Yacht Club Games haben mit Shovel Knight einen der größten Indie-Hits aller Zeiten erschaffen und wollen nun mit ihrem zweiten Spiel Mina the Hollower nachziehen. Sie bleiben dabei ihrer Liebe zu 8-bit Spielen treu, während Shovel Knight an die 2D-Platforming-Ära von Mario und Mega Man erinnerte, sieht man beim neuen Werk direkt die Vergleiche zu den Zeldaspielen auf dem Gameboy Color. Doch es steckt hier viel mehr drin als nur ein Zelda-Klon, so sind auch Vergleiche mit Castlevania und Soulslike-Titeln nicht weit hergeholt. Ich verrate euch in diesem Test, warum Mina the Hollower für mich zu diesem Zeitpunkt das beste Indiespiel des Jahres ist, obwohl es definitv einige Problemchen und kontroverse Entscheidungen mit sich schleppt.
Die Geschichte von der Maus und dem Löwen
In Mina the Hollower spielen wir als die namensgebende Maus Mina, die als Höhlerin tätig ist. Das sind Mitglieder einer Gilde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Erde und ihre Ressourcen zu erforschen. Dazu benutzen sie die einzigartige Fähigkeit des Höhlerns, womit sie sich in den Boden eingraben und schnell fortbewegen können. Mina selbst ist ein Genie und hat für die Stadt Ossex auf der Insel Finsteringen mehrere Funken-Generatoren entwickelt, welche die Stadt und ihre Bewohner aufblühen ließen. Nun sind diese Generatoren jedoch beschädigt und Baron Lionel, der Schirmherr von Ossex, hat Mina in einem Brief um Hilfe gebeten, die Generatoren wieder in Gang zu setzen. Doch eine Armee, angeführt von Thorne, ehemaligem Gardechef von Lionel, versucht aktiv dagegen zu wirken. Doch warum? Ist das Einschalten der Generatoren nicht eigentlich etwas Gutes? Nun, die Story und auch die damit einhergehenden Wendungen sind schon auf meilenweite Entfernung zu riechen und werden überhaupt nicht subtil gehalten. Trotzdem wird die Geschichte nett erzählt.
Dabei hilft, dass Mina keine stumme Protagonistin ist, sondern zu einzelnen Situationen auch ihren Senf dazu gibt. Doch dies könnte sie ruhig noch öfter tun, so bekomme ich das Gefühl, unsere Protagonistin nur sehr oberflächlich kennenzulernen. Gleiches gilt für die vielen, quirligen NPCs, die man im Verlaufe des Spiels trifft. Es sind so viele interessante Figuren am Start wie etwa der gruselige Ladenbesitzer, der Mina mit seiner riesigen Hand von der Straße greift oder der kleine Maxi, der sich als Minas Rivale ansieht. Es macht Spaß, mit allen Nebenfiguren zu sprechen und ihre Sidequests zu erledigen, man darf hier aber keine wahren tiefgründigen Geschichten erwarten. In diesem Aspekt ist Mina the Hollower wahrlich ein Gameboy-Spiel, welche ja selten die Möglichkeit hatten, komplexe Stories zu erzählen.

Wir treffen allerlei schrullige Figuren auf unserem Abenteuer auf der Insel Finsteringen. | Bild: 2026 © Yacht Club Games
Ein oldschooliges Gameboy-Abenteuer
Mina the Hollower sieht auf den ersten Blick exakt aus wie Link’s Awakening oder die Oracle-Zeldas und hat spielerisch durchaus Ähnlichkeiten, doch im Kern ist es ein gänzlich anderes Spiel. Zunächst einmal haben wir hier eine komplett offene Spielwelt. Nach einem kurzen Prolog stehen uns alle Bereiche offen und wir können alle Funken-Generatoren in beliebiger Reihenfolge absolvieren. Dabei erkunden wir die Insel nach Geheimnissen, besiegen ein Aufgebot an Monstern und fiesen Bossgegnern und kaufen uns in der Stadt in diversen Läden ein Allerlei an Verbesserungen. Bei alledem verzichtet Mina the Hollower auf eine Weltkarte, an der wir uns orientieren können. Wir können für unser Erdlabor, welche als Checkpoints fungieren, zwar eine grobe Übersichtskarte besorgen, doch die zeigt nur die verschiedenen Gebiete grob an, nicht etwa im Detail. Und eventuelle Geheimnisse, die wir später erkunden wollen, können wir auch nicht markieren.
