A Plague Tale: Innocence – Test zur mittelalterlichen Rattenplage

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A Plague Tale Innocence [Playstation 4]
  • Düsteres Third-Person Abenteuer, im pestverseuchten Frankreich des 14. Jahrhunderts
  • Atemberaubende mittelalterliche Welt
  • Soundtrack aus der Feder von Olivier Deriviére
  • Herausgeber: Focus Home Interactive
  • Auflage Nr. 0 (14.05.2019)

Releasedatum: 14. Mai 2019

Genre: Action-Adventure

USK: ab 18 Jahren freigegeben

Publisher: Focus Home Interactive

Plattformen: PC, PS4, Xbox One

Das mittelalterliche Action-Adventure A Plague Tale: Innocence spielt im Frankreich des 14. Jahrhunderts. Eine schlimme Krankheit ist ausgebrochen und inmitten dieser schweren Zeit versuchen wir in der Rolle der 14-jährigen Amicia, ihren kleinen Bruder Hugo zu beschützen. Allerdings besitzt das Geschwisterpaar keine besonders starken Kampffähigkeiten und so müssen sie sich zunächst schleichend durch die Welt begeben. Wie uns der Ausflug ins Mittelalter gefallen hat, erfahrt ihr im folgenden Test.

 

Aller Anfang ist schwer

Der Einstieg in das Spiel könnte friedlicher nicht sein: Amicia und ihr Vater wandern zusammen mit ihrem Hund Lion durch die schöne Landschaft Frankreichs. Die Optik der Umgebung ist wirklich beeindruckend und detailreich gestaltet. Auch die Animationen der einzelnen Charaktere sind sehr gut gelungen. Amicia neigt zum Beispiel ihren Kopf dorthin, wo sich ihr Vater gerade befindet, um ihn direkt anzusprechen. Läuft sie über matschigen Boden, stapft sie regelrecht durch die ekelige Brühe. Auch den Hund tätschelt sie nicht, indem sie dreimal wie ein Roboter über das Fell streicht, vielmehr schmiegt sich ihre Hand an die Kopfform des Hundes an. Auch die hervorragende deutsche Synchronisation trägt dazu bei, dass die Figuren so lebendig wirken wie sonst selten. Allerdings solltet ihr den Figuren besser nicht in das Gesicht schauen… Denn was in allen anderen Punkten der Optik gelungen ist, ist bei den Animationen des Gesichtes leider misslungen. In den vielen Zwischensequenzen wirken die Figuren noch lebendig und real, doch außerhalb dieser habt ihr lediglich versteifte und verbitterte Gesichter, in die ihr blickt. Dies stört im ersten Moment aber nicht weiter, denn die meiste Zeit sehen wir das Geschwisterpaar sowieso von hinten. Durch das DLC für A Plague Tale: Innocence können wir uns zudem zu Beginn aussuchen, welches von den vier Wappen als Familienbanner verwendet werden soll und welche Kleidung Amicia und Hugo tragen sollen. Eine nette Dreingabe, die man allerdings auch einfach direkt in das Spiel einbinden hätte sollen.

Junge Dame, fehlt Ihnen etwas?

 

Die dunkle Bedrohung

Auf dem Ausflug lernt Amicia bereits ihre wichtigste Fähigkeit: Steine zu werfen und ihre Steinschleuder geschickt einzusetzen. Klingt erst einmal banal, aber diese Fähigkeit werdet ihr selbst noch im allerletzten Kapitel benötigen. Auch das Anschleichen will gelernt sein, denn Amicia besitzt zu Beginn keine außergewöhnlichen Fähigkeiten und muss sich auf ihr Wurfgeschick verlassen, der Nahkampf sollte vermieden werden. Im weiteren Verlauf des Spiels lernet Amicia noch einige alchemistische Zauber, die sie je nach Situation geschickt anwenden muss. Wozu sie diese braucht? Nun, neben der Beziehung von Amicia und Hugo zueinanderstehen die Rattenmassen im Fokus des Spiels und werden zu einer echten Bedrohung für die Bevölkerung. Auch macht Lion als Erstes Bekanntschaft mit der unheimlichen Rattenplage. Es ist einfach unglaublich, wie sich die riesige Rattenmasse über den Bildschirm bewegt. Die Animation der Plage wirkt bombastisch, da man in dieser riesigen Masse selbst noch einzelne Ratten beobachten kann. Teilweise scheinen die Massen gar kein Ende zu nehmen und erwecken so den Eindruck, fast immer eine Bedrohung für Amicia zu sein. Zunächst scheinen die Ratten keine Schwäche zu zeigen, doch es gibt eines, was die Ratten besonders hassen: Licht. Das Licht ist in diesem Spiel ein überaus wichtiges Element und so ist es besonders wichtig, Licht- und Schatteneffekte gekonnt in Szene zu setzen. Und hier wird euch das Spiel nicht enttäuschen, denn Schatten sind immer da, wo man sie auch erwartet, und sehen weder verpixelt noch unrealistisch aus. So liegt es an euch, das Licht geschickt einzusetzen, um der Ratten mächtig zu werden.

