versuchen will, wieder erfolgreich zu werden. Er kehrt zurück nachhause, da er erfährt, dass er eine Tochter hat.

 

Die Story von Der Herzensbrecher

Fabián Delmar ist ein wahrer Frauenheld, sowohl im echten Leben als auch in der Serie Serás Mía. Dort spielte er den Casanova Christian Daniel und erlangte Weltruhm. Als er einen Unfall mit dem Auto des Serienproduzenten hatte, war seine Karriere jedoch beendet. Seitdem verdiente er sich sein Geld mit Auftritten auf einem Kreuzfahrtschiff. Dort ist er trotz seiner inzwischen über 60 Jahren immer noch ein gefeierter Star – insbesondere bei den Frauen. Als er jedoch von einer alten Flamme die Nachricht erhält, dass er eine Tochter zu haben scheint, und als ihn der Kreuzfahrtschiffsmanager zum Zombie umschminken lassen will, um mehr Touristen anzulocken, kündigt Fabián und kehrt zurück nach Mexiko. Dort erwarten ihn sein alter Freund und Manager Charly und seine Mutter. Fabián stellt schnell fest, dass nicht nur sein altes Telefon mit ausziehbarer Antenne aus der Mode geraten ist. Auch er bekommt keinen Auftrag mehr bei seinem ehemaligen Fernsehsender Olympo TV und Charly macht ihm keine Hoffnungen, dass sich das demnächst ändern wird. Stattdessen muss sich Fabián mit kleinen Auftragsjobs herumschlagen, wie in einem Altersheim aufzutreten, und er muss lernen, wie sich die Welt in den letzten dreißig Jahren verändert hat …

 

Unsere Kritik zu Der Herzensbrecher

Vom gefeierten Star zum gefeierten Mann dürfte diese nicht sehr große Umstellung für Fabián Delmar gut zusammenfassen. Denn auch wenn uns die Serie weiß machen will, dass Fabián alt und unbekannt geworden ist, verfallen dennoch regelmäßig Frauen aller Altersklassen seinem Charme. Schließlich kommt er auch mit einer gut zwanzig Jahre jüngeren Dame zusammen. Das tut der Serie jedoch keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Auf humorvolle Weise wird somit nicht nur die Schauspielerei in Telenovelas verhöhnt, sondern auch die Zuschauer*innen. Sogar ein Transvestit, der nicht einmal wusste, wer Fabián ist, ist plötzlich von ihm angetan und gibt ihm einen Kuss. Doch auch wenn Fabián zu Beginn einige sexistische Äußerungen fallen lässt und als regelrechter Macho dargestellt wird, hält die Serie dieses Bild von ihm nicht lange Aufrecht. Vielmehr wird er – zum Glück – auch als verletzlicher Mensch dargestellt, der sich mit der veränderten Gesellschaft auseinandersetzt und sie nicht nur kritisiert. Das hat auch mit seiner Tochter zu tun, die sich für die Rechte der LGBTQ+-Community einsetzt.

Der Galan der Gegenwart

Cristal ist die Tochter einer Kubanerin und wuchs bei ihrer Großmutter Yadira auf, da sie keinen Vater hatte. Ihre Mutter hatte viele Liebschaften, doch sie ist sich sicher, dass Fabián der Vater sein muss, und auch Fabián spürt von Anfang an ein magisches Band, das ihn mit seiner Tochter verbindet. Bis zum Ende ist trotz Vaterschaftstest nicht klar, ob Cristal nun seine leibliche Tochter ist oder nicht. Doch das spielt für Fabián keine Rolle, er steht zu seinen Verpflichtungen und ist gewillt, alles für Cristal zu geben. Er vereinbart mit Yadira utopische Geldzahlungen in Millionenhöhen, sobald er wieder ein geregeltes Einkommen hat. Dafür verspricht er, Cristal nichts davon zu erzählen, damit sie bei ihrer Oma weiter wohnen kann. Doch Cristal kommt dahinter und will ihren Vater kennenlernen. Beide vertreten unterschiedliche Ansichten: Auf der einen Seite der machohafte Frauenversteher und auf der anderen die bisexuelle, junge Cristal, die sich noch ausprobiert. Fabián ist zunächst irritiert, als Cristal ihm erzählt, dass sie momentan mit einem Mädchen zusammen ist, doch beide geben sich zu keinem Zeitpunkt auf. Fabián akzeptiert und respektiert seine Tochter wie sie ist und diese macht ihm wiederum keinen Vorwurf, dass er sich in der Vergangenheit wie ein Sexist benommen hat. Diese Vater-Tochter-Dynamik ist herrlich ernst umgesetzt und kommt ohne unangenehme Komik aus.

