Zwischen den ganzen lautstarken Shootern und Action-Rollenspielen der Gamescom 2026 gehörte Mr. Records zu den etwas anderen, aber keineswegs weniger eindrucksvollen Entdeckungen der Messe. Das Spiel des französischen Studios Glee-Cheese, bekannt für A Musical Story und Headbangers Rhythm Royale, hatte bereits beim Day of the Devs während des Summer Game Fest für Aufsehen gesorgt. Bei der Gamescom durfte ich nun selbst Hand anlegen und in die musikalische Welt von George eintauchen.
George, der Musikliebhaber
Im Zentrum von Mr. Records steht George, ein älterer Herr, der sich nach Jahren der Routine endlich seinen Lebenstraum erfüllt und einen eigenen Plattenladen eröffnet. Doch für George ist Musik weit mehr als bloße Untermalung. Sobald er eine Platte auflegt und sich in sie hineinversetzt, wird er buchstäblich in die Welt des jeweiligen Songs hineingezogen. Aus jeder Platte entsteht so eine eigene kleine musikalische Reise, die als Rhythmus Adventure Sequenz gespielt wird, während tagsüber der Laden selbst im Zentrum steht. Publisher Wired Productions kündigte während der Future Games Show zudem an, dass Mr. Records neben PC künftig auch für Nintendo Switch 2 erscheinen wird.
Interessanter Genre-Mix
Der Spielablauf von Mr. Records folgt einer klaren Struktur mit zwei ineinandergreifenden Ebenen. Im Laden selbst schlüpft man in eine Art Moonlighter-artiges Verkaufssystem, bei dem es darum geht, die passende Platte für die jeweiligen Kunden zu finden, ganz nach deren musikalischem Geschmack. Genau diese Verbindung von emotionaler Musikkuration und klassischem Shopmanagement gibt dem Spiel schon in dieser ruhigeren Phase einen angenehm entspannten, fast schon meditativen Charakter.
Der eigentliche Clou zeigt sich jedoch, sobald man selbst zu einer Platte greift und in Georges Fantasie hineingezogen wird. Dort verwandelt sich jeder Song in eine eigenständige, an den jeweiligen Musikstil angepasste Rhythmussequenz, bei der man sich im Takt bewegt, ausweicht und reagiert. Besonders angetan hat es mir dabei, wie behutsam neue Mechaniken eingeführt werden. Statt von Beginn an mit sämtlichen Spielelementen erschlagen zu werden, führt jede neue Reise nur eine überschaubare Menge frischer Ideen ein, von kurzen Verfolgungsjagden über kleine Minispiele bis hin zu optischen Verzerrungen, die sich passend zur Musik über den Bildschirm legen. Begleitet wird man dabei zusätzlich von Georges treuem Hund Buzz, der in einigen der besuchten Sequenzen mit von der Partie war.
Ein kleiner Messe-Geheimtipp
Musikalisch verlässt sich Mr. Records vollständig auf Eigenkompositionen der Komponisten Charles Bardin und Valentin Ducloux, insgesamt sollen es rund neunundvierzig eigenständige Titel in der fertigen Fassung werden. Der bewusst comichafte, warme Artstyle erinnert dabei angenehm an Titel wie Thank Goodness You’re Here und passt hervorragend zur nostalgisch verträumten Grundstimmung der Geschichte rund um Erinnerung, zweite Chancen und die Kraft der Musik.
Mr. Records hat mich auf der Gamescom 2026 mit seiner charmanten Grundidee restlos für sich eingenommen. Die Mischung aus entspanntem Ladenmanagement und liebevoll inszenierten, musikalisch vielfältigen Rhythmuseinlagen fühlt sich frisch und durchdacht an, ganz ohne die spielerische Tiefe der reinen Wohlfühlatmosphäre zu opfern. Mit einer geplanten Spielzeit von rund vier Stunden bleibt das Spiel angenehm kompakt, ohne dabei gehetzt zu wirken. Wer offene Ohren für kreative Indieperlen abseits ausgetretener Pfade hat, sollte sich Mr. Records unbedingt vormerken, wenn es Anfang 2027 für PC sowie Nintendo Switch 2 erscheint.




