Mit Kirby Air Riders kehrt ein Spiel zurück, die viele Fans seit dem GameCube-Klassiker Kirby Air Ride schmerzlich vermisst haben. Über zwei Jahrzehnte später wagt Nintendo gemeinsam mit Bandai Namco Studios und Sora einen mutigen Neustart des Fun-Racer-Konzepts. Nur dieses Mal exklusiv für die Nintendo Switch 2. Schon nach den ersten Spielminuten wird klar, dass diese Rückkehr nicht nur nostalgische Gefühle weckt, sondern auch zeigt, dass ein scheinbar simples Rennspiel durchaus Tiefgang besitzen kann. Mehr dazu lest ihr in unserem Test zum Spiel.
Kirbys Rückkehr auf die Rennpiste
Die Kombination aus einer vereinfachten Steuerung, speziellen Fahrmechaniken, zahlreichen Modi und einer verspielten Präsentation ergibt ein Gesamtpaket, das sich stark vom Rest des Genres abhebt und dennoch vertraut wie zu GameCube-Zeiten wirkt. Obwohl die rosa Knutschkugel seit 1992 in verschiedensten Genres unterwegs war, wirkt Air Riders wie der perfekte Mix aus Altbekanntem und modernen Gameplay-Ideen. Das Spiel versteht dabei nicht nur langjährige Fans abzuholen, sondern gleichzeitig Neulinge zu begeistern, die sich sonst mit solcher Art von Rennspielen schwer tun.
Eines der außergewöhnlichsten Elemente von Kirby Air Riders ist die Entscheidung, komplett ohne Gaspedal auszukommen. Das Fahrzeug bewegt sich automatisch vorwärts, was im ersten Moment nach extremer Vereinfachung klingt, entpuppt sich schnell als die Grundlage für ein gameplaytechnisch erstaunlich anspruchsvolles Rennsystem. Die Konzentration verlagert sich sofort von „Wie schnell fahre ich?“ hin zu „Wie kontrolliere ich meine Geschwindigkeit richtig?“ und genau hier liegt die Finesse.
Besonders das Driften bildet das Herzstück der Fahrmechanik. Indem man die Boost-Taste gedrückt hält und im exakt richtigen Moment loslässt, rauscht man nicht nur windschnittig durch Kurven, sondern erhält einen Geschwindigkeitsschub. Dieses Driften ist überraschend technisch und belohnt präzises Timing. Kleine Fehler führen schnell dazu, gegen Wände zu prallen oder sich selbst auszubremsen, während saubere Drifts belohnt werden.
Das Spiel erklärt diese Mechaniken dabei nicht nur oberflächlich, sondern führt in der umfangreichen Fahrschule Stück für Stück an die komplexeren Manöver heran. Perfekte Landungen nach Sprüngen, das Einsaugen von Gegnern, Wirbelangriffe, Schienenfahrten, Stotterbremsen oder Spezialangriffe, alle Gameplay-Features werden einsteigerfreundlich erklärt. Dabei ist die Fahrschule weit mehr als ein Tutorial, denn ihr Aufbau erinnert an klassische Trainingskurse, die nach und nach anspruchsvoller werden.
Vielfalt als Herzstück des Gameplays
Kirby Air Riders bietet eine Vielzahl an Spielmodi, die tatsächlich mehr als nur kleinere Varianten desselben Grundprinzips darstellen. Jeder Modus besitzt eine eigene Dynamik und sogar eigene Zielsetzungen, wodurch der Umfang des Spiels sich enorm vielseitig anfühlt. Der City Trial Modus ist der Modus, der schon im GameCube-Original Kultstatus erlangte. Hier fährt man frei durch eine große Stadt, sammelt Attributs-Upgrades, sucht nach Fahrzeugen, öffnet Kisten und versucht alles, um am Endspiel-Event optimale Werte zu besitzen. Dieses Endevent kann ein Rennen, ein Kampf, ein Hochsprung-Wettbewerb oder ein anderes Minispiel sein, was den City Trial in jeder Runde überraschend abwechslungsreich macht.
Das Sammeln von Attributen hat jedoch eine neue, clevere Nuance erhalten: Manche Gegenstände sind negative Power-Ups und können das Fahrzeug unkontrollierbar machen, wenn man zu gierig wird. Das Risiko-Belohnungs-Prinzip funktioniert dabei hervorragend und sorgt für spannende Entscheidungen. Dazu verleiht der Modus dem Spiel einen fast schon battle-royale-artigen Charakter.
Der Top Ride Modus dürfte für viele Kirby-Freunde ein echtes Highlight sein, denn seine charmante Draufsicht erinnert an Klassiker wie Micro Machines oder frühe Arcade-Racer wie Funk Flitzer. Die Rundkurse sind kurz, chaotisch und voller Überraschungen. Items fliegen durch die Gegend, Abkürzungen öffnen und schließen sich und die Rundenzeiten sind kurz. Die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Steuerungsarten zu wechseln (inkl. einer frei wählbaren Lenkrad-Steuerung) gibt dem Modus zusätzlich Tiefe. Obwohl Top Ride im Vergleich zum großen City Trial deutlich kompakter wirkt, ist er perfekt für kurze Sessions und entfaltet durch seine rasante Action und die breite Streckenvielfalt eine enorme Langzeitmotivation.
