NFT’s – Stehen Games wie wir sie kennen vor dem Aus?

NFT’s; über diesen Begriff seid ihr wahrscheinlich in den vergangenen Monaten öfter mal gestolpert. Er ist oft mit Skandalen und hitzigen Debatten verbunden. Aber woran liegt das? Was sind NFT’s überhaupt und warum haben sie das Potenzial die gesamte Industrie zu verändern?

NF Was?

Schauen wir uns erst einmal an, was NFT’s überhaupt sind. NFT steht für Non fungible Token. Fungible bedeutet „austauschbar“, womit sich ein NFT also übersetzt „nicht austauschbares, bzw. ersetzbares Token“ nennt. Aber Moment mal! Was ist ein Token denn jetzt schon wieder? Ein Token ist am Ehesten vergleichbar mit einer Wertmarke, wie man sie noch von Festivals oder anderen Events von früher kennt (die Zeit vor Corona). Eine Wertmarke hat aber nie einen einheitlichen Wert, sie kann also für 1€, aber auch für 3€ erworben werden, je nachdem welchen Wert die Organisation festlegt. Diese Marke wurde auch nur von der jeweiligen Organisation akzeptiert.

So kann man sich auch ein Token vorstellen, nur eben digital und von einer Blockchain unterstützt. Kryptowährungen sind beispielsweise unabhängig und basieren auf einer eigenen Blockchain bzw. Plattform. Ein Token dagegen ist eine Kryptowährung, die auf einer bereits bestehenden Blockchain basiert. Bitcoin ist beispielsweise eine unabhängige Kryptowährung. Ether ist dagegen ein Token, welches auf der Blockchain Ethereum aufbaut. Von denen habt ihr sicherlich schon einmal gehört. Zwar können solche Token auch als Zahlungsmittel verwendet werden, neu ist aber auch die Verwendung der Token als eine Art Kennzeichnung von Eigentum an digitalen Vermögenswerten. Das sind nämlich die besagten NFT’s.

NFT

Es gibt zunehmend reine NFT-Spiele.

 

Das bedeutet?

Ein NFT bietet quasi eine Art Fälschungsschutz. Natürlich kann man Dinge fälschen. Ob gefälschte Yu-gi-oh-Karten, gefälschte Fußball-Trikots oder gefälschtes Bargeld. Im besten Fall sieht es exakt gleich aus. Anders bei einem NFT. Ein damit verbundenes Objekt lässt sich immer eindeutig zuordnen, weil es auf einem Datenstück basiert, welches nur ein einziges Mal weltweit vorhanden ist. Daraus bildet sich auch ein großer Unterschied etwa zum Bitcoin. Bitcoin gibt es viele und der Preis für einen Coin ist einheitlich geregelt. Er kostet Frau Müller genauso viel wie Herrn Abdul. Ein NFT ist aber nicht austauschbar, es ist einzigartig. Damit hat es auch keinen einheitlichen Wert. Der Wert richtet sich nach der Nachfrage. Es gibt Menschen, die für das erste Autogramm von Michael Jackson vielleicht 10€ bezahlen würden. Es gibt auch Menschen, die dafür 6-stellige Summen bereit wären zu offerieren. NFT’s haben also einen Wert, der sich nach der Nachfrage und nach einem subjektiven Befinden richtet.

Wer im Besitz eines NFT’s ist, entscheidet somit auch ein Stück weit selbst, wie viel Wert es sein soll, da dieser Mensch allein im Besitz dieses NFT’s ist. Man ist also Eigentümer*in an einem Unikat. Damit kommen wir auch zu einem Vorteil des Ganzen. Raubkopien in der Musikindustrie waren insbesondere vor dem großen Spotify-Siegeszug ein ganz heißes Thema. Man konnte Dateien nach Belieben vervielfältigen und welches die Original-Datei ist, ließ sich im schlimmsten Fall auch nicht identifizieren, da Info-Dateien einer MP3 auch veränderbar sind. Ein digitaler Song kann mithilfe von NFT’s also immer auf den Eigentümer zurückgeführt werden. Denn diese Person besitzt, wie wir gelernt haben, ein Datenstück, welches nur ein Mal existiert. Sofern der Künstler also dies nicht verkauft, bleibt er/sie eindeutig identifizierbare/r Eigentümer*in.

Blockchain

NFT basiert auf einer sogenannten Blockchain, ähnlich wie zum Beispiel auch Bitcoin.

 

Was hat das jetzt mit Gaming zu tun?

Ich hoffe das war verständlich, denn jetzt kommt der Bezug zum Gaming. Einige Publisher sind nämlich auch auf NFT’s aufmerksam geworden und halten dies für eine spannende Sache für die Zukunft. Namentlich ist hier Ubisoft bereits weit vorne, die mit „Quartz“ ihre eigene Plattform veröffentlicht haben. Wer verstanden hat, was NFT’s sind, weiß wahrscheinlich spätestens jetzt, was das bedeuten kann. Das letzte Jahrzehnt war geprägt von Diskussionen rund um Mikrotransaktionen. Meist sind dies kosmetische Inhalte in einem Spiel, die man für ein kleines Entgelt dazu kaufen kann. Am Ehesten lässt sich ein NFT damit vergleichen. Nur wir erinnern und, ein NFT gibt es nur ein einziges Mal. Sprich, nicht alle Spieler*innen können sich theoretisch diese eine Rüstung kaufen, sondern eine einzige Person. Und wie es so mit Unikaten ist, meist sind es die mit dem vollsten Geldbeutel. Aber nicht nur das, auch können NFT’s erspielt werden. Klingt gut oder? Nicht ganz. Ubisoft hat in Ghost Recon Breakpoint etwa einen NFT-Helm integriert, den man nach 600 Spielstunden erhält. In dem Fall gewinnt diesen nicht, wer zuerst bei 600 Stunden ist, sondern alle Spieler*innen mit einer Spielzeit bekommen einen Helm. Moment, aber die gibt es doch nur ein Mal?

Jein. Den Helm gibt es oft, aber Ubisoft versieht jeden Helm mit einer Nummer. Und eine Nummer kommt auch nur ein Mal vor. Aber wie viel Sinn macht es einen Helm erspielen zu wollen, der dann doch irgendwie nicht so besonders ist? Anders herum, wäre dieser besonders, würde dies die Gefahr beherbergen, dass das Spiel von Bots geflutet wird, die den Gegenstand erspielen wollen. Es wäre das Gegenstück zum Bitcoin Mining. Die einen betreiben Mining, und die Gamer*innen betreiben dann einfach Bots. Denn das Potenzial für ein lohnenswertes Geschäft ist ja da. Auch wenn sich viele Menschen über Mikrotransaktionen aufregen, sie sind ein Erfolgsmodell. Rockstar Games scheffeln mit GTA Online Millionen und auch FIFA Ultimate Team bringt EA mehr Geld ein, als mit den Verkäufen des eigentlichen Spiels. Es finden sich also immer Menschen, die bereit sind viel Geld in Gegenstände in Spielen zu investieren. Immer! So wird es auch bei NFT’s sein.

Quartz

Ubisoft ist einer der großen Vorreitern unter den Publishern.

 

Der große Profit

Was erhoffen sich also Publisher davon. Zum einen können Sie am Kauf eines NFT’s durch Spieler*innen dazu verdienen, zum anderen können Sie damit Ihre Plattform aktiv halten, indem mehrere Menschen einem oder mehreren NFT’s „hinterher jagen“. In Decentraland könnt ihr etwa Land erwerben, bebauen und verkaufen. Da es ein reiches NFT-Spiel ist, ist dieses Stück Land dann ebenfalls ein NFT. Euch gehört also dieses virtuelle Stück Land. Wie ein Grundstück in der realen Welt. Es könnte ein Blick in die Zukunft sein, wie Strategiespiele der Zukunft aussehen könnten. Selbiges gilt auch für andere Spiele. Es gibt NFT-Kartenspiele, es gibt eine Art Pokemon-Klon und es gibt bereits ein Fußball-NFT Game, in welchem ihr, ihr ahnt es, Karten von Spielern erwerben könnt. Gegenstände, wie eine super seltene Messi-Karte, ein unglaublich fruchtbares Stück Land oder sei es eine Spielfigur im kommenden Final Fantasy, die nur der Eigentümer oder die Eigentümerin spielen kann.

Das kann eine Zukunft sein. Es liegt aber in der Hand der Spielerschaft, ob dies auch Realität wird. Stalker 2 ist ein bestes Beispiel für die Macht, die wir Spieler*innen auch in den Händen halten. Das Entwicklerstudio plante nämlich ebenfalls eine NFT-Integration, verbunden sogar mit einer Auktion darüber, wer sich selbst als NPC über die NFT-Plattform in das Spiel integrieren lassen darf, inklusive der Integration eines Metaverse. Hochgetriebene Auktionen, NFT’s und Metaverse? Da stellten sich die Fans quer und kritisierten die Pläne heftigst. Das führte dazu, dass das Entwicklerteam bereits nach kurzer Zeit die Pläne über den Haufen warf. Dass Ubisoft oder EA sich so schnell beeinflussen lassen, ist aber unwahrscheinlich. Hier ist das Gespür für die Community deutlich schlechter ausgeprägt und es zählen die nackten Fakten: Zahlen. Wenn deren NFT-Plattformen floppen, keine Investoren anziehen und auch keine Spielerinnen und Spieler, die das Ganze tragen, dann erst würde man davon weg gehen.

Square Enix

Yosuke Matsuda glaubt an den “guten Willen” der vielen Investoren. Wir glauben für ihn mit.

 

“Ihr versteht das nicht!”

An Absurdität legte dann noch Square Enix Präsident Yosuke Matsuda nach. Laut ihm würden ja solche Leute investieren, die uneigennützig wären und deren Wille etwas Gutes zu tun ihr Antrieb wäre. Natürlich. Wofür Brunnen in Afrika bauen, wenn man sein Vermögen in Krypto-Plattformen in Videospielen vermehren kann. Aus wohltätigen Zwecken versteht sich. Matsuda geht aber weiter. Solche Investitionen würden Spiele noch spannender machen. In welcher Form das passieren soll, erklärt er nicht. Er scheint allerdings etwas Essentielles zu verwechseln. Videospiele sind Kunst und kreative Ergebnisse von Entwicklerteams. Sind dienen dazu, dass wir Spieler*innen in virtuelle Welten eintauchen können und auch um in diesen Welten einfach Spaß zu haben. Dieser Unterhaltungsgedanke ist aber nicht der, der hinter NFT-getriebenen Spielen steckt. Sie sind in erster Linie dazu da, um Ihren Wert und somit auch den Wert der Investitionen zu steigern.

Auch der damit häufig verbundene Gedanke des „Play to earn“ ist eigentlich konträr zu den ursprünglichen Anforderung an Videospiele. Play to earn bedeutet, dass Spieler*innen spielen, damit diese NFT’s erhalten und/ oder diese an Wert gewinnen. Da steckt zwar ein gewisser Wettbewerb hinter, aber während viele E-Sportler*innen mit dem Gedanken antreten, die besten in einem Spiel sein zu wollen, treten Spieler*innen in NFT-Games an, um die beste Wertsteigerung zu erzielen. Konami hat auch kürzlich sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Diese versteigerten nämlich einige Castlevania Inhalte, die auf NFT’s basieren. Dies umfasste etwa Artworks, als auch etwa einen 3-minütigen Trailer mit Spielszenen aus den erschienenen Castlevania-Spielen. Selbstverständlich sind diese Inhalte rein digital und die Gewinner der Auktion sind nun zwar mehrere Tausend Euro ärmer, aber um ein digitales Eigentums-Zertifikat reicher. Für ca. 160.000 Dollar gingen die 14 NFT-Inhalte über den Auktionshammer. Leichter kann man kein Geld verdienen.

Konami

Konami holt sich leicht verdientes Geld mit Castlevania-NFT’s.

 

Was bringt die Zukunft nun?

Nun könnte man sich denken: Naja ein reines NFT-Spiel würde diese Investoren-Spielerschaft ja von der bisher herkömmlichen Community trennen. Das ist grundsätzlich richtig. Aber die großen Publisher gehen dahin, wo sich das meiste Geld verdienen lässt. So wäre es nur eine Frage der Zeit bis auch Halo, Call of Duty, Spider-Man, GTA, Dark Souls oder Zelda Spiele spendiert bekommen, die auf NFT’s basieren. Eine Ko-Existenz ist nur schwierig vorstellbar, da die Risiken hier deutlich überwiegen. Szenarien in denen NFT-Farmer das Geschehen bestimmen, Bots massenhaft eingesetzt werden, Inhalte nur noch über Auktionen zu erwerben sind und Spiele in ihrem Kern darauf ausgelegt sind Geldanlagen zu sein, sind einfach traurig.

Gaming wäre kein Ort für Gaming-Fans, sondern für Investoren. Videospiele sind aber keine Börse. Gaming-Inhalte sind keine Aktien oder Krypto-Coins. Videospiele sind Kunst, Unterhaltung und virtueller Rückzugsort zugleich. NFT sollten darin keinen Platz finden. Denn wenn doch, dann könnte 2022 bereits das Medium Videospiel, wie wir es bisher kannten, für immer verändern.

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Geschrieben von Christian Koitka
The guy who loves videogames
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