Danganronpa – Ein Jahrzehnt voll mörderischer Spielchen und Teenage-Dramen

Den schizophren Roboter-Bären mit dem zweifarbigen Fell und der knuffigen Anmutung dürfte jeder/jede geneigte Videospieler/In schon mal zu Gesicht bekommen haben – kein Wunder, denn der Teddy ist Maskottchen und Antagonist in der zum Kult gewordenen Videospielserie Danganronpa. Das japanische Franchise fasst nicht nur mittlerweile über neun Spiele, sondern feierte im letzten Jahr auch bereits sein 10-jähriges Bestehen. Passend zu den großen Jubiläumsfeierlichkeiten werfen wir einen Blick auf die Historie der obskuren Videospielreihe.

Der Schein trügt

Unter dem Titel Danganronpa: Trigger Happy Havoc veröffentlichte Entwickler und Publisher Spike Chunsoft im Jahr 2010 eine Mystery Visual Novel im niedlichen Anime-Look, dessen Inhalt allerdings alles andere als kindgerecht war: Als Schüler der Elite-Highschool Hope’s Peak Academy werdet ihr urplötzlich in das tödliche Spiel des Spielmachers Monokuma geworfen. Die Regeln sind so brutal wie einfach – die SchülerInnen müssen einen der ihren still und heimlich ermorden, um zu überleben. In einem anschließenden Untersuchungsverfahren muss die Klassengemeinschaft dann den Mörder richtig identifizieren. Das Ergebnis: Nur derjenige, der den Argumentationen der anderen geschickt genug entgegentreten kann und sein Pokerface beibehält, kann am Ende als Sieger hervorgehen und lebend aus der Todesfalle entkommen.

Danganronpa schockierte seiner Zeit mit seinem für Animeverhältnisse hohen Gewaltgrades und der expliziten Darstellung. Rein spielerisch stellte das Drama eine ausgewogene Mischung aus Visual Novel, klassischem Detektiv-Adventure und Dating-Sim dar. Als SpielerIn war es möglich sich des Tages frei durch die Schule zu bewegen, mit seinen MitschülerInnen zu interagieren und mehr über ihre Hintergründe zu erfahren. Am Nachmittag fand jeweils ein Mord statt, dessen Puzzleteile es richtig zusammensetzen galt. Erst am Ende des Tages musste schließlich in einem Verfahren a la Phoenix Wright der Schuldige bestimmt werden.

Innerhalb des Gameplay-Loops gilt einen jeden Mord aufzuklären und den Täter in einem Verfahren zu überführen.

 

Alle guten Dinge sind drei

Schon gut zwei Jahre nach seinem Japan Debüt ging das fragwürdige Todesspiel in die zweite Runde: 2012 erblickt Danganronpa 2: Goodbye Despair das Licht der Welt. Dieses Mal verschlägt es euch als Hajime Hinata und seine MitschülerInnen auf eine verlassene Insel, auf der das trügerische Spiel von Monokuma erneut beginnt. Neu war aber nicht nur die Wahl der ProtagonistInnen auch auf Seite der Antagonisten gesellte sich ein neues Gesicht hinzu: Mit Monomi bekam der biestige Teddy Monokuma einen Plüschhasen an seine Seite gestellt, der nicht minder skrupellos ans Werk ging.

Das perfide Tötungsspiel der beiden Roboter sorgte dieser Zeiten aber nicht nur in Japan für großes Aufsehen. Obwohl Spike Chunsoft die Tonalität und Optik des Spiels stark auf den japanischen Markt ausgerichtet hatte, zeigten sich immer mehr westliche SpielerInnen begeistert vom Anime-Adventure. Gut vier Jahre nachdem der Titel in Fernost exklusiv für die PlayStation Portable veröffentlicht wurde, kamen auch Fans aus westlichen Gefilden in den Genuss des ungewöhnlichen Genre-Mixes. In den darauffolgenden Jahren folgten eine PC-Version sowie mehrere aufgebohrte Fassungen für Mobile Endgeräte, PlayStation 4 sowie Vita. Zudem konnten Fans die Lore auch medienübergreifend vertiefen: Nebst mehreren Light-Novel-Bänden erblickten Mangas, Anime-Serien und sogar ein Theaterstück das Licht der Welt. Danganronpa war damit fest im Videospiel-Kosmos angekommen und für den Publisher ein weltweiter Überraschungserfolg. Mit über 5 Millionen verkaufter Einheiten konnte die Serie einen beachtlichen Meilenstein setzen.

