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Test: Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 – Das Warten hat endlich ein Ende

Konami bringt die zweite Sammlung zu Metal Gear auf den Markt und damit auch ein Stückchen Geschichte auf die modernen Konsolen. Vor allem, weil ein Titel dabei ist, von dem wir ja schon gar nicht mehr geglaubt haben, dass wir ihn jemals außerhalb der PS3 sehen würden. Die Collection erscheint mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, Metal Gear Solid: Peace Walker und als Bonus das Game Boy Color Spiel Metal Gear: Ghost Babel zusammen. Das ist zumindest quantitativ weniger als in der ersten Collection. Aber gleicht die Qualität das aus?

 

Die Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 hat einen Star

Der eigentliche Star der Sammlung ist für mich klar MGS4. Achtzehn Jahre lang war dieses Spiel exklusiv auf der PlayStation 3 gefangen, und ich hatte fast schon aufgegeben, es jemals wieder zu spielen, ohne meine alte Konsole aus dem Keller zu holen. Spielerisch merkt man dem Titel sein Alter kaum an. Solid Snake ist inzwischen ein alter Mann geworden. Man schleicht sich durch Kriegsgebiete, wechselt zwischen verschiedenen Fraktionen im Konflikt und nutzt das Tarnsystem, um sich der Umgebung anzupassen. Die Story ist episch und emotional, weil sie viele Handlungsstränge der vorherigen Teile zu einem Abschluss bringt. Wer die Serie von Anfang an verfolgt hat, bekommt hier ein würdiges Finale für Snakes Geschichte. Natürlich auch wieder in Kojima-typischer Überlänge der Cutscenes.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

 

Es ist immer noch so gut

Das Herzstück von MGS4 ist für mich das Octocamo System. Snakes Anzug passt sich automatisch an die Umgebung an, sobald man sich hinlegt oder an eine Oberfläche lehnt. Das führt zu einem völlig anderen Spielgefühl als in den Vorgängern, wo man Tarnmuster manuell wechseln musste. Man beobachtet den Boden, die Wände, das Gebüsch, und passt sein Verhalten entsprechend an. Ergänzt wird das durch das Solid Eye, mit dem man Gegner markieren und die Umgebung scannen kann.

Sehr gelungen finde ich das Custom-Waffensystem. Über den Händler Drebin kann man Waffen kaufen, sie mit Aufsätzen wie Zielfernrohren, Schalldämpfern oder Magazinen erweitern und sie so an den eigenen Spielstil anpassen. Das gibt dem Spiel eine Art Rollenspielelement, das den vorherigen Teilen gefehlt hat. Man sammelt Waffenteile im Feld ein, was den Anreiz erhöht, jede Ecke des Levels zu erkunden.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

 

Kojima-Masterclass

Die fünf Akte des Spiels führen durch sehr unterschiedliche Umgebungen, von einem zerstörten Nahost-Schauplatz über den Dschungel Südamerikas bis hin zu einer verschneiten Fabrik in Osteuropa. Besonders der erste Akt beeindruckt mich, weil man durch ein aktives Kriegsgebiet läuft, in dem sich Regierungstruppen und private Militärfirmen gegenseitig bekämpfen. Man kann sich dieses Chaos zunutze machen, indem man Deckung nutzt oder Gegner gegeneinander ausspielt.

Die Kämpfe gegen die Beauty and Beast Corps gehören für mich zu den denkwürdigsten der ganzen Serie. Jede der vier Gegnerinnen hat einen eigenen mechanischen Anzug und eine eigene tragische Hintergrundgeschichte, die während des Kampfes über Funk erzählt wird. Das gibt den Duellen eine emotionale Tiefe, die reine Ballerei nicht erreichen würde. Der finale Kampf zwischen Metal Gear Rex und Metal Gear Ray ist zudem ein schöner Fanservice für alle, die die Serie seit dem ersten Teil verfolgen.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

 

Klein, aber oho

Peace Walker war für mich persönlich insgesamt weniger überraschend. Ursprünglich für die PSP entwickelt, wirkt es strukturell anders als die übrigen Teile. Trotzdem gab es ja bereits auch Portierungen für die Xbox 360 und die PS3 mit der HD-Edition. Diese bekommt man jetzt auch wieder präsentiert. Ein aufwändiges Remaster gibt es somit nicht. Das bedeutet aber auch, dass beispielsweise die Gesichter toll aussehen, manche Texturen aber nur hoch aufgelöste Matschtexturen sind. Das ist eben der PSP-Technik geschuldet. Das ginge natürlich besser! Ich konnte mich dennoch damit arrangieren, weil es trotzdem stilistisch irgendwie zusammenpasst und am Ende weniger gestört hat, als es sollte. Trotzdem hätte hier gerne etwas mehr Mühe einfließen können. Das fällt bei MGS4 weniger ins Gewicht, weil der Titel präsentiert sich optisch sogar noch richtig gut und dazu läuft das Spiel auch noch butterweich. Dafür liebe ich aber die gezeichneten Sequenzen in Peace Walker, die dem Spiel einen sehr eigenen Charakter verleihen.

