Captain Toad: Treasure Tracker – Review zu Toads Abenteuer-Buch

Auf der E3 2014 wurde das Spiel Captain Toad: Treasure Tracker gerade erst gezeigt, ein knappes halbes Jahr später kommt es schon auf den Markt. Die Freude war groß, denn auf der Nintendo Wii U gibt es bislang nicht so viele Exklusiv-Titel von Nintendo selbst. Umso größer die Freude auf ein exklusives Toad-Spiel. Bereits seit Dezember 2014 dürfen die Spieler in Amerika das Abenteuer angehen, in Japan sogar schon seit Anfang November. Nun sind auch wir in Europa an der Reihe und ob sich das Spiel wirklich lohnt, oder ob man lieber auf das nächste Mario-Spiel warten sollte, lest ihr jetzt in unserem Test.

 

Story, Story, wo ist die Story?!

In den Mario-Spielen gibt es seit Jahren kaum Innovationen. Immerhin schaffte Super Mario Galaxy noch einmal frischen Wind in die sonst eingestaubten Klempner-Geschichten. Wie sollte es anders sein, auch bei Captain Toad zeigt sich Nintendo mal wieder von ihrer kreativsten Seite. Die größte Überraschung zeigt der Anfang, denn dort wird der Spieler ohne ein Menü direkt in das erste Level geworfen. Toad und Toadette stehen auf einer blockartigen Welt, die in 3D gestaltet wurde. Es gibt zwei Ebenen, die jeweils mit einem Abhang verbunden sind, sodass man den Weg nach oben laufen kann. Die Sonne scheint und die Blüten der Blumen scheinen zu blühen. Auf der oberen Ebene leuchtet uns ein freundlicher Stern zu. Unsere Aufgabe ist klar und einfach: den Stern einsammeln. Gesagt, getan! Doch wie sollte es anders sein, der Stern wird zwar erfolgreich eingesammelt, gleichzeitig auch wieder gestohlen. Ein riesiger Vogel kommt heran geflogen und macht die schöne Idylle kurzerhand zunichte. Eine überforderte Toadette hält sich an dem Stern fest und wird ebenfalls Opfer des Überfalls. Pech für sie, gut für uns, das Spiel kann beginnen! Unsere Aufgabe, Toadette zu befreien und den Stern einzusammeln. Schließlich bekommen wir doch etwas, das nach einem Menü aussieht, vors Gesicht gesetzt. In einer Art Buch können wir uns Seite für Seite die einzelnen Level freispielen und so dem wohl größtem WTF-Moment Nintendos immer näher kommen. Achtung Spoiler: Wer sich das Levelbuch etwas genauer anschaut, mag vielleicht schon denken, das Spiel ist nicht wirklich lang. Auf der Verpackung steht zwar beschrieben, dass man 70 Level sowohl mit Toad, als auch mit Toadette, spielen kann, danach sieht es allerdings am Anfang nicht aus. Tatsächlich ist bereits nach den ersten 70-90 Minuten Spielzeit das Ende zum Greifen nah. Der Vogel ist besiegt, Toadette frei und der letzte Stern ebenfalls eingesammelt. Nintendo hat also gelogen? Nein, denn nach dem kleinen Abspann sehen wir das Intro-Level erneut. Dieses Mal steuern wir Toadette. Wieder zum Stern! Wieder mit dem Vogel! Wieder mit der gleichen Dummheit, dieses Mal nur von Toad höchstpersönlich. Und wieder müssen wir die Suche nach dem Stern und nach Toad beginnen, nur halt mit der weiblichen Figur. Großes Kino, große Enttäuschung von Nintendo. Eine großartige Geschichte muss bei einem Nintendo-Spiel zwar nicht dringend dabei sein, solch eine Ideenkopie innerhalb des Spieles ist aber noch um Einiges schlimmer.

Auch in der Wüste müssen wir aufpassen... es lauern überall Gefahren!

Auch in der Wüste müssen wir aufpassen… es lauern überall Gefahren!

 

