Charlie Disco möchte sich rächen und hat dafür nur eine Nacht. Er trommelt alle Bandmitglieder der legendären Band zusammen: Dead as Disco. Naja gut, die Geschichte ist hier eigentlich nur Nebensache, denn in einem Rhythmus-Brawler geht es ja eher ums Eingemachte. Das bedeutet nämlich, über den Dancefloor im Takt Gegner zu vermöbeln und dabei gegen die ehemaligen, übergroßen Bandmitglieder anzutreten, um sie in XXL-Battles niederzukloppen. Es ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach solch ein Spiel zu beschreiben, wenn man selbst eher das Feeling zum Beat erleben muss, um das Spielgefühl dahinter verstehen zu können. Aber ich probier es trotzdem mal!
Die Rückkehr von Charlie Disco
Seit der Demo vor knapp einem Jahr hat das Spiel eine treue Fangemeinde aufgebaut. Über eine Million Downloads, hunderte Millionen Aufrufe von Gameplay-Clips in sozialen Netzwerken und eine Begeisterung, die sich selten so organisch anfühlt. Wenn ein Rhythmus-Beat-‚em-up zur viralen Sensation wird, hat das Spiel offensichtlich etwas, das andere nicht haben. Am 5. Mai 2026 kam Dead as Disco in den Early Access auf Steam und dem Epic Games Store. Jetzt lässt sich endlich selbst herausfinden, ob der Hype berechtigt ist.
Man spielt Charlie Disco, einen Schlagzeuger, der seit zehn Jahren tot ist. Seine ehemaligen Bandmitglieder veranstalten eine Reunion, angeblich zu seinen Ehren. Doch kaum ist Charlie als Geist zurück auf dem Parkett, wird klar, dass hinter dem Ganzen mehr steckt als nostalgische Gefühle. Jemand hat ihn damals umgebracht, und Charlie will wissen, wer das war.
An seiner Seite schwebt ein sprechender Totenschädel, der als sein Anwalt fungiert und für die nötige Portion schwarzen Humor sorgt. Die Gegner sind Charlies ehemalige Bandkollegen, inzwischen aufgeblasen zu grotesken Superstars mit eigenen Fans, eigenen Machtphantasien und mächtig viel Ego. Hemlock ist der einst prinzipientreue Punkrocker, der seine Überzeugungen verraten hat. Arora ist ein KI-Popstar, der auf den persönlichen Daten seiner Fans basiert. Dex ein cybernetisch aufgerüsteter Gitarrengott. Prophet ein ziemlich krasser Rapper.

Es spielt sich nicht nur gut, sondern Dead as Disco sieht auch unfassbar stylish aus. | Bild © 2026 Brain Jar Games, Inc.
Let’s Fetz
Die Geschichte ist keine weltbewegende Erzählung, aber sie ist eine nette Ergänzung. Die Dialoge treffen meistens den richtigen Ton zwischen ernst und selbstironisch, die Figuren haben Persönlichkeit. Die Sprachausgabe ist dabei, wenn sie mal vorhanden ist, ziemlich gelungen. Viele Dialoge werden aber nur von etwas nervigen Ausrufen begleitet. Hier wäre natürlich eine vollständige Vertonung etwas richtig Feines, was vielleicht noch in Zukunft nachgereicht wird.
Das Kampfsystem ist nämlich das absolute Herzstück von Dead as Disco. Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Angriffe, Ausweichen, Konter und Finisher synchronisieren sich mit dem Beat der jeweiligen Musik. Je besser man im Rhythmus bleibt, desto effektiver sind die eigenen Aktionen. Wer sauber im Takt liegt, kassiert stärkere Treffer, weicht eleganter aus und füllt den sogenannten Fever-Meter schneller auf, der für besondere Spezialattacken benötigt wird.
Das klingt zunächst nach einem Rhythmusspiel, welches auch ausschließlich im Takt funktioniert. Ist es aber nicht. Dead as Disco setzt auf ein freies Kampfsystem, das viele aus der Batman-Arkham-Reihe kennen. Angriffe fließen organisch von Gegner zu Gegner, Konter entstehen durch schnelles Reagieren auf visuelle Hinweise, und Finisher setzen Ausrufezeichen hinter gelungene Kombos. Clever ist dabei die technische Entscheidung, Aktionen immer auf den Beat fallen zu lassen, egal wann man die Eingabe macht. Das klingt zunächst wie Mogeln am eigenen Konzept, funktioniert in der Praxis aber hervorragend. Man fühlt sich stets im Rhythmus, ohne dass das Spiel zum starren QTE-Parcours wird. Denn ja, die Angriffe kann man immer setzen.
Doch wer im Takt bleibt, ist effektiver und sammelt größere Multiplier, um die Endpunktzahl zu vergrößern. Denn die Highscore-Liste am Ende einer jeden Runde treibt tatsächlich auch dazu an, die jeweiligen Runs zu verbessern. Das belohnt auch, weil man mit besseren Runden auch mehr Fans für sich gewinnen kann. Die dienen als Währung, um nicht nur die Hubwelt kosmetisch zu gestalten, sondern auch um die Fähigkeiten zu erweitern und Dead as Disco somit auch spielerisch noch komplexer zu gestalten. Das motiviert, belohnt und hat so eine permanente Erweiterung des Spielsystems.