Das wirkt vielleicht für ein Spiel dieser Art erst einmal etwas nervig, doch trotz der 8bit-Grafik schafft Mina the Hollower es, die Spielwelt mit markanten Abschnitten so zu gestalten, dass wir uns relativ schnell zurechtfinden. Die Spielwelt ist auch nicht wirklich unfassbar riesig und so ist dieses fehlende Feature zwar ein klein wenig schade, schmälert die Erkundung und den Spielspaß aber nicht wirklich.
Lasst euch nicht von der Knuffigkeit von Mina the Hollower täuschen
Gut, wenn wir schon beim Thema Spielspaß schmälern sind, dann sprechen wir doch gleich mal über den Aspekt, welcher die Zockergemeinde spalten wird: Mina the Hollower ist gespickt mit Soulslike-Elementen und insofern ein extrem schweres, forderndes Spiel. Gegner hauen ordentlichen Schaden rein, beim Ableben verliert ihr einen Funken mit all euren Knochen, der Währung dieses Spiels, die ihr dann wieder einsammeln müsst. Ein besonderer Clou dabei ist, dass der Gegner, der euch besiegt hat, den Funken erhält und ihr ihn besiegen müsst, um ihn wiederzuerlangen. Und die Knochen sind wichtig, denn nicht nur könnt ihr damit in den Läden einkaufen, ihr benutzt sie auch zum aufleveln. Habt ihr eine bestimmte Menge an Knochen erreicht, könnt ihr euren Angriff und Verteidigung erhöhen oder sie auch zu Knochenstaub verarbeiten, sodass sie nach eurem Tod nicht verloren gehen.
Um nicht zu früh den Löffel abzugeben, habt ihr Plasma-Phiolen, mit denen ihr euch heilen könnt. Dies funktioniert aber nicht augenblicklich, sondern Mina muss einige Sekunden stehenbleiben und darf dabei auch nicht getroffen werden, sonst wird die Heilung unterbrochen. Außerdem kommt hier ein Kniff ins Spie: Wie viel Lebensenergie ihr heilt, hängt davon ab, wie oft ihr zuvor Gegner getroffen habt. Bei jedem Treffer füllt sich eine gelbe Leiste und genau diese Menge könnt ihr dann heilen. Hier ist also ein Risk-Reward-System am Start, bei dem ihr für euch selbst einschätzen müsst, wann und wie viel ihr euch heilen wollt.
Ja, Mina the Hollower mag knuffig aussehen, es wird euch jedoch an eure Geduldsgrenzen bringen, das ist klar wie Kloßbrühe. Denn das Spiel ist sich selbst nicht zu schade, euch für jeden kleinen Fehler, egal ob im Kampf oder im Platforming, gnadenlos zu bestrafen. Es fordert euch wirklich einiges ab und ihr müsst die Bewegungen von Mina sehr gut lernen, um zu bestehen. Ihre Fähigkeit, sich im Boden einzugraben und entweder dadurch Angriffen auszuweichen oder auch weiter zu springen, ist essentiell. Die Handhabung des „Höhlerns“ ist dabei sehr gewöhnungsbedürftig, da ihr erst kurz in die Luft springt, bevor ihr euch eingraben könnt. Dieses kleine Zeitfenster muss man immer mit einberechnen. Und so ist auch die Herausforderung sehr erinnernd an die Gameboy-Zeit, in welcher Spiele oft fast schon unfair schwierig waren.

