Auf der gamescom 2025 hatte ich die Möglichkeit mir das wunderschöne Indie Game Deer & Boy anzusehen und es sogar schon zu spielen. Auch wenn ich mir spielerisch schon dachte in welche Richtung das Ganze geht, war sehr gespannt darauf, welchen Vibe das Spiel vermittelt. Und hier wurde ich komplett abgeholt! Deer & Boy wird glaube ich eine wunderbare Wholesome-Experience.
Ein Junge, ein Reh, ein Abenteuer
Schon der Trailer hatte mit seiner ruhigen Stimmung viele Besucher zum Innehalten gebracht, und die Demo bestätigte diesen Eindruck sofort. Statt Action und Spektakel bekam ich ein stilles Abenteuer, das mich durch seine Bildsprache und Atmosphäre viel stärker fesselte, als ich es erwartet hätte. Deer & Boy ist kein Spiel, in welchem ihr wirklich mit Action rechnen dürft – es möchte eine Beziehung erzählen, und genau das macht es auf Anhieb richtig gut.
In der Demo lernte ich den namenlosen Jungen kennen, der auf ein verängstigtes Rehkitz stößt. Schon nach wenigen Minuten merkt man, dass die Verbindung zwischen beiden die eigentliche Hauptrolle spielt. Ich habe das zunächst verletzte Tier aufgenommen und getragen – schnell war es aber auch ein fester Teil des Gameplays. Mal half es mir, Hindernisse zu überwinden, mal musste ich es beschützen, und immer wieder änderte sich die Dynamik zwischen beiden Figuren. Besonders schön fand ich, dass das Rehkitz im Laufe der Demo langsam wuchs und stärker wurde, was sich direkt in neuen Fähigkeiten und Interaktionsmöglichkeiten widerspiegelte. Diese Entwicklung macht neugierig, wie sich die Reise über das ganze Spiel hinweg entfalten wird. Dementsprechend scheint es drei Phasen zu geben, in denen sich das Gameplay grundlegend verändert. Denn am Anfang muss ich noch sehr auf das junge Reh aufpassen und mit den folgenden Phasen wurde es größer und selbständiger.
Das kann man nur schön finden
Spielerisch bewegt sich Deer & Boy irgendwo zwischen Puzzle-Plattformer und Abenteuer. Ich sprang über Abgründe, zog Kisten, öffnete versteckte Wege und kombinierte Aktionen von Junge und Reh, um weiterzukommen. Die Steuerung war simpel, aber präzise – genau das, was ein Spiel wie dieses braucht. Rätsel lösten sich oft durch Zusammenarbeit. Es erinnerte mich ein wenig an Klassiker wie ICO, wo die Interaktion mit einem Begleiter genauso wichtig ist wie die Umgebung selbst. Gleichzeitig bleibt es immer leicht zugänglich, sodass man nicht lange an einem Hindernis festhängt, sondern kontinuierlich im Flow bleibt.
Ebenfalls wunderschön ist die Art wie es sich erzählt. Deer & Boy kommt fast ohne Dialoge aus. Alles wird über die Musik, die Animationen und die Inszenierung vermittelt. Wenn das Reh verängstigt zu mir blickte oder sich vorsichtig an unbekannte Kreaturen herantastete, hatte ich sofort das Gefühl, eine echte Bindung aufzubauen. Die Umgebung unterstreicht diese Stimmung perfekt: helle, fast idyllische Felder wechseln sich mit düsteren, violett gefärbten Landschaften ab, in denen Schattenwesen lauern. Das Ganze wirkt nie kitschig, sondern bleibt stets melancholisch und geheimnisvoll.
Stimmt auch der Rest?
Es bleiben am Ende aber Fragen offen: Wird die Spielmechanik auf Dauer abwechslungsreich genug sein? Hält die emotionale Kurve auch über mehrere Stunden hinweg, oder nutzt sich das Konzept irgendwann ab? Und wie gut läuft das Ganze am Ende auf der Switch, die ja neben PC, PS5 und Xbox ebenfalls versorgt werden soll?
Nach meiner Session bin ich überzeugt, dass Deer & Boy ein Spiel ist, das man sich merken sollte. Ich will wissen, wie die Reise der beiden weitergeht, welche Herausforderungen sie gemeinsam meistern müssen und welche Geheimnisse die Welt noch bereithält. Für mich war es eines der emotionalsten Spiele der Messe, und ich freue mich darauf, wenn es 2026 erscheint.




