Die Nintendo Switch OLED im Vergleich mit der Standard-Version

Seit dem 08. Oktober 2021 ist die Nintendo Switch OLED im Handel erhältlich. Schon im Vorfeld wurde hitzig über ein Pro-Modell diskutiert und dieses sogar sehnsüchtig erwartet. Nachdem das Standard-Modell bereits seit März 2017 auf dem Markt ist, folgt nun eine erste grobe Überarbeitung, ähnlich wie es bereits bei dem Nintendo 3DS der Fall war. Die OLED-Switch wurde hingegen von der Community nicht sonderlich gut aufgenommen. Doch was viele Leute immer wieder vergessen, für welche Zielgruppe das OLED-Display eine wahre Bereicherung darstellt – zumal der Preis der “neuen” Konsole entsprechend dem alten Modell übernommen wurde. Ich habe mir drei Stimmen zur Switch-Familie aus dem Team geholt und zeitgleich mehr als einen Monat das wichtigste Merkmal der OLED Switch ausgiebig getestet: den Handheldmodus.

 

Die OLED-Switch ist für jeden Handheldspieler ein Meisterwerk (Meinung von Tobias Liesenhoff)

Mit einem OLED-Modell habe ich wahrlich nicht gerechnet als Nintendo einige Neuigkeiten zur Nintendo Switch zu verkünden hatte. Doch je länger mein Blick auf die neue Variante fiel, desto klarer wurde mir, welche Zielgruppe hiermit erreicht werden soll. Ausgenommen ist hierbei mein Blick auf das Core-Gaming im Bezug auf meinen redaktionellen Alltag. Denn privat beschäftige ich mich mit dem Hybriden hauptsächlich im Handheldmodus auf der Couch oder unterwegs. Dabei war das Verlangen nach einem größeren, besseren Bild bei mir nie vorhanden. Über drei Jahre nach dem Launch der Konsole bin ich nämlich noch immer vom Konzept so frisch überrascht, dass selbst die Standard-Switch ein vollkommen ausreichendes Gefühl außerhalb des stationären Bildschirmes herzaubert. Doch gerade zur kalten Jahreszeit, wo man meist sowieso in den eigenen vier Wänden etwas macht, kommt das OLED-Modell auf den Markt: gleicher Preis wie vorher, größerer 7 Zoll-Bildschirm, klareres Bild dank OLED, LAN-Port in der TV-Station, ganzer Ständer an der Konsole zum Hinstellen und ein generelles Design-Update der Switch und TV-Station. Wer sagt dazu bitte nein?

Für jemanden wie mich, der hauptsächlich den Handheldmodus nutzt, kommt dieses Upgrade gerade recht. Schon nach wenigen Minuten der Einrichtung kam mir das alte Modell wie eines der ersten Smartphones von Samsung vor. Ohne Witz: das Display mit riesigem Rand, der schwache dünne Ständer der Konsole und sogar die TV-Station wirken im Vergleich wie ein Prototype. Es ist schon komisch, dass man sich innerhalb von wenigen Minuten an etwas “banalem” neuen gewöhnen kann. Dennoch muss ich eine Sache auch ganz klar in den Fokus stellen: die Konsolenleistung wurde dabei nicht verändert. Lief ein Spiel auf der “alten” Switch gerade so bei 30 FPS, läuft es auf der OLED-Version ebenfalls nur bei 30 FPS. Hier hätte die Apple-Strategie der Käuferschaft wahrscheinlich besser getan. Ein Update des alten Modells mit besserem Bildschirm & Prozessor wäre die deutlich schönere Variante gewesen – auch wenn der Leistungsanstieg nur eine stabilere Framerate bei bisherigen Spielen ausgelöst hätte. Aber Nintendo entschied sich dazu, die alte Nintendo 3DS-Strategie zu fahren und nur das Grundgerüst etwas zu stabilisieren. Für mich vollkommen nachvollziehbar, da gerade erst im letzten Jahr der 3DS offiziell verabschiedet wurde. Nutzer des alten Handhelds sind erstens von Nintendo nichts anderes als Geräteupdates gewohnt und zweitens schuldet Nintendo allen Umsteigern eine aktualisierte Version ihrer erfolgreichen Hybridkonsole. Nur so lässt sich für die Japaner sicherstellen, dass auch alle “alten Hasen” auf die moderne Hardware umsteigen und fleißig weiterzocken – sowohl jung als auch alt.

