Seit Jahren war Japan der meistgewünschte Schauplatz der Forza-Horizon-Reihe. In Fan-Foren, Umfragen, soziale Medien. Kaum ein Wunsch wurde so laut geäußert wie dieser. Mit Forza Horizon 6 löst Playground Games dieses Versprechen nun ein und schafft dabei nicht nur das technisch beeindruckendste Rennspiel der Seriengeschichte, sondern auch eines der besten Open-World-Spiele des Jahres 2026. Dass der Titel bei Metacritic zum meistbewerteten Spiel des Jahres avanciert ist, kommt nicht von ungefähr.
Oh wie schön kann Japan sein
Schon nach wenigen Minuten wird klar: Die Kulisse ist das Herzstück von Forza Horizon 6. Die eigens interpretierte Version Japans ist die bislang größte und dichteste Karte der gesamten Reihe und sie weiß das eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Tokio gilt als die „dichteste und vertikal komplexeste befahrbare Metropole“, die Playground Games je gebaut hat. Und ja, das stimmt. Aber das allein ist es nicht, warum mir die Stadt in Forza Horizon 6 so gefällt. Hier trifft Opulenz auf authentische Straßen, Schilder und Gebäude. Playground Games hat eine Umgebung gebaut, die so detailliert und atmosphärisch wirkt, dass man manchmal sogar den Fuß vom Gas nimmt, um die Welt aufzusaugen.
Neben der ikonischen Innenstadt mit ihren neonleuchtenden Stadtplätzen, industriellen Hafenvierteln und weitläufigen Vororten am Rand Tokios, erstreckt sich die Karte weit in ländliche Regionen. Urbane, ländliche und gebirgige Regionen sind nahtlos miteinander verbunden und bieten dabei eine visuelle Abwechslung, die sich deutlich von Vorgänger Horizon 5 in Mexiko abhebt. Ob inmitten blühender Kirschbäume, deren Blütenblätter den Asphalt bedecken, oder auf einsamen Bergpässen: Japan bietet mehr Abwechslung als der mexikanische Schauplatz des fünften Teils. Durch die enorme Varianz macht allein das Fahren in der Welt so viel Laune und man ist allein dadurch motiviert schon Dinge zu entdecken und zu bestaunen.
Besonders gelungen ist die Entscheidung, die Karte zu Beginn komplett zu verschleiern: Ein brandneues „Fog of War“-System blendet zu Spielbeginn die gesamte Karte aus und belohnt neugierige Fahrer mit echten Entdeckungsmomenten. Wer die Straße nach Nikko hochfährt oder sich durch Tokios Unterbezirke schlängelt, erlebt immer wieder echte Wow-Momente. Die Welt ist der große Unterschied zu den Vorgängern. Das virtuelle Japan ist so divers, so abwechslungsreich und so magisch, wie bisher keine andere Location.
Fehlende Story und witzlose Progression
Playground Games hat sich jedoch nicht wirklich mit kreativer Güte überschüttet, wenn es um eine Story geht. Man gelangt als Tourist nach Japan und, wie sollte es anders sein, das berühmte Horizon-Festival findet dort statt. Super, da machen wir doch gleich mal mit. Darüber hinaus hat das Spiel jedoch nichts zu erzählen und so verpasst man es einmal mehr ein auch erzählerischeres Gewand zu stricken. Das mag vielleicht viele nicht stören, angesichts der Tatsache, dass es eben ein Racing-Game ist. Aber auch Racing-Games können Geschichten erzählen! Und ich verstehe nicht ganz, wieso man es sich bei FH6 nicht auch mal getraut hat.
Schlimmer allerdings, und da kommen wir direkt zum größten Negativpunkt des Spiels, ist die Progression. Zwar arbeite ich mich from Zero to Hero heran und starte mit einem Einsteigerauto. Doch Forza Horizon 6 geht den Weg der letzten Vorgänger und schmeißt mich so sehr mit Belohnungen fürs „Quasi-Nichtstun“ zu, dass ich mir nichts wirklich erarbeite. Ich muss mich kaum anstrengen, um mir Tuningteile leisten zu können. Ich bekomme zahlreiche Wagen einfach geschenkt und viele kann ich mir kaufen, ohne jemals auf meinen Kontostand geschaut zu haben. Ich habe nie das Gefühl von: „Schau mal, dieses Auto habe ich mir hart erarbeitet. Was für ein Gefühl!“. Es ist das Gegenteil zu den Soulslike. Da wo dich schwere Herausforderungen mit purer Freude belohnen, erhält man in Forza Horizon 6 viel zu schnell viel zu viel und nimmt es nur noch mit einem Schulterzucken auf. Das ist enorm schade und ich verstehe nach wie vor nicht, weshalb diese Progression so massiv inflationär gestaltet ist.
Purer Fahrgenuss
Aber jetzt mal wieder zu den positiven Dingen! Horizon 6 ist auch spielerisch wieder ein Brett. Der Arcade-Racer fährt sich einmal mehr absolut hervorragend und schlägt irgendwie gekonnt die Brücke zwischen Realismus und puren Wahnsinn. Nur Forza Horizon 6 schafft es, dass ich mich mit den verschiedenen Reifentypen auseinandersetze, weil es mehr denn je darauf ankommt, auf die unterschiedlichen Untergründe zu reagieren, aber mich gleichzeitig gegen einen meterhohen Roboter im Gundam-Style ein Rennen bestreiten lässt. Nur Forza Horizon 6 lässt mich in verschiedene Setups eintauchen, die ich an gewisse Renntypen und Streckengegebenheiten anpassen muss, aber mich gleichzeitig in einem Wald fahren, in dem ich hunderte Bäume umhauen kann, nur um danach mittels einer Rampe ca. 300 Meter durch die Luft zu fliegen.
Das Spiel soll Spaß machen, aber trotzdem Raum lassen für die ein oder anderen Tweaks sich doch mal ein bisschen deeper mit den Fahrsystem befassen zu können. Der Mix gelingt einmal mehr und funktioniert dank der nachvollziehbareren Reaktion der Fahrzeuge auf die jeweiligen Untergründe noch besser. Durch die facettenreichen Renn-Modi ist auch da für Abwechslung gesorgt. Egal ob Straßenrennen, die eher entspannten Tagestouren oder die neuen Downhill-Togue-Rennen. Das Angebot ist sehr umfangreich und da dürfte für jeden auch etwas dabei sein, wo man sich gut wiederfindet.
Massig Auswahl
Forza Horizon 6 bietet über 550 reale Fahrzeuge, darunter viele beliebte JDM-Klassiker, mit hochwertig aufgenommenem Motorsound und aktualisierten Lenkrad-Animationen mit bis zu 540 Grad Drehung. Wer sein Traumauto nicht in einer Autohaus findet, kann dank eines neuen Aftermarket-Systems direkt am Straßenrand einkaufen. Das Angebot ist extrem umfangreich und auch da sollte kaum jemand enttäuscht sein. Das Tuning-System wurde ebenfalls verfeinert: Drift-Setups, Drag-Konfigurationen und klassische Straßenrenner lassen sich noch detaillierter konfigurieren als zuvor. So kann man sich nun beispielsweise auch die Scheiben mit Designs frei gestalten. Das ist insbesondere für Fans der Tuning-Szene und von realen Rennserien interessant, die sich beispielsweise real existierende Rennboliden originalgetreu nachbauen wollen. Wer sich darin weniger sieht, kann auch wieder auf die tausenden Designs der Community zurückgreifen. Die haben nämlich schon zahlreiche Designs erstellt und hochgeladen, sodass man sich einfach eins davon für sein Auto aussuchen kann. ein BMW M4 im Spongebob-Design? Gar kein Problem! Angesichts der japanischen Autokultur, Touge-Rennen, Keicar-Klassen, legendäre Sportwagenmarken, fühlt sich das Angebot generell stimmungsvoll an.
Dank der vielen Herausforderungen und auch frei erstellbaren Rennevents, als auch dem reibungslosen Multiplayer-Modus, muss man schon etliche Stunden mit Forza Horion 6 verbringen, um den gesamten Content mal hinter sich zu bringen. Das kennt man aber auch aus der Reihe und dürfte daher nicht überraschen. Generell weiß auch Teil 6 das hohe Niveau der Spielbarkeit, des Umfangs und der Individualisierbarkeit zu halten und teilweise zu überbieten.