Trotz der großen Nachfrage und des Hypes, den die Community um die Spiele schürte, dauerte es bis ins Jahr 2017 bis ein dritter Teil die Hauptreihe endgültig abschließen sollte. Unter dem Titel Danganronpa V3: Killing Harmony wurde der Spielende abermals in die dystopische Welt von Monokuma entführt – dieses Mal sogar direkt auf PlayStation 4, Playstation Vita und PC. Erneut setze man auf einen frischen Cast und das altbewährte System: Die SchülerInnen waren einmal mehr in ihrer Schule eingeschlossen und mussten nichtsahnend den Regeln des Roboters Folge leisten. Inhaltlich sollte sich das Sequel ganz bewusst von seinen beiden Vorgängern abgrenzen und bietet daher nicht nur einen frischen Cast mit brandneuer Storyline, auch unser schizophrener Bärenfreund spielt eine lediglich untergeordnete Rolle. Trotz einiger Änderungen in Form und Gameplay konnte der Abschluss der Trilogie Fans und Kritiker gleichermaßen überzeugen. Die dramatische Visual Novel legte den besten Start eines Serienteils bis dato hin und konnte bis Ende des Jahres sogar satte 194,300 Kopien allein in Japan verkaufen.

Pünktlich zum 10. Geburtstag der Reihe lässt Spike Chunsoft die Reihe nun nochmals aufleben. Unter dem Titel Danganronpa Decadence veröffentlicht die Spieleschmiede schon am 3. Dezember eine Spielesammlung mit allen drei Hauptteilen und bringt die Kult-Triologie somit erstmals auch auf die Nintendo Switch. Als besonderes Goodie liegt der Collection zudem das Bonusspiel Danganronpa S: Ultimate Summer Camp bei, das eine erweiterte Version des ursprünglichen Minispiels aus Danganronpa V3 darstellt.

Insbesondere beim Charakterdesign hat sich das Entwicklerteam große Mühe gegeben: Jeder Charakter hat seine ganz eigene Hintergrundgeschichte, Motivation und Persönlichkeit.

 

Aller Anfang ist schwer

Danganronpa ist ohne Frage eine der populärsten Visual Novels in westlichen Gefilden und erfreut sich hierzulande großer Beliebtheit – doch das war längst nicht immer so. Gerade hinter den Kulissen hatte die Reihe mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen und war nicht für alle Beteiligten von Beginn an ein vielversprechender Kandidat im damals überlaufenen Genre:

Wir schreiben das Jahr 2007. Writer und Autor Kodaka Kazutaka arbeitete in diesem Tagen an einem Konzept namens “Distrust”, das dem uns heute bekannten Danganronpa bereits in vielen Punkten ähneln sollte. Genau wie im späteren Spiel drehte sich sein Frühwerk um eine Art tödliches Battle Royale, in dem 15 Teenager auf brutalste Art um ihr Überleben kämpfen mussten. Nachdem Kodaka die Idee jedoch Spike Chunsoft vorlag, zeigten die sich zunächst nur wenig begeistert. Zu explizit und grausam sei die Geschichte, die sich weder gut umsetzen noch verkaufen lasse. Kodaka schrieb das Konzept daraufhin kurzerhand um und schwächte sensible Stellen deutlich ab – das Skript zu Danganronpa entstand. Inspirationen erhielt der heute 43-Jährige während seiner Schreibarbeit unter anderem von David Lynch, dessen Werke seiner Meinung nach einen sehr ähnlichen Weg gingen.

“As opposed to being about death, these are games about playing for your life, since killing is much less purposeful without a motive to justify it. This is something you can really see with all his titles.”

