Nach Battle for Bikini Bottom: Rehydrated und The Cosmic Shake schickt Purple Lamp den gelben Schwamm in sein nächstes Abenteuer. Doch kann Spongebob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten einen entscheidenden Schritt nach vorne machen? Teils, teils.
Götterstreit unter Wasser
Die Handlung dreht sich um einen Konflikt zwischen King Neptun und dem Fliegenden Holländer, der Bikini Bottom in ein Geister-Chaos stürzt. SpongeBob wird dabei selbst zum Geist, während Patrick verschont bleibt. Gemeinsam müssen die beiden Freunde, wie sollte es anders sein, Bikini Bottom retten. Die Story punktet nicht mit Originalität, aber macht dabei insgesamt einen soliden Job. Plot-Twists sollte ihr jetzt nicht unbedingt erwarten. Durchzogen ist das Spiel natürlich wieder von reichlich Humor, für den ich aber glaube ich etwas zu alt bin. Nur selten schaffte es der Titel mich zum Schmunzeln zu bringen. Dagegen dürften jüngere Fans sehr viel Spaß mit dem Humor haben.
Die vollständige Synchronbesetzung der Serie haucht den Charakteren ordentlich Leben ein, wobei sich die Dialoge im Vergleich zum Vorgänger deutlich weniger repetitiv und nervig anfühlen. Ja, manche Phrasen hört man immer noch viel zu oft. Aber es ist etwas erträglicher. Die eingesprochenen Szenen kommen dabei aber auch definitiv an das Niveau der Serie heran und macht Giganten der Gezeiten damit zu einem super authentischen Ableger. Nach gut 5 Stunden war ich mit der Story durch, wer aber aber wirklich noch mehr erleben möchte, kann sich mit zahlreichen Nebenmissionen und Collectibles locker 10 Stunden und länger beschäftigen.
Gleich zwei Figuren auf einmal
Das Herzstück von Spongebob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten ist der nahtlose Wechsel zwischen SpongeBob und Patrick, der jederzeit per Knopfdruck möglich ist und komplett nahtlos funktioniert. Egal wo, egal in welchem Moment. Diese Mechanik ist mehr als nur Gimmick: Einige Sprünge erfordern sogar einen Charakterwechsel in der Luft, was das Platforming stellenweise durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich gestaltet. Patrick verfügt nun über genauso viele einzigartige Fähigkeiten wie SpongeBob. Dadurch, dass sie sich aber deutlich voneinander unterscheiden, ist ein ständiger Wechsel auch notwendig und clever integriert. Patrick kann schwere Objekte tragen und sich sogar in den Boden graben, während SpongeBob mit seinem Karate-Kick glänzt. Später werden die Fähigkeiten sogar noch ausgebaut, sodass das Gameplay auch etwas dynamischer bleibt im weiteren Verlauf. Für mich ist der Switch zwischen den beiden Charakteren klar eines der Highlights des Spiels und während ich anfangs skeptisch war, hat mich die spielerische Integration hier echt abholen können!
Spielerisch ein Schritt nach vorn
Das Leveldesign ist deutlich offener und explorationslastiger als beim Vorgänger, was mehr Freiraum zum Erkunden schafft. Linear ist es trotzdem nach wie vor, aber ich finde hier haben sie ein ganz schönes Maß gefunden, wie man ein lineares Spiel auch etwas offener an manchen Stellen gestalten kann. Überall warten Sammelobjekte, Kostüme und Nebenquests wie Rennen gegen Larry den Hummer. Das Gameplay selbst ist solide, aber nichts Weltbewegendes: Man navigiert durch relativ lineare 3D-Level, bekämpft Geister und nutzt die unterschiedlichen Fähigkeiten der Charaktere. Hier macht das Spiel auch einen soliden Job und insbesondere die Fähigkeiten machen gut Laune.
Zudem gefiel mir, dass man auch im späteren Verlauf nochmal neue Werkzeuge an die Hand bekommt, sodass das Geschehen ein wenig aufgelockert wird.
Allerdings hat Purple Lamp aus Kritik gelernt: Der Schwierigkeitsgrad liegt zwischen Battle for Bikini Bottom und The Cosmic Shake, um sowohl junge Spieler als auch Veteranen abzuholen. Die meiste Zeit ist das Game allerdings schon eher einfach. Das Spiel bietet durchaus herausfordernde Momente mit kniffligen Puzzles und temporeichen Passagen. Noch schöner hätte ich eine Unterscheidung durch Schwierigkeitsgrade empfunden, um für beide Zielgruppen eine nach angepasstere Lösung zu haben. Allerdings muss ich Purple Lamb Studios dafür loben, dass ihr Missionsdesign und der gesamt Gameplay-Loop weniger eintönig ist. Hier spielt sich der aktuelle Ableger etwas dynamischer.

Cozy-Vibes kommen hier weniger auf. Der Kampf zwischen dem fliegenden Holländer und Neptun hat Bikini Bottom in eine Geisterwelt verwandelt. | Bild: 2025 © THQ Nordic
Technischer Schiffsbruch?… vor allem auf der Switch 2
Optisch macht das Spiel eine solide Figur. Purple Lamp hat den Look und die Atmosphäre von SpongeBob gut eingefangen. Gerade in den Zwischensequenzen sieht das Spiel hervorragend aus. Der Stil rettet jedoch die nicht selten sehr einfachen Texturen und Beleuchtungen. Die bunten Unterwasserwelten erstrahlen zumindest in netter Optik und wissen es den Stil der Serie, mitsamt seines Cartoon-Charmes einzufangen. Besonders die Charaktermodelle und die Liebe zum Detail überzeugen, genauso wie die vielen Kostüme von Spongebob und Patrick. Auf der PS5 läuft das Spiel größtenteils mit 60 FPS, allerdings gibt es in einigen, wenigen Umgebungen, Einbrüche bis in die Mitte der 40er Steam.
Mehr gestört haben mich allerdings so einige Bugs. Mal steckt Spongebob in einem Objekt fest, mal hängt das Spiel in Zwischensequenzen und Schwarzblenden fest. Einmal wurde die nächste Szene gar nicht geladen und ich konnte über die ganze Map laufen. Selbst durch Lava. Giganten der Gezeiten ist stellenweise sehr unsauber und das muss unbedingt behoben werden. Schlimmer fällt das Ganze sogar noch auf der Switch 2 aus, die mit heftigen Framedrops zu kämpfen hat. Das darf nicht passieren, gerade bei einem optisch recht einfachen Spiel. Da kam es leider nicht gerade selten vor, dass die Framedrops auf der neuen Nintendo-Konsole dafür sorgten, dass einige Passagen nur sehr schlecht spielbar waren. Sehr schade, denn unser Test bezog sich vor allem auf den Handheld-Modus für Unterwegs.
Fazit zu Spongebob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten
Giganten der Gezeiten ist ein solides, charmantes Platforming-Erlebnis, das zeigt, dass Purple Lamp die Formel mittlerweile drauf hat. Es ist nicht der ganz große Wurf, den ich mir erhofft habe. Dafür wirkt es noch etwas zu Low-Budget. Der Character-Swap und die verschiedenen Fähigkeiten bringen aber frischen Wind rein und machen das Spiel durchaus abwechslungsreich. Die Präsentation überzeugt dank der originalen Sprecher, der tollen und passenden Spongebob-Musik (die sich sogar verändert, je nachdem, welche die aktive Hauptfigur ist) und des passenden Art Styles.
Wer jedoch bahnbrechende Neuerungen erwartet, wird enttäuscht. Es bleibt ein gutes SpongeBob-Spiel, aber kein mutiger nächster Schritt. Es ist eine, zumindest spielerisch, sehr konsequente Fortführung von dem, was Cosmic Shake zuletzt gemacht hat, jedoch mit einem etwas durchdachteren Level-Design. Gerne nächsten Mal etwas mehr Budget in die Hand nehmen, weil ich glaube da steckt noch mehr drin. Ach ja: Und bitte macht ein Spiel erst richtig fertig, bevor wir uns mit Bugs und Framedrops herumschlagen müssen.
Fazit zu Spongebob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten
Charmanter Nostalgie-Trip mit kurzer Halbwertszeit
Spongebob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten zeigt klar, dass der gelbe Schwamm noch lange nicht am Ende seiner Abenteuerlust steckt. Die Story reißt zwar keine Bäume aus, wird aber dank Originalsprecher und typisch schrägem Humor charmant getragen. Richtig Spaß macht vor allem der flotte Wechsel zwischen SpongeBob und Patrick, der frischen Schwung ins Gameplay bringt und die Levels spürbar dynamischer wirken lässt. Auch das offenere Leveldesign und die neuen Fähigkeiten sorgen dafür, dass es spielerisch selten langweilig wird.
Weniger schön sind die technischen Baustellen, mit der der gelbe Schwamm zum Release zu kämpfen hat. Frame-Einbrüche, Bugs und hängende Zwischensequenzen trüben das Erlebnis auf der Nintendo Switch 2. Selbst mit aktiviertem Performance-Modus, der eigentlich für eine stabilere Darstellung sorgen soll, läuft das Spiel nicht immer so geschmeidig, wie man es erwarten würde. Die Bildrate gerät immer wieder deutlich unter 30 FPS und fällt in manchen Momenten so deutlich ab, dass der Spielfluss fast komplett ausgebremst wird. Trotzdem bleibt unterm Strich ein kunterbuntes, liebevoll inszeniertes Abenteuer, das Fans der Serie abholt und spielerisch einen kleinen, aber spürbaren Schritt nach vorne macht.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Du bist Spongebob-Fan? Dann kannst du, angesichts des guten Preises, unbesorgt zuschlagen. Falsch ist hier, wer Innovationen erwartet.




