Ungefähr 13 Jahre nach seinem letzten Auftritt auf dem Cover eines WWE-Videospiels ist er zurück: Der „Best in the World“, World Heavyweight Champion CM Punk. Er ziert das Cover von WWE 2K26 und steht im Mittelpunkt des diesjährigen Showcase-Modus. Nach dem soliden, aber wenig spektakulären WWE 2K25 stellt sich die Frage: Hat Visual Concepts den nächsten Schritt nach vorne gemacht oder tritt man auf der Stelle?
WWE 2K26 ist in vielen Bereichen ein starkes Spiel, das die Stärken der Reihe weiter ausbaut. Gleichzeitig werfen die Monetarisierungsstrategien die Frage auf, wie weit Spiele eigentlich noch gehen dürfen.
Entscheidend ist im Ring
Visual Concepts hat mit dem Reboot vor einigen Jahren das Gameplay eher an alte Teile der Reihe ausgerichtet, als WWE noch unter dem alten THQ erschien. Simpler, zugänglicher und spaßiger. Dabei hat man nach und nach die Komplexität etwas ausgebaut. Das Moment-to-Moment-Gameplay war bereits exzellent, aber verbesserte Kollisionsabfragen und eine überarbeitete Physik-Engine sorgen in 2K26 mittlerweile für ein richtig gutes Gameplay-Paket. Die Zugänglichkeit ist nach wie vor da, dennoch ist genügend Tiefe für Profis vorhanden. Allerdings bin ich noch nicht hundertprozentig zufrieden mit dem Kontersysytem, da man in Griffen oder entgegenkommenden Schlagkombis andere Tasten zum Kontern drücken muss, als die eigentliche Kontertaste. Hier würde ich mir sogar das System aus dem letzten Spiel wünschen, bei dem CM Punk auf dem Cover war: WWE 13!
Das war simpel, einfach, aber fair, sodass zu lange Stagger-Phasen nicht möglich sind. Aber das ist Meckern auf hohen Niveau. 2K26 ist in meinen Augen spielerisch der beste Teil, seit 2K das Ruder übernommen hat.
Besonders positiv fällt die Überarbeitung der Pre-Match-Aktionen auf. Der neue Teil führt eine Reihe von Aktionen vor dem Match ein, die die Inszenierung nochmal unterhaltsamer machen: Man kann Energie aus der Menge ziehen, den Gegner anstarren oder Pyro von den Seiten hochschießen lassen. Diese Ergänzung bringt das Spielgefühl noch näher an die TV-Präsentation heran, auch die Möglichkeiten hier insgesamt noch etwas überschaubar sind. Ich fänds schön, wenn man hier in Zukunft noch mehr Optionen einbauen könnte.
Feurige Angelegenheit
Die neuen Match Types Inferno Match, Dumpster Match, I Quit und 3 Stages of Hell, sind willkommene Ergänzungen und gut umgesetzt.
Das Inferno Match ist dabei besonders beeindruckend: Man kämpft in einem von Flammen umgebenen Ring. Je länger der Kampf andauert, desto höher steigt die Temperatur, bis schließlich ein richtiges Inferno entfacht ist.
Auch neue Waffen feiern ihr Debüt: Einkaufswagen und Reißzwecken. Letztere machen besonders viel Spaß, denn man kann den Gegner mit der Tüte schlagen, sie öffnen und die Tacks auf dem Boden oder im Ring verteilen. Da fühlt man sich schon fast in die ECW zurückversetzt.
Ein kleines Manko bleibt: Die In-Ring-Action ist aufgrund der zunehmend dichten Systeme nach wie vor nicht gerade einsteigerfreundlich. Wer ganz frisch in die Reihe einsteigt, sollte sich etwas Zeit für die Tutorials einplanen. Aber wie gesagt gelingt der Einstieg meiner Meinung nach trotzdem recht einfach.
CM Punk im Rampenlicht
Im Showcase-Modus geht es um die Geschichte von CMs Punk. Dort tritt man gegen wichtige Matches seiner Karriere an. Weil CM Punk aber nicht mit jedem Ausgang zufrieden ist, ist der Showcase-Modus auch ein wenig ein „Was wäre wenn“-Modus. Das Alles kommentiert Punk persönlich. Die Präsentation allein verdient großes Lob.
CM Punk ist dabei eine hervorragende Wahl, denn sein WWE-Werk, trotz zehnjähriger Abwesenheit, bietet mehr als genug klassische Matches, um die Geschichte des „Second City Saint“ zu erzählen. Natürlich bleiben seine legendären Ring-of-Honor-Jahre, die TNA-Matches und seine Zeit in AEW außen vor. Aber gut, das ist angesichts der Lizenz aber kaum verwunderlich.