Klassische Rundenrennen mit wilder Streckenführung
Wer es lieber traditionell mag, findet im Air Ride Modus das klassische Rennerlebnis. Ähnlich wie in Mario Kart rast man durch mehrspurige Tracks voller Hindernisse, Abkürzungen und Items. Doch anders als im Nintendo-Konkurrenten legt Kirby Air Riders deutlich mehr Fokus auf die Fahrlinie. Besonders das Driftverhalten der Fahrzeuge fordert präzise Fahrtechnik, denn die Strecken sind teilweise so waghalsig konzipiert, dass jede Kurve in einer echten Achterbahnfahrt endet. Attacken wie die Wirbelattacke geben dem Gameplay zusätzliche Tiefe, ohne dabei Items übermäßig in den Mittelpunkt zu rücken. Wer denkt, die einfache Steuerung würde die Rennen leichter machen, wird bei Air Ride schnell eines Besseren belehrt.
Der Road Trip ist ein seltener Gast im Fun-Racer-Genre, denn er bietet eine lineare Kampagne mit mehreren Etappen, Bossen, kleinen Story-Elementen und gerenderten Zwischensequenzen. Die Handlung dreht sich um mysteriöse Maschinen, die die Welt bedrohen und kombiniert humorvolle Szenen mit düsteren Momenten. Die Struktur erinnert an eine Art Mini-Rollenspiel, bei dem man durch das Meistern von Events Attributspunkte sammelt, die dann dauerhaft für kommende Herausforderungen gelten. Wer also ein paar Runden alleine fahren möchte, findet hier einen kurzweiligen Spaß abseits der sonstigen Modi.
Jedes Fahrzeug besitzt eigene Werte und Eigenschaften, die sich je nach Charakterwahl noch einmal verändern können. Geschwindigkeit, Wendigkeit, Auftrieb, Balance und Ausdauer spielen eine erhebliche Rolle und sorgen dafür, dass sich jede Kombination anders anfühlt. Mit steigender Erfahrung schaltet man nicht nur neue Fahrer und Fahrzeuge frei, sondern auch zahlreiche Sticker, Musikstücke, Fahrzeugteile und kosmetische Accessoires.
Dabei verzichtet Nintendo auf zusätzliche DLC-Paywalls, einen Battle Pass oder sonstige Mikrotransaktionen. Jedes Rennergebnis bringt aktiv einen Fortschritt. Dieses klassische Gefühl, was ein Videospiel ausmacht ist heute leider selten geworden. Besonders motivierend ist das Puzzle-System, bei dem jedes gefundene Teil eine neue Belohnung oder Herausforderung freischaltet. Fast wie eine moderne Variation des berühmten „Checklists“ aus dem GameCube-Original.
Bunt, charmant und doch nicht perfekt
Kirby Air Riders ist visuell eindeutig ein Kirby-Spiel – wäre auch etwas blöde, falls es nicht so wäre. Knallbunt, verspielt und voller kleiner Animationen und Details warten darauf, erkundet zu werden. Die Charaktere sind liebevoll animiert, Fahrzeugmodelle sehen schnittig aus und Strecken leuchten in warmen Farben. Dennoch fällt in einigen Bereichen auf, dass das Spiel grafisch die Möglichkeiten der Nintendo Switch 2 nicht voll ausschöpft. Manche Texturen wirken verwaschen oder matschig, insbesondere auf größeren Flächen oder an Streckenrändern. Gerade im Vergleich zu Mario Kart World wirkt das Spiel optisch nicht so modern. Während das Spiel optisch solide bleibt, punktet es mit seiner starken Performance und dem fröhlichen Soundtrack, der zwischen nostalgischen Kirby-Melodien und energiegeladenen Renntracks wechselt. In schwitzigen Situationen erkennt man klar die Liebe zum Detail, die Kirby-Spiele schon immer ausgemacht hat.
Der Titel bietet eine reiche Auswahl verschiedener Spielmöglichkeiten, sowohl offline als auch online. Der Einzelspieler ist mit Road Trip, Top Ride und individuellen Regelanpassungen überraschend umfangreich und belohnt langfristig. Aber besonders ist der Online-Mehrspielermodus für bis zu 16 Spieler, der stabil läuft. Offline kann Kirby Air Riders vor allem durch seine lokal spielbaren Modi, das klassische Couchgaming-Gefühl zurückholen. Dennoch muss man hier auch ganz klar sagen, dass der Splitscreen-Modus oft durch das erhöhte Tempo sehr chaotisch wirkt. Die Wirbelattacke lässt sich zum Beispiel nur schwer ausführen.
Fazit zu Kirby Air Riders
Marios größte Konkurrenz aus dem Hause Nintendo
Kirby Air Riders ist ein Fun-Racer, der gleichzeitig einsteigerfreundlich und überraschend tief ist. Er verbindet kindlichen Charme mit technisch anspruchsvollem Gameplay und beweist, dass ein ungewöhnliches Steuerungskonzept nicht nur funktionieren, sondern ein ganzes Genre bereichern kann. Die vier großen Spielmodi, allen voran City Trial, schaffen es, sowohl Nostalgiker als auch Neueinsteiger zu begeistern.
Dazu gesellen sich zahlreiche freischaltbare Inhalte, eine vollwertige Kampagne und ein hervorragender Onlinemodus, der das Gesamtpaket abrundet. Trotz kleiner Schwächen in der Grafikqualität präsentiert sich Kirby Air Riders als eines der besten Fun-Racer-Erlebnisse der letzten Jahre. Ein bunter Sturm aus Kurven, Drifts, Minispielen und purem Chaos, der selbst Wochen nach Release noch motiviert. Wer Spaß an innovativen Rennspielen hat oder schon damals Gefallen am GameCube-Klassiker fand, wird hier vielleicht das „bessere Mario Kart“ für die nächsten Monate finden.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Kirby Air Riders ist ein Pflichtkauf für alle Fun-Racer-Fans, die ein frisches, chaotisches und technisch überraschend tiefes Spielerlebnis suchen.





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