Mit Nicktoons & The Dice of Destiny bringt GameMill Entertainment zusammen mit Fair Play Labs und Petit Fabrik ein ungewöhnliches Crossover auf die Bildschirme. SpongeBob, Danny Phantom, Timmy Turner, Katara und Co. werden in ein actionreiches Rollenspiel geworfen, das irgendwo zwischen „Diablo light“ und „Samstagmorgen-Cartoon“ pendelt. Doch kann der Titel mehr als nur Kindheitserinnerungen wecken oder würfelt er am Ende eine glatte Eins? Wir haben uns in das Abenteuer gestürzt und verraten es euch nun in unserem Test zum Spiel.
Die Geschichte rund um Timmy und seine Freunde
Die Geschichte beginnt, wie sie nur in einer Nickelodeon-Welt beginnen kann. Timmy Turner wünscht sich ein spannenderes Pen-and-Paper-Spiel und wird prompt samt seiner Feen Cosmo und Wanda in eine Fantasy-Welt katapultiert. Hier trifft er auf bekannte Gesichter aus dem gesamten Nickelodeon-Universum. SpongeBob, Leonardo, Katara, Danny Phantom und viele mehr müssen gemeinsam den „Würfel des Schicksals“ finden, um wieder in ihre Realität zurückzukehren.
Was zunächst wie eine charmante Crossover-Idee klingt, bleibt erzählerisch leider sehr oberflächlich. Die Story ist kindgerecht, aber ohne große Wendungen oder emotionale Tiefe. Fans der Serien dürfen sich zwar über unzählige Anspielungen und humorvolle Dialoge freuen, doch inhaltlich dient die Handlung vor allem als bunte Klammer zwischen den Dungeons. Wer sich tiefgehende Dialoge oder Charakterentwicklung erhofft, wird hier nicht fündig. Auch sind kaum Überraschungen oder tolle Wendungen in der Geschichte enthalten, was die Story von Nicktoons & The Dice of Destiny eher zu den Schwächen des Titels macht.
Diablo für Einsteiger
Spielerisch orientiert sich Nicktoons & The Dice of Destiny klar an klassischen Action-RPGs wie Diablo, bleibt dabei jedoch deutlich zugänglicher. In den verschiedenen Dungeons schnetzelt ihr euch durch Horden bekannter Nickelodeon-Schurken. Sei es Plankton oder Azula. Dabei sammelt ihr Loot, Erfahrungspunkte und Ausrüstung. Jede Figur besitzt eigene Fähigkeiten und Rollen, die sich angenehm voneinander unterscheiden. SpongeBob tankt als Ritter, Katara heilt mit Wasserbändiger-Kräften, Leonardo wirbelt agil durch Gegnergruppen und Timmy Turner feuert Magiegeschosse aus der Distanz. Später kommen weitere Helden wie Jimmy Neutron oder Susie Carmichael hinzu, eine bunte Mischung ist also vorhanden. Alle Charaktere kommen mit individuellen Skills, die in Talentbäumen freischaltbar sind, daher und bieten somit eine gelungene Abwechslung aus dem Nicktoon-Universum.
Das Fortschrittssystem bleibt bewusst simpel. Jeder Charakter besitzt sechs freischaltbare Skills, die mit Splittern und Münzen verbessert werden können. Neue Ausrüstung verändert eure Werte Stärke, Magie, Beweglichkeit oder Intelligenz und lässt euch zwischen Waffentypen wie Schwertern, Stäben oder Handschuhen wechseln. Zwar verändern sich Ausrüstungsteile optisch nicht sichtbar, doch die Boni machen sich im Kampf deutlich bemerkbar. Das Spiel belohnt zudem stark die Erkundung. In den Levels verstecken sich Truhen, Kampfschreine und Bonusquests, die zufällige Herausforderungen bieten. Bei den Schreinen entscheidet sogar ein D20-Würfelwurf, wie gut eure Belohnung ausfällt – eine charmante Hommage an das Tabletop-Thema.
Die Dungeons sind das eigentliche Highlight des Spiels. Jeder Bereich lehnt sich an bekannte Orte aus dem Nickelodeon-Kosmos an, wie etwa die Quallenfelder von Bikini Bottom, die Abwasserkanäle der Ninja Turtles oder die Tempel von Ba Sing Se. Die Entwickler haben spürbar Liebe ins Detail gesteckt. Überall befinden sich kleine Gags, versteckte Charaktere und visuelle Anspielungen, die Fans ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Missionen selbst sind dabei linear strukturiert. Erst die Gegner besiegen, dann die Minibosse erledigen, einen Schalter betätigen, und das Portal öffnen. Klingt simpel, ist es auch. Der geringe Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass man selten ins Schwitzen gerät, selbst auf höheren Stufen. Trotzdem motivieren optionale Quests und Belohnungen dazu, jeden Winkel abzusuchen. Für Kinder also ein sehr ausgewogenes Spielprinzip, welches nicht zu kompliziert daherkommt.
Koop-Spaß auf der Couch
Richtig Spaß macht das Ganze aber im lokalen Koop-Modus. Bis zu vier Spieler können sich gleichzeitig ins Getümmel stürzen. Genau hier entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Wenn SpongeBob vorne tankt, Katara heilt, Leonardo wild durch Gegner wirbelt und Timmy versehentlich seinen Zauber auf die Wand setzt, entsteht pures Nickelodeon-Chaos, das perfekt zur Vorlage passt. Ein Online-Koop fehlt leider komplett, was schade ist.
So charmant das System ist, so schnell nutzt es sich dann aber auch ab. Nach einigen Stunden hat man alle Angriffe gesehen, die Loot-Spirale stagniert und neue Fähigkeiten schalten sich dann nur noch selten frei. Die Gegner-KI bleibt harmlos, Bosskämpfe sind zwar unterhaltsam inszeniert, aber selten fordernd. Auch ein echter Endgame-Modus oder Wiederspielwert fehlen. Nach rund sechs Stunden ist dann auch schon Schluss. Da helfen dann auch nicht mehr die selbst optionalen Bosse oder höheren Schwierigkeitsgrade, welche optional zwar vorhanden sind, aber kaum Wiederspielwert und Herausforderungen bieten.
Schwierigkeit und Zugänglichkeit: Anspruchsvoll, aber zugänglicher als zuvor
Optisch setzt Nicktoons & The Dice of Destiny auf einen Cartoon-Stil, der wunderbar zu den Serienvorlagen passt. Die Charaktermodelle sind liebevoll animiert, viele Effekte und Zauber sehen dynamisch aus. Auf der Nintendo Switch leidet die Grafik unter niedriger Auflösung und verwaschenen Sprites, insbesondere im Handheldmodus. Die Dungeons selbst bieten viel Abwechslung und Wiedererkennungswert. Fans werden sich an jeder Ecke über Easter Eggs freuen. Leider wirkt der Detailgrad in manchen Gebieten schwankend und Texturen sind teils veraltet.
Klanglich überzeugt der Titel mit einem passenden Fantasy-Soundtrack und vielen Originalsprechern in der englischen Version. Eine deutsche Sprachausgabe fehlt, was vor allem für jüngere Spieler schade ist. Die Dialoge bleiben dennoch unterhaltsam und transportieren den typischen Nickelodeon-Humor – auch wenn manche Sprachsamples etwas künstlich klingen. Die Steuerung geht grundsätzlich flüssig von der Hand. Doch gelegentlich reagieren Angriffe oder Ausweichmanöver leicht verzögert, was vor allem in Bosskämpfen auffällt. Die Bildrate bleibt weitgehend stabil bei 30 FPS (Switch). Abstürze oder schwerwiegende Fehler traten im Test nicht auf. Insgesamt läuft das Spiel gut, wenn auch technisch unauffällig.
Fazit zu Nicktoons & The Dice of Destiny
Charmanter Nostalgie-Trip mit kurzer Halbwertszeit
Nicktoons & The Dice of Destiny ist wahrlich kein schlechtes Spiel, aber eben auch kein großes. Es ist ein charmantes, leichtgängiges Action-RPG, das vor allem durch seinen Nostalgiefaktor und die liebevolle Umsetzung der Nickelodeon-Welten punktet. Die Charaktere sind authentisch getroffen, der Humor sitzt oft, und im Couch-Koop macht das Spiel richtig Laune. Doch nach dem Abspann bleibt ein schaler Nachgeschmack. Zu kurz, zu seicht, zu wenig Wiederspielwert. Technisch solide, aber optisch unspektakulär und erzählerisch flach.
Wer als Erwachsener aufgewachsen ist mit SpongeBob und Co., wird einige Stunden grinsen und dann das Spiel beiseitelegen. Für jüngere Spieler oder Familienrunden ist der Titel dagegen ein gelungenes Einstiegserlebnis ins Action-RPG-Genre. Nicktoons & The Dice of Destiny ist ein sympathischer, bunter Nostalgie-Trip mit Diablo-Light-Mechaniken und viel Nickelodeon-Charme. Für Fans der Serien oder Familien, die gemeinsam auf der Couch spielen möchten, ist es ein kurzweiliges Vergnügen voller Humor und Herz. Wer jedoch auf komplexes Gameplay, grafische Highlights oder epische Tiefe hofft, würfelt hier nur eine mittelmäßige Zahl.
Positiv:
Negativ:
Online Multiplayer
Couch-Koop / Splitscreen
Mikrotransaktionen
Lootboxen
Onlinezwang
Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs
Ab in die Sammlung?
Für Nickelodeon-Fans und junge Abenteurer ein spaßiges, wenn auch kurzes Erlebnis – für Hardcore-Action-RPG-Spieler eher ein netter Snack zwischendurch.




