Tides of Tomorrow ist ein Indie Abenteuer Spiel in einer postapokalyptischen Welt, was mit seiner Story und schwerwiegenden Entscheidungen überzeugen will. Als Besonderheit nehmen hier Entscheidungen anderer Spieler auch direkten Einfluss auf euren Solo-Durchgang. Wie gut das klappt, erfahrt ihr hier in unserem Test.
Achtung! Mikroplastik ahoi!
In Tides of Tomorrow geht es in eine apokalyptische Welt, in der Meerwasser und Plastik allgegenwärtig sind. Die Welt wurde geflutet und die Menschheit wird von einer gefährlichen Krankheit dahingesiecht, bei der Plastik in den Körper eindringt und diesen zerstört. Eine Linderung kann nur die Substanz „Ozen“ liefern, die daher stark umkämpft ist. Die Bevölkerung ist daher in Gruppen geteilt, die ihre eigenen Ziele haben und diese mitunter auch rücksichtslos verfolgen. Während manche nur darauf warten zu sterben und im Club bis zum buchstäblichen Umfallen tanzen, versuchen andere etwas gegen die Krankheit zu tun oder zumindest die Symptome zu lindern.
Ihr selbst seid ein „Tidewalker“, was auch im deutschen Untertitel so steht, da Gezeitenwanderer anscheinend etwas zu geschwollen daher gekommen wäre. Das Spiel selbst ist komplett auf Englisch vertont. Am Anfang werdet ihr von einer netten Dame aus dem Meer gefischt, die mehr über alles Mystische der Welt zu Wissen scheint, als sie preisgibt. Ihr wisst nicht, wer ihr seid und was ihr tut. Ihr wisst nur, dass euer Körper langsam aufgibt und ihr dringend Ozen braucht.
Mit diesem Ziel geht es dann ab auf die verschiedenen Plattformen, die im Meer schwimmen um das gasförmige Medikament zu ergattern. Dabei lernt ihr neue (mehr oder wenige) spannende Persönlichkeiten kennen und folgt den Spuren anderer Tidewalker. Denn wie euch alle ständig erzählen, ihr seid nur einer von vielen. Und eure Mitspieler hinterlassen große Spuren in eurer Welt.
Auf den Spuren anderer Spieler
Alleinstellungsmerkmal von Tides of Tomorrow ist definitiv, dass ihr ständig durch die Entscheidungen anderer Spieler beeinflusst werdet. Am Anfang wählt ihr aus einer Liste von Steamaccounts einen anderen Tidewalker aus, auf dessen Spuren ihr dann wandelt. Je nachdem wie dieser Spieler sich im Laufe des Spiels entschieden hat, desto anders ist wiederum euer Spiel. Hat sich euer Vorgänger aggressiv gezeigt? Dann werdet ihr nun mit mehr Wachen konfrontiert werden. Falls er nett war, hat er auch unter Umständen auch Ozen oder Material an bestimmten Punkten zurückgelassen, die ihr jetzt nutzen könnt.
Auch ihr selbst nehmt so Einfluss auf Spieler, die nach euch kommen. Ihr könnt z. B. an speziellen Kisten Vorräte hinterlassen. Oder ihr spielt nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und lasst euren Nachfolger euer Chaos ausbaden. So oder so, es gibt hier einen endlosen Strom an Entscheidungen, wobei sich Spieler immer wieder untereinander beeinflussen. Mit der Fähigkeit auch den Strom der Zeit zu sehen und somit genau zu beobachten wie euer Vorgänger gespielt habt, seht ihr richtige Ausschnitte aus deren Spieldurchgängen.
Diese Mechanik ist so in dieser Form schon sehr besonders. Man kann zwar einfache Emotes hinterlassen wie etwas bei Elden Ring, aber die gesamte Welt für andere Spieler zu beeinflussen ist erfrischen anders. Das kann einerseits wirklich Spaß machen, da man eine gewisse Beziehung mit seinem Vorgänger aufbaut. Umso schwerer mag es dann sein, sich bei einer Entscheidung dann doch anders zu entscheiden. Unter Umständen kann man dann bestimmte Storypunkte aber nicht so spielen wie man will, da man eben keinen Einfluss darauf hat wie die Welt in dem Durchgang jetzt aufgrund des Vorgängers aussieht. Die Welt und die Geschichte scheinen aber überschaubar komplex, sodass man zumindest nichts Bahnbrechendes wie einen großen Twist verpassen sollte.
Schleichen, See-Gefechte und viel Story
Die meiste Zeit erkundet ihr die Welt und sprecht mit NPCs. Dabei trefft ihr eben Entscheidungen die viel Einfluss auf eure Umgebung und die Charaktere hat. Das meiste macht ihr so durch Dialoge. Ihr könnt aber auch Sammeln und mit ein paar wenigen Gegenständen in der Umgebung interagieren. So richtige Erkundung trifft es aber auch nicht ganz, da die Wege limitiert sind und auch nur an den typischen gelb gekennzeichneten Stellen hochgeklettert werden kann. Ein Gefühl von Freiheit beim Erkunden kommt daher so nicht auf.
Da es auf der Welt fast nur noch Meer gibt, habt ihr ein eigenes Boot. Mit diesem könnt ihr zu verschiedenen Plattformen im Rahmen der Geschichte fahren um die Story voranzubringen. Es gibt auch Ereignisse auf See, die ihr ansteuern könnt um Ressourcen zu gewinnen, etwa indem ihr Wahlfänger sabotiert und deren Vorräte einsackt. Dabei feuert ihr auch die kleine Kanone an Bord ab um feindliche Schiffe auszuschalten oder andere Dinge zu beschädigen.
Der größte Kämpfer seid ihr außerdem nicht. Die ganzen Wachen mit ihren Maschinengewehren geht ihr lieber durch Schleichen aus dem Weg. Innerhalb der Dialoge gibt es aber schonmal die Möglichkeit zurückzuschlagen.
Fazit zu Tides of Tomorrow
Eine Frage des Settings
Mir hat Tides of Tomorrow durchschnittlich gefallen. Das lag zum großen Teil daran, dass mir die Optik einfach absolut nicht zugesagt hat, was jedoch völlig subjektiv ist. Der ganze Müll und das endlose Wasser waren einfach nicht mein Fall. Auch das Setting mit dem ständigen Bezug zu Plastik hat bei mir nicht wirklich gezündet.
Das heißt jedoch nicht, dass Tides of Tomorrow ein schlechtes Spiel ist. Im Gegenteil, die Funktion mit den anderen Tidewalkern gefiel mir sehr gut und würde sich auch in anderen Spielen sehr gut machen. Wer das Setting hier mag, sollte an der Story auch gefallen finden und einigen Spaß haben.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Wem die Story um die plastikverseuchte und geflutete Welt zusagt der wird hier viel Spaß haben. Alle anderen könnten hier gelangtweilt werden.





