Mit der S.T.A.L.K.E.R.: Legends of the Zone Trilogy (Enhanced Edition) bringt GSC Game World drei der wohl wichtigsten Survival-Shooter der 2000er Jahre zurück auf moderne Plattformen. Enthalten sind S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chornobyl, S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky und S.T.A.L.K.E.R.: Call of Prypiat, also genau die Spiele, welche damals den Grundstein für unzählige atmosphärische Survival-Shooter gelegt haben. Lange bevor Open Worlds ihren Hype erhielten, ließ euch S.T.A.L.K.E.R. bereits durch eine lebensfeindliche Zone streifen, in der jede Kugel, jedes Medikit und jede falsche Entscheidung über Leben und Tod entscheiden konnte. Dieses Gefühl funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Die Zone ist weiterhin ein faszinierender, trostloser und gleichzeitig unglaublich spannender Ort. Doch trotz neuer Beleuchtung, höherer Auflösung und flüssigerer Framerates merkt man der Trilogy die 20 Jahre doch an. Wir haben uns die drei Spiele nochmal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, ob sie die Reise erneut lohnt.
Eine atmosphärische Spielwelt
Auch knapp zwei Jahrzehnte später schafft es die Zone noch immer, eine ganz eigene Stimmung aufzubauen. Verlassene Dörfer, rostige Industrieanlagen, radioaktiv verseuchte Sümpfe und ständig knisternde Geigerzähler sorgen dafür, dass man sich permanent unwohl fühlt. Genau darin liegt bis heute die größte Stärke der Reihe. Die Welt wirkt dreckig und feindselig. Hinter jeder Ecke könnte ein Bandit lauern oder irgendwo in der Ferne heulen Mutanten durch die Nacht. Doch plötzlich schlägt euer Detektor Alarm, weil direkt vor euch eine tödliche Anomalie wartet… Vor allem S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chornobyl lebt extrem von dieser Atmosphäre.
Der erste Teil ist zwar spielerisch inzwischen etwas angestaubt, schafft es aber auch heute noch, einen sofort in seine Welt zu ziehen. S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky erweitert das Ganze um größere Fraktionskonflikte, während S.T.A.L.K.E.R.: Call of Prypiat auch heute noch am rundesten wirkt. Gerade Call of Prypiat zeigt eindrucksvoll, wie stark das damals unverbrauchte Setting eigentlich sein kann. Vor allem dann, wenn Story, Erkundung und Survival ineinandergreifen. Dazu kommt das legendäre A-Life-System, welches die Spielwelt erstaunlich lebendig wirken lässt. NPCs ziehen eigenständig durch die Zone, Fraktionen bekämpfen sich gegenseitig und immer wieder entstehen Situationen, die komplett random wirken. Genau dadurch erzählt S.T.A.L.K.E.R. seine besten Geschichten oft ganz von allein und ohne große Interaktionen.
Survival statt Actionfeuerwerk
Wer moderne Shooter gewohnt ist, wird sich in S.T.A.L.K.E.R. erstmal ordentlich umgewöhnen müssen. Denn das Spiel interessiert sich nämlich herzlich wenig dafür, euch wie einen unaufhaltsamen Actionhelden wirken zu lassen. Bereits wenige Treffer reichen aus, um euch auszuschalten und selbst einfache Banditen können schnell zum Problem werden, wenn ihr unvorsichtig spielt. Dazu kommt das permanente Ressourcenmanagement. Munition ist knapp, Waffen verschleißen ständig und euer Inventar ist gefühlt immer zu voll. Immer wieder steht ihr vor der Frage, ob ihr lieber noch ein Medikit, zusätzliche Munition oder doch lieber wertvolle Artefakte mitnehmen solltet. Genau dadurch entsteht ein intensives Survival-Gefühl, was sich durch bisher alle Teile zieht.
Auch die Anomalien sorgen für richtig starke Momente. Immer wieder tastet ihr euch langsam durch gefährliche Gebiete, werft Schrauben durch die Luft oder beobachtet euren Detektor ganz genau, damit ihr nicht plötzlich von einer unsichtbaren Falle zerfetzt werdet. Besonders nachts entwickelt die Trilogy dabei teilweise fast schon Horror-Vibes. Allerdings merkt man dem Gameplay sein Alter inzwischen ebenfalls deutlich an. Das Gunplay fühlt sich sperrig an, das Trefferfeedback wirkt altbacken und gerade die Steuerung braucht eine ordentliche Eingewöhnungszeit. Dazu kommen Missionen, die teilweise noch sehr stark nach typischen 2000er-Jahre-Design wirken. Viele Aufgaben bestehen aus simplen Botengängen oder daraus, bestimmte Gegnergruppen auszuschalten.
Auch wenn alle drei Spiele ihre Stärken besitzen, kristallisiert sich während des Spielens relativ schnell ein klarer Favorit heraus. S.T.A.L.K.E.R.: Call of Prypiat wirkt auch heute noch mit Abstand am rundesten. Die Nebenquests sind deutlich stärker geschrieben, das Pacing funktioniert angenehmer und viele Komfortfunktionen fühlen sich wesentlich moderner an als noch in den Vorgängern. Das bedeutet aber nicht, dass die anderen Teile schlecht wären. Gerade Shadow of Chornobyl besitzt bis heute eine unangenehme Atmosphäre, die moderne Shooter oft gar nicht mehr erzeugen. Clear Sky wiederum liefert spannende Fraktionskämpfe und einige richtig gute Ideen, kämpft aber am meisten mit technischen Problemen und spielerischen Macken – damals wie heute.
Die Enhanced Edition bleibt näher am Original als gedacht
Die große Frage rund um diese Neuauflage ist natürlich, wie umfangreich sind die Verbesserungen tatsächlich und lohnt sich ein erneuter Kauf. Genau hier dürfte die Meinung vieler Spieler ziemlich auseinandergehen. Denn ja, die Trilogy sieht besser aus als früher. Gleichzeitig darf man hier aber auf keinen Fall ein modernes Remake erwarten. Die höhere Auflösung, bessere Beleuchtung und stabileren Framerates sorgen definitiv dafür, dass die Spiele angenehmer spielbar sind. Gerade bei Regen, Nebel und düsteren Lichtstimmungen profitiert man enorm von den neuen Effekten. Vor allem nachts sehen manche Gebiete richtig stark aus und erzeugen eine noch dichtere Atmosphäre als die originalen Spiele.
Auch technisch läuft die Trilogy auf aktuellen Konsolen angenehm flüssig. Je nach Modus sind sogar bis zu 120 FPS möglich. Neue Reflexionen, dichtere Vegetation und überarbeitete Texturen sorgen zusätzlich dafür, dass die Welt etwas moderner wirkt. Besonders die Sümpfe aus Clear Sky profitieren sichtbar davon. Trotzdem sieht man den Spielen ihr Alter permanent an. Viele Animationen wirken steif, einige Charaktermodelle sind sichtbar gealtert und auch manche Umgebungen wirken heute ziemlich leer. Gerade Shadow of Chornobyl zeigt dabei besonders deutlich, dass hier beinahe 20 Jahre alte Spiele unter der Haube stecken. Dazu kommen Bugs, welche bis heute nicht wirklich behoben wurden.
Gegner bleiben gelegentlich hängen, manche Kämpfe laufen etwas merkwürdig ab und kleinere technische Probleme tauchen immer wieder auf. Komplett sauber läuft die Trilogy also auch als Enhanced Edition nicht. Ebenfalls schade ist die teilweise unnötig umständliche Benutzeroberfläche. Gerade auf Konsole wirken Inventar, Menüs und Kartenführung oft sperriger als nötig. Dazu kommen kleine Schriftgrößen, die je nach Bildschirm schnell anstrengend werden können.
Fazit zu S.T.A.L.K.E.R.: Legends of the Zone Trilogy (Enhanced Edition)
Sperrig, altbacken und trotzdem unglaublich athmosphärisch
S.T.A.L.K.E.R.: Legends of the Zone Trilogy Enhanced Edition ist definitiv keine riesige High-End-Neuauflage geworden. Wer hier auf ein komplett modernisiertes Remake gehofft hat, dürfte relativ schnell enttäuscht werden. Dafür sind viele Systeme inzwischen einfach zu altmodisch, manche technischen Probleme weiterhin präsent und einige Verbesserungen schlicht zu klein ausgefallen. Aber trotzdem funktioniert die Trilogy auch heute noch erstaunlich gut.
Die Atmosphäre der Zone ist weiterhin absolut einzigartig und genau dieses Gefühl aus permanenter Unsicherheit erzeugen bis heute nur sehr wenige Spiele so konsequent wie S.T.A.L.K.E.R. Dazu kommen das starke Survival-Gameplay, die dynamische Spielwelt und die faszinierende Mischung aus Shooter, Horror und Rollenspiel. Vor allem für Neulinge ist die Enhanced Edition deshalb ein richtig guter Einstiegspunkt. Veteranen mit gemoddeten PC-Versionen werden dagegen vermutlich weniger beeindruckt sein.
Wer sich aber auf eine sperrige, manchmal altbackende, aber unglaublich atmosphärische Reise einlassen kann, bekommt hier drei echte Kultklassiker serviert, die auch knapp 20 Jahre später noch eine ganz besondere Faszination ausstrahlen.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Wer intensive Survival-Shooter mit dichter Atmosphäre liebt und über technische Macken hinwegsehen kann, sollte sich die Reise in die Zone definitiv nicht entgehen lassen.



