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Test: Denshattack!

Das ist eines der verrücktesten und besten Spiele des Jahres

Ich spiele einen Zug, der Kickflips, Ollies und Grinds ausführt, auf einem Riesenrad fährt und über Schwertfische slided. All das durch eine neonleuchtende japanische Dystopie. Willkommen in Denshattack!
Das klingt absurd, und das ist es auch, aber auf die denkbar beste Art. Undercoders, ein spanisches Indie-Studio, hat aus einer Prämisse, die wie ein Fiebertraum klingt, ein Spiel von unfassbar tiefem und abwechslungsreichen Gameplay, spektakulärem Level-Design und herzerwärmenden Charakteren gezaubert. Denshattack! ist einer der größten Überraschungshits des Jahres 2026. Ich verrate euch warum!

 

Japan unter einer Kuppel

Die Geschichte beginnt in einer Japan-nahen Zukunft, in der der Miraidō-Konzern (eine „zwielichtige Megacorp“ vom Feinsten) Japans bedeutendste Städte unter undurchdringliche Kuppeln gesperrt hat. Tokio, Osaka, die Metropolen des Landes: abgeriegelt, kontrolliert, unterworfen. Die einzigen, die verrückt genug sind, sich dagegen zu wehren, sind ein Haufen Ausgestoßener und Rebellen sowie natürlich man selbst.

Man schlüpft in die Rolle von Emi, die von Kyushu aus aufbricht und sich durch das Land kämpft, um zu einer legendären „Denshattackerin“ zu werden, dem besten Zugfahrer, der je durch Japans Gleise gedriftet ist. Die Reise führt durch über 60 Level, 8 Regionen und 46 Präfekturen, von den ländlichen Weiten Kyushus über die Neonschluchten Tokios und Osakas bis zu den Weiten Hokkaidos und darüber hinaus. Die Story selbst ist eigentlich nur nettes Beiwerk. Mehr Spaß machen da die bizarren Charaktere, die untypischer kaum sein könnten. Aber dafür liebe ich sie. Sie bieten nicht einmal charakterliche Tiefe, sondern bestechen einfach durch die humorvolle Interaktion untereinander.

Denshattack

Bild: 2026 © Fireshine Games, Boltray Games

 

Tony Hawk meets Sonic meets Subway Surfer

Das Herzstück von Denshattack ist sein Gameplay, und das ist einfach fantastisch. Das Spiel ist strukturiert wie Subway Surfer, aber setzt spielerisch dann eher noch auf Komponenten aus Tony Hawk’s Pro Skater: Jedes Level ist eine geführte Strecke von A nach B, auf der man möglichst viele Tricks ausführt, Combos kettet und Punkte sammelt. Statt eines Skateboarders fährt hier aber einen Zug, und das funktioniert erstaunlich gut.
Die Grundmechanik ist schnell erlernt. Ollie, Kickflip, Grind: Die klassischen Skate-Elemente werden auf das Zugfahren übertragen, ohne lächerlich zu wirken, auch wenn man das vermuten würde. Stattdessen entsteht ein einzigartiges Gefühl, das sich mit jedem weiteren Level vertieft. Denn Denshattack ist unfassbar schnell, intensiv und herausfordernd. Nicht nur muss man auf die Gefahren der Strecke achten und teilweise blitzschnell reagieren, sondern parallel dazu noch Tricks ausführen.

Die Level sind dabei keine einfachen Hindernisparcours, sondern vollgepackt mit Set-Piece-Momenten, die konstant eskalieren. Man hängt an Einschienenbahnen und schwingt sich links und rechts, um Hindernissen auszuweichen. Man verlässt die Gleise, um Loopings durch Tunnel zu ziehen. Jedes neue Gameplay-Element wird organisch eingeführt, bis man sich fragt, wie das Spiel überhaupt noch verrückter werden kann, und dann wird es das auch noch.
Dazu kommen abzweigende Pfade: Jedes Level bietet mehrere Routen, und wer seine Trick-Combo hoch genug treibt, kann geheime Regenbogenschienen freischalten. Das sorgt für enorme Wiederspielbarkeit, die durch die Sammler-Mechanik noch verstärkt wird. Ein verpasstes Collectible? Ein schlechter Score? Man fühlt sich automatisch motiviert die Level nochmal anzugehen.

Denshattack

Bild: 2026 © Fireshine Games, Boltray Games

 

Wie viel Kreativität steckt drin? – „Ja“

Besonders gut gefallen haben mir die Level in ihrer Abwechslung. Jedes Level findet man andere Settings, andere Strukturen und andere Gegebenheiten vor. Denshattack ist ein stetiger Fiebertraum, dem nie die Kreativität ausgeht. Neben den „von A nach B“-Strecken, gibt es auch noch offene Level. Hier fährt man zwar auch auf Rails, kann aber immer wieder links oder rechts abbiegen. Dort gilt es dann drei bis vier Quests abzuschließen, und dies in möglichst kurzer Zeit. Auch das ist ein richtig schöner Gegenentwurf zum Rest der Spielstruktur und lockert das Ganze auf. Das gilt auch für die gelegentlichen Rennen im Spiel. Die fallen aber sehr einfach aus, im Gegensatz zum Rest des Spiels. Hier hätte ich mir dann doch lieber ein wenig mehr „hartes Racing“ gewünscht. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn das apokalyptische Japan ist durch den ganzen Stil so einladend.

Optisch ist Denshattack nämlich ein Fest. Wer Jet Set Radio oder den Early-2000s-Sega-Stil liebt, wird hier glücklich werden. Dazu lief das Spiel bei mir stets flüssig. Zugegeben: Es prasseln unfassbar viele visuelle Eindrücke auf einmal ein, auch weil das in einem unfassbaren Tempo passiert. Damit dürfte nicht jeder klarkommen. Aber ich liebs.
Der Soundtrack verdient ein eigenes Kapitel: Jedes der über 60 Level hat seinen eigenen Musiktrack, und alle sind stark. Die Mischung aus J-Pop, Electronica, Hip-Hop und Anime-inspirierten Kompositionen treibt das Spieltempo an und bleibt im Ohr. Ein Soundtrack, den man auch außerhalb des Spiels hören würde.

Denshattack

Bild: 2026 © Fireshine Games, Boltray Games

 

Vollständiger Wahnsinn

Besonderes Lob verdienen die Bosskämpfe am Ende jeder Region. Sie sind schlicht vollkommen durchgeknallt, und zwar im besten Sinne. Der erste Kampf ist eine Konfrontation mit einem Gundam-artigen Mech, der die anime-esken Einsätze des Spiels auf ein neues Niveau hebt. Danach geht es weiter mit mechanischen Würmern, fliegenden  Schlössern, Mecha-Magicalgirls und ganzen Armeen von Denshattackern. Es ist so herrlich over the top. Ein WTF-Moment folgt auf den nächsten. Meist folgen danach sogar noch komplett neue Spielelemente, die das Spiel einführt. Selbst im späteren Verlauft lernt man immer wieder neue Spielmechaniken, die das Gameplay frisch und abwechslungsreich halten.

Für 20 Euro bietet Denshattack! eine Kampagne von deutlich über 10 Stunden, Score-Attack-Stages mit echtem Tiefgang, umfangreiche Zug-Anpassung und eine Menge Sammelkram. Das Spiel ist zudem für ein breites Publikum zugänglich: Die Grundmechanik ist relativ einfach erlernt, die Schwierigkeit steigt gradlinig, und wer nur die Story durchspielen will, kommt ohne frustrierende Blockaden durch. Wer jedoch auf Scorejagd ist (was ein wenig automatisch passiert) und alle geheimen Routen freischalten will, findet eine echte Herausforderung.
Ergänzend zu erwähnen ist das Fehlen eines Multiplayer-Modus, welchen ich aber auch nicht so wirklich vermisst habe. In einem Spiel, das so sehr von Rivalität und Gemeinschaft lebt, wäre ein Online-Leaderboard-Wettkampf oder ein asynchroner Ghost-Modus aber eine schöne Ergänzung gewesen.

Denshattack

Bild: 2026 © Fireshine Games, Boltray Games


Fazit zu Denshattack!

Wow! Einfach wow! Denshattack ist schon beim Zusehen ein Fest, aber wenn man selbst erstmal zum Controller greift, spielt man einen nie aufhörenden Adrenalinkick. Das Spielprinzip ist grundsätzlich leicht zu erlenen, aber nach oben raus ist das Ding richtig anspruchsvoll. Wenn Tony Hawk auf Subway Surfer in einem Zug trifft und es dabei wie Jet Set Radio aussieht, meint man kaum, dass das in irgendeiner Form funktionieren könnte. Aber das tut es! Der abwechslungsreiche Fiebertraum spielt sich unfassbar präzise, wirft dich in abwechslungsreiche Szenarien und belohnt dich mit einer spielerischen und visuellen Progression. Denshattack ist eines meiner persönlichen Top Games des Jahres. Einfach weil es seinen Mut so konsequent und durchdacht zu Ende führt. Das reaktionsschnelle Rail-Game ist eine Erfahrung, wie man sie sonst kaum findet.

Klar, ein vernünftiges Online-Leaderboard wäre super. Und die wenigen Rennen im Spiel, hätten gerne etwas härteres Racing bieten können. Aber mehr kann ich diesem Spiel nicht ankreiden. Action und Geschicklichkeit kommen als Genres hier auf so kreative und abstruse Art und Weise zusammen. Aber es ist nicht nur die Tatsache, dass sich Denshattack etwas traut, sondern dass es diese Vision so konsequent und qualiativ durchzieht. Und weil ich damit so unglaublich viel Spaß habe, kann ich nicht anders, als unseren NAT-Award zu vergeben.

Christian Koitka (Redakteur)

Positiv:

Innovatives Game Design
Abwechslungsreiche Level
Herausfordernder, aber auch motivierender Gameplay-Look
Schönes Zusammenspiel aus Tricks, Geschwindigkeit, Ausweichmanövern und der Präsentation
Visuell absolut herausragend
Eingängiger Soundtrack, den man sich auch so privat anhören könnte
Abwechslungsreiche und Gameplay-bezogene Progression

Negativ:

Leider keine Geister-Rennen gegen die Spieldurchläufe anderer oder Leaderboards
Die Rennen hätten gerne härteres Racing bieten können

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Denshattack! erhält den NAT-Games-Award

Ab in die Sammlung?

Wenn du auf schnelle und abgedrehte Spiele stehst, könnte das dein GOTY werden.

Christian Koitka
The guy who loves videogames

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