Während sich die meisten Zweite-Weltkriegs-Shooter seit Jahrzehnten an den gleichen Schauplätzen abarbeiten, wagt sich The Defiant an einen der bislang am wenigsten beachteten Kriegsschauplätze. Entwickelt vom chinesischen Studio Hangzhou Hoothanes und veröffentlicht von 4Divinity, widmet sich das Spiel dem chinesischen Widerstand gegen die japanische Besatzung zwischen 1937 und 1945. Nachdem die öffentliche Demo bereits auf der ChinaJoy in Shanghai gezeigt wurde, konnte ich mich nun selbst durch eine rund fünfzehnminütige Bunkerflucht kämpfen.
COD als Inspiration?
Die Kampagne von The Defiant folgt einfachen Soldaten durch verschiedene Regionen, Jahreszeiten und Kriegsjahre des chinesischen Widerstandskriegs. Statt großer, bereits mehrfach erzählter amerikanischer Heldengeschichten, rückt das Spiel Menschen in den Mittelpunkt eines Krieges, die in westlichen Produktionen bislang kaum eine Rolle gespielt haben. Missionen sollen dabei durch besetzte Dörfer, zugefrorene Wälder, bewachte Nachschubwege sowie unter japanischer Kontrolle stehende Städte führen. Gefordert sind neben klassischem Feuergefecht auch Sabotageakte, das Sammeln von Informationen sowie gezielte Ausschaltungen aus der Distanz, bevor im Ernstfall auch das offene Gefecht nicht zu vermeiden ist. Ein bisschen fühlte es sich wieder so an, als würde ich ein WWII-Medal of Honor spielen, nur eben innerhalb eines anderen Konflikts. In Aufbau, Struktur und Ablauf ähneln sich die Titel da jedoch schon. Für Fans klassischer Weltkriegs-Shooter sicher eine gute Nachricht. Wer gänzlichen frischen Wind sucht, wird den wohl eher nicht hier finden. Jedoch wirkt The Defiant deutlich geerdeter und bringt weniger das Bombast-Hollywood-Feeling, als ein Call of Duty, auf den Bildschirm.
Nicht mit dem Kopf voraus
Meine Anspielsession warf mich direkt in einen hart umkämpften Bunker. Unüberlegtes Voranstürmen war eher weniger angesagt, sondern immer schön aus der Deckung heraus agieren. Genau dieses ständige Abchecken von Ecken und der Gegnerpositionen funktionierte direkt sehr gut für mich. The Defiant verzichtet spürbar auf das aus vielen modernen Shootern bekannte Draufhalten. Stattdessen bestraften mich die Gegner mehrfach hart für unüberlegte Vorstöße. Unterstützt wurde dieses Gefühl von einem guten Treffer-Feedback, das jeden Schuss angenehm wuchtig wirken ließ.
Auch bei der Ausrüstung legt Hangzhou Hoothanes sichtlich Wert auf historische Genauigkeit. Zum Arsenal gehört unter anderem das Hanyang Type 88, ein in China produziertes Gewehr auf Basis des deutschen Gewehr 88. Diese Detailverliebtheit bei Waffen und Ausrüstung passt gut zu dem insgesamt sehr geerdeten, wenig spektakulären Ton der gezeigten Sequenz, der sich bewusst von der bombastischen Inszenierung mancher Genrekollegen absetzt. Im fertigen Spiel dürfen wir uns auf 4 Story-Stränge freuen, in denen wir jeweils immer einen anderen Charakter spielen, dessen Geschichte wir dann verfolgen. Diese sollen unabhängig voneinander verlaufen.
Steht und fällt mit der Geschichte
Wichtig zu betonen ist, dass sich die kurze, öffentlich spielbare Demo bewusst voll auf das reine Actionerlebnis konzentrierte und den größeren erzählerischen Rahmen des Spiels bislang unangetastet ließ. Offene Fragen bleiben entsprechend viele, etwa wie sensibel und ausgewogen das Spiel letztlich mit der historischen Brutalität dieser Kriegsphase umgeht oder wie stark sich die angekündigten Infiltrations und Sabotagepassagen tatsächlich vom reinen Feuergefecht abheben werden. Eine fünfzehnminütige Demo kann all diese Fragen natürlich nicht beantworten, doch allein die Entscheidung, auch diesen Teil der Geschichte zu erzählen, macht The Defiant bereits jetzt spannender als eine weitere Rückkehr an den Omaha Beach.
The Defiant hinterlässt nach der kurzen, aber intensiven Bunkerflucht einen richtig starken ersten Eindruck. Das unnachgiebige, taktisch geprägte Kampfgefühl mit seinem gnadenlosen Schadensmodell und dem befriedigend wuchtigen Treffer-Feedback funktioniert bereits in dieser frühen Fassung überzeugend, während die historisch akkurate Ausrüstung und der bislang kaum erzählte Schauplatz zusätzliches Interesse wecken. Ob das Spiel auch erzählerisch der Ernsthaftigkeit seines Themas gerecht wird, lässt sich anhand der reinen Actionsequenz zwar noch nicht abschließend beurteilen, doch spielerisch hat mich The Defiant auf der Gamescom 2026 durchaus überzeugt, auch wenn es im Kern spielerisch nichts Neues macht. Schließlich soll die Geschichte ein wesentlicher Fokus des Spiels sein, weswegen ich gespannt bin, in welche Richtung das geht. Ein konkretes Releasedatum steht bislang noch aus. Wer neugierig geworden ist, kann das Spiel aber bereits jetzt auf Steam auf die Wunschliste setzen.




