Knapp 60 Euro für eine kabellose Tastatur mit drei Verbindungsarten, mechanischem Tippgefühl, RGB-Beleuchtung und Spritzwasserschutz? Das klingt nach einer Liste, die in dieser Preisklasse eigentlich nicht aufgehen sollte. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Cherry XTRFY K33 Compact Wireless, die sich klar zwischen Büro-Tastatur und Einsteiger-Gaming-Peripherie positioniert. Einsteiger? Also, wie schlagen sich dann Verarbeitung, Tippgefühl, Konnektivität, Alltagstauglichkeit und natürlich die Frage, für wen sich der Kauf wirklich lohnt?
Erster Eindruck
Mit den Maßen von 312 × 125 × 36 mm und einem Gewicht von rund 630 Gramm wirkt die K33 für ein 75-Prozent-Layout überraschend kompakt. Mehr noch, als ich es von der Konkurrenz gewohnt bin! Auf dem Schreibtisch bleibt deutlich mehr Platz für Mausbewegungen als bei einer Vollformat-Tastatur, ohne dass dabei wichtige Tasten fehlen würden. Die Verarbeitung macht insgesamt einen stabilen Eindruck: Das Gehäuse wirkt solide, wackelt nicht, und die ausklappbaren, gummierten Standfüße sorgen für sicheren Stand auf dem Tisch.
Ein kleines, aber durchdachtes Detail ist das Staufach an der Unterseite, in dem sich der USB-Dongle für den 2,4-GHz-Betrieb verstauen lässt. Wer kennt es nicht: Der winzige Dongle verschwindet in der Schreibtischschublade und ist beim nächsten Reisetag unauffindbar. Hier bleibt er einfach im Gerät.
Die K33 Compact nutzt ein deutsches QWERTZ-Layout im 75-Prozent-Format. Das bedeutet: volle Funktionstastenreihe, dedizierte Pfeiltasten und die wichtigsten Zusatztasten bleiben erhalten, während der Nummernblock entfällt. Für alle, die häufig größere Zahlenmengen eingeben, ist das ein Punkt, an den man sich gewöhnen muss. Für Gaming und für einfache Büroarbeit mit viel Mausbewegung ist der gewonnene Platz dagegen ein klarer Vorteil.
Praktisch ist die doppelte Tastenbeschriftung für Windows und macOS, samt entsprechendem Umschalter. Wer beruflich zwischen einem MacBook und einem Windows-Rechner wechselt, muss die Tastatur nicht für jedes System neu konfigurieren. Auch eine dedizierte Mediensteuerung sowie Tastenkombinationen für die Beleuchtung sind vorhanden.
Was hinter „Mem-Chanical“ steckt
Der vielleicht interessanteste, aber für Tastatur-Enthusiasten umstrittenste Punkt, ist die Schaltertechnologie. Die K33 ist keine echte mechanische Tastatur, sondern setzt auf sogenannte Mem-Chanical-Switches: eine Hybridkonstruktion, die eine Membran-Basis mit einem mechanisch anmutenden, taktilen Druckpunkt kombiniert.
In der Praxis bedeutet das ein klar fühlbares Feedback beim Auslösen einer Taste, ohne das so krass teigige, schwammige Gefühl klassischer Membrantastaturen. Es ist nicht dasselbe Tippgefühl wie bei einem Cherry MX Brown oder vergleichbaren mechanischen Schaltern, aber für Schreibarbeit, Programmieren und gelegentliches Gaming reicht der Anschlag völlig aus und wirkt angenehm leise. Ein Pluspunkt, wenn man es leise mag und/ oder andere Leute nicht stören möchte.
Wer auf das charakteristische Klicken eines Cherry MX Blue oder das satte Feedback hochwertiger mechanischer Schalter nicht verzichten möchte, wird mit der K33 aber nicht vollständig glücklich. Das ist auch weniger eine Schwäche des Produkts an sich, sondern eher eine Frage der Zielgruppe: Mem-Chanical richtet sich an alle, die ein gutes, aber bezahlbares Tippgefühl wollen, und weniger an Puristen mit Hot-Swap-Ambitionen. Es ist somit der Mittelweg zwischen einer mechanischen Tastatur und einer Membrantastatur und kombiniert deren Stärken und Schwächen.
Sattes Ausstattungspaket
Hier punktet die K33 für ihre Preisklasse besonders deutlich. Drei Verbindungsarten in einem 60-Euro-Produkt sind keine Selbstverständlichkeit:
- 2,4-GHz-Funk über USB-Dongle: Mit einer Polling-Rate von 1.000 Hz die schnellste und für Gaming klar empfehlenswerte Verbindungsart. Latenzprobleme sind im Alltag praktisch nicht spürbar.
- Bluetooth: Ideal für den Wechsel zwischen mehreren Geräten, etwa Laptop und Tablet, ohne dass ein weiterer USB-Port belegt wird.
- Kabelgebundenes USB-C: Sinnvoll für den klassischen Desktop-Betrieb oder wenn der Akku einmal leer ist und das Kabel ist dazu noch abnehmbar.
Die Umschaltung erfolgt über einen einfachen Schiebeschalter am Gehäuse, komplett ohne Software. Die RGB-Beleuchtung nutzt ein sogenanntes Light Guide Panel, bei dem das Licht über einen optischen Lichtleiter gleichmäßig unter den Tasten verteilt wird. Das Ergebnis sind ausgewogen ausgeleuchtete Tasten ohne störende Hotspots in der Mitte. Insgesamt stehen mehrere vorgefertigte Effekte zur Verfügung, die sich direkt per Tastenkombination durchschalten lassen, ganz ohne zusätzliche Software-Installation. Um es schnell und simpel zu halten, ist das natürlich sehr gut. Aber auch hier: Puristen fehlt da natürlich die Möglichkeit, zu individualisieren. Denn das geht mit der K33 nämlich nicht.
IP54-Schutz als unerwarteter Bonus
Ein Feature, das man in dieser Preisklasse selten findet, ist die IP54-Zertifizierung gegen Staub und Spritzwasser. Integrierte Ablaufkanäle im Gehäuse sollen verhindern, dass verschüttete Flüssigkeit direkt in die Elektronik läuft. Für alle, die regelmäßig mit Kaffee oder Getränken am Schreibtisch arbeiten, ist das ein echter praktischer Mehrwert – auch wenn IP54 explizit keinen vollständigen Staubschutz und keinen Unterwassereinsatz bedeutet, sondern lediglich Schutz vor alltäglichen Spritzern und Staubablagerungen.
Bei aller Begeisterung gibt es auch Kompromisse, die zum Preis passen, abgesehen von den bereits genannten. Die Tastenkappen bestehen aus ABS-Kunststoff statt dem langlebigeren, mattierten PBT-Material. Über Monate und Jahre intensiver Nutzung kann sich an häufig genutzten Tasten ein gewisser Glanz (Shine) bilden. Den hatte ich in meiner Testphase natürlich noch nicht. Das tritt erst über einen längeren Zeitraum auf. Bei der Leertaste ist mir außerdem ein leichtes Klappern aufgefallen. Nicht weiter schlimm, aber wichtig für die, denen solche Details wichtig sind. Gemessen an der Preisklasse aber verzeihbar.
Die Stärken der Tastatur liegen klar auf der Hand: Ein durchdachtes, platzsparendes Layout, eine für den Preis ungewöhnlich flexible Konnektivität, ein angenehmes Tippgefühl und mit dem Spritzwasserschutz hat man einen echten Alltagsvorteil, falls man zum Kleckern neigt. (Ich fühle mich da natürlich nicht mit angesprochen *zwinker*)
Fazit zur Cherry XTRFY K33 Compact Wireless
Die Cherry XTRFY K33 Compact Wireless ist ein gutes Beispiel dafür, dass Einsteiger-Tastaturen nicht zwangsläufig ein großer Kompromiss sind. Für rund 60 Euro bekommt man eine Tastatur, die in den entscheidenden Alltagspunkten überzeugt. Tippgefühl, Konnektivität, Verarbeitung und praktische Details wie das Dongle-Fach oder den Spritzwasserschutz machen einen guten Eindruck und damit bringt CHERRY hier mehr unter, als der Preis vermuten lässt. Wer keine Ansprüche an „echte“ mechanische Schalter oder tiefgehende Software-Anpassung stellt, bekommt hier ein rundes, alltagstaugliches Gesamtpaket. Damit eignet sie sich besonders gut für Einsteiger ins kabellose Gaming, die kein Vermögen ausgeben wollen, ebenso wie für Homeoffice-Nutzer, die zwischen mehreren Geräten und Betriebssystemen wechseln.
Wer dagegen ein Keyboard-Enthusiast ist und auf echte mechanische Schalter, Hot-Swap-Sockel oder umfassende Software-Anpassung Wert legt, wird mit der K33 nicht restlos zufrieden sein, denn dafür ist sie schlicht nicht konzipiert.
Positiv:
Negativ:
Ab in die Sammlung?
Wer viel für wenig Geld haben möchte, hat hier eine sehr gute Option. Und das Wireless!





