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Test: REANIMAL: The Prisoner

Lohnt sich der erste DLC zum spirituellen Little Nightmares-Nachfolger?

REANIMAL hat sich seit seinem Erscheinen einen ziemlich guten Ruf als atmosphärischer Horrortitel erarbeitet, und jetzt legt Tarsier Studios mit dem ersten Teil einer geplanten DLC Trilogie namens The Prisoner nach. Wer das Hauptspiel mochte, wird sich hier sofort wieder zuhause fühlen, denn die Entwickler bleiben ihrer Formel treu und das ist gleichzeitig die größte Stärke und die größte Schwäche dieser Erweiterung.

 

Mitten im Krieg

In The Prisoner übernimmt man die Rolle zweier neuer Figuren, dem Gefangenen und dem Soldaten, zwei Kinder, die mitten in einem Krieg gefangen sind, der die Welt von REANIMAL auseinanderreißt. Die Geschichte beginnt mit einer kurzen Zwischensequenz, in der die beiden aus einem Flugzeug abspringen und in einer bereits zerstörten Stadt landen, die voller Fallen und Monster steckt. Von dort aus bewegt man sich Richtung eines großen, bedrohlichen Turms, der immer wieder am Horizont auftaucht und die ganze Zeit über wie ein stiller Fluchtpunkt der Erzählung wirkt.

Spielerisch bleibt vieles beim Alten. Man erkundet, löst kleinere Rätsel und versucht vor allem, Konfrontationen zu vermeiden, denn die Gegner in dieser Welt sind einem meist haushoch überlegen und ein einziger Treffer kann bereits das Ende bedeuten. Neu hinzugekommen ist unter anderem eine Kamera, die im Kampf gegen die neuen Feinde, etwa den Flammenwerfersoldaten, eine praktische Rolle spielt. Wer im Koop spielt, merkt außerdem kleine Verbesserungen gegenüber dem Hauptspiel, während der Soloeinstieg an manchen Stellen etwas holpriger wirkt.

REANIMAL

Bild: 2026 © THQ Nordic

 

Gewohnt, aber gut

Erzählerisch bleibt Reanimal seinem Stil treu und erklärt so gut wie nichts direkt. Stattdessen setzt man ganz auf Bilder, Andeutungen und eine bedrückende Stimmung, die mich damit alleine lassen, was hier eigentlich passiert. Man trifft sogar auf eine Figur aus dem Hauptspiel, die man eigentlich nicht mehr erwartet hätte, was für zusätzliche Fragezeichen sorgt. Genau dieses Mystische ist es auch, was mich hier erneut sehr begeistert. Weil es nach wie vor kryptisch und sehr interpretierbar ist.

Atmosphärisch präsentiert sich der DLC hier ähnlich stark, wie das Main Game. Die gesamte Stimmung, der Sound, die Farbgebung und die Inszenierung vermitteln wieder ein sehr intensives Erlebnis, welches der Hauptgeschichte in Nichts nachsteht. Auch teils sehr krasse Bilder werden wieder geboten, durch die man noch tiefer eingesogen wird. Im Grunde ist man hier so nah am Main Game, dass der DLC das Niveau hier sehr exakt hält, dadurch aber auch in gewisser Weise eher uninnovativ wirkt. Das ist Vor- und Nachteil zugleich, weil man natürlich einerseits gewohnt gute Kost serviert bekommt, aber andererseits auch nichts anderes oder gar Frisches erwarten sollte. Lediglich eine der späteren Szenen macht zumindest spielerisch etwas Neues! Und das sind dann auch kleine Highlights, die mir dann nochmal besonders gut gefallen haben. Da hätte ich gern mehr von.

REANIMAL

Bild: 2026 © THQ Nordic

 

Nicht frei von Makeln

Der große Kritikpunkt, der in fast jedem Test auftaucht, ist die Spielzeit. The Prisoner ist nach ungefähr einer Stunde bereits vorbei und kostet dabei rund zehn Euro. Für ein derart kurzes und zudem unabgeschlossenes Erlebnis, schließlich handelt es sich nur um den ersten von drei geplanten Teilen. Insofern lohnt sich ggf. sogar das Warten, bis alle Teile erhältlich sind. Ebenfalls muss ich ankreiden, dass ich zwei, drei Momente hatte, in denen die Figuren ein bisschen in sich selbst oder mit anderen Objekten verhakt haben. Das ist mir in der Form im Hauptspiel nie passiert und müsste noch gefixt werden.

Das ist aber alles in allem Meckern auf hohen Niveau. Denn darüber hinaus läuft das Spiel einwandfrei. Insgesamt habe ich ca. 70 Minuten für den DLC gebraucht. Das ist somit relativ knapp, aber trotzdem will ich die Erfahrung nicht missen. Mittels Season Pass kann man aber zumindest insofern sparen, dass es finde ich den Preis für insgesamt 3 DLC’s dieser Art auch rechtfertigt. Ob sich die anderen beiden lohnen, kann ich natürlich noch nicht sagen.

REANIMAL

Bild: 2026 © THQ Nordic


Fazit zu REANIMAL: The Prisoner

Unterm Strich bekommt man mit The Prisoner genau die Art von dichter, unheimlicher Atmosphäre, die man von Tarsier Studios erwartet, verpackt in ein technisch und spielerisch solides, aber eben auch sehr kurzes Paket. Wer schon beim Hauptspiel Lust auf mehr hatte, wird auch hier wieder gut unterhalten, sollte sich den Kauf angesichts von Preis und Länge aber gut überlegen und im Zweifel lieber abwarten, bis die komplette Trilogie zusammen erhältlich ist oder eben zum Season Pass greifen, mit dem man deutlich günstiger wegkommt. Da ich mal davon ausgehe, dass die beiden weiteren DLC’s nahtlos daran anknüpfen, würde ich Fans des Spiels klar zum Season Pass raten, wenn man Lust auf mehr hat, weil man dadurch ganz klar Geld spart.

Der erste DLC geht keine Experimente ein. Man bekommt more of the same. Aber eben auch mehr von dem, was man an REANIMAL, bzw. den indirekten Vorgängern, nämlich Little Nightmares 1 & 2, kennt. Das ist eben ein atmosphärisches Koop-Abenteuer, welches einsaugt, teils verstörend gut aussieht und eine intensive Reise bietet. Große Überraschungen dürft ihr nicht erwarten und daher müsst ihr für euch wissen, ob ihr mehr davon wollt oder frischen Wind braucht. Ich für meinen Teil hatte definitiv meinen Spaß, wieder in REANIMAL einzutauchen, und freue mich auf das nächste Kapitel.

Christian Koitka (Redakteur)

Positiv:

Gewohnt atmosphärische Stimmung
Stilistisch einmal mehr hervorragend in Szene gesetzt
Großartiges Sound-Design
Hier und da zumindest ein paar schöne, neue spielerische Ideen

Negativ:

Insgesamt doch sehr "more of the same"- Innovationen sollte man also nicht erwarten
Hier und da einige Clipping-Fehler

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Ab in die Sammlung?

Sofern du einmal mehr von REANIMAL haben möchtest, bist du hier richtig. Allerdings sollte man dann mittels Season Pass etwas Geld sparen.

Christian Koitka
The guy who loves videogames

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