Fiese Bossgegner gehören zum Kern eines guten Soulslikes, also gibt es auch etliche in Mina the Hollower. | Bild: 2026 © Yacht Club Games
Er trifft mich, er trifft mich nicht
Hier kommt die größte Schwäche von Mina the Hollower zum Vorschein, das Kämpfen. Wir wählen zu Beginn aus drei Waffen, von denen wir die anderen zwei und noch weitere dann aber im Spiel finden können. Ich habe mich für die Peitsche entschieden und direkt ein Castlevania-Gefühl vermittelt bekommen. Doch auch wenn man die schnellen Dolche wählt oder aber den langsamen, aber brutal starken Hammer, Kämpfe sind in Mina the Hollower niemals trivial. Es gibt da leider nur das Problem, dass Mina nur in eine von vier Richtungen angreifen kann. Diagonale Angriffe sind Fehlanzeige, gleichzeitig können euch Monster aber aus allen Richtungen behelligen. Außerdem wird die Tatsache, dass manche Viecher fliegen können, nicht korrekt berücksichtigt. Ihr könnt sie nur mit einem Sprungangriff in der Luft treffen, sie fügen euch aber bei jeglichem Kontakt der Pixel Schaden zu. An gewissen Stellen ist so viel auf dem Bildschirm los, dass ihr etwa auch von einem Treffer in ein zufällig vorbeifliegendes Projektil geschleudert werdet, welches euch wiederum in den Abgrund wirft. ZACK, ist ein Großteil eurer Lebensenergie futsch. Das kann schon sehr frustrieren.
Ihr könnt euch mit einer Vielzahl an Sekundärwaffen behelfen, für die ihr zwar Munition einsammeln müsst, die sich aber wirklich unter jedem zweiten Busch, in Kerzenhaltern und in Kisten versteckt. Da werft ihr etwa eine Axt in hohem Bogen herum, schützt euch selbst mit einem Regenschirm oder fahrt auf einem kleinen Fahrrad mit einer Lanze herum. Es gibt für viele Sekundärwaffen auch noch Nebeneffekt, die ihr herausfinden könnt. Ihr könnt außerdem eure Hauptwaffen verbessern und mithilfe von Schmuckstücken, die ihr finden könnt, noch weitere passive Effekte erhalten. So wird euch zum Beispiel ermöglicht, nach einmaligem Ableben wiederaufzustehen oder vielleicht fliegt euch ja ein Wesen hinterher, welches ihr zu eurem Schutz explodieren lassen könnt. Das Kämpfen in Mina the Hollower ist vielleicht oft frustrierend, aber es werden euch immerhin viele Optionen geboten.

Nirgendwo sind wir wirklich sicher, selbst im Hofgarten können Gegner auf uns warten. | Bild: 2026 © Yacht Club Games
Nur ein kleines bisschen herummodden
„Viele Optionen geboten“ ist das perfekte Stichwort, um über die Modifikatoren zu sprechen. Denn in den letzten zwei Absätzen habe ich euch jetzt vorgeschwafelt, dass Mina the Hollower ein sehr schweres Spiel ist, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Yacht Club Games haben schon recht früh in der Entwicklungszeit kommuniziert, dass Mina the Hollower ein Spiel für jedermann werden soll und so haben sie eine Vielzahl von Schwierigkeitsmodifikatoren eingebaut. In diesem Menü könnt ihr euch das Spiel unfassbar einfach, aber auch deutlich schwieriger oder auch nur extrem abgedreht machen. Wollt ihr erhöhtes Leben, mehr Checkpoints und einfachere Kämpfe? Kein Problem. Gleichzeitig könnt ihr aber auch dafür sorgen, dass euch das Leben noch mehr zur Hölle gemacht wird als ohnehin schon. Oder ihr mögt es komplett abgedreht, schaltet die Gravitation aus sodass Mina extrem hoch springt, macht sie doppelt so groß und sorgt dafür, dass sich die Farben der Welt bei jedem Sprung verändern. Ihr könnt euer ganz eigenes Abenteuer gestalten.
