Nachdem CD Projekt Red die neue Erweiterung Songs of the Past bereits während der Opening Night Live mit einem ersten Trailer angeteasert hatte, folgte darauf der eigentliche Höhepunkt für die Presse. In einer rund einstündigen, streng abgeschotteten Session durften ausgewählte Journalisten, zu denen auch ich zählen durfte, live dabei zusehen, wie Entwickler von CD Projekt Red und dem für die Erweiterung mitverantwortlichen Studio durch einen frischen Abschnitt der kommenden Geschichte führten. Fotografieren und Filmen war während der gesamten Präsentation ausdrücklich untersagt, weshalb es diesmal keine eigenen Screenshots gibt, dafür aber einen möglichst detaillierten schriftlichen Bericht dessen, was ich gesehen habe.
Der Anfang einer neuen Geschichte
Songs of the Past beginnt mit Geralt, der nach einer unruhigen Nacht aus einem beunruhigenden Traum erwacht. Am Abend zuvor hatte er ausgiebig die Belleteyn Feierlichkeiten genossen, entsprechend deutlich lässt ihn der Morgen danach die Folgen spüren. Noch im Schlafanzug schlendert Geralt zum Anlegesteg und trifft dort auf einen betrunkenen Mann, der sich an einer arg verstimmten Laute versucht. Auf Geralts Nachfrage, woher das Instrument stamme, reagiert der Fremde alles andere als freundlich, woraufhin dem Spieler die Wahl gelassen wird, die Situation friedlich zu klären oder gleich die Fäuste sprechen zu lassen. Die anwesenden Entwickler entschieden sich während der Vorführung für die zweite Option, sodass es zu einem kurzen Faustkampf kam, ehe Geralt die Laute an sich nimmt und mit einem Boot zu Roach zurückkehrt.
Gerade während dieser kurzen Bootsfahrt über das Wasser fielen die spürbaren optischen Verbesserungen auf, die im Zuge des kostenlosen Remastered-Updates ins Spiel einziehen. Zusätzlich sprachen die Entwickler ausführlich über die überarbeitete NPC-KI. Wo Charaktere im Originalspiel teils den ganzen Tag über dieselbe, immer gleiche Beschäftigung nachgingen, folgen sie künftig deutlich individuelleren Tagesabläufen, wechseln ihre Aktivitäten je nach Tageszeit und reagieren spürbar aktiver auf das Geschehen in ihrer Umgebung.
Auf dem Anwesen der Familie de Lettenhove
An Land angekommen reitet Geralt auf Roach zum Anwesen der Familie de Lettenhove, wo ihn zunächst Dandelions Großmutter empfängt, ehe kurz darauf auch dessen Cousine Lilla zur Konversation stößt. Geralt erzählt von seinem eigenartigen Traum und zeigt beiläufig die gefundene Laute, woraufhin Lilla schnell vermutet, dass Dandelion in Schwierigkeiten stecken könnte. Das Gespräch wendet sich daraufhin dem sogenannten Garten der Dornen zu, einem Ort, der mit einer düsteren Familienlegende verknüpft ist.
Während die Großmutter die ganze Angelegenheit vehement als Unsinn abtut und überzeugt ist, dass Dandelion früher oder später schon wieder auftauchen werde, nimmt Lilla die Lage merklich ernster. Am Ende einigen sich Geralt und Lilla darauf, sich an einem festgelegten Ort zu treffen, um gemeinsam auf eigene Faust weiterzusuchen, wobei bereits hier durchklingt, dass Lilla dem Hexer bewusst nicht alles erzählt, was sie über den Garten der Dornen weiß, aus Sorge, Geralt könnte sonst allein dorthin aufbrechen.
Neue Gegner und ein neues Werkzeug
Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, stoßen die beiden auf den ersten größeren Gegner der Erweiterung, eine riesige, fleischfressende Pflanze namens Dornenblüte. Sie lässt kleinere, giftige Ableger sprießen und spuckt Säure, wodurch Geralt während des gesamten Kampfes ständig in Bewegung bleiben muss. Genau in diesem Gefecht zeigten die Entwickler auch erstmals die überarbeiteten Kampfmechaniken der Erweiterung im Detail. Neben den gewohnten Silber und Stahlschwertern steht Geralt nun zusätzlich eine silberne Kette zur Verfügung, die auf den ersten Blick simpel wirkt, im Kampf aber gleich mehrere neue Möglichkeiten eröffnet. Mit ihr lässt sich die Deckung von Gegnern gezielt aufbrechen, Widersacher aus vorteilhaften Positionen herausziehen oder sogar aus der Distanz packen. Besonders eindrücklich war dabei eine Mechanik, bei der sich das Hakenende der Kette gezielt auf ein bestimmtes Körperteil eines heranstürmenden Gegners richten lässt, etwa den Kopf, um anschließend einen finalen Treffer nachzusetzen.
