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Test: Dave the Diver: In the Jungle

Willkommen im Dschungel, Dave!

Dave the Diver hat bereits im Hauptspiel bewiesen, wie gut sich scheinbar völlig unterschiedliche Spielideen miteinander verbinden lassen. Tagsüber wird die Unterwasserwelt erkundet und es werden Fische gefangen, am Abend steht der Betrieb des Restaurants im Vordergrund. Dazwischen sorgen verschiedene Charaktere, absurder Humor und immer wieder neue Gameplay-Ideen dafür, dass Abwechslung an der Tagesordnung steht. Mit In the Jungle gehen die Entwickler von Mintrocket nun weg vom bekannten Blue Hole und hinein in eine völlig neue Umgebung. Dave und seine Freunde verschlägt es nämlich in das Dorf Utara, wo ein mysteriöses Phänomen für Unruhe sorgt. Aus einem zunächst einfachen Auftrag entwickelt sich schnell ein neues Abenteuer mit einem eigenen Süßwassersee, einem weitläufigen Waldgebiet, neuen Bewohnern und zahlreichen neuen Aufgaben. Dabei bleibt In the Jungle seinem Grundprinzip treu. Statt lediglich neue Inhalte an das bekannte Spiel zu bringen, folgen mit dem ersten DLC Oberwelt-Erkundung, neue Charakter-Beziehungen und ein neues brandneues Restaurant.

 

Zwischen Süßwassersee und Dschungel tauchen

Die Geschichte führt Dave, Dr. Bacon, Cobra und Bancho in das abgelegene Dorf Utara. Dort geschehen merkwürdige Dinge: Ein Dinosaurierkadaver wird an den Ufern des eigentlich als Süßwasserquelle bekannten Sees angespült, Tiere verhalten sich ungewöhnlich aggressiv und das Wasser ist durch eine seltsame Verschmutzung verfärbt. Gleichzeitig wird die Dorfgemeinschaft durch die Ereignisse zunehmend verunsichert. Dave soll herausfinden, was hinter den Vorgängen steckt und dafür die Tiefen des Sees erkunden. Die Handlung erfüllt dabei vor allem eine wichtige Funktion, denn sie führt durch die neuen Gebiete und verbindet die zahlreichen Gameplay-Systeme miteinander. Eine große, tiefgreifende Erzählung sollte man allerdings nicht erwarten.

Wie schon im Hauptspiel wird die Geschichte immer wieder von neuen Aufgaben, Figuren und skurrilen Situationen getragen. Gerade die ungewöhnlichen Charaktere sorgen dabei für den bekannten Charme. Gleichzeitig fällt aber auf, dass die Erzählung nicht ganz die Stärke des eigentlichen Gameplays erreicht. Einige Zusammenhänge wirken eher wie ein Vorwand. Besonders die Darstellung der Dorfbewohner und Banchos Rolle als vermeintlicher Experte für die Zubereitung der lokalen Fische wirkt stellenweise etwas fragwürdig. Hier verschenkt die Erweiterung etwas Potenzial, denn gerade die neue Kultur und das Dorf hätten eine interessante Grundlage für eine tiefere Geschichte bieten können.

Die größte Überraschung von In the Jungle ist allerdings, wie stark sich die Erweiterung vom ursprünglichen Spielprinzip unterscheidet. Natürlich bleibt das Tauchen ein zentraler Bestandteil. Statt des Blue Hole wartet nun ein Süßwassersee darauf, erkundet zu werden. Dort leben neue Fischarten und deutlich aggressivere Kreaturen, darunter Krokodile, elektrische Aale und riesige Störe. Gleichzeitig beginnt Dave nicht mit der perfekt ausgebauten Ausrüstung aus dem Hauptspiel. Die Ausrüstung muss erneut verbessert werden, während Verschmutzungen im Wasser zunächst verhindern, dass besonders tiefe Bereiche erreicht werden können. Ein spezieller Filter muss aufgerüstet werden, um nach und nach weitere Tiefen zu erschließen. Für die neuen Unterwasser-Abenteuer steht außerdem die Jungle Gun zur Verfügung.