 

Nein, wir brauchen kein OLED- und kein Pro-Modell! (Meinung von Christian Koitka)

Wer hat ernsthaft nach einem OLED-Modell gerufen? Ich kenne niemanden. Tatsächlich stand bisher immer nur eine Pro-Version im Raum. Denn wenn man sich die Problematik der Hybrid-Konsole anschaut, dann stößt man hier glücklicherweise auf wenig Raum für Kritik. Sie ist handlich, portabel, stationär geeignet, hat viele tolle Games und hat ein durchdachtes Controller-Konzept. Das einzige Problem, welches man tatsächlich seitens der Hardware immer wieder hört und auch am eigenen Leib erfährt, ist die Leistung! Nicht selten schmälern eine schwammige Auflösung oder ruckelnde Framerates das Spielerlebnis (Hyrule Warriors lässt grüßen). Auch sehen Ports nicht immer allzu schmackhaft aus, siehe Witcher 3. Löst die OLED das Problem? Nein, sie löst im Grunde gar kein Problem, sondern ist im Prinzip nur ein Nice-to-Have. Und wie war das jetzt mit der Pro? Zumindest offiziell existiert sie ja gar nicht, die Hülle und Fülle an mehr oder weniger eindeutigen Gerüchten ist aber erdrückend. Und wenn man Zelda und Konsolen-Releases zusammenzählt, dann dürften wir zum kommenden Link-Abenteuer sicherlich eine neue Switch-Variante zu sehen bekommen.

Warum brauchen wir aber das vielfach geforderte Pro-Modell nicht? In erster Linie, braucht Nintendo es nicht! Die normale Variante verkauft sich wie geschnitten Brot, also warum Konkurrenz ins eigene Haus schaffen? Um PS5 und Xbox Series zu ärgern? Nein, das würde nur funktionieren, wenn man all die Spiele portieren könnte, die bislang auf der “normalen” Switch nicht liefen. Eine Pro würde damit keine Markterweiterung bringen, sondern die Spiele besser zum Laufen bringen, die jetzt schon stottern. Aber macht das 2022 noch Sinn, 5 Jahre nach Release? Ich sage “Nein!”. Hängen wir lieber nochmal ein Jahr dran und freuen uns dann lieber auf eine Switch 2. Eine abwärtskompatible Konsole, die unsere bisherige Switch-Bibliothek umfasst und dazu offen für die Next-Gen-Produktionen ist, die bislang für Xbox und PS5 angedacht waren. Hier geht es darum, technisch den Anschluss nicht zu verlieren. Ein Zwischenschritt in Richtung Pro ist damit überflüssig, insbesondere wenn wir uns die Verknappung der Ressourcen durch die Corona-Pandemie vor Augen halten.

 

OLED, nein danke! Pro, ja bitte! (Meinung von Lukas Hesselmann)

Als die Nintendo Switch Anno 2017 auf den Markt kam, war ich begeistert. Früher hatte ich schon großen Spaß mit meiner PSP und der Vita – und das ganze jetzt als Kombi mit einer stationären Konsole – ich bin dabei! Bis heute besitze ich keine Switch und sage mir immer wieder: Bald ist es soweit, dann holst du dir die Switch. Spätestens wenn dann die Pro kommt. Nun ja, mittlerweile wissen wir, dass diese im Internet gerüchtete Pro-Version vermutlich einfach nur eine OLED-Version sein dürfte. Und da bin ich raus. Schon bei der PlayStation 4 oder Xbox One war ich ein Fan der “Pro”-Versionen, einfach um die bestmögliche Version der Konsole zu besitzen. Doch während die Upgrades bei der Sony und Microsoft-Konkurrenz noch wirklich spürbare Verbesserungen mich sich brachten, lässt Nintendo wieder einiges an Potenzial liegen.