Darüber hinaus hatten auch der kultige Horrorfilm Saw oder das Sega Dreamcast-Spiel Illbleed maßgeblichen Einfluss auf die Geschichte hinter Danganronpa. Es bildete sich nun also ein Team rund um das künftige Spiel, das gemeinsam an der weiteren Ausarbeitung des Titels arbeiten soltel. An Kodakas Seite traten unter anderem der fähige Producer Yoshinori Terasawa und der Grafiker Rie Komatsuzaki. Letzterer war nicht nur maßgeblich für die Charakterdesigns der SchülerInnen verantwortlich, sondern erschuf gleichsam den bis heute ikonischen Begriff “Danganronpa”: Der Titel ist dabei ein Kofferwort und setzt sich aus den Namen dangan für Kugel und ronpa für widerlegen/entkräften zusammen. Das Wort spielt auf den Gameplayloop an, in dem ihr die Anschuldigungen eurer MitschülerInnen in ausgedehnten Gerichtsverfahren mit Beweisen und intelligenten Schlussfolgerungen entkräften müsst.

Danganronpa überzeugt durch einen spielerischen Genre-Mix aus Adventure, Visual Novel und sogar Dating-Sim.

 

Mehr als nur ein One-Shot

Danganronpa sollte in seiner frühen Entwicklungsphase ursprünglich ein reines Visual-Novel-Abenteuer werden, das die Geschichte deutlich in den Vordergrund stellt. Erst im weiteren Verlauf der Arbeiten entschied man sich dann dazu dem Spiel weitere Mechaniken und Features mitzugeben. Einfache Visual Novels verloren nämlich zunehmend an Popularität beim japanischen Publikum und so ergänzte man neue Action-Elemente, kleinere Minispielchen oder die Trials am Ende eines jeden Tages.

Nachdem Danganronpa dann 2010 endlich auf den Markt kam und bei SpielerInnen in Fernost einen kleinen Hype auslöste, war an eine Fortsetzung noch gar nicht zu denken. Danganronpa war als alleinstehender Titel geplant, das Entwicklerteam teilte sich kurzerhand auf um an anderen Projekten mitzuwirken. Kodaka ließ das Thema jedoch nicht los und er entschied sich an einer Light Novel namens Danganronpa Zero zu weiterzuarbeiten. Er wollte der Geschichte des Videospiels mehr Substanz geben und verfasste ein Prequel in Textform. Dies traf nicht nur auf Anklang bei seinen KollegInnen, auch Spike Chunsoft war begeistert und gab offiziell einen zweiten Teil in Auftrag. Es folgte ein regelrechter Hype auf das Franchise und massig Spin-Offs auf den verschiedensten Plattformen, darunter sogar Free2Play- und VR-Games.

Ein Dritter und letzter Teil wurde schließlich mit einigem Abstand und nach Re-Release in der westlichen Welt ebenfalls umgesetzt. Für Kodaka selbst war der Abschluss der Trilogie aus heutiger Sicht die wohl größte Herausforderung: Noch während der laufenden Produktion arbeitete er an der Anime-Serie Danganronpa 3: The End of Hope’s Peak High School, die ihn ebenfalls eine Menge abverlangte. Kurz nach Fertigstellung beider Projekte kündigte er zudem an sich eine Auszeit vom Franchise nehmen zu wollen. Ob er Zeit seines Lebens nochmal in die grausame Welt von Danganronpa zurückkehren wird, ist ungewiss.

Danganronpa Decadence Collector's Edition
  • In Danganronpa 1, 2 und V3 musst du und deine Klassenkameraden an einem Tötungsspiel teilnehmen
  • Die einzige Möglichkeit zu überleben besteht darin, den Mörder während des Klassentests korrekt zu identifizieren und der letzte zu sein, der übrigbleibt!
  • Jedes Spiel enthält eine Galeriefunktion, mit der du Ereignisillustrationen und Szenen anzeigen und gesprochene Dialoge anhören kannst!
  • Enthält Danganronpa S: Ultimate Summer Camp, den Titel zum 10. Jubiläum, der eine erweiterte Version der Bonusinhalte des Ultimativen Talententwicklungsplans von Danganronpa V3 ist!
  • Enthält ein exklusives 18 x 24 Zoll großes Stoffposter mit Originalkunst von Rui Komatsuzaki, einen 10-Track-OST-Remix von Masafumi Takada, 3 Lentikulardrucke und eine maßgefertigte Umverpackung aus Metall.

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Geschrieben von Yvonne Engelhardt
findet irgendwann alle 7 Dragonballs.
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