Zwischen Next-Gen und altbackenen Charaktermodellen
Auf Xbox Series X und leistungsfähigen PCs ist Forza Horizon 6 schlichtweg schön! Das war ja auch schon Teil 5, aber Japan als Welt besticht in seiner Umsetzung auch nochmal mehr durch ihre detailverliebte Darstellung. Das Spiel besticht durch eine schicke Raytracing-Technik, tolle Wassereffekte und eine fantastische Beleuchtung und hebt das Niveau im Vergleich zu den bereits starken Vorgängern noch einmal an. Forza Horizon 6 unterstützt erweitertes Ray Tracing mit Global Illumination, hohe Frameraten ohne Cap, 4K-Darstellung mit NVIDIA DLSS 4, AMD FSR 3 und XeSS 2.1 sowie Ultrawide-Monitor-Support und Unterstützung für Steam Deck und ROG Ally. Das dynamische Wettersystem in Verbindung mit dem Jahreszeiten-Zyklus entfaltet in Japan ein besonderes Flair: Ein Schneesturm in den Japanischen Alpen, ein heißer Sommertag in Tokio oder ein regennasser Abend in einer Vorstadt-Straße sehen nicht nur atemberaubend aus, sondern sie verändern auch das Fahrverhalten spürbar.
Tatsächlich kann ich auch sehr die Raytraycing-Möglichkeiten empfehlen. Es bringt Forza nochmal auf ein optisch neues Niveau. Nicht nur die Autos, auch insbesondere die Welt profitiert in ihrer Beleuchtung und Reflektion massiv. Das Feature gibt es jedoch nicht auf der Xbox. Dafür läuft die Konsolenversion stabiler. Auf dem PC hatte ich, als auch mein Umfeld, mit Abstürzen zu kämpfen. Das scheint auch generell ein massives Problem zu sein. Foren und Supporteinträge sind voll davon. Da erhoffe ich mir, in Zusammenarbeit mit den Grafikkartenherstellern, noch mehr Optimierungen. Genauso hätte ich mir auch noch schönere Charaktermodelle gewünscht. Die sehen altbacken und unauthentisch aus und fallen sehr raus, da sie nicht annähernd das sonstige Niveau halten können.
Multiplayer & Zugänglichkeit
Neben dem CoLab-Feature bietet Forza Horizon 6 den gewohnt umfangreichen Multiplayer mit Horizon Open, Rivals, und saisonalen Herausforderungen. Die Community-Features rund um Car Meets verleihen dem sozialen Aspekt des Spiels dabei eine neue Dimension, die über das reine Rennen fahren hinausgeht. Zu den neuen Barrierefreiheits-Features gehören ein granularer Hochkontrast-Modus, ein Fahrzeug-Näherungs-Radar, Unterstützung für amerikanische und britische Gebärdensprache sowie AutoDrive. Das ist ein eindeutiges Signal, dass Playground das Spiel für ein breiteres Publikum öffnen möchte. Die Reihe steht seit längerer Zeit bereits für enorm gute Accessibility. Teil 6 ist da keine Ausnahme!
Fazit zu Forza Horizon 6
Forza Horizon 6 liefert genau das, was Fans seit Jahren wollten. Japan als Schauplatz war die richtige Wahl: Die Karte ist die bislang abwechslungsreichste der Serie. Sie ist ganz klar das Highlight des Spiels und grenzt es am Deutlichsten zu Teil 5 ab. Denn Japan ist nochmal authentischer, nochmal detaillierter und nochmal spaßiger. Abseits dessen, hat sich nämlich gar nicht so viel verändert. Die Struktur ist nahezu identisch, die Mechaniken sind bekannt und die Fahrbarkeit ist erneut auf Top-Niveau, wobei man mit teil 6 nochmal einen kleinen, aber hervorragenden Schritt nach vorne gemacht hat und die Autos jetzt noch besser auf die verschiedenen Untergründe reagieren. Es ist die ultimative Arcade-Sim, die man als Racing-Fan nicht verpassen sollte. Stört mich die „Ich muss mir nichts erarbeiten und bekomme alles hinterhergeworfen“-Progression? Oh ja! Stört mich der fehlende Mut mal eine interessante Story einzubauen? Definitiv! Und ich kann die Kritik nicht abtun. Doch der Rest des Spiels, und zwar in seinen wesentlichen Teilen, ist einfach ein herausragendes Rennspiel, welches ein Must-Have für diejenigen ist, die eine Xbox oder einen PC besitzen. Dafür gibt es auch unseren NAT-Award!
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Forza Horizon 6 erhält den NAT-Games-Award

Ab in die Sammlung?
Wenn du Rennspiele magst, dann ist das ein Pflichtkauf!