Der Galan der Vergangenheit

Insgesamt übertreibt die Comedyserie nicht und setzt ihren Humor passend ein. Gerade, wenn es darum geht, sich über Telenovelas lustig zu machen, hat sich Der Herzensbrecher etwas Schönes einfallen lassen. Serás Mía, die fiktive Serie in der Serie, in der Fabián seine Paraderolle spielte, wird am Ende jeder Folge Stück für Stück gezeigt. Dabei spielt der Sohn von Fabiáns Darsteller, Sebastián Zurita, Fabián als Dreißigjährigen, der in den 90ern Christian Daniel spielte. Das klingt nicht nur verrückt, sondern ist es auch. Aber es macht sehr viel Freude und Lust auf mehr, am Ende jeder Folge einige Minuten aus der Serie zu sehen, über die so häufig in der eigentlichen Serie gesprochen wird. Und gerade hier merkt man, dass einige der Mitwirkenden bereits Telenovelas produziert haben und somit wissen, was typische mexikanische Seifenopern aus- und lustig macht. Christian Daniel mimt den übertriebensten Macho, den es wohl je gab, der jede Frau anmacht und will natürlich ausgerechnet diejenige haben, die sich auf ein keusches Leben verschworen hat. Wer denkt, dass das Ganze ernst gemeint sein könnte, wird schnell enttäuscht. Gleich in der ersten Episode folgt der zweiminütige Vorspann von Serás Mía, der vier Charaktere in nicht auszuhaltender Länge vorstellt, während das Titellied im Hintergrund spielt. Ich konnte mich nicht halten vor Lachen.

Der Galan der Zukunft?

Da bleibt die Frage: Geht es weiter mit Der Herzensbrecher? Zum Glück soll die Serie bereits 2023 fortgesetzt werden. Das Staffelfinale lässt auf weitere, lustige Neuerungen hoffen. Fabián darf nun wieder schauspielern, diesmal jedoch in einer für ihn eher ungewohnten Rolle und dazu noch mit seinem Erzfeind und Konkurrenten. Vielleicht spielt hier auch Humberto Zuritas jüngerer Sohn, Emiliano Zurita, eine Figur. Vielleicht erfahren wir noch mehr über Fabián Delmars Vergangenheit. Vielleicht stellt sich doch heraus, dass Cristal nicht seine Tochter ist. Es gibt so viele Möglichkeiten. Noch ist nichts Genaues klar, doch die letzte Episode von Der Herzensbrecher macht Lust und neugierig auf mehr.

 

Informationen zu Der Herzensbrecher

  • Originaltitel: El Galán – La TV cambió, él no
  • Laufzeit: 12 Episoden
  • Heimkinostart: ab 8. Juni 2022 auf Disney+
  • Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Humberto Zurita, Sebastián Zurita, Sara Maldonado, Ana Claudio Talancón

 

Trailer zu Der Herzensbrecher

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

  • Der Herzensbrecher – Kritik zur Telenovela-Satire
    Fazit zu Der Herzensbrecher

    Die Serie Der Herzensbrecher macht richtig Spaß zum Gucken. Es werden jede Menge Klischees bedient, aber ohne jemanden zu verletzen. Hin und wieder wird natürlich das Ego vom Galan angekratzt, aber insgesamt präsentiert sich Fabián Delmar als herzensguter Mensch und liebender Vater, bei dem es umso mehr Freude macht, zuzuschauen.

    Ann-Kathrin Günther, Redakteurin
Wundervolle Satire auf klassische Telenovelas
Glaubwürdiger Protagonist
Zusätzlicher Aufwand, eine Serie in der Serie zu produzieren, überrascht positiv
Ein eher flaches Staffelfinale für Seifenoperverhältnisse

Ab in die Filmsammlung?

Die Serie ist für alle Fans von spanischen und mexikanischen Telenovelas zu empfehlen, die die klassischen Klischees kennen.

Share This Post
Deine Meinung?
00
Avatar photo
Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
braucht kein Buch, sie hat schon eins.

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Thanks for submitting your comment!