Ein besonderes Highlight des Showcase-Modus ist die Option, einen fiktiven 22-Superstar-Gauntlet-Match zu bestreiten, entweder als Punk oder als AJ Lee, gegen 21 weitere Superstars, um alle Belohnungen freizuschalten. Wie auch die Jahre zuvor, ist der Showcase-Modus wieder einmal für mich eines der Aushängeschilder, weil er in Sachen Inszenierung und Präsentation heraussticht und da mir die zahlreichen Missionen innerhalb der Matches eine ordentliche Herausforderung bieten.
Die Karriere braucht langsam mal frischen Wind
Auch MyRISE überzeugt (teilweise). Erneut kann man einen eigenen Wrestler in der bewährten Creation Suite erstellen und beginnt eine Karriere mit dem Thema „Comeback“ , entweder in der Männer- oder Frauendivision. Man kehrt nach einer Pause nämlich zur WWE zurück, scheitert aber kläglich dabei Fuß zu fassen. Somit muss man sich als Veteran wieder neu beweisen. An entscheidenden Wendepunkten muss man sich entscheiden, ob man den „guten“ Weg einschlägt oder eher zum Heel wird. Die Reise macht Spaß, auch wenn die Leistungen der echten Wrestler vor der Kamera etwas ungleichmäßig ausfallen. Allerdings ist der Modus in seiner Struktur exakt gleich aufgebaut wie zuvor und erfindet sich, bis auf die Story, nicht neu. Immer noch ist mein „Hub“ ein Raum, in dem ich mit 2-3 verschiedenen Figuren reden kann, die mir nur einen Plausch oder ein Match anbieten. Da wünschte ich mir mehr Freiheiten oder eine durchinszenierte Kampagne, wie es im Showcase-Modus der Fall ist.
Das Heiligtum von WWE 2K26
Der Universe Mode in WWE 2K26 baut auf seinen Vorgängern auf und integriert nun einen vollständigen WWE-Draft: Man kann selbst auswählen, welche Superstars auf RAW und SmackDown antreten, oder aber auch in eigens kreierten Divisionen. Über einen neuen „Universe Creation Wizard“ lassen sich außerdem PLEs, Rosteraufstellungen und Champions vor dem Start des Kalenders festlegen.
Darüber hinaus muss man nicht mehr aktiver Teilnehmer jedes Matches sein. Man kann das Geschehen wie eine echte TV-Show und PLE-Veranstaltung beobachten. Callouts, Promos, Unterbrechungen und Open Challenges wurden überarbeitet und ergänzt. Das ist ein schöner Schritt für alle Fans, die die WWE lieber als Manager im Hintergrund erleben wollen, ohne aber auf den Show-Charakter verzichten zu wollen. WWE-Universum ist wahrscheinlich nach wie vor mein Lieblings-Modus, weil er der ultimative Spielplatz ist. Hier brauche ich auch keine Revolution oder große Veränderung. Etwas mehr von allem und neue Story-Stränge, bzw. Fehden. Das ist alles was ich brauche, um hier glücklich zu sein.
Massig Umfang! Aber zu einem hohen Preis…
Meine Top 3 aller Modi ist mit dem MyGM-Modus komplett. Erneut kann ich als General Manager meine eigene Brand gestalten. Der Modus wurde auf 50 Wochen ausgebaut, begrüßt den verstorbenen Bobby Heenan und Stacy Keibler als neue GM-Optionen und ermöglicht nun auch Intergender-Matches. Dazu kommen die vier neuen Match Types Dumpster Match, I Quit Match, Inferno Match und Three Stages of Hell. Superstars können sogar auf andere Shows geschickt werden, um dort für Unruhe zu stiften. Sehr schöne Ergänzung, auch wenn natürlich wenig Neues geboten wird. Der Kader des Spiels wurde auf über 400 spielbare Charaktere ausgebaut.
Ein bisschen erkauft man sich die Zahl auch mit verschiedenen Modellen einzelner Wrestler. Allein CM Punk ist 10 mal (nein, das ist kein Witz) als einzelner Charakter aufgeführt. Zum ersten Mal in der Seriengeschichte sind zudem Superstars aus der mexikanischen Liga Lucha Libre AAA Worldwide enthalten, eine Folge von WWEs Übernahme von AAA im Jahr 2025.
Unter den neuen AAA-Zugängen befinden sich Vikingo, Flammer, Psycho Clown und Mr. Iguana, die alle hervorragend spielbar sind. Allerdings verstecken sich sehr viele Wrestler auch hinter eigenen DLC-Packs. Wer alles haben will, muss die Version für sage und schreibe 149,99€ kaufen. In meinen Augen kompletter Irrsinn.

TNA-Stars wie Joe Hendry sind auch dabei. Allerdings nur per DLC. Wie viele andere Wrestler auch. | Bild © 2026 2K Sports
Muss das sein?