Die Missionen in Peace Walker sind ansonsten kürzer und in kleinere Häppchen aufgeteilt, weil das Spiel ursprünglich auch für unterwegs gedacht war. Trotzdem verliert das Spiel nichts an Tiefe. Man baut eine eigene Basis auf, rekrutiert Soldaten und entwickelt neue Ausrüstung.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

 

Bewerbungsgespräch? Braucht man nicht

Das ist nämlich auch das Kernstück von Peace Walker. Man rekrutiert gefangene Gegner per Fulton-Bergungssystem, weist sie verschiedenen Teams zu und lässt neue Waffen und Fahrzeuge entwickeln. Dieses System hat mich überrascht, weil es dem Spiel eine ganz eigene Meta-Ebene gibt, die weit über einzelne Missionen hinausgeht. Man merkt deutlich, dass hier der Grundstein für das spätere Mother-Base-System aus Metal Gear Solid V gelegt wurde.

Da Peace Walker ursprünglich für die PSP mit nur einem Analogstick entwickelt wurde, wirkt die Steuerung etwas eigenwillig, auch in dieser überarbeiteten Fassung. Die Kamera und Zielsteuerung fühlen sich anders an als in MGS4, was am Anfang etwas Eingewöhnung braucht und sich auch nie so ganz präzise anfühlt, wie bei den großen Brüdern. Auch dass man nicht gleichzeitig auf dem Boden liegen und sich nach vorne robben kann, schränkt sehr ein. Da Peace Walker aber auch nie darauf ausgelegt war, so gespielt zu werden, kann ich mit der Entscheidung leben, das Spiel hier unverändert zu lassen. Das CQC-System, also Nahkampftechniken zum Entwaffnen und Festhalten von Gegnern, funktioniert aber weiterhin und geht gut von der Hand.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

 

Fan-Service

Ghost Babel ist der kleine Geheimtipp der Sammlung. Ursprünglich für den Game Boy Color veröffentlicht, kombiniert Ghost Babel das Design der frühen Metal Gear Spiele aus der Vogelperspektive mit Alarmphasen, Wandverstecken, Gadgets und einer an das erste Metal Gear Solid angelehnten Codec-Erzählweise. Für mich war es spannend, dieses eher unbekannte Kapitel der Reihe endlich nachzuholen. Die dreizehn Stages sind fokussiert und überraschend einfallsreich gestaltet, und auch die umfangreiche VR-Training-Suite mit rund 180 Herausforderungen wurde übernommen. Etwas schade finde ich, dass es zwar Displayfilter und eine Rücklauffunktion gibt, aber keine Speicherstände zum schnellen Wiederaufsetzen.

Konami hat auch bei den Extras nicht gespart. Jedes Spiel bringt ein digitales Drehbuch mit dem kompletten Text sowie ein Master Book mit Hintergründen zu Story und Charakteren mit. Besonders gefallen hat mir die vollständig in Unreal Engine 5 nachgebaute MGS4-Datenbank, die die gesamte Serienchronologie bis zum Erscheinen von MGS4 zusammenfasst. Für Fans, die sich noch einmal durch die komplexe Handlung der Serie wühlen wollen, ist das ein echtes Bonbon.

Metal Gear Solid

Bild: 2026 © Konami

Fazit zu Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 ist zwar inhaltlich kleiner als die erste Collection, aber: Metal Gear Solid 4! MGS4 kehrt endlich von der PS3 zurück und spielt sich dank des Framerate-Upgrades auch so gut wie nie zuvor. Es ist der ganz große Triumph, dieses Spiel auch endlich auf aktuellen Systemen spielen zu können. Peace Walker beweist dagegen (erneut), dass es auch außerhalb der Handheld-Welt hervorragend funktioniert. Auch wenn ich mir hier tatsächlich schon fast eher ein Remaster gewünscht hätte, als eine reine Portierung. Denn die hochaufgelösten PSP-Texturen sind nicht immer eine Augenweide. Und Ghost Babel ist eine schöne Zugabe für alle, die noch tiefer in die Serie eintauchen wollen. Technisch macht Konami diesmal fast alles richtig, auch wenn der fehlende Multiplayer von MGS4 für ein weinendes Auge sorgt.

Es ist eine mehr als würdige Art die beiden Klassiker neu zu erleben, und insbesondere mit der Vol. 1-Collection, bekommt man hier die ultimative Dosis Metal Gear. Naja, zumindest fast. Weil Konami: Wieso fehlen eigentlich Ground Zeroes und Phantom Pain?

Christian Koitka (Redakteur)

Positiv:

Endlich MGS4! Und das in 4K und 60fps
Peace Walker und MGS4 ergänzen sich als Bestandteile sehr gut. Von klein & kompakt zu größer und komplexer
Sehr schönes Bonus-Material mit Drehbüchern und Master Books
Das Octamo-System aus MGS4 und der Mother Base-Ausbau aus Peace Walker sind kleine Highlights der Titel
Die Bosskämpfe aus Teil 4 gehören zu den Highlights der ganzen Reihe

Negativ:

Leider fehlt der Online-Modus aus Metal Gear Solid 4
Inhaltlich spürbar dünner als Vol. 1

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Ab in die Sammlung?

50€ für diese Collection ist ehrlich gesagt schon sportlich. Wenn ihr sie mal für 10-15€ weniger findet, rate ich euch aber definitiv zum Kauf, wenn ihr Fans der Reihe seid oder werden wollt.

Christian Koitka
The guy who loves videogames

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