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Test: The Knightling

Open World-Juwel mit einem kleinen Ritterchen auf der Suche nach seinem Ritter

The Knightling ist ein putziges Indie Action Adventure, welches im August vergangenen Jahres, unter anderem mit Förderung der EU, erschienen ist. Ich hatte zwar großes Interesse, den Titel zu testen, es hat sich zum damaligen Zeitpunkt aber leider nicht ergeben. Nun konnte ich dieses Open World-Juwel aber endlich nachholen und möchte euch in diesem Test darlegen, was für ein wundervolles Abenteuer ich hier spielen konnte.

 

Das kleine Ritterchen auf eigene Faust

Wir spielen den namensgebenden Knightling, zu deutsch das Ritterchen. Er ist der Knappe des großen Ritters Löwenstein, der seinerzeit im Kampf gegen die robotischen Erdgeborenen siegreich hervorging. Bei einer Mission gerät Löwenstein erneut in einen Kampf gegen einen solchen Giganten und verschwindet daraufhin. Unser Ritterchen bleibt allein mit Löwensteins schwerem Schild, welcher mit magischen Kristallen versehen ist, zurück. Und die Aufgabe ist klar: Wir beginnen die Suche nach unserem Ritter, während wir gleichzeitig unser Bestes geben, den Bewohner*innen des Landes zu helfen.

Die Geschichte erfährt jetzt bei weitem keinen Höhenflug, aber wenn wir mal ehrlich sind, ist sie auch ohnehin nur Mittel zum Zweck, nämlich um die farbenfrohe Spielwelt zu erkunden. Und während wir uns in der Hauptmission auf die Suche nach Löwenstein begeben, erleben wir allerlei kleinere Geschichten, während wir uns um die Sorgen der Stadtbewohner*innen und Bauern kümmern. An das Charakterdesign der Figuren muss man sich vielleicht erst einmal ein wenig gewöhnen, doch auch wenn Gesichter Mangelware sind, so sind die Augen der Charaktere doch sehr ausdrucksstark. Alle sprechen in einem nuschelnden, unverständlichen Ton daher, also heißt es Textboxen lesen. Besonders gut aber hat mir der Kniff gefallen, dass die Köpfe der Figuren euch in etwa verraten, als was sie tätig sind. Während bei den Bauern Heuballen und Mehlsäcke die Schultern zieren, hat der Schmied zum Beispiel einen Ambosskopf. Ein sehr kleines, aber nettes Detail, welches den Figuren noch einmal eine Extranote Charakter verleiht.

The Knightling

Alles beginnt mit einer Routinemission mit unserem Ritter Löwenstein. | Bild: 2025 © Twirlbound

 

Eine Welt vollgepackt mit Allerlei

Der wohl interessanteste Charakter von The Knightling ist aber die offene Spielwelt. Während ihr in den ersten Minuten des Spiels noch einem geraden Pfad folgt, öffnet sich die Welt recht schnell und lädt euch zum Erkunden ein. Und es gibt wirklich einige tolle Dinge zu finden. Überall in der Welt ist sogenannter Ritterchen-Ruhm verteilt, goldene Kügelchen, die das Ritterchen ausgeben kann, um neue Fähigkeiten zu lernen. Es gibt etliche versteckte Schatzkisten mit Geld und Metallschrott zum Aufwerten eures Schildes, Erweiterungen für eure Lebens- und später auch Magieleiste und natürlich auch kosmetische Goodies. Außerdem gibt es etliche Ruinen mit alten Schätzen, Banditenlager und Monsternester zum Auseinandernehmen und Aussichtstürme zum Erklimmen und Aufdecken der Karte. Hier gibt es also alles, was das Open World-Herz begehrt, jedoch nicht in einer massiven offenen Welt, sondern einer eher kompakten. Sie bietet dadurch zwar die mit einhergehenden Freiheiten, die Open World-Spiele so bieten, erschlagen euch aber dennoch nicht mit ihrer Massivität.

Was der Open World-Torte nun die Kirsche aufsetzt ist die Bewegung durch diese Spielwelt. Das Platforming in The Knightling macht unglaublich viel Spaß, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten, die uns der magische Schild Magnustego bietet. Der Schild ist natürlich für einen ausgewachsenen Ritter geschaffen und damit eigentlich viel zu groß und zu schwer für das kleine Ritterchen. Doch mittels der Energie der magischen Kristalle und seinem Handschuh kann er ihn trotzdem führen und auf ihn wie auf einem Schlitten umher sausen. Mit späteren Upgrades kann er uns sogar einen Schub geben oder zum Gleiter umfunktioniert werden, damit wir mit Luftsrömen umhergleiten.