Nach dem gewonnenen Kampf stoßen Geralt und Lilla auf einen komplett von Dornenranken versperrten Weg, durchsetzt mit Veilchen, jenem Bild, das bereits in Geralts Albtraum aufgetaucht war. Der Hexer schneidet sich mit dem Schwert einen Weg frei, doch wenige Minuten später schießen plötzlich neue Ranken aus dem Boden und trennen die beiden Charaktere voneinander. Auf der Suche nach Lilla trifft Geralt anschließend auf einen weiteren markanten Gegner, eine riesige Tausendfüßlerkreatur, die sich einen Großteil des Kampfes unterirdisch fortbewegt, wiederholt von unten angreift und regelmäßig vollständig aus dem Boden hervorbricht, um Geralt aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ein schlafender Ritter erwacht
Nach dem Sieg finden sich beide Charaktere schließlich an einem alten, verlassenen Brunnen wieder. In der Nähe liegt der Leichnam eines Ritters, ebenfalls von den vertrauten Dornenranken umschlungen. Lilla entdeckt an dessen Brust ein Amulett, das exakt dem gleicht, das sie selbst um den Hals trägt. Während sie den Gegenstand genauer untersucht, bemerkt sie nicht, wie der vermeintliche Leichnam langsam den Kopf hebt. Geralt greift sofort zum Schwert, wird jedoch von lebenden Dornenranken an den Armen gepackt und festgehalten. Der schlafende Ritter erhebt sich langsam, pflückt ein Veilchen von einer der ihn umschlingenden Ranken, überreicht es Lilla, und zwingt Geralt anschließend mit gezogenem Schwert in eine improvisierte Arena.
Genau in diesem Duell erwies sich die neue silberne Kette als besonders nützlich. Der Ritter setzt häufig die massiven Dornenwucherungen an seinem linken Arm als Schild ein, wodurch klassische Angriffe deutlich an Wirkung verlieren. Mit der Kette lässt sich seine Deckung jedoch gezielt durchbrechen, um so ein Zeitfenster für einen wirkungsvollen Gegenangriff zu schaffen. Nach dem gewonnenen Kampf öffnet sich endlich der Weg zum Brunnen. Geralt springt hinab und entdeckt dort eine Frau, die vollständig in denselben lebendigen Ranken gefangen ist. Vorsichtig streckt der Hexer die Hand nach ihr aus, und genau in diesem Moment endete die Präsentation, ganz offensichtlich bewusst an der spannendsten Stelle abgeschnitten.
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Das Witcher-Fieber hat mich wieder
Rund eine Stunde durfte die anwesende Presse live miterleben, wie ein Entwickler in Echtzeit, ganz ohne vorab aufgezeichnetes Material, durch den Beginn von Songs of the Past spielte, und dieser Einblick allein reicht bereits aus, um große Vorfreude zu wecken. Die neue silberne Kette fügt sich als frisches taktisches Element angenehm organisch in das bewährte Kampfsystem ein, während die überarbeitete NPC-KI sowie die spürbar aufgewerteten visuellen Effekte des kostenlosen Remastered-Updates zeigen, wie viel Sorgfalt CD Projekt Red und Fool’s Theory in diese Rückkehr nach Velen und Umgebung investieren.
Nach dem abrupten Ende der Präsentation bleiben zwar mehr Fragen offen, als es zu Beginn noch gab, doch genau dieses Gefühl, unbedingt mehr wissen zu wollen, dürfte für die Entwickler die größtmögliche Bestätigung gewesen sein, mit Songs of the Past alles richtig gemacht zu haben. Ein genaues Erscheinungsdatum steht für die Erweiterung zwar noch aus, das kostenlose The Witcher 3 Wild Hunt Remastered Update erscheint jedoch bereits am 29. September, während Songs of the Past selbst im Laufe des Jahres 2027 für PC, PlayStation 5 sowie Xbox Series X|S folgen soll.




