Bereits im letzten Jahr bin ich auf ein kleines Spiel gestoßen, welches mich irgendwie nicht ganz losgelassen hat. Auf der letztjährigen devcom (heute gamescom dev) konnte ich Monowave anspielen und habe irgendwie Gefallen am Stil und dem Konzept gefunden. Jetzt ist der kleine Indie-Titel aus Südkorea endlich erschienen und ich konnte mich nun davon überzeugen, ob sich meine kleine Vorfreude gelohnt hat.
Die 4 Emotionen
Ich schlüpfe in die Rolle von Mono, einem frisch geborenen Wächtergeist. Meine Aufgabe ist es, die vier Emotionen Wut, Angst, Freude und Traurigkeit wiederzufinden, die einst vom Prisma-Baum zusammengehalten wurden. Als die Emotionssplitter plötzlich verschwanden, zerstreuten sich die Emotionen über das ganze Land, der Baum welkte und die Welt geriet aus dem Gleichgewicht. Okay, zugegeben, die Geschichte scheint mehr Mittel zum Zweck zu sein. Aber das ist okay, denn sie gibt dem Ganzen nur einen Rahmen. Nett. Nicht mehr und nicht weniger.
Das eigentliche Kernstück von Monowave ist simpel erklärt, aber clever umgesetzt. Jede der vier Emotionen gibt mir eine eigene Fähigkeit an die Hand, die ich im Level wechseln kann, sofern ich die Emotion auch gerade auffinden kann. Mit Freude springe ich höher, mit Traurigkeit tauche ich ab und schwimme durch enge, unterirdische Passagen, mit Wut kann ich Wandsprünge ausführen, um mich hochzukämpfen, und Angst schärft meine Sinne, sodass ich Gefahren rechtzeitig ausweichen kann.
Cleverer Puzzle-Spaß
Was das Spiel für mich besonders macht, ist, dass ich ständig überlegen muss, welche Emotion gerade gebraucht wird. Nicht nur für mich selbst, sondern auch, um anderen kleinen Geistwesen zu helfen, die auf ihre eigene, oft eigenwillige Art auf meine Fähigkeiten reagieren. Genau dieses Prinzip, Empathie als Spielmechanik einzusetzen, ist mir bei kaum einem anderen Spiel in dieser Form begegnet. Monowave steuert sich meist recht gemächlich und nie sonderlich schnell. Aber es passt zu dem leicht melancholischen Ton und der Tatsache, dass ich auch einfach mal kurz stoppen und überlegen muss.
Die einzelnen Level sind angenehm kurz und knackig gehalten, dafür gibt es viele davon in jeder der vier Welten. Das kam mir persönlich sehr entgegen, denn ich hatte nie das Gefühl, an einer Stelle festzuhängen und dasselbe Rätsel gefühlt zwanzigmal wiederholen zu müssen. Wer trotzdem einmal nicht weiterkommt, findet Hilfe in einem Hinweissystem, das sich mit der Zeit auflädt und bei Bedarf dezente Tipps gibt, ohne einem gleich die Lösung hinzuwerfen. Den Schwierigkeitsgrad empfand ich dabei immer als recht ausgeglichen. Gerade in späteren Segmenten ziehen die Puzzle dann doch spürbar an. Zudem gefällt mir auch, dass Monowave dir nicht einfach alle 4 Emotionen gibt und sich dann spielerisch nicht weiterentwickelt. Auch im weiteren Verlauf erweitern sich die Fähigkeiten der jeweiligen Emotionen. Das sorgt auch für eine angenehme Abwechslung.
Einfach charmant!
Optisch ist Monowave für mich ein absoluter Hingucker. Der sehr einzigartige Stil erinnert an Kratzbilder aus Kindertagen. Es wirkt charmant, handgezeichnet und mit viel Liebe zum Detail. Dazu kommt ein komplett eigener Soundtrack, der jede der vier Welten spürbar anders klingen lässt, ganz passend zur jeweiligen Emotion. Gerade in ruhigeren Momenten hat mich das Spiel mit dieser Kombination aus Optik und Musik wirklich emotional erwischt, was bei mir eher selten vorkommt. Dazu kommt, dass sich auch die Musik verändert, abhängig von der jeweiligen Emotion, die man gerade in sich trägt. Ein kleines, aber wirkungsvolles Detail.
Pro Level gibt es meist drei kleine Sammelobjekte zu finden, die knuffige Kostüme für Mono freischalten. Die sind zum Glück komplett optional, sodass ich nach Lust und Laune erkunden konnte, ohne das Gefühl zu haben, etwas fürs Vorankommen zu verpassen. Insgesamt komme ich mit den vier Hauptwelten, ein paar schwierigeren Extra-Leveln und der Jagd nach den Sammelobjekten auf ordentliche 8 bis 10 Stunden Spielzeit. Wer mag, kann außerdem im lokalen Koop zu zweit spielen. Das habe ich selbst nicht getestet, kann mir das Prinzip mit den wechselnden Fähigkeiten aber gut als gemeinsames Rätseln vorstellen.
Fazit zu Monowave
Monowave hat mich überrascht, und zwar im positiven Sinn. Was auf den ersten Blick wie ein weiteres hübsches, aber seichtes Indie-Spiel aussieht, entpuppt sich als durchdachtes Puzzle-Plattform-Erlebnis mit einer sehr unverbrauchten Thematik als zentrales Spielelement. Die kurzen, abwechslungsreichen Level, der faire Schwierigkeitsgrad und der liebevolle Look haben mich echt begeistert.
Ich habe selten ein Spiel erlebt, das ein so simples Grundprinzip, nämlich vier Fähigkeiten passend zur jeweiligen Situation einzusetzen, so konsequent und liebevoll ausbaut, ohne dabei irgendwann (zu) repetitiv oder anstrengend zu wirken. Die Level sind dabei kurz genug, um nie zäh zu werden, aber lang genug, um mir immer wieder neue kleine Rätselideen zu präsentieren. Ich hatte fast durchgehend das Gefühl, dass mir jede neue Passage etwas Unbekanntes zeigt, anstatt bereits Gesehenes bloß zu recyceln.
Ganz frei von Kritik bin ich trotzdem nicht. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir noch etwas mehr Mut zu größeren, komplexeren Rätseln gewünscht, gerade gegen Ende der jeweiligen Welten. Unterm Strich ist Monowave, zu seinem humanen Preis von 8,99€, ein sehr empfehlenswertes und liebenswertes Indie-Puzzle-Abenteuer.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Fans charmanter Puzzle-Games können auf jeden Fall zugreifen!