Die Tatsache, dass es diese Optionen gibt, ist doch nicht schlecht, oder? Nun, wir könnten hier mal wieder die elendige Debatte aufmachen, wie schwer ein Spiel sein darf, ob ein Spiel wirklich für ALLE zugänglich sein muss und, und, und. Ich persönlich finde, dass man es schon einmal ohne Modifikatoren spielen sollte, dies ist schließlich die Vision von Yacht Club Games, wie sie sich Mina the Hollower vorgestellt haben. Gleichzeitig kann es mir doch egal sein, wenn jemand anderes in seinem Singleplayerspiel mit Unverwundbarkeit spielt. Doch mit wirklich krassen Modifikatoren erhaltet ihr dann keine Archievements, sollte euch das wichtig sein. Das widerspricht dem Argument von Yacht Club Games dann aber schon ein wenig, denn wenn das Spiel für jedermann sein soll, aber nicht jedermann die Archievements bekommt, was ist dann noch das „richtige“ Mina the Hollower? Fest steht: Egal mit welchen Modifikatoren ihr spielt, Mina the Hollower bietet wunderbaren Retro-Spielspaß.

Das Spiel hat auch einige alberne Ideen, die aber alle in die Spielwelt passen. | Bild: 2026 © Yacht Club Games
Gameboy Color-Präsentation in Look und Sound
Denn ja, im Kern spielt ihr hier ein etwas hochskaliertes Gameboy Color-Spiel. Mit der Optik wird sicherlich nicht jeder etwas anfangen können, doch die Nostalgie von Link’s Awakening und Oracle of Seasons und Ages kickte bei mir direkt rein. Da ist natürlich die Retro-Optik für verantwortlich, aber auch der absolut großartige 8bit-Soundtrack. Auf Handheldgeräten wie etwa der Switch, so habe ich es mir sagen lassen, gibt es optisch auch kaum Einschränkungen, auf größeren Bildschirmen sind die Pixel allerdings etwas hochskaliert und so fallen einige Elemente in der Spielwelt manchmal nicht auf. Viele geheime Wege habe ich so also nur durch stumpfes Herumprobieren oder nach etlicher Sucherei gefunden. Dennoch hat der gesamte Präsentationsstil von Mina the Hollower bei mir einen gewaltigen Nostalgieschub ausgelöst und bekommt alleine dafür von mir Pluspunkte.
Titelbild: 2025 © Yacht Club Games
Fazit zu Mina the Hollower
Mina the Hollower ist für mich, ich sagte es bereits in der Einleitung, bisher das Indiespiel des Jahres. Verdammt, es könnte sogar insgesamt mein Spiel des Jahres werden, so sehr hat mich dieses Abenteuer begeistert. Natürlich hat die Nostalgie für den Gameboy Color ihr Übriges getan, aber auch abseits dessen und trotz einiges an Frust ist es spielerisch toll. Die Welt lädt zum Erkunden ein, die Figuren sind liebenswert und quirky und die Kämpfe, so frustrierend sie auch sein mögen, lösen eine Befriedigung aus, hat man sie dann endlich mal geschafft. Dazu kommen noch die etlichen Sidequests, Geheimnisse, Verbesserungen und sammelbaren Items und die diversen Modifikatoren und man kann Stunden in mehreren Durchläufen verbringen. Nach Shovel Knight hat Yacht Club Games hier also den nächsten großen Indie-Hit abgeliefert.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Mina the Hollower erhält den NAT-Games-Award

Ab in die Sammlung?
Wenn euch die 8bit-Grafik aus der Gameboy Color-Ära nicht abschreckt, dann erwartet euch hier eines der aufregendsten Spiele 2026. Es wird euch ganz schön in den Arsch treten, aber ihr könnt euch euer Spielerlebnis individuell anpassen, also gibt es eigentlich keine Ausreden.