Eine gewaltige, beeindruckende Masse, die uns den Weg versperrt.

 

Ein nie endender Albtraum

Überall, wo die Ratten wüten, hinterlassen sie Ekel und Chaos. Die Brutalität zieht sich durch das gesamte Spiel, stellenweise seht ihr riesige Leichenberge an Schweinen oder halb zerfetzte Ritter, aus denen ihre Gedärme noch zum Anknabbern einladen. Auch verschimmeltes Essen und andere Widerlichkeiten säumen den Weg von Amicia und Hugo und tragen zu einer unheimlichen und beängstigenden Stimmung bei. Die Kulisse ist also nichts für zartbesaitete Spieler. Auch die Musik trägt ihr Übriges dazu bei: Jedes Mal, wenn wir mit den Ratten in Kontakt kommen oder einer anderen Bedrohung gegenüberstehen, schlägt die Musik schlagartig um und unterstützt die bedrohliche Situation. Das Spiel lebt von seiner Geschichte, welche durch die eben genannten Elemente tatkräftig unterstützt wird. Es hat schon seinen Grund, wieso der Titel eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten hat.

Pfui, Teufel!

 

Zusammen auf Abwegen

Aus irgendeinem Grund, den wir aus Spoilergründen nicht näher erläutern wollen, werden Amicia und ihr kleiner, kranker Bruder Hugo gejagt. Das Geschwisterpaar kennt sich leider durch Hugos Krankheit nicht sehr gut, da der kleine Mann sein Zimmer so gut wie nie verlassen hat. Doch nun sind die beiden aufeinander angewiesen und müssen Rattenplagen, Ritter und andere Bedrohungen zusammen meistern. Dabei ergänzen sich die beiden Geschwister perfekt. Amicia kann Gegner töten, indem sie ihre Schleuder oder andere alchemistische Fähigkeiten, die sie im Laufe des Spiels erlangt, benutzt. So müsst ihr immer eure Umgebung genaustens im Blick haben, um den passenden Zauber auszuwählen: Flammen können Ratten beispielsweise fernhalten, da sie das Licht hassen. Allerdings können auch Fackeln von Gegnern mit einem Löschzauber erlischt werden, um die Ratten anzulocken und so die Gegner fressen zu lassen. Weitere Zauber können euch aus brenzligen Situationen retten, kosten aber viele Ressourcen. Töpfe können genutzt werden, um Krach zu machen und Gegner wegzulocken. Eure Schleuder solltet ihr auch nur dann nutzen, wenn kein Gegner in der Nähe ist, da sie ebenfalls ziemlichen Krach macht und Feinde anlockt. Haben Gegner euch entdeckt, leuchtet über ihrem Kopf ein Symbol auf, dass sich wieder leert, sobald die Wachen euch für längere Zeit nicht entdecken. Habt also immer die Wachen im Blick, um euch euren Weg durch die Welt zu bahnen. Im Spielverlauf lernt ihr eine Handvoll Gegnertypen kennen, die ihr auf unterschiedliche Weise ausschalten müsst. Jeder Typ erfordert eine andere Taktik, bei einer ganzen Gegnerhorde müsst ihr euch zudem überlegen, welchen Gegner ihr wohl am besten als erstes ausschalten solltet.

Mit der Zeit erlernt Amicia andere Fähigkeiten.

