Black Ops 7 vollzieht mit seiner Kampagne einen radikalen Bruch. Statt Singleplayer, bekommen wir eine Koop-Kampagne. Statt verschiedenen Schwierigkeitsgraden, gibt es nur einen. Anstatt eines packenden Agententhrillers mit historischem Bezug, geht es in ein futuristisch, fiktives Szenario mit viel Fantasy. Aber zahlt sich der Stilbruch aus?
Ich wünschte. Doch Black Ops 7 ist eine der schlimmsten Kampagnen der gesamten Reihe geworden.
Lass mich doch alleine
Die Kampagne ist auf vier Spieler ausgelegt, lässt sich aber auch solo bestreiten. Klingt flexibel, ist aber eine Katastrophe. Wer allein spielt, bekommt keine KI-Begleiter, trotzdem quatschen einem ständig unsichtbare Teammitglieder ins Ohr, die aber vor wenigen Sekunden noch in den Zwischensequenzen zu sehen waren. Man fühlt sich wie der letzte Überlebende auf einem verlassenen Server. Noch absurder: Das Spiel lässt sich nicht pausieren, selbst im Solo-Modus nicht. Wer zu lange inaktiv ist, wird gekickt und darf die komplette Mission von vorne anfangen. Speicherpunkte gibt es nämlich keine. Diese Designentscheidungen sind schlicht unverständlich und wirken, als hätte niemand die Kampagne jemals allein getestet. Dazu kann man nicht zwischen verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen. Es wirkt, als hätte man sich hier auf den „normalen“ Modus geeinigt. Wäre okay, wenn du die KI entsprechend mitmachen würde.
Irgendwas zwischen öde und albern
Doch die Gegner machen eher den Eindruck einer planlosen Ork-Horde aus Herr der Ringe. Deckung oder taktiertes Vorgehen sind absolute Fremdworte. Stattdessen setzt man auf Masse statt Klasse. Die elf Missionen spielen sich wie aufgeblasene Destiny-Strikes. Der Fokus liegt komplett auf monotonen Feuergefechten gegen unfassbar große Gegnerhorden mit sichtbaren Lebensbalken und Punkteanzeigen, die viel zu viel aushalten. Teilweise muss man ein, zwei Magazine versenken für einen Gegner. Munitionsknappheit gibt es trotzdem nicht, denn dass man 800 Schuss pro Waffe dabei hat, ist eigentlich ganz normal. Absurd, aber normal. M
an merkt halt, dass die Gegner für Teams ausbalanciert sind, weniger für Solo-Spieler. Vom klassischen CoD-Bombast fehlt jede Spur. Keine spektakulären Fahrzeugsequenzen, keine Drohnen-Passagen, keine kreativen Set-Pieces. Stattdessen läuft man durch leere, statische Umgebungen, sucht in Kisten nach Waffen und ballert sich durch endlose Wellen. Abwechslung? Fehlanzeige. Nur selten gibt es mal kleinere, spielerische Highlights oder den ein oder anderen Boss-Fight, der Abwechslung bringt. Die machen spielerisch mal etwas Neues, sind nur halt komplett albern. Beispiel gefällig? In einem Kampf muss ich eine gigantische Machete beschwören, in einem anderen Moment muss ich einem Riesen in den Mund schießen, bevor er rotes Gift auf mich schießt. Okay. Dass man dann so Gadgets wie den Grappling Hook oder den Air Suit zwischenzeitlich mal kurz nutzen kann, wirkt insgesamt super random, aber sorgen kurzzeitig mal für Spaß. Aber auch hier wirkt die Integration oberflächlich und aufgezwungen.
Recycling
Die Missionsumgebungen wirken oft etwas lieblos zusammengewürfelt,. Manche Schauplätze sehen aus, als hätte dort vor Minuten noch normales Leben stattgefunden, doch es gibt keine NPCs, keine Zivilisten, nichts. Nur leere Kulissen. Diese Leblosigkeit zerstört jegliche Immersion. Man merkt an jeder Ecke, dass entweder die Zeit oder die Motivation fehlte, die Welt vernünftig auszuarbeiten. Zudem macht Black Ops 7 den Fehler, den das neue Modern Warfare III auch schon gemacht hat. Da hatte man immer einen Wechsel aus „normaler Mission“ und einer Mission, die auf einem Abklatsch einer Warzone Map stattfindet. Gleiches hier. Man wird auf einer großen Map abgelassen, auf der random viele Gegner rumlaufen. Das wirkt dann auch insgesamt nicht nach durchstrukturierter Kampagne, sondern einfach etwas zusammengewürfelt.
In Kombination wirkt das dann eher nach Abarbeiten, vor allem weil Black Ops 7 auch inszenatorisch so viel schlechter ausfällt, als man es eigentlich von der Reihe gewohnt ist. Teilweise gibt es sogar einfach Multiplayer Maps, auf denen dann einfach die Kampagnen-Mission stattfindet. Recycling at its best. Es gibt zum Glück auch immer wieder kleine Passagen, die schon Laune machen. Etwa als man in der Mission „Fraktur“ plötzlich Platforming-Passagen hat, bei der sich die Dimension verschiebt. Ja, es ist Quatsch, aber das ist zumindest spaßiger Quatsch. Gerade auch zum Ende hin zeigt Black Ops 7 aber auch, dass man es in Sachen Inszenierung und Dramartugie nicht verlernt hat. Denn da hat das Spiel schon ein paar intensive Momente. Klar, die Story bleibt Unfug, aber zumindest ist es ein inszenatorisch gut gemacht.

Manchmal finden Missionen einfach irgendwo auf einer Battle Royal Map statt. | Bild: 2025 © Activision
Ich blick da auch nicht mehr durch
Die Handlung ist selbst für CoD-Verhältnisse unsinnig. Im Jahr 2035 taucht ein Video des totgeglaubten Terroristen Raul Menendez auf. Der Tech-Konzern „Die Gilde“ unter Führung von Emma Kagan will die Welt mit einem roten Gas bedrohen. Das Gas löst Halluzinationen aus und hier verliert die Kampagne komplett den Boden unter den Füßen. Plötzlich kämpft man gegen Zombies, Riesenspinnen, fleischfressende Pflanzen und Monster aus 15 Jahren Black Ops. Die Grenze zum Zombie-Modus verschwimmt komplett. Wer ein geerdetes, realistisches CoD erwartet, wird bitter enttäuscht. Die Story verirrt sich in Albernheiten und Wirrungen, sodass man schon sehr schnell den Faden verliert und eigentlich gar nicht mehr weiß, warum das alles passiert. Black Ops will eigentlich nur noch „anders“ sein und macht, ähnlich wie im Vorgänger, den Versuch deep zu wirken. Das ist es aber nicht. Die Dialoge sind füchterlich stumpf und eindimensional geschrieben. David Mason und sein Team Specter One bleiben blasse Abziehbilder. Ohne Kenntnisse von Black Ops 2 und 6 baut man nicht mal ein bisschen Bindung zu den Figuren auf und selbst mit Vorwissen sind die emotionalen Ausbrüche in mir eher seicht. Die fiktive Mittelmeerinsel Avalon als Hauptschauplatz ist offensichtlich für das spätere Endgame-Battle-Royale-Format konzipiert und fühlt sich in der Kampagne entsprechend leer an.
Call of Duty sah schon mal besser aus
Visuell zeigt Black Ops 7 viele Facetten. Die gerenderten Zwischensequenzen sehen gut aus, laufen aber super ruckelig. Manche Level, gerade die linearen Abschnitte, sind äußerst detailliert und können mit teils schönen Reflexionen aufwarten. Doch gerade in den Warzone-Passagen klingelt plötzlich die Playstation 3 an der Tür. Aufploppende Objekte, teils komplett verwaschene und verpixelte Texturen, Vegetation wie vor 15 Jahren, und selbst abstürzende VTOL’s verpuffen einfach und hinterlassen nicht einmal ein Wrack. Black Ops 7 schwankt irgendwo zwischen durchaus hübsch und visuellen Schadensersatzanspruch. Der Sound erfüllt seinen Zweck, aber nichts hebt sich heraus oder bleibt im Gedächtnis. Man merkt dem Spiel an, dass es nur ein Jahr nach Black Ops 6 erscheinen musste.

Nur so viel: Dass das Waffenmodell so aussieht, hat nichts mit meinem Rechner zu tun! | Bild: 2025 © Activision
[/vc_column_text]
Fazit zum Call of Duty: Black Ops 7 Kampagne
Die Black Ops 7-Kampagne ist eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Hier kommt viel zusammen, wonach niemand gefragt hat. Die Missions-Struktur ist repetitiv, die Story unsinnig und albern, die Welt oft leblos. Statt eines mitreißenden Blockbusters bekommen wir ein halbfertiges Experiment, welches weder erzählerisch, noch spielerisch, einen roten Faden hat. Die Kampagne dauert solo etwa 7-8 Stunden. Stunden, die man sich danach zurück wünscht. Lediglich dadurch, dass das Spiel so manche komplett albernen Momente hat und immerhin zwischendurch noch durchblitzen lässt, dass man spielerisch und inszenatorisch ja doch was auf dem Kasten hat, gibt es dennoch den ein oder anderen spaßigen Moment. Doch es sind eher kurze, positive Ausreißer nach oben, in einer schlecht geschriebenen und überwiegend schlecht inszenierten Kampagne. Ich hatte gehofft, nach Modern Warfare 3 (2022) nie wieder eine so schlechte COD-Kampagne spielen zu müssen. Ich mache den Devs selbst keinen Vorwurf. Weil wie soll man auch innerhalb einiger Monate plötzlich eine neue, coole Kampagne herzaubern? Etwas mehr Zeit MUSS einfach gewährt werden, weil so etwas wie das hier, sollte niemand wollen, dem das Franchise irgendwie wichtig ist. Mich rettet nur die Tatsache, dass der Multiplayer mir erheblich mehr Spaß macht.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Gehört ihr zur „Ich will zumindest einmal die Kampagne spielen“-Fraktion? Dann tut dies bitte dieses Jahr ausnahmsweise mal nicht.




