Ein weiteres Mal konnte ich mir auf der gamescom 2025 hinter verschlossenen Türen das Gothic Remake ansehen. Ich war gespannt, wie weit das Team in den letzten 12 Monaten gekommen ist und welche Bereiche des Spiels ich noch sehen würde. Und trotz vieler toller Eindrücke gibt es noch ein, zwei Sorgenfalten!
Schöner = Besser?
Die Unreal Engine 5 zaubert aus dem altbekannten Minental eine visuell schöne Kulisse, die aber trotzdem nicht den Flair des Originals einfängt. Denn der Art Style ist, trotz oder vielleicht auch wegen des Realismus, leider abhanden gekommen. Nach wie vor. Licht und Farben sind etwas kräftiger und der Einsatz von Kontrasten sorgt für mehr optische Tiefe – das hat durchaus seinen Reiz, gerade die ikonischen Orte wie das Alte Lager, Xardas’ Turm oder die Orkstadt wirken schön, aber nie so richtig stimmig. Gleichzeitig ist klar, dass die Entwickler nicht vor Experimenten zurückschrecken: Die Biome im Minental wurden aufgeteilt und bieten jetzt mehr Vielfalt; Schneegebiete und Steppenlandschaften verknüpfen vertrautes Gelände mit spannenden neuen Akzenten.
Das Kampfsystem ist sehr anders
Im Zentrum stand die „Playground Demo“ – und als jemand, der das kampflastige Original in- und auswendig kennt, war die Neuauflage vor allem eine gründliche Frischzellenkur fürs Gameplay. Die Bewegungen wirken noch etwas behäbig, das Treffer-Feedback ist zwar verbessert, aber gerade in geskillter Variante hätte ich mir etwas mehr Tempo und Dynamik gewünscht. Denn hier unterscheidet sich das Gameplay sehr deutlich vom Original. Auch die Monsterdesigns sind Geschmackssache: Einige Kreaturen (z.B. Schattenläufer, Orks) haben einen etwas groteskeren Fantasy-Look bekommen, statt der bodenständigen Ästhetik früherer Gothic-Teile. Aber dennoch: Blocken von Monsterangriffen und die frischen Angriffsanimationen sorgen für neue taktische Möglichkeiten und Abwechslung im Kampf. Ob das neue Erlebnis aber auf Dauer auch auf eine neue, bzw. andere Art überzeugen, daran habe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch so meine Zweifel.
Viel Zauberei
Natürlich wurden auch die Magierskills und Verwandlungszauber vorgestellt. Die Effekte sind schick, die Animationen für die Verwandlung in Tiere (Scavenger, Wolf) aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird der Held zunächst zum Teerklumpen und platzt dann zur Zielkreatur – ein grotesker, fast horrorartiger Touch, aber irgendwie hat es was! Beim Zaubern hätte ich mir zudem etwas mehr Tempo und Feingefühl bei den Feuerball-Animationen gefreut, die aktuell noch etwas schwerfällig wirken, aber das zieht sich ein bisschen durch das neue Kampfsystem. Trotzdem: Die Vielzahl der Runen und Magievarianten zeigt, wie viel sich die Entwickler vorgenommen haben, um das Rollenspiel auf moderne Füße zu stellen. Zudem wirken die integrierten Magie-Fähigkeiten auch durchdacht und nicht wie wahrlos in einen Topf geworfen. Zum Schluss durfte ich noch das Neue Lager sehen und es wurde im God-Mode ein bisschen mehr von der Welt gezeigt.
Ein bedachtes Remake
Progression und Details: Zwischen Nostalgie und Moderne
Nachher zeigten mit dir Entwickler hinter verschlossenen Türen aber noch das neue Lager und weitere Gebiete des Gothic Remake. Man sah deutlich, dass man versucht die Wurzeln und die Essenz des Originals beizubehalten, aber auch mehr Moderne einzubringen. Das zeigt sich auch in anderen Aspekten. So hat man beispielsweise auch Entwickler von damals an Board, die nicht nur beratend zur Seite stehen, sondern auch neue Inhalte mitentwickeln.
Mein Eindruck nach mehreren Anspiel-Möglichkeiten in den letzten Jahren: Das Gothic Remake entwickelt sich zur echten Liebeserklärung an die Community, ohne dabei zum reinen Nostalgie-Projekt zu verkommen. Die Welt ist so detailreich und spannend aufbereitet – und doch spürt man an jeder Ecke, dass die Entwickler Gothic nicht einfach eins zu eins nachbauen, sondern mit modernen Mitteln weiterdenken wollen. Ob wirklich jede Designentscheidung (Biome, Monsterlook, Farben) den Geschmack der Alt-Fans trifft, wird sich erst beim Release zeigen, denn ich habe hier und da meine Zweifel. Gerade der Art Style des Originals fehlt mir hier komplett. Am wichtigsten bleibt aber: Die Seele des Originals ist klar spürbar, und das macht mich trotz kleinerer Schwächen optimistisch – hier wird nicht nur ein Klassiker modernisiert, sondern auch der Mut zum Experiment gewagt. Damit das allerdings glückt, sollte noch unbedingt am Kampfsystem gewerkelt werden. Denn das läuft aktuell wirklich noch nicht allzu rund.





