Der schwedische Entwickler Embark Studios ist auf einem Höhenflug: Der im Oktober 2025 veröffentlichte Titel Arc Raiders konnte sich bereits über 14 Millionen Mal verkaufen. Dabei stand ein vergleichsweise überschaubares Budget von geschätzt 75 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Sehr überschaubar für morderne AAA-Produktionen. Embark bestehe aktuell auch nur aus 360 Leuten, die sich aber über mehrere, verschiedene Projekte verteilen.
Für Studio-Chef Patrick Söderlund, der zuvot ehemaliger DICE-Chef war, beweist dies, dass die Größe eines Teams nicht über das „AAA“ entscheidet. Seine Philosophie: Mit cleveren Produktionsmethoden und modernen Werkzeugen könne man mit einem Bruchteil der üblichen Kosten und Personalkosten mit den Branchenriesen mithalten. Dazu äußerte er sich ausgiebig in einem Interview mit dem Magazin gamesindustry.biz.
KI sei ein Werkzeug
Statt auf immer größere Teams, setzt Embark auf Effizienz bei der Spieleentwicklung. So umgeht das Studio aufwendige manuelle Arbeit, indem es beispielsweise Topografie-Daten von Google Maps oder Fotogrammetrie nutzt, um realistische Landschaften zu generieren. Die umstrittene Nutzung von generativer KI, etwa für Sprachausgaben, sieht Söderlund nicht als Ersatz für Schauspieler, sondern als Produktionswerkzeug. Viele Dialoge würden weiterhin von echten Profis eingesprochen.
KI helfe lediglich, intern verschiedene Varianten zu testen, bevor man ins Aufnahmestudio gehe. Die Dialogzeilen teste man somit mit KI, aber erst die fertigen Texte würden eingesprochen. Normalerweise würden sogar Testzeilen eingesprochen werden, was Zeit und Geld koste. KI sei für Embark somit ein Werkzeug, um Produktionsprozesse zu vereinfachen und nicht, um damit die finalen Ergebnisse zu erstellen. Obwohl er einräumt, dass auch für die Umgebung zu einem kleinen Teil AI genutzt wurde.
Kleinere und effizientere Teams
Mit Arc Raiders wagte sich Embark Studios zudem an das umkämpfte Genre der Extraction-Shooter und das offensichtlich mit Erfolg. Söderlund sieht darin eine Chance, das Genre wachsen zu lassen, ohne dabei die Tiefe für Hardcore-Fans zu verlieren. Gleichzeitig äußerte er sich verständnisvoll über die aktuellen Herausforderungen der Branche, wie etwa die Entlassungen beim Battlefield-Entwickler DICE. Diese seien ein branchenweites Problem, das aus immer weiter eskalierenden Budgets und Teamgrößen resultiere. Diesen Trend wolle man aber nicht mitgehen. Bei EA gab es nämlich zuletzt Entlassungen bei den Battlefield-Devs, obwohl Battefield 6 ein großer Verkaufserfolg war. Die Spielerzahlen sind jedoch seit Launch auch mittlerweile wieder stark eingebrochen.
Mehr Projekte, aber kaum mehr Mitarbeitende
Für die Zukunft hat sich das Stockholmer Studio ehrgeizige Ziele gesetzt: Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen neben den beiden bestehenden Titeln zwei weitere Spiele erscheinen. Söderlund betont jedoch, dass man der Versuchung widerstehen werde, massiv aufzustocken. „Sie werden nicht erleben, dass wir auf Tausende von Mitarbeitenden anwachsen“, stellt er klar. Das Ziel bleibe ein schlankes, effizientes Unternehmen, das sich nicht im Kreislauf aus immer größeren Teams und Budgets verliert. Natürlich werde es aber hier und da auch Einstellungen geben, damit man die zukünftigen Projekte realisieren könne. Er sehe allerdings nicht, dass Embark deswegen auf 600-800 Leute aufgestockt werden müsse. Man möchte weiterhin an der Philosophie festhalten mit moderenen Produktionsmitteln effiziente, aber dennoch große Titel zu entwickeln.
Quelle: gamesindustry.biz
Bild: 2025 © Embark Studios