Schicke Spielweise

Trotz der öden Geschichte, kann das Gameplay mit dem Wii U-Controller die Fans etwas aufatmen lassen. Wir steuern unseren Helden über meist kleine Level und müssen dabei auf die umherlaufenden Gegner oder Fallen aufpassen. Springen können wir nämlich nicht, Spezial-Attacken haben wir ebenfalls nicht. Besonders knifflig kann es dann werden, wenn man auch noch ein wenig mitdenken muss. Unser Ziel für jedes Kapitel ist schnell erklärt. Ein großer Stern wartet darauf, eingesammelt zu werden. Des Weiteren gibt es noch jeweils drei kleine Schätze, die es zu entdecken gilt. Zusätzlich zu den standardmäßigen Zielen, gibt es noch eine Extra-Aufgabe, die man optional erledigen kann. Wer das Spiel zu 100% durchgespielt haben möchte, darf diese Ziele natürlich nicht außer Acht lassen. Das wichtigste Utensil bleibt unser Gamepad. Denn damit können wir nicht nur einige Objekte im Spiel drehen und benutzen, auch die Sicht der Spielwelt kann damit geändert werden. Dies ist auch dringend notwendig, da man sonst diverse Schätze und Münzen übersehen würde. Bereits in den ersten Leveln kann man diese Funktionen allesamt nutzen. Hilfeeinblendungen geben dabei erste Tipps für den Erfolg. Alle Level sind zudem sehr abwechslungsreich. So kommen wir immer wieder an die verschiedensten Orte aus den bereits erschienenen Nintendo-Titeln. Ob eine Geisterburg, einen kleinen Strand, einer Vulkanwelt oder der Wüste. Alles ist mit an Bord und wird, wenn auch nur in kurzen Kapiteln, bespielt. Auch die Bonuslevel, die nach und nach freigeschaltet werden, machen immer wieder Spaß. So können wir zwischen zwei Methoden wählen, um an einem Münzspiel teilzunehmen. Je mehr Münzen wir einsammeln, desto höher wird unser Rekord. Die Gegner sind allerdings nicht ganz ungefährlich. So fliegen oft Vögel über unserem Kopf herum, die sich promt auf uns schmeißen wollen. König-Boo hat mal wieder seine Geisterfreunde zu uns geschickt, ein böser Drache möchte uns am liebsten verbrutzeln und die Toad-fressenden Pflanzen versperren uns oftmals den Weg zum Ziel. Auch die altbekannten Gumbas dürfen natürlich nicht fehlen und sind auch in diesem Abenteuer mit dabei. Doch um endgültig an den Stern zu gelangen, müssen wir unser Gamepad neben der Sicht, auch richtig einsetzen. Hier stechen besonders die Level heraus, die ohne das Pad nicht spielbar sind. Eine Lorenfahrt durch einen Berg macht hier besonders viel Spaß. Hier müssen wir lediglich unsere Ziele abschießen und gewinnen so neue Schätze und Münzen. In der Geistervilla müssen wir hingegen mit dem Pad die Geistertüren so verschieben, dass wir über eine hohe Mauer gelangen. Das andere Mal müssen wir ganze Wegelemente in dem Level mit Hilfe des Pads verdrehen, um so an die andere Seite der Karte zu gelangen. Doch so schön sich diese ganze Vielfalt auch anhört, genutzt werden die einzelnen Features nicht sehr oft. Bei einer solchen Levelauswahl möchte man doch meinen, jedes Feature findet öfters den Weg ins Spiel und manchmal in Kombination mit anderen. Bei Captain Toad: Treasure Tracker hat man hier leider etwas Potenzial verschenkt. Wie sehr hätte ich noch mehr von den Lorenfahrten gesehen oder noch mehr mit den Welten interagiert. Die Ideen sind da, umgesetzt wurden sie auch, nur wirklich oft genutzt wurden sie am Ende leider nicht. Extreme Punktabzüge gebe ich hier dennoch nicht. Das Spiel kann für den recht kleinen Anschaffungspreis gut unterhalten, auch wenn die Schwierigkeit nicht wirklich enorm hoch angesetzt wurde. Viele Level kann man bereits beim ersten Mal schaffen, andere hingegen brauchen einfach mal einen Tod, damit man ins Ziel kommt.

Dieser Boss ist nicht so freundlich...

Dieser Boss ist nicht so freundlich…

 

Details zum Verlieben

Nintendos Wii U kann gute Full-HD-Bilder auf die Bildschirme zaubern, wenn man sie auch lässt. Nintendo hat sie gelassen und zeigt uns mit Captain Toad unglaubliche Level, die allesamt extrem hübsch wirken und mit vielen Details daher kommen. Sei es Wellen in den kleinen Wasserarealen, Lavatropfen, die durch die Luft gewirbelt werden oder Staub der durch Bewegungen von Gegner aufgewirbelt wird. Alles ist mit viel Arbeit in das Spiel eingebaut worden. So sehen auch die Schatten und Lichter zu jeder Zeit genial aus. Besonders wenn man die Level mit seinem Gamepad oder Analogstick dreht, bleiben die Bilder scharf und knackig. Auch die Framerate brach zu keinem Zeitpunkt ein. Der Soundtrack ist Nintendotypisch wieder erste Klasse. In Sachen Technik kann man bei Captain Toad absolut nicht meckern, da hier das Gesamtpaket mal wieder extrem stimmig ist. Für Fans der Nintendo- und Mario-Spiele auf jeden Fall keine Enttäuschung.

Schöne Welten, mit vielen Details und genialen Licht- und Schatteneffekten.

Schöne Welten, mit vielen Details und genialen Licht- und Schatteneffekten.

 

Fazit:

Toads erstes Solo-Abenteuer hat also bewiesen, dass Nintendo gerne auch noch weitere beliebte Charaktere ins Einzelrennen schicken kann. Die neuen Ideen mit dem Gamepad sind da, auch wenn diese meist nur recht kurz in das eigentliche Gameplay eingebunden werden. Die Story ist hingegen ein schlechter Witz – sowas muss nun wirklich nicht sein! Das Gesamtpaket macht diesen Patzer aber schnell wieder wett. Wer gerne ein frisches Spiel von Nintendo sehen möchte, der kann bei Captain Toad sofort zuschlagen. Wer generell etwas für seine Wii U sucht, der sollte ebenfalls einen Blick in das Spiel werfen.

82

 

Info zur finalen Wertung: Da das Spiel im Gesamtpaket überzeugen konnte, haben wir auf unsere normale Durchschnittswertung (So testen wir) noch ein paar Punkte oben drauf gepackt.

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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