Sie vereint mehrere Waffenfunktionen in einem einzigen Gerät und kann unter anderem als Gewehr, Schrotflinte, Netz- oder Scharfschützenwaffe eingesetzt werden. Der schnelle Wechsel zwischen den Funktionen macht das Tauchen angenehm flexibel und passt gut zu den deutlich stärkeren Gegnern im Wasser. Trotz der neuen Umgebung bleibt das bekannte Gameplay stets erhalten: Erkunden, Ressourcen sammeln, Beute sichern, Ausrüstung verbessern und anschließend erneut aufbrechen. Dafür wird das bekannte System aber sinnvoll und mit neuen Mechaniken erweitert.

 

Dave wird zum Waldläufer

Noch deutlicher verändert sich das Spiel an Land. In the Jungle führt eine Oberwelt ein, in der sich Dave relativ frei bewegen kann. Statt ausschließlich zwischen Tauchgang und Restaurant zu wechseln, erkundet er nun verschiedene Bereiche des Dschungels, trifft Bewohner, sammelt Ressourcen, fängt Insekten und Tiere und entdeckt neue Orte. Auch ein Tempel wartet darauf, erkundet zu werden. Dort gibt es kleinere Umgebungsrätsel, Kämpfe und Elemente, die teilweise an klassische Rollenspiele erinnern. Zusätzlich wurden rundenbasierte Kämpfe integriert. Das grundlegende Prinzip dahinter ist schnell verstanden, sodass keine lange Einarbeitungszeit nötig ist. Gleichzeitig verschenkt das System dabei auch einiges an Potenzial. Die taktischen Möglichkeiten sind überschaubar, wodurch die Kämpfe mit zunehmender Spieldauer nur wenig an Komplexität gewinnen. Diese Idee hätte deutlich mehr Tiefe gebrauchen können, um wirklich relevant zu sein. Es ist aber ohnehin ein netter Ausflug und wer weiß, wie sich weitere DLCs oder Inhalte der Reihe in der Zukunft hier stärker orientieren werden.

Der Dschungel fühlt sich nicht einfach wie ein weiterer Hintergrund für die Aufgaben an, sondern bietet genügend eigene Aktivitäten, um Dave auch abseits des Wassers zu beschäftigen. Gleichzeitig kann die Fülle an Möglichkeiten dann wiederum auch etwas überwältigend wirken. Wer versucht, sämtliche Nebenaufgaben zu erledigen und jeden Bewohner zufriedenzustellen, muss seine Zeit gut einteilen. Denn anders als im Hauptspiel läuft die Zeit in der Oberwelt kontinuierlich weiter. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Faktor in der Tagesplanung. Entweder möchte ich noch Ressourcen sammeln, eine Quest erledigen, den Wald erkunden oder lieber rechtzeitig zum Restaurant zurückkehren – es wird also gern mal etwas stressiger in Dave’s Alltag.

Eine weitere große Neuerung ist das Beziehungssystem der Bewohner. Die Bewohner von Utara haben eigene Vorlieben, Lieblingsgeschenke und Aufgaben. Wer sich um sie kümmert und ihre Nebenquests erledigt, baut nach und nach Vertrauen auf. Mit steigender Beziehung kommen die Bewohner schließlich auch ins Restaurant. Das System erinnert dabei an bekannte Cozy- und Farming-Spiele und passt überraschend gut zu Dave the Diver. Das Dorf wirkt dadurch lebendig und die neuen Charaktere bekommen etwas mehr Persönlichkeit. Vom neugierigen Nachwuchs bis zum misstrauischen Farmer gibt es zahlreiche Bewohner mit unterschiedlichen Eigenheiten. Fast jeder Bewohner bringt neue Aufgaben mit, wodurch die Übersicht schnell verloren gehen kann. Das System ist zudem deutlich simpler gehalten als bei vergleichbaren Spielen. Um der neuen Region mehr Leben einzuhauchen, ist dieser Ansatz allerdings ziemlich gelungen.

 

Vom Sushi-Restaurant zum Bancho Grill

Auch das Restaurant erhält einen deutlichen Umbau. Statt einer weiteren Sushi-Filiale betreibt Dave gemeinsam mit Bancho den Bancho Grill. Auf der Speisekarte stehen nun unter anderem gegrillte Fischgerichte und Zutaten wie Zitronengras, Calamansi, Kokosmilch und Sambal. Der eigentliche Restaurantbetrieb spielt sich dabei ebenfalls etwas anders als im Hauptspiel. Durch die neue Ansicht bewegt sich Dave aktiv durch das Restaurant und muss die Gäste bedienen, Getränke servieren und zusätzlich Spieße zubereiten.

All das erinnert stellenweise an klassische Restaurant-Management-Spiele wie Diner Dash und wirkt dadurch deutlich dynamischer als im Hauptspiel. Dieser neue Ablauf ist eine der gelungensten Erweiterung des bekannten Gameplays und fühlt sich nicht einfach nur wie eine neue Variante des bekannten Sushi-Betriebs an, sondern wie eine gut durchdachte Weiterentwicklung. Das Management hinter dem Restaurant bleibt dabei stehts einfach gehalten und überfordert an dieser Stelle nicht.

Optisch bleibt In the Jungle dem charakteristischen Pixel-3D-Stil des Hauptspiels treu. Die Unterwasserwelt des Blue Hole wird dabei durch eine andere Umgebung ersetzt. Statt blauer Tiefen dominieren nun ein sattes Grün, hohe Bäume, dichtes Unterholz, Flüsse, Ruinen und zahlreiche kleine Tiere und Insekten. Gerade der Kontrast zwischen hellen Lichtungen und dunkleren, überwucherten Bereichen funktioniert dabei hervorragend. Die neue Region besitzt eine ganz eigene Atmosphäre, ohne den Wiedererkennungswert des Hauptspiels zu verlieren. Auch die Bewohner von Utara wurden mit individuellen Designs versehen.

Unterschiedliche Kleidung, Tattoos und charakteristische Erscheinungsbilder sorgen dafür, dass die Figuren sich nicht allzu sehr ähneln und Abwechslung ins Spiel kommt. Allerdings hat die dichte Vegetation im Dschungel auch einen kleinen Nachteil. Einige Gegenstände und Pflanzen gehen optisch etwas zu stark im Hintergrund unter. Gerade beim Sammeln kann es deshalb passieren, dass man Interaktionsobjekte schnell übersieht. Ein kleiner visueller Hinweis hilft dabei zwar, ist aber nicht immer deutlich genug sichtbar. Dadurch können Sammelobjekte schnell liegengelassen werden.

 

Ruhige Klänge zwischen Dschungel und Kampf

Statt der Unterwasseratmosphäre des Hauptspiels dominieren nun Naturgeräusche, Wasserläufe und dezente Umgebungsgeräusche aus dem Dschungel. Wenn es zu Kämpfen kommt, wechselt die Musik entsprechend und sorgt für mehr Dynamik. Die Musik passt zur Atmosphäre, liefert aber nur wenige Stücke, die langfristig im Gedächtnis bleiben. Neben den eigentlichen Spielsystemen gibt es zahlreiche kleinere Überraschungen und Gastauftritte in Dave’s neuer Umgebung. Unter anderem tauchen Figuren aus anderen Spielen auf, die teilweise sogar als Mitarbeiter für den Bancho Grill gewonnen werden können. Dazu kommen verschiedene Anspielungen auf andere Videospiele und der allgemeinen Popkultur. An dieser Stelle möchten wir allerdings nicht zu viel verraten. Diese kleinen Überraschungen passen hervorragend zum Spiel und heben die Atmosphäre ein deutliches Stück höher.

