Mit Noir Mafia Simulator: 1960s American Crime wollte Entwickler Meraki Tech offenbar ein atmosphärisches Heist-Spiel im Stil der 1960er-Mafia abliefern. Die Betonung liegt dabei auf „wollte“. Denn was wir stattdessen bekamen, ist ein erschreckend unfertiges, technisch schwaches und spielerisch nahezu lebloses Konstrukt einer Grundidee, die nicht mal als Prototyp eines Pitches in der Höhle der Löwen bestehen würde. Sowas hat in diesem Zustand schlicht auch nichts im Early Access verloren. Dennoch haben wir uns den Versuch einer Mafia-„Konkurenz“ mal genauer angesehen und verraten euch in unserem Test, warum wir nach nicht mal zehn Minuten das Spiel wieder von unserer Festplatte deinstalliert haben.
Orientierung? Komplett versagt
Der Einstieg in das Spiel ist sinnbildlich für den gesamten Zustand von Noir Mafia Simulator. Es gibt keine Einführung, kein Tutorial, keine sinnvolle Erklärung der Spielmechaniken. Stattdessen wird man in ein karges Menü geworfen und darf sich selbst zusammenreimen, was dieses Spiel eigentlich von einem will. Nachdem wir in unserer Wohnung umhergeisterten und von der sehr schwachen Optik des Spiels überrascht wurden, kam auch schon der erste Ladebildschirm. Nach einer kurzen „Zwischensequenz“, in welcher zwei Grafik-Modelle eines Bolt Ace wahrlich über die Straße schlidderten, standen wir vor einer Bank. Man irrt ziellos durch Gebäude, ohne klare Aufgaben oder nachvollziehbares Handeln. Ein Heist-Spiel, das es nicht schafft, seine eigenen Ziele verständlich zu vermitteln, scheitert bereits an der grundlegendsten Aufgabe.
Auch spielerisch offenbart sich schnell ein ernüchterndes Bild. Von einer versprochenen Freiheit bei der Herangehensweise ist wahrlich nichts zu entdecken. Ob man schleicht oder mit Gewalt vorgeht, spielt kaum eine Rolle, denn es gibt ja auch kein klares Ziel. Stellt euch vor, IO Interactive bringt mit 007 First Light ein Spiel heraus, indem du zwar alles machen kannst, die Info aber fehlt, was genau dein Ziel ist. Dabei fehlt jegliche Tiefe. Planung existiert praktisch nicht, Missionen wirken wie zufällige Szenarien ohne Struktur und echte Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Selbst Geiselnahmen verlieren jegliche Bedeutung, weil sie erstens nichts bringen und zweitens nichts bringen. Ja, da hilft auch der Timer im oberen Bildschirmrand nicht.
Frust pur statt Spannung
Was hier visuell geboten wird, ist nicht zeitgemäß, um es mal freundlich zu formulieren. Für ein Spiel, das 2026 erscheint, wirkt Noir Mafia Simulator: 1960s American Crime wie ein Relikt aus der PlayStation 2-Ära. Modelle sind grob, Animationen steif, Umgebungen leer und detailarm. Nichts daran erzeugt Atmosphäre, nichts wirkt durchdacht oder hochwertig. Statt einer dichten Mafia-Welt bekommt man sterile Kulissen, die eher an unfertige Testlevel erinnern als an ein fertiges Spiel. Technisch ist dies schlicht bodenlos schwach.
Das Kampfsystem setzt dem Ganzen im negativen Sinne dann aber noch die Krone auf. Schießereien fühlen sich träge, unpräzise und vollkommen unbefriedigend an. Trefferfeedback ist inkonsistent, Gegner reagieren seltsam oder gar nicht und selbst klare Treffer liefern keine guten Ergebnisse. Die KI ist quasi kaum vorhanden. Aber wenn wir schon über KI sprechen…wir werden den Gedanken nicht los, dass hier eventuell…ganz eventuell…eine KI eventuell ihre Finger im Spiel hatte, um das schnelle Geld mit dem Namen „Mafia“ zu erwirtschaften. Statt intensiver Feuergefechte entsteht ein chaotisches, unfokussiertes Durcheinander, das weder fordert noch unterhält. Für ein Spiel, welches das Wort Überall schon im Namen trägt Überfälle, ist das alles ein verheerendes Armutszeugnis.
Unterirdisch, leer, belanglos und unfertig
Die Steuerung fühlt sich insgesamt hakelig und unausgereift an, was das ohnehin schon schwache Spielgefühl zusätzlich verschlechtert. Auch darüber hinaus fehlt es an jeglichem Komfort. Einstellungen im Menü sind rudimentär, Optionen dort kaum vorhanden. Dabei gibt es das Spiel bereits auf der Nintendo Switch. Controller-Support gibt es demnach auch keinen, wen wunderts.
Das Bittere an der ganzen Sache ist, dass die Grundidee durchaus Potenzial gehabt hätte. Ein offenes Heist-Spiel im Mafia-Setting der 1960er-Jahre ist an sich reizvoll und noch immer unverbraucht. Doch dieses Potenzial wird hier nahezu vollständig verschenkt. Einzelne Ansätze wie Geiselnahmen blitzen kurz am Horizont auf, gehen aber im Gesamtchaos sofort wieder unter. Es fehlt hier einfach an allem. Das Spiel wirkt wie ein früher Build eines alten PlayStation 2-Spiels, was als Präsentation an einen großen Publisher gehen sollte, um danach wirklich mit der Entwicklung und Geld in der Hand, beginnen zu dürfen.
Fazit zu Noir Mafia Simulator: 1960s American Crime
So sollte kein Early Access aussehen
Noir Mafia Simulator: 1960s American Crime ist in seinem aktuellen Zustand kein Spiel – Punkt. Hier stimmt weder die Technik, noch das Gameplay, noch die Präsentation. Statt eines spannenden Heist-Erlebnisses bekommt man ein frustrierendes, leeres und qualitativ schwaches Gesamtpaket. Und sind wir mal ganz ehrlich, das Wort Scam darf zum Schluss dann doch gerne noch fallen…
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Ganz klar: Finger weg.