 

Kleiner Bruder, große Schwester

Im Gegensatz zu Amicia kann Hugo euch im Kampf nicht unterstützen, dafür kann er aufgrund seiner Größe durch kleine Löcher kriechen und so versperrte Türen öffnen. Durch seine Größe ist es Hugo jedoch nicht vergönnt, über hohe Hindernisse zu klettern. Hier kommt Amicia wieder ins Spiel, denn bei solchen Hindernissen muss sie Hugo rüberhelfen. Ist Hugo zu lange allein, verfällt er in Panik, ruft laut nach Amicia und lockt so eventuell Wachen an. Deshalb müssen die beiden die meiste Zeit über Händchen halten, damit sie sich nicht verlieren. Das Händchenhalten ist wirklich rührend, vor allem bei dem Hintergrund, dass die beiden Geschwister beziehungstechnisch erst zueinanderfinden müssen. Mit der Zeit über merkt man nämlich, dass Amicia alles für ihren kleinen Bruder tun würde, auch wenn die beiden sich zwischendurch mächtig in der Wolle haben und Hugo vor Wut wegrennt. Die beiden Figuren sind wirklich herzallerliebst und wachsen dem Spieler über die Zeit sehr ans Herz. Hugo sorgte zudem für den ein oder anderen rührenden Moment, in dem man ihm am liebsten in den Arm genommen hätte, um ihm zu sagen, dass das ganze nur ein Spiel ist und er keine Angst vor der Welt haben braucht.

Was fehlt unserem kleinen Bruder bloß?

 

Kleines Ressourcenmanagement

In der Welt von A Plague Tale: Innocence blitzen überall kleine Gegenstände wie Alkohol, Schnüre oder Schwefel auf, die euch als Ressource dienen. Mit ihnen könnte ihr Zauber herstellen, die euch im Kampf etwas nützen oder verschiedene Verbesserungen an eurem Equipment vornehmen. Ihr besitzt zwar keine Ausrüstung wie in einem Rollenspiel, in dem ihr verschiedene Gegenstände an euer Haupt anlegen könnt, dafür könnt ihr Gegenstände wie eure Schleuder oder euren Beutel verbessern, um schneller zu schießen oder mehr Gegenstände zu tragen. Die Verbesserungen halten sich aber in Grenzen und ufern nicht wie in anderen Titel in einer Art Skilltree aus, sondern sind mit drei mögliche, hintereinander folgenden Verbesserungen eher überschaubar, aber ein ganz nettes Element, um die Augen in der Welt offen zu halten. Zusätzlich gibt es nette sammelbare Infohappen, die ihr in Form von Briefen oder Büchern aufsammeln könnt. In jedem Kapitel kann Amicia zudem eine Blume finden, die sie sich ins Haar steckt. Die Blume nützt euch zwar nichts, sieht aber gut aus. Ihr besitzt kein Inventar, in dem ihr die Ressourcen oder gesammelten Objekte betrachten könnt, vielmehr habt ihr ein Schnellauswahl-Rad, aus dem ihr Zauber schnell herstellen und auswählen könnt.

Für die Verbesserungen benötigt ihr Materialien, die ihr in der Umgebung finden könnt.

 

Keine anspruchsvollen Rätsel

Wer jetzt denkt, dass ihr bei all dem Geschleiche euren Kopf anstrengen müsst, der irrt. Die Rätsel, die es zwischendurch gibt, beschränken sich lediglich auf das Verschieben von Kisten oder dem Drücken einer Taste, um Hugo oder andere Mitglieder eurer Gruppe eine Aktion ausführen zu lassen. Es gibt mehrere Wege, wie ihr an Wachen oder anderen Bedrohungen vorbeikommen könnt, weshalb der Schwierigkeitsgrad bei A Plague Tale: Innocence relativ niedrig ist. Zwar ereilte mich des Öfteren der vorzeitige Bildschirmtod, meistens passierten diese jedoch aufgrund meiner eigenen Dummheit oder Wachen, die ich übersehen hatte. Es gibt nämlich keinerlei Minimap, auf der ihr euch zurechtfinden könnt oder die euch eure Gegner in der Umgebung anzeigt. Dadurch befindet ihr euch meistens mitten im Spielgeschehen und seid nicht von irgendeinem Interface abgelenkt. Werdet ihr dann doch einmal geschnappt, gibt es die Möglichkeit, sehr starke Zauber herzustellen, die einen selbst dann retten, wenn man von einer Wache gepackt wird oder sich mitten im Rattenschwarm befindet, so verzeiht euch das Spiel zusätzliche Missgeschicke. Aber meistens haben die Wachen ihre vorgefertigten Routen, die sie ablaufen und können beim Umdrehen durch diverse Aktionen überrascht werden. Entdeckt euch die KI, teilt sie dies euch auch akustisch mit, indem sie irgendwas sagt. Wirklich glaubhaft ist hierbei, dass, wenn die Wache euch ein zweites Mal erwischt, sie dann einen anderen Spruch sagt als noch zuvor. So wirkt die gegnerische KI genauso lebendig wie auch die Hauptcharaktere.

Versteckt euch im Weizenfeld, um nicht gesehen zu werden.

 

Das Herz des Spiels

Das Herzstück des Spiels ist allerdings die Geschichte, in deren Fokus das Geschwisterpaar steht. Die beiden erleben zahlreiche dramatische Wendungen, überstehen Tode von geliebten Menschen und schlagen sich durch die düstere Welt zur mittelalterlichen Zeit. Kleinere Bosskämpfe lockern das Geschehen auf, doch der wahre Feind ist die Inquisition, die ihr ganz eigenes Ziel verfolgt. Nach 15 Kapiteln und rund 10 Stunden Spielzeit wandern die ersten Credits über den Bildschirm, doch wundert euch nicht, in einem 16. Kapitel könnt ihr kurz anspielen, was 3 Tage nach dem grandiosen Finale geschehen ist. Das Ende vom 16. Kapitel lässt einige Fragen offen und lässt zu meiner Freude Spielraum für eine Fortsetzung von A Plague Tale: Innocence.

A Plague Tale Innocence [Playstation 4]
  • Düsteres Third-Person Abenteuer, im pestverseuchten Frankreich des 14. Jahrhunderts
  • Atemberaubende mittelalterliche Welt
  • Soundtrack aus der Feder von Olivier Deriviére
  • Herausgeber: Focus Home Interactive
  • Auflage Nr. 0 (14.05.2019)

 

Positiv:

Beeindruckende Optik, besonders in den Zwischensequenzen
Technisch wurde saubere Arbeit geleistet
Emotionale Reise, auf der sich die Beziehung zwischen Hugo und Amicia entfaltet
Storytechnisch grandiose Wendungen, mit denen man nur schwer rechnen kann
Tolle Animation und Synchronisation der Charaktere

Negativ:

Die Gesichter der Figuren wirken sehr versteift
Festgesetzter geringer Schwierigkeitsgrad
Lösungen der „Rätsel“ sind viel zu offensichtlich
  • A Plague Tale: Innocence
    “Die Story von A Plague Tale: Innocence hat mich vollkommen abgeholt und mitgenommen auf eine rührende, dramatische, emotionale und spannende Reise mit Amicia und Hugo. Es gibt zahlreiche unvorhersehbare Wendungen, die den Atem stocken lassen und zur dauerhaft aufrecht erhaltenen Spannung der Geschichte beitragen. Auch die Optik sowie der Sound des Titels sind mehr als gelungen und tragen dazu bei, komplett im Spiel zu versinken. In unserem Durchlauf sind uns zudem keinerlei Bugs aufgefallen, die den Spielfluss stören, selbst Amicias Haare buggen nicht in ihrer Kleidung herum. Bei A Plague Tale: Innocence handelt es sich um ein technisch sehr sauberes Produkt, das ihr euch schon zum heutigen Release nicht entgehen lassen dürft. Mal sehen, ob wir aufgrund des halbwegs offenen Endes noch mehr Abenteuer mit dem Geschwisterpaar erleben dürfen.”
    Jasmin Paskuda, Redakteurin

Ab in die Sammlung?

Alle Fans von rührenden und dramatischen Geschichten werden hier fündig. Es gibt zwar bessere Stealth-Spiele als dieses hier, das sollte euch jedoch nicht davon abhalten, das Spiel für euch zu entdecken.

Jasmin Paskuda
Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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