Hier wird’s kontrovers, denn der Bezahl-Wahnsinn geht noch weiter. Der Ringside Pass folgt dem Battle-Pass-Prinzip anderer Spiele und bietet 40 Stufen an Inhalten, die eine Hälfte kostenlos, die andere hinter einer Premium-Bezahlschranke. Trotz anfänglicher Skepsis vor dem Release macht das Freischalten per sé tatsächlich Spaß: Belohnungen wie Island-VC und MyFaction-Karten locken in Modi, mit denen man sich zuvor vielleicht nie beschäftigt hätte.
Ringside Passes verfallen nicht, sodass man auch später kaufende Spieler nicht benachteiligt, denn ältere Seasons lassen sich nachholen.
Dennoch bleibt ein fundamentales Problem: In einem Jahr wird der gesamte AAA-Inhalt der ersten Season wertlos sein, wenn WWE 2K27 erscheint. Eine Möglichkeit, Fortschritte auf zukünftige Spiele zu übertragen, wäre wünschenswert. Zudem nervt die weitere Bezahl-Hürde mit dem Ringside-Pass. An jeder Ecke möchte WWE 2K26 nochmal irgendwas weiteres verkaufen oder aber verlangt viel seiner virtuellen Währung, den VC’s. Die sind dadurch regelmäßig knapp, aber ihr könnt ja auch einfach für nochmal 50€ ganze 187.500 VC dazu kaufen, damit ihr Inhalte im Spiel freischalten könnt. Zum Beispiel Inhalte für The Island, die an jeder Stelle nur damit lockt, aber spielerisch relativ eintönig ist. Muss das denn alles wirklich sein?

Manche Modi scheinen nur dafür designed zu sein, dass man noch mehr Geld im Spiel ausgeben soll. | Bild © 2026 2K Sports
WWE 2K26 könnte besser aussehen, aber sich kaum besser anhören
Als reiner Current-Gen-Titel läuft WWE 2K26 auf der PS5 butterweich. Die Arenen, Eingänge und Lichtshows wirken schick, und die Mimik der Wrestler ist so detailliert wie nie. Besonders die Gesichtsanimationen haben nochmal zugelegt. Aber auch In-Ring profitiert das Spiel von kleineren Ragdoll-Effekten, die zumindest in meinem Fall die kuriosen Kollisions-Bugs größtenteils ausgemerzt haben. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass der Wechsel auf die Current-Gen jetzt nicht unbedingt Wunder gewirkt hat. Es sind eher Detailverbesserungen. Aber gerade die Dynamik des Publikums, wenn die Kamera durch die Arena fährt, wirkt doch recht altbacken. Dazu wurden die Entrances größtenteils recycled. Ladezeiten sind trotz SSD nicht gerade gering, gerade im Community-Hub, wo man sich erstelle Inhalte herunterladen kann, wird die Navigation zur Geduldsprobe. Aber: Der Kommentar überzeugt! Wade Barrett und Booker T begeistern absolut und sorgen für Abwechslung. Booker Ts spontane und oft überdrehte Reaktionen sorgen für ein Schmunzeln und heben sich damit klar von den letzten Ablegern ab!

Die Entrances kann man mit Pyro und Feuerwerk pimpen. Hoffentlich in Zukunft auch mit weiteren Optionen. | Bild © 2026 2K Sports
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Fazit zu WWE 2K26
WWE 2K26 ist ein starkes Jahresupdate, das in vielen Bereichen Fortschritte macht: Das In-Ring-Gameplay ist das beste der 2K-Reihe, der Showcase-Modus mit CM Punk ist ein Highlight, und die Erweiterungen in Universe Mode und MyGM sorgen für eine der besten Erfahrungen der Reihe. Der neuste Ableger ist spielerisch zugänglich, aber dennoch durchaus vielseitig. Zudem mag ich, dass es eine gute Balance zwischen „realistischen“ Abfolgen und dem gewissen Arcade-Charme hat. Denn ein Wrestling Game darf nie zu sehr versuchen eine Simulation zu sein. Es ist ja immer ein bisschen drüber und das muss man eben auch ausspielen. Das macht 2K26 nämlich extrem gut!
Dennoch muss man natürlich sagen: Das Ganze ist keine Revolution. Es handelt sich hier meist um clevere Ergänzungen oder Optimierungen, aber das braucht es mittlerweile auch in manchen Bereichen gar nicht mehr. Nur MyRise könnte mal eine 180° Drehung gebrauchen und selbst optisch glaube ich, dass da noch einiges mehr möglich wäre. So viel Spaß ich auch mit dem Titel habe, aber es ist absurd wie penetrant das Spiel versucht nur noch mehr Geld raus zu ziehen. Hier ein paar Wrestler-DLC’s, dort Virtual Coins dazu kaufen und da hinten wäre noch der Battle Pass. Spielerisch ist es Visual Concepts und 2K’s Höhepunkt. Aber leider nicht was die Fairness der Preisgestaltung angeht.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Ganz klare Empfehlung für das reine Spielerlebnis! Angesichts der ausufernden Monetarisierung sollte man sich das trotzdem doppelt überlegen.







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