Die Spielwelt ist vollgepackt mit Pilzen, auf denen wir herumspringen können und Schleimspuren, in denen unser Schild an Geschwindigkeit gewinnt. Nach einiger Zeit entsteht ein gewisser Flow in den Bewegungen des Ritterchens, auch wenn das Rutschen auf dem Schild manchmal etwas ungenau sein kann. Hier die Kontrolle zu halten erfordert schon ein wenig Feingefühl und wird durch eine etwas schwammige Eingabe ein klein wenig erschwert.

Wir erkunden grüne Wiesen, aber auch staubige Einöden, aber öde ist hier gar nichts. | Bild: 2025 © Twirlbound

Magie in antiken Ruinen

Die Bewegung in The Knightling funktioniert also größtenteils recht gut und ist auch der Aspekt des Spiels, der am meisten hervorsticht. Viele uns gestellte Aufgaben erfordern ein gewisses Maß an Platforming. Doch das heißt nicht, dass es in The Knighling keine anderen Aufgaben gibt. In guter alter Zelda-Manier dürfen wir natürlich auch viele Rätsel lösen und düstere Dungeons auskundschaften. Diese Rätsel setzen nie eine riesige Menge an Grips voraus, meist sind es kleine Knobeleien mit Blöcken, die wir schieben oder Schalter, die wir mit einem Wurf unseres Schildes aktivieren. Trotzdem gibt es etliche Aha-Momente und das Dopamin schießt nach einem gelösten Rätsel ins Hirn.

Dungeons sind natürlich auch ein wichtiger Aspekt und da es ja das antike Volk der Erdgeborenen gab, haben diese eine Menge antiker Ruinen zurückgelassen. Qualitativ würde ich sagen, dass sie jetzt nicht unbedingt an einen Zelda-Dungeon heranreichen, aber sie erfüllen ihren Zweck wirklich gut. Wir lösen viele kleinere Rätsel, finden versteckte Truhen und bekämpfen am Ende einen größeren Bossgegner. Den Loop, dass wir ein Item finden, welches wir im Dungeon und gegen den Boss einsetzen, gibt es jetzt zwar nicht, dennoch bekommen wir immer wieder neue Elemente präsentiert. So erhalten wir zum Beispiel im ersten größeren Dungeons des Spiels die Fähigkeit, Magnustego mit magischer Energie aufzuladen und dann mit einem speziellen Schlag rissige Wände zu zerschlagen. Und uns fallen sofort ein paar Stellen in der Spielwelt ein, an denen wir bereits solche rissigen Wände gesehen haben. Nach dem Abschluss des Dungeons sollten wir diese Stellen also auf jeden Fall mal erneut besuchen.

Antike Ruinen beinhalten immer magische Rätsel, man kennt es. | Bild: 2025 © Twirlbound

 

Das Ritterchen ist eben nicht Captain America

Ein Ritter muss nicht nur seinen Erkundungsdrang stillen und den Leuten bei ihren Problemen helfen, er muss natürlich auch im Kampf etwas drauf haben. Und hier, so ehrlich muss ich sein, schwächelt The Knightling ein klein wenig. Denn unser magischer Schild ist zwar magisch, aber dennoch ist er für das kleine Ritterchen etwas behäbig im Umgang. Wir können eine Angriffskombo ausführen und mit genug Training durch den gefundenen Ritterchen-Ruhm auch viele neue Skills wie etwa einen Luftschlag, eine Ausweichrolle und einen verzögerten, dadurch aber verstärkten Schlag erlernen. Außerdem können wir den Schild natürlich umher werfen und er kehrt auf magische Weise zu uns zurück, Captain America lässt grüßen.

Das klingt ja eigentlich recht ausgezeichnet, also wo ist der Haken? Nun, die Kämpfe fühlen sich oft sehr behäbig und unkontrolliert an, besonders bei einer großen Menge an Gegner steckt man viele Treffer ein, da die Angriffsmuster von vielen Gegner nicht gut kommuniziert werden. Hinzu kommt, dass das Parieren mit einem Schild natürlich eine große Rolle spielt. Dies ist aber sehr hakelig und klappt oft nicht so, wie man es sich vorstellt. Eigentlich ist es so wie bei allen Spielen mit einer Parade oder einem Konter: Man muss im letzten Moment die Blocktaste drücken, dann startet man einen Gegenangriff. Und gelingt dieser Konter, dann gibt es eine blaue Explosion, die Gegner nehmen viel Schaden und man ist zufrieden. Allzu oft zieht das Ritterchen den Schild aber gar nicht erst, trotz eines Tastendrucks. Somit ist das Kontern etwas ungenau und die Gegner oft überfordernd. Das macht The Knightling jetzt nicht unspielbar, schaffbar sind die Kämpfe trotzdem, aber sie sind nicht wirklich die größte Stärke des Spiels.

Auch wenn die Kämpfe eher mäßig sind, die Bosse sind dennoch sehr imposant. | Bild: 2025 © Twirlbound

 

The Knightling macht Nebenquests richtig

Na gut, die Kämpfe sind jetzt also nicht das Gelbe vom Ei, doch dass kann man The Knightling einfach nicht übel nehmen, zeigen sich seine Stärken doch an anderer Stelle. Das die Erkundung der Spielwelt und das Platforming Spaß machen, habe ich euch ja bereits geschildert. Hinzu kommt außerdem noch, dass man richtig merkt, wie viele Gedanken sich bei den etlichen Nebenaufgaben gemacht wurde, die euch von NPCs in Sidequests aufgetragen werden. Klar, es gibt auch die üblichen Vertreter von „Sprich mit soundso vielen Leuten“ oder „Bring dieses Item von A nach B“, aber es gibt immer kleine Kniffe an den Quests. Mal ist es ein Rennen gegen die Zeit, mal ist es eine unerwartete Kampfarena, mal ist es ein Musikrästel, ein anderes Mal ist es die Herstellung eines echt stinkenden Käselaibes.

Es gibt also immer etwas zu tun in The Knightling. Ihr könnt euch in eurem Journal die entsprechenden Quests aussuchen, die von eurem Kompass verfolgt werden sollen. Bei vielen Quests zeigt der Marker dann aber nur das ungefähre Gebiet an, in dem eine Aufgabe erfüllt werden muss. Was genau ihr dort dann machen müsst, das müsst ihr oft selbst herausfinden. Ein guter Kompromiss, das berüchtigte Händchenhalten, welches viele Open World-Spiele beinhaltet, nicht ganz wegzulassen, euch aber dennoch genug Freiraum zu geben, selber auf Erkundung zu gehen. Generell wirkt das Spiel trotz seiner unzähligen Aufgaben nicht komplett überladen.

The Knightling

Bei den ganzen Nebenaufgaben ist viel Abwechslung geboten, wie etwa hier bei einem Geschicklichkeitsrennen mit unserem Schild. | Bild: 2025 © Twirlbound

 

Präsentation, Musik usw

The Knightling ist ein Indiespiel, muss sich optisch aber keinesfalls vor den Großen verstecken. Die Spielwelt ist cartoonig und bietet aber trotzdem einige tolle Ausblicke. Für Abwechslung sorgen verschiedene Biome, seine es die Blumenfelder vor der Stadt Clesseia, die trockenen Wüstenebenen oder riesige Pilze mit tiefen Abgründen. Fast schon wie Fremdkörper ragen die Ruinen der Erdgeborenen in diesen Gebieten hervor und strahlen so eine mystische Aura aus und selbst der Nachthimmel mit seinen Sternbildern sagt uns, dass hier das nächste Rätsel innewohnt.

Begleitet werden wir von einem sehr ansprechenden orchestralen Soundtrack, welcher die Atmosphäre des Spiels gut einfängt. Der Aufenthalt in der Welt von The Knightling ist somit also sowohl visuell als auch akustisch eine sehr angenehmen Angelegenheit.

 

 

Titelbild: 2025 © Twirlbound

Fazit zu The Knightling

Wenn ihr auf der Suche nach einem leichtherzigen, charmanten Action Adventure seid, welches ein klein wenig euren Zelda-Nerv kitzelt, dann seid ihr bei The Knightling genau an der richtigen Adresse. Das Spiel strotzt nur so vor Charme, die Fortbewegung durch die offene und doch kompakte Spielwelt macht eine Menge Spaß und es gibt wirklich viel zu erledigen und erkunden. Die Nebenaufgaben sind abwechslungsreich gestaltet, die antiken Ruinen fordern euch zum Knobeln auf und an jeder Ecke finden wir etwas zum Einsammeln. Die Hauptgeschichte mag vielleicht etwas flach fallen, die Kämpfe sind nicht hunderprozentig ausgereift und die Kontrolle über euren Schild beim Herumschlittern ist manchmal etwas schwammig, aber alles in allem ist das Meckern auf hohem Niveau, denn The Knightling ist absolut eine Empfehlung wert. Dieses kleine Juwel im Open World Action Adventure-Sektor braucht unbedingt die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Maarten Cherek (Redakteur)

Positiv:

Charmante Figuren in einer farbenfrohen Welt
Tolle offene Spielwelt als Erkundungsspielplatz
Atmosphärische Dungeons mit gut designeten Rätseln
Die Fortbewegung durch die Spielwelt macht schlichtweg Laune
Abwechslungsreiche Nebenaufgaben als Helferlein für Alles

Negativ:

Kämpfe wirken oft unübersichtlich und außer Kontrolle
Steuerung beim Schildschlittern ist manchmal etwas schwammig

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

The Knightling erhält den NAT-Games-Award

Ab in die Sammlung?

Wenn euch „Breath of the Wild, aber in etwas kleinerem Umfang“ anspricht, dann ist bereits alles gesagt. Action Adventure-Fans MÜSSEN diesem Spiel eine Chance geben.

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