Dead as Disco schlägt die ideale Brücke zwischen Brawler und Rhythmus Game. | Bild © 2026 Brain Jar Games, Inc.
Immer im Flow
Wenn wirklich alles zusammenläuft, ist das schlicht wunderbar. Wenn die Musik dröhnt, die Treffer landen, der Fever-Meter sich füllt und ein Finisher die ganze Szene in Zeitlupe einfriert, fühlt sich Dead as Disco wie ein interaktives Musikvideo an. Nicht viele Spiele schaffen es, dieses Gefühl so konsequent zu vermitteln. Die Höhepunkte sind eindeutig die Bosskämpfe gegen die Idols. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Kampftrack, seinen eigenen Stil und seine eigenen Angriffsmuster. Diese Begegnungen spielen sich unfassbar intensiv und die Schläge und Konter sind richtig toll auf die Musik abgestimmt. Sie sind spektakulär inszeniert, fordernd, ohne unfair zu wirken, und man will sie nach dem ersten Sieg direkt nochmal spielen.
Ohne seinen Soundtrack wäre Dead as Disco ein gutes Spiel. Mit ihm ist es etwas Besonderes. Die Mischung aus originalem OST und lizenzierten Tracks zieht sich durch alle Stimmungslagen. Energiegeladene Brawl-Sequenzen bekommen pulsierende Beats, ruhigere Story-Momente erhalten passend zurückhaltende Musik. Die Tracks sind nicht nur gut ausgewählt, sie sind funktional in das Spielgefühl integriert. Man spürt buchstäblich, wenn ein „guter“ Song läuft, weil das eigene Spiel dadurch besser wird.
Besonders erwähnenswert ist der Infinite-Disco-Modus, in dem man eigene Musik einbinden kann. Das funktioniert erstaunlich gut und sorgt für Content jenseits der Story, der die Kernmechanik auf eine völlig neue Art erlebbar macht. Optisch setzt Dead as Disco auf eine neongetränkte Ästhetik irgendwo zwischen Musikvideo der Achtziger und bunten Comics. Die Charaktere sind übertrieben, die Bühnen stylish und die gesamte Präsentation hat eine Selbstsicherheit, die man bei Erstlingstiteln selten findet. Brain Jar Games wurde von Veteranen der Spielebranche gegründet, und das merkt man. Hier wurde nicht herumprobiert, hier wurde mit klarer Absicht gebaut.
Genug Inhalt?
Die Animationen sind flüssig und sehen auch ziemlich stylisch aus. Charlies Moveset fühlt sich von Anfang an gut an und wird durch freischaltbare Kosmetik ergänzt. Es gibt sogar einen versteckten Modus, der bestimmte Körpermerkmale der Charaktere übertreibt, eine direkte Reaktion auf einen viralen Kommentar aus dem Netz. Das zeigt, dass die Entwickler einen guten Sinn für Selbstironie haben und wissen, was um ihr Spiel herum passiert.
Beim aktuellen Stand der Early-Access-Version bietet Dead as Disco vier der insgesamt sieben Idols sowie einen Soundtrack mit über dreißig Songs. Wer alles sehen will, was zum Start verfügbar ist, braucht dafür ungefähr drei Stunden. Das ist ehrlich gesagt wenig, besonders für einen Preis von knapp zwanzig Euro.
Brain Jar Games hat angekündigt, die Early-Access-Phase über etwa ein Jahr mit Updates zu begleiten, bis alle Idols im Spiel sind und die Geschichte vollständig erzählt wird. Das klingt nach einem soliden Plan, verlangt aber auch Vertrauen vom Spieler. Wer Dead as Disco jetzt kauft, kauft ein exzellentes Fundament mit klaren Lücken.
Fazit zu Dead as Disco
Dead as Disco ist ein beeindruckendes Debüt. Brain Jar Games hat eine eigene Spielidentität geschaffen, die sich von allem auf dem Markt unterscheidet, auch wenn ihre Einflüsse deutlich erkennbar sind. Das Kampfsystem sitzt, der Soundtrack begeistert, die Charaktere haben Charme und das Gesamtpaket überzeugt trotz Early Access auch jetzt schon! Die Kämpfe erzeugen, zusammen mit der Musik, einen richtig tollen Flow und sind dabei richtig schön inszeniert. Dank des Musik-Imports ist auch für Abwechslung und noch mehr Motivation gesorgt, sodass sich der Kauf auch jetzt schon lohnt!
Falls euch das noch nicht vollständige inhaltliche Paket abschreckt, dann solltet ihr noch etwas Geduld mitbringen. Denn die Roadmap sieht vielversprechend aus und rundet das Spiel über die kommenden Monate weiter ab. Dead as Disco ist heute schon echt gut! Ich kann mir vorstellen, dass es in einem Jahr sogar richtig großartig sein kann.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Dead as Disco lohnt sich für Fans von Rhythmus-Spielen und Brawlern auch trotz Early Access heute schon! Ansonsten könnt ihr warten, bis noch mehr Content nachgereicht wurde.