Was Dave the Diver: In the Jungle am Ende so unterhaltsam macht, ist vor allem die enorme Abwechslung. Kaum hat man sich an eine neue Mechanik gewöhnt, wartet bereits die nächste Aktivität. Zwischen Tauchgängen, Erkundungstouren und dem Restaurantmanagement findet Langeweile keinen Platz. Dabei nimmt sich das Spiel selbst nie allzu ernst. Der typische Humor und die vielen kleinen Überraschungen passen auch in der neuen Umgebung hervorragend zu Dave und seinem chaotischen Alltag. Allerdings merkt man auch, dass bei dieser Fülle nicht jede Idee bis ins letzte Detail ausgearbeitet wurde. Wer alles sehen, sammeln und erledigen möchte, bekommt ordentlich etwas zu tun. Trotzdem fühlt sich In the Jungle nicht wie ein gewöhnlicher DLC an, den man nach ein paar Stunden wieder beiseitelegt.

Die neue Dschungelregion verändert den Alltag von Dave spürbar und erweitert das bekannte Spielprinzip um eine Oberwelt, neue Charaktere, Beziehungen, Ressourcen und den Bancho Grill. Gleichzeitig bleibt der Kern allerdings unangetastet: Wir gehen auf die Jagd nach Fischen und Materialien, kehren zurück, verbessern unsere Ausrüstung und das Restaurant und machen uns anschließend wieder auf den Weg. Die Erweiterung nimmt das bewährte Konzept und setzt ihm eine Dschungelwelt vor die Nase. Klar, die Geschichte hätte an einigen Stellen mehr Tiefe vertragen. Dafür gibt es reichlich zu entdecken, jede Menge neue Beschäftigungen und genügend verrückte Situationen, um Dave auch nach dem Hauptspiel noch einmal gerne auf Tauchstation zu schicken.

Fazit zu Dave the Diver: In the Jungle

Ein neuer Dschungel, aber ganz der alte Dave

Dave the Diver: In the Jungle ist eine umfangreiche und abwechslungsreiche Erweiterung, die sich in vielen Momenten tatsächlich wie ein eigenständiges kleines Spiel anfühlt. Die neue Dschungelregion ist atmosphärisch sehr gelungen, das Tauchen wurde sinnvoll erweitert und mit der Dschungel-Oberwelt und dem Bancho Grill kommen gleich mehrere neue Orte hinzu. Wer das Hauptspiel bereits mochte und noch einmal in die Welt von Dave eintauchen (hehe Wortwitz) möchte, bekommt hier jede Menge geboten. Wer dagegen eine komplett neue Spielerfahrung erwartet, sollte die Erwartungen etwas zurückschrauben.

Das Fundament bleibt nämlich grundsätzlich dasselbe. Die neue Region kommt hervorragend zur Geltung und die zahlreichen Aktivitäten laden dazu ein, immer noch eine weitere Aufgabe zu erledigen oder noch einen Tauchgang zu starten. Unterm Strich ist In the Jungle ein äußerst umfangreicher DLC, der den ungewöhnlichen Genre-Mix von Dave the Diver gelungen erweitert. Dagegen sieht der geringe Anschaffungspreis sogar im Vergleich zu anderen kostenpflichtigen Inhalten mickrig aus.

Tobias Liesenhoff (Chefredakteur)

Positiv:

Sehr umfangreicher DLC mit viel neuem Content
Abwechslungsreiche Dschungelregion mit eigener Atmosphäre und vielen Aktivitäten
Bancho Grill bringt frischen Wind in das Restaurantmanagement
Viele neue Charaktere, humorvolle Begegnungen und zahlreichen kleinen Überraschungen
Beziehungssystem lässt das Dorf lebendiger wirken

Negativ:

Große Menge an Aufgaben kann schnell überfordern, sowie sind einige Sammelobjekte in der Umgebung schwer zu erkennen
Bewährtes Spielprinzip wird nur behutsam erweitert und nicht jede neue Gameplay-Idee kann vollends überzeugen

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Ab in die Sammlung?

Mit In the Jungle bekommst du eine umfangreiche Erweiterung, die mit einem neuen Spielsystemen, einer abwechslungsreichen Dschungelwelt und dem gewohnt charmanten Humor dich erneut mit Dave zum Tauchen bringt.

Tobias
This action will have consequences...

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