Das fängt bei der Technik an und spannt sich bis zum Preis. Natürlich ist es nett, dass die normale Switch bald etwas günstiger im Handel verkauft wird, aber warum bringt man nicht eine neue, bessere Switch raus, die dann meinetwegen 150 Euro mehr kostet und dann aber auch entsprechend deutlich mehr leistet? Der aktuelle Kurs fühlt sich wie nichts Halbes und nichts Ganzes an. Für eine neue Switch ändert sich technisch einfach zu wenig abseits vom Bildschirm.

Eine deutlich stärkere Pro-Version der Switch wäre für mich ein Blindkauf gewesen. Schnellere, leistungsstärkere Technik gepaart mit dem coolen Grundkonzept der Konsole sind genau das, was ich mir von Anfang an gewünscht habe. Dass man technisch dann immer noch keine Konkurrenz für Xbox und PlayStation wäre, ist klar. Wie mein Kollege Christian schon sagt: Ohne die passenden exklusiven Spiele brauchen wir theoretisch keine Switch Pro. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass Nintendo eine Pro-Variante an den Markt bringt, die technisch zumindest an der Konkurrenz kratzt und nicht völlig abgeschlagen hinterher hängt. Aber sehen wir das positive an der OLED-Version: Die normale Switch fällt nun im Preis und so können Leute wie ich, die einen Kauf bisher immer aufgeschoben haben, endlich zum Tiefstpreis zuschlagen. Aktuell heißt es bei mir einmal mehr: “Bald ist es soweit, dann kaufe ich mir eine Switch!” Ich bin zuversichtlich, dass es 2021 noch soweit sein wird, nur dann eben in der Standard- und nicht in der Pro-Version.

 

Die OLED-Switch ist typisch Nintendo. (Meinung von Fabian Konschu)

Seien wir mal ehrlich: Mit der OLED-Switch geht Nintendo den gleichen Weg wie bisher. Zahlreiche recycelte Wii U-Spiele für die Switch. Ein völlig überteuertes Erweiterungspaket für die Online-Mitgliedschaft. Und jetzt eben eine fast fünf Jahre alte Konsole ohne Performance-Upgrade. Das eigentliche Problem an der ganzen Sache: Die Leute kaufen es trotzdem.

Ich persönlich sehe in der Nintendo Switch OLED keinen Sinn. Der Bildschirm ist größer – wow. Was ist noch neu? Ein verbesserter Ständer. Der war schon lange überfällig. Der interne Speicher wurde auf 64 Gigabyte erweitert. Also ich komme bisher mit den 32 Gigabyte auf meiner Switch aus. Viel wichtiger wären doch endlich ruckelfreie Spiele! In dieser Hinsicht hat sich bei der OLED aber nichts getan. Trotzdem werden 350 Euro dafür verlangt. Eigentlich schon eine Frechheit.

Für eine Nintendo Switch Pro ist es meiner Meinung nach jetzt zu spät. Ich habe mir meine Switch erst 2019 gekauft, als Fire Emblem Three Houses erschienen ist – also zwei Jahre nach der Veröffentlichung der Konsole. Wäre eine Pro-Version zu diesem Zeitpunkt erschienen, hätte ich sofort zugeschlagen, aber nicht nach fast fünf Jahren. Der perfekte Zeitpunkt für die Pro ist bereits verstrichen. Realistisch ist es ebenfalls nicht. Da nun die OLED auf dem Markt ist, wird Nintendo einen Teufel tun und in der nächsten Zeit eine Switch Pro ankündigen. Ich finde, es ist Zeit für einen Generationswechsel. Vielleicht ja 2023